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Was Sie noch nicht über Armin Morbach wussten

Mit Kreativität und Mut zum Andersdenken eroberte Armin Morbach zunächst als Hairstylist die Welt, um dann als Fotokünstler für Furore zu sorgen

Armin Morbach im Interview
Der Haarstylist und Fotograf Armin Morbach im Interview über XX Getty Images

Im Gespräch mit Armin Morbach

"Nach über 30 Jahren in der Beauty-Branche habe ich genug Gesichter gesehen“, antwortet Armin Morbach, 47, auf die Frage, warum die Gesichter in seinem Fotoband „Irony“ bis zur Unkenntlichkeit verfremdet sind. „Es ist so einfach, ein bekanntes Model oder einer Celebrity mit tollen Haaren und einem perfekten Make-up abzulichten. Aber spannend wird es doch erst, wenn man sich als Betrachter fragt, warum steckt das Gesicht in einer Fetischmaske oder hat groteske Wangenknochen aus Silikon?“ Einem breiten Publikum wird der gebürtige Bayer als Juror bei „Germany’s Next Topmodel“ bekannt. Als Hair- und Makeup- Stylist hat er da schon mit den ganz Großen der Fotografenszene wie Mario Testino, Karl Lagerfeld und Annie Leibovitz gearbeitet.

Der eigene Griff zur Kamera ist dann eher dem Zufall geschuldet: Bei einem Mode-Shooting fällt der Fotograf aus, Morbach springt ein – und widmet sich ab da der Kamerakunst. Sein Fokus liegt auf Inszenierungen, die sich jenseits unseres gängigen Schönheitsideals befinden. „Auf Instagram lichtet sich jeder möglichst makellos ab, und beim Arzt wird gespritzt und gestrafft. Diesem Beauty-Wahn kann ich eigentlich nur noch mit Ironie begegnen“, so Morbach. Diese andere Sicht auf Schönheit kommt auch beim Betrachter an. So wurde seine erste Einzelausstellung in Hamburg dreimal verlängert, und viele seiner Werke sind Teil der F.C.-Gundlach-Stiftung, einer der renommiertesten Fotosammlungen Europas.

Welches aktuelle Thema nervt Sie?

Was Sie noch nicht über Armin Morbach wussten, verrät er im neuen MADAME-Fragebogen

MADAME: wann haben Sie Fahrradfahren gelernt?

Armin Morbach: Ich habe mit etwa drei Jahren von meinem Großvater das Radfahren gelernt.

MADAME: Wann haben Sie zuletzt etwas neues gelernt? Täglich! Sei es im Job oder auch privat. Zum Beispiel ein neues veganes Gericht oder wie man ein Möbelstück aufbaut oder eine Installation montiert. Lernen hört doch nie auf.

MADAME: Welches Buch hat Ihr Leben verändert?

Armin Morbach: Ich lese gar keine Bücher. Mit 13 Jahren habe ich angefangen, „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende zu lesen. Ehrlicherweise habe ich nur ein paar Seiten geschafft, denn das Buch hat mich so aufgewühlt und so beschäftigt, ich konnte mich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Dieser Zustand war so unangenehm, also habe ich das Lesen ganz sein lassen. Ich schaue mir aber sehr gerne Foto- und Kunstbücher an, natürlich auch Zeitschriften, aber keine Bücher.

MADAME: Welchen Film können Sie immer wiedersehen? Ganz klar „Pretty Woman“! Ich bin ein absoluter Romantiker, und diese Geschichte hat für mich alles, was es für eine ordentliche Portion Romantik braucht.

Pretty Woman mit Julia Roberts und Richard Gere
Armin Morbachs Lieblingsfilm ist "Pretty Woman" mit Richard Gere und Julia Roberts Getty Images

MADAME: Welcher Künstler beeindruckt Sie?

Armin Morbach: Das ist ganz eindeutig F.C. Gundlach. Er ist ein sehr großes Vorbild für mich und war in früheren Zeiten auch mein Mentor. Warum? Er hat es vom normalen Modefotografen zu einem wirklich anerkannten Fotokünstler geschafft. Davor ziehe ich meinen Hut. Außerdem sind seine Bilder so ausdrucksstark und auch zeitlos, ich schaue sie mir immer wieder gerne an.

MADAME: Ihr aktueller Favorit im Kleiderschrank?

Armin Morbach: Das sind mit Sicherheit meine schwarzen T-Shirts. Sie passen einfach immer. Zu jeder Jahreszeit, zu jeder Gelegenheit.

MADAME: Ihre beste Anschaffung?

Armin Morbach: Oh, das sind ganz klar meine drei Hunde. Ich habe sie aus Tötungsstationen in unterschiedlichen Ländern gerettet, und sie bereichern jeden Tag mein Leben!

MADAME: Haben Sie In Ihrem Zuhause einen Lieblingsplatz?

Armin Morbach: Lustigerweise ist das der unscheinbarste Ort in meinem Haus. Ein Stuhl, in einer Nische im Flur, keine besondere Aussicht und nicht besonders gemütlich. Aber ich sitze gerne da, führe Telefonate oder schaue auch einfach mal ins Nichts.

MADAME: In welchem Land außerhalb Ihrer Heimat Fühlen Sie sich geborgen?

Armin Morbach: Ich reise sehr viel und bin gerne in den Metropolen dieser Welt. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich wahnsinnig gerne in Deutschland bin. Ich komme ja ursprünglich aus Bayern, da fühle ich mich geborgen, dafür schlägt mein Herz. Und ich liebe es, in Hamburg zu leben, hier habe ich alles, was ich brauche.

„Mein Gedächtnis wird sehr oft gerühmt, ich merke mir einfach alles.“
Armin Morbach

MADAME: Was bedeutet Feminismus für Sie? und was Feminitätt?

Armin Morbach: Feminismus bedeutet ganz klar „‚MeToo“. Denn all das, was jungen Schauspielerinnen oder Models passiert ist oder noch passiert, war und ist genauso gang und gäbe in der Schwulenszene. Bei Femininität schmeiße ich mal den Begriff „Retro- Frauen“ in den Raum. Ich mag es, wenn Frauen weiblich und feminin sind. Wenn sie Kurven haben und diese auch betonen. Wenn sie Wert auf eine gute Frisur legen, sich schminken, rote Lippen haben. Ich gehe gerne mit Frauen aus, die sich für den Abend richtig schön machen und allen zeigen, was sie haben. Diese ganzen dünnen, gestrafften Gestalten braucht doch kein Mensch!

MADAME: Welche Ihrer Eigenschaften wird oft gerühmt und welche Macht Ihnen das leben schwer?

Armin Morbach: Mein Gedächtnis wird sehr oft gerühmt, ich merke mir einfach alles. Vielleicht, weil ich keine Bücher lese! (lacht) Was mir und anderen das Leben schwer macht, ist meine Pedanterie. Alles muss aufgeräumt sein, am richtigen Ort sein. Nichts darf herumfliegen, sonst werde ich nervös.

MADAME: Wen Fragen Sie um Rat?

Armin Morbach: Meistens meinen Freund, sehr oft auch mein Team, mit dem ich täglich zu tun habe. Bestimmen tue dann aber wieder ich.

„Ich habe aus allen Beziehungen gelernt. Jeder Idiot aus vergangenen Zeiten hat mich schlauer gemacht.“
Armin Morbach

MADAME: Welchen Rat würden Sie ihrem 18-Jährigen Ich geben?

Armin Morbach: Ich würde ihm raten, so schnell wie möglich mit der Karriere zu beginnen. In dem Alter denkt man ja immer, man hat noch so viel Zeit. Aber nur im Club auf der Box zu tanzen und mit jedem Mann zu schlafen bringt einen nicht wirklich weiter. Arbeite früh, arbeite hart und vor allem – sei nett zu deinem Umfeld.

MADAME: Verbringen Sie gern Zeit allein?

Armin Morbach: Das kann ich ganz klar mit Nein beantworten. Wenn es mal sein muss, dann maximal acht Stunden. Ich brauche keine Auszeiten von anderen, alleine wird es mir einfach langweilig.

MADAME: Haben Sie aus einer früheren Liebesbeziehung für die Nächste gelernt?

Armin Morbach: Unbedingt. Ich habe aus allen Beziehungen gelernt. Jeder Idiot aus vergangenen Zeiten hat mich schlauer gemacht. Mir gezeigt, was ich nicht mehr will!

MADAME: Wenn Sie vermuten, dass Sie Ihren Partner nicht durch und durch kennen: Macht Sie das unsicher, oder macht es Ihn für sie attraktIv?

Armin Morbach: Ich denke, ich kann von mir behaupten, ich habe eine sehr gute Menschenkenntnis. Ich habe schon viel erlebt und durchgemacht, dass mir keiner mehr etwas vormachen kann. Ich kenne meinen Partner einfach richtig gut.

MADAME: Halten Sie sich für einen guten Freund?

Armin Morbach: Sogar für einen sehr guten. Ich bin immer für meine Freunde da. Ich leihe ihnen mein Ohr, habe Platz an meinem Tisch, wenn nötig auch ein Bett. Ich gebe Ratschläge, wenn verlangt, und helfe, wo ich kann.

MADAME: Kochen oder essen gehen?

Armin Morbach: Lieber kochen. Da ich Veganer bin, gibt es nicht überall etwas Passendes für mich. Ins Restaurant zu gehen bedeutet dann Stress, und darauf habe ich keine Lust!

MADAME: Wenn Sie ein Fest oder Essen geben, worauf legen Sie den größten Wert?

Armin Morbach: Dass meine Gäste pünktlich sind und dann auch wieder gehen können. Also bitte nicht festhocken!

MADAME: Welche App erleichtert Ihren Alltag wirklIch?

Armin Morbach: Eine durch und durch praktische App, nämlich die der A7. Die sagt mir jeden Tag, welche Staus mich auf dem Weg ins Office erwarten und wie ich die dann umfahren kann.

MADAME: Welches aktuelle Thema nervt Sie?

Armin Morbach: Ganz spontan? Mesut Özil! Ich kann es nicht mehr hören. Gibt es nicht andere Themen? Kinder, die im Meer ertrinken, die Massentierhaltung usw. Wir machen die Welt kaputt und regen uns Woche um Woche über einen Fußballspieler auf.

MADAME: Über welche Erfindung würden Sie sich freuen?

Armin Morbach: Da hätte ich am liebsten aus dem Film „Men in Black“ das Blitzdings. Damit würde ich jeden knipsen, der noch meint, Fleisch essen zu müssen. Man vermisst wirklich gar nichts, wenn man darauf verzichtet!

MADAME: Was Machen Sie als erstes, wenn Sie abends nach hause kommen?

Armin Morbach: Eigentlich nichts Besonderes. Ich ziehe meine Schuhe aus und gehe in meinen Garten.

MADAME: Welcher Gedanke tröstet Sie, wenn Sie über den Tod nachdenken?

Armin Morbach: Dass alle den gleichen Weg beschreiten werden. Wie wir leben, ist uns überlassen, aber im Sterben sind wir alle gleich. Das beruhigt mich sehr.

MADAME: Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Armin Morbach: Ich glaube, dass ich mich in der Zeit, in der ich auf der Erde bin, ordentlich benehme. Dass ich keinem schade, weder Mensch noch Tier. Ich möchte höflich und freundlich sein und allen mit Respekt begegnen. Ich möchte die Natur, soweit es geht, schonen, rücksichtsvoll mit ihr umgehen. Wegen mir soll niemand sterben müssen! Wahrscheinlich bin ich aus diesen Gründen schon seit acht Jahren Veganer. Und den Honig, den ich ab und zu dann doch mal esse, stellt übrigens mein eigenes Bienenvolk her. Die leben auf meiner Dachterrasse und werden vorbildlich behandelt.

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 10/18 erschienen.

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