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Monsieur

Zegna-Kreativchef Alessandro Sartori im Interview

Mit viel Feingefühl hat Zegna-Kreativchef Alessandro Sartori den klassischen Anzug für eine junge Generation entstaubt

Designer Alessandro Sartori steht zwischen Models nach einer Modenschau, der Hintergrund leuchtet blau, er trägt einen Anzug
Der 52-jährige Kreativchef Alessandro Sartori lebt in Mailand Getty Images

Wenn man das Sartoriale bereits im Namen stehen hat, ist das Schicksal eigentlich vorherbestimmt. Damit nicht genug: Alessandro Sartori kam auch noch in Biella, der Wiege der besten Webereien Italiens, zur Welt. So war die Berufung zur Schneiderkunst nahezu unausweichlich. Zunächst studierte der heute 52-Jährige Textiltechnik und Modedesign in Biella und Mailand, anschließend stellte er im Hause Ermenegildo Zegna sein Talent unter Beweis, unter anderem verantwortete er ab 2003 die Zweitlinie Z Zegna. 2011 wechselte er zum LVMH-Konzern als Artistic Director von Berluti, feierte 2017 aber seine Rückkehr zu Zegna, wo er nun für alle Marken der Gruppe verantwortlich ist. Wir treffen den charmanten Italiener im Mailänder Headquarter, wo wir uns bei Espresso und Croissants über stolzierende Männer, Stilikonen und ganz persönliche Styling-Rituale unterhalten.

Monsiǝur: Herr Sartori, Sie haben auf dem Runway keinen einzigen Anzug in seiner klassischen Definition gezeigt – ziemlich mutig für Zegna, der Anzugmarke schlechthin.

Alessandro Sartori: Wir glauben an das Konzept des Broken Suits. In den letzten Jahren wurde das Sakko außerdem zunehmend durch die Bomber oder Military- Jacke ersetzt. Ein neuer Zweiteiler, der gut als Uniform, aber genauso einzeln als Jacke oder Hose funktioniert. Es ist nicht mehr der klassische Anzug vom Vater oder Großvater.

Monsiǝur: Wie modernisieren Sie die Zegna-Codes?

Alessandro Sartori: Primär über die neuen Materialien. Der Schnitt kann modern sein, sobald Sie traditionelle Herrenstoffe wie Flanell oder Tweed verwenden, besteht die Gefahr, dass es antiquiert aussieht. Da hat man schnell Bilder von früheren Stilikonen wie Cary Grant oder Paul Newman im Kopf. Aber es macht keinen Sinn, sie zu zitieren. Selbst Männer, die mit der Anzugpflicht aufgewachsen sind, wollen ihn heute anders tragen. Man muss Stoffe und Silhouetten für das Hier und Jetzt designen.

„Männer haben keine Angst mehr vor Farben. Sie wollen sich schmücken, sich begehrenswert fühlen.“
Alessandro Sartori

Monsiǝur: Gehört der Power Suit auch der Vergangenheit an?

Alessandro Sartori: Das Verständnis vom Anzug als starke Rüstung ist überholt – die betonte Schulterpartie war vor 15 Jahren vielleicht noch zeitgemäß. Heute sieht man sie nur noch auf der Pitti Uomo in Florenz, wo Männer wie Pfauen herumstolzieren. Gleichzeitig ist das Medieninteresse an dieser Veranstaltung groß. Sie zeigt die neue Modelust der Männer. Sie haben keine Angst mehr vor Farben. Sie möchten sich schmücken, sich begehrenswert fühlen.

Monsiǝur: Dazu gehört aber auch zunehmend das Thema Nachhaltigkeit: Luxus wurde früher mit Dekadenz assoziiert, heute fragt der Kunde vermehrt nach den Produktionsbedingungen.

Alessandro Sartori: Als Marke können Sie sich die schönsten Geschichten ausdenken, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Aber was am Ende zählt, ist der Lebenszyklus des Produkts. Der respektvolle Umgang mit Ressourcen. So können wir unsere Stoffe in den buntesten Farben färben, ohne Chemikalien verwenden zu müssen. Und wir möchten noch verantwortungsbewusster arbeiten: In unserer kommenden Kollektion haben wir ein Viertel der Stoffe aus alten Restbeständen recycelt.

Monsiǝur: Sie sind zwischen Stoff ballen und Nähmaschine im Schneideratelier Ihrer Mutter in Biella aufgewachsen. Wann haben Sie sich an Ihren ersten Anzug herangetraut?

Alessandro Sartori: Meine Eltern haben mich jeden Sonntag nach Mailand zum Spazierengehen auf der Via Monte Napoleone mitgenommen. Ich weiß noch, wie ich mit 14 Jahren im Schaufenster bei Giorgio Armani einen doppelreihigen Anzug entdeckte. Kaum wieder zu Hause, wollte ich ihn unbedingt selbst nachschneidern. Meine Mutter besorgte die Stoffe, und ich machte mich – ohne jegliches Training und ohne Hilfe – an die Arbeit. Das Ergebnis war überschaubar, um ehrlich zu sein. Jahre später kaufte ich mir dann doch das Original.

Monsiǝur: Wie halten Sie es heute mit Ihren täglichen Styling-Ritualen?

Alessandro Sartori: Jeden Morgen nehme ich mir die Zeit und entscheide mich bewusst für ein Kleidungsstück, um das herum ich meinen Look aufbaue. Meistens fängt es mit der Hose an. Denn es gibt einen Unterschied zwischen stilvoller Kleidung und bloßer Verhüllung.

Dieser Artikel stammt von Konstantin Spachis und ist erstmalig in der Ausgabe Monsieur erschienen, die dem Madame-Heft 04/2019 beiliegt

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