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Beauty

Wie schädlich sind Parabene und Co.?

Der Wunsch nach Natürlichkeit wächst auch in Sachen Beauty. Herkömmliche Kosmetik und deren Inhaltsstoffe geraten dabei immer häufiger in die Diskussion. Doch wie schädlich sind Parabene und Co. wirklich?

Welche Inhaltsstoffe von Kosmetik sind schädlich, wie schädlich sind Parabene und Co
Wir zeigen Ihnen, ob Parabene und Co. wirklich schädlich sind iStock

Sind Parabene und Co. wirklich schädlich?

Heute punkten Beauty-Produkte vor allem mit dem, was sie nicht enthalten. Kaum ein Tiegel, auf dem keine „Ohne“-Deklaration prangt. Einige Inhaltsstoffe stehen besonders in der Kritik. Ganz oben auf der Black List: Parabene, Sulfate und Weichmacher. Dabei sagt Dr. Timo Ulrichs, staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker und Sicherheitsbewerter bei Dermatest: „Stoffe, die hierzulande in Kosmetika enthalten sind, dürfen gar nicht gesundheitsschädlich sein. Das ist durch die EU-Kosmetikverordnung geregelt.“ Woran es dennoch liegt, dass der Wunsch der Verbraucher nach möglichst „cleaner“ Kosmetik steigt?

Ein Grund könnten Medienberichte sein, die immer wieder Zweifel an der Unbedenklichkeit bestimmter Substanzen aufkommen lassen. „Ganz unbegründet sind die nicht. Einige der Stoffe können die Hautschutzbarriere stören“, erklärt Dermatologe Dr. Hans-Ulrich Voigt aus München. Aber: Fachwissen werde oft vereinfacht dargestellt und dadurch verfremdet. Dr. Ulrichs rät: „Überprüfen Sie die sogenannte INCI-Liste, und vergewissern Sie sich auf der frei zugänglichen CosIng-Datenbank der Europäischen Kommission im Internet.“ Wir haben die gängigsten Inhaltsstoffe unter die Lupe genommen.

1. Parabene

Erkennbar als: unter anderem Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben und deren Salze (z. B. Sodium Methylparaben).

Was sind sie? Konservierungsmittel, die Produkte, wie etwa Hautcremes und Duschgel, länger haltbar machen.

Wie sicher sind sie? Sehr sicher, befindet Dr. Timo Ulrichs. „Alle noch zugelassenen Parabene sind sehr gut erforscht und in bestimmten Konzentrationen unschädlich“, sagt der Experte. Verschiedene Tierversuche ließen vor einer Weile eine hormonähnliche Wirkung mancher Parabene vermuten. Das wissenschaftliche Gremium der EU hat diese daraufhin 2013 neu bewertet und die betroffenen Parabene-Arten verboten. Die Skepsis bei den Verbrauchern allerdings blieb. Deshalb werden aktuell oft Konservierungsalternativen wie Methylisothiazolinon und Methylchloroisothiazolinon eingesetzt. „Was der Verbraucher allerdings nicht weiß: Im Gegensatz zu Parabenen, die sehr verträglich sind, lösen diese Stoffe oftmals allergische Reaktionen aus“, so Ulrichs.

2. Duftstoffe

Erkennbar als: unter anderem Limonene, Linalool, Benzyl Benzoate, Citral, Benzyl Alcohol.

Was sind sie? Wie der Name schon sagt: Stoffe, die lediglich der Beduftung von Kosmetika dienen.

Wie sicher sind sie? Bei einer robusten, gesunden Haut schaden sie nicht. „Allerdings gehören Duftstoff-Allergien zu den häufigsten Unverträglichkeiten bei Kosmetika“, weiß Dermatologe Dr. Hans-Ulrich Voigt. Seine Empfehlung: „Grundsätzlich sollte Duftstoffe soweit es geht meiden, da sie keinerlei Benefit hinsichtlich der Wirkung von Produkten haben.“ Das gelte nicht nur für künstliche, sondern auch für natürliche Duftstoffe. Ätherische Öle aus Rose oder Lavendel führen beispielsweise vor allem bei sensibler Haut zu Irritationen. Öle aus Bergamotte können bei Sonneneinstrahlung phototoxische Reaktionen auslösen

3. Sulfate/Tenside

Erkennbar als: unter anderem Sodium Lauryl Sulfat, Sodium Laureth Sulfat, Ammonium Lauryl Sulfat, Sodium Myreth Sulfat.

Was ist es? Stoffe, die vor allem in Reinigungsprodukten zum Einsatz kommen, da sie dank ihrer chemischen Eigenschaften Schmutz gut umschließen und von der Oberfläche abtragen können. Sie sorgen auch dafür, dass Produkte schäumen.

Wie sicher sind sie? Gesundheitlich unbedenklich, es kommt aber auf das richtige Maß an. Denn: „Bei häufiger Anwendung kann der natürliche Fettfilm der Haut abgetragen werden, was wiederum zu Reizungen führt“, erklärt Dr. Timo Ulrichs. Ein Verzicht ist möglich, da es sanftere Alternativen gibt: „Etwa Tenside auf Zuckerbasis wie Coco Glucoside oder Lauryl Glucoside. Die schäumen zwar weniger, reinigen aber genauso gut.“

Frau mit braunen Haaren und beigen T-Shirt kratzt sich am Arm
Wenn der natürliche Fettfilm der Haut abgetragen wurde, führt das zu Hautreizungen iStock

4. Mineralöle/Paraffine

Erkennbar als: unter anderem Hydrogenated Mineral Oil, Paraffinum Liquidum, Petrolatum.

Was ist es? Basen für Produkt-Formeln. Bedeutet: Sie dienen als Emulgatoren, die eigentlich nicht mischbare Komponenten wie Wasser und Öl zu einer stabilen, einheitlichen Masse machen.

Wie sicher sind sie? Das ist umstritten. In einigen Produkten, die auf Mineralöl basieren, wurden sogenannte MOAHs (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) gefunden. Diese gelten laut Bundesinstitut für Risikobewertung BfR als potenziell krebserregend. Allerdings seien die Mengen in Kosmetika sehr gering und daher unproblematisch. Dennoch gibt es Gründe, sie zu meiden: „Mineralische Öle sind komedogen, das heißt, sie können Mitesser und Akne begünstigen“, sagt Hautexperte Dr. Hans-Ulrich Voigt. Eingesetzt werden sie in Cremes & Co. deshalb so häufig, weil sie ein sehr günstiger und leicht herzustellender Rohstoff sind.

5. Silikone

Erkennbar als: unter anderem Dimethicone, Cyclopentasiloxane, Cyclomethicone, Amodimethicone, Polysiloxane.

Was ist es? Silikone machen Produkte geschmeidiger und begünstigen ein schnelles Einziehen. Außerdem hinterlassen sie ein angenehmes Tragegefühl und ebnen das Hautbild.

Wie sicher sind sie? Da Silikone lediglich auf der Haut liegen bleiben, sind sie völlig unschädlich. Aber: „Sie bilden einen Film wie eine Art Goretex-Mantel, der die Poren zwar glatter erscheinen lässt, sie aber auch verstopfen kann. Außerdem können dadurch Wirkstoffe aus Produkten die Haut nicht penetrieren“, sagt Dr. Hans-Ulrich Voigt. Bei Effekt-Produkten wie Primern hingegen sind Silikone zielführend. Der Umweltaspekt ist allerdings problematisch: „Silikone sind schwer abbaubar und reichern sich gegebenenfalls über das Abwasser in Sedimenten an. Letztendlich ist nicht genau geklärt, wie sie dort abgebaut werden und wie lange das dauert“, so Sicherheitsbewerter Ulrichs

6. Alkohole

Erkennbar als: unter anderem Alcohol, Ethylalcohol, Isopropyl Alcohol, Cetyl Alcohol, Stearyl Alcohol.

Was ist es? Ein Lösungsmittel, mit dem man beispielsweise ätherische Öle aus Pflanzen extrahieren kann, und das daher häufig in Parfums verwendet wird. Außerdem dient Alkohol in Cremes als Konservierungsmittel, um sie lange steril zu halten.

Wie sicher ist es? Unbedenklich. Alkohol könne zwar durch seine Eigenschaften als Lösungsmittel Fette aus der Haut lösen und diese so austrocknen. Vor allem bei fettiger oder von Akne geplagter Haut seien alkoholhaltige Gesichtswasser aber sogar empfehlenswert. „Menschen mit trockener Haut oder Neurodermitis lassen besser die Finger davon“, rät Dermatologe Voigt.

Frau mit weißem Tanktop und braunen Haaren hat einen Pickel im Gesicht
Alkohol kann bei fettiger Haut oder Akne helfen iStock

7. Weichmacher

Erkennbar als: unter anderem Diethylphthalat, Dimethylphthalat, Alcohol dentat.

Was ist es? Stoffe, die dafür sorgen, dass sich Cremes und Lacke besonders gut verteilen lassen.

Wie sicher sind sie? Mehreren Studien zufolge (u. a. der Weltgesundheitsorganisation WHO, des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR) können Weichmacher hormonell wirksam und gesundheitsgefährdend sein. Auch Dr. Timo Ulrichs sieht diese Stoffe kritisch: „Weichmacher, wie sie zum Beispiel auch in Spielzeugen und Bedarfsgegenständen missbräuchlich verwendet werden, sind zweifelsfrei gefährlich. Allerdings werden diese in der Kosmetik kaum oder nur in irrelevanten Dosen eingesetzt.“

8. Formaldehyd

Erkennbar als: Formaldeyhd, Methylene Glycol, Paraformaldehyd, Methylaldehyd, Oxomethan, Formylhydrat, Formalin.

Was ist es? Ein Konservierungs- und Desinfektionsmittel.

Wie sicher ist es? „Verschiedene Laborversuche lassen vermuten, dass Formaldehyd wahrscheinlich beim Menschen krebserregend ist. Deshalb ist seit Mai 2019 der Einsatz von reinem Formaldehyd als Konservierungsmittel bzw. in Nagelhärtern nicht mehr zulässig. Lediglich in bestimmten Konservierungsmitteln, die Formaldehyd abspalten, ist dieser Inhaltsstoff noch in geringen Dosen zugelassen“, so Sicherheitsbewerter Ulrichs. Neben fragwürdigen Auswirkungen auf die Gesundheit ist der Stoff aber in jedem Fall schlecht für die Haut: „Ich würde die Produkte meiden, da sie häufig allergische Reaktionen auslösen“, empfiehlt Hautarzt Dr. Voigt.

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 09/19 erschienen.

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