How to run: Tipps vom Ultraläufer Florian Neuschwander und Wakeboarder Felix Georgii

Wir haben Ultraläufer Florian Neuschwander und Wakeboard-Profi Felix Georgii beim Wings for life world run in München getroffen und u.a. nachgefragt, wie man sich bei 10.000 Läufern am besten auf den eigenen Lauf konzentrieren kann.

Strahlend blauer Himmel zum WFL World Run in München

Strahlend blauer Himmel zum WFL World Run in München

WFLWorld Run – Emotionen pur

Über 100.000 Teilnehmer, 66 verschiedene Länder, 6 Kontinente und insgesamt 934.484 Kilometer an zurückgelegter Strecke – das war der Wings for life world run 2018. Das Besondere: Jeder kann laufen, die Startgelder fließen zu 100% in die Rückenmarkforschung und man läuft mit dem Gedanken an alle, die es nicht können. Der Gegner: Das Catcher Car, das als Ziellinie von hinten die Läufer einholt.

Anita Gerhardter, CEO von Wings for Life erklärt die Idee dahinter: "Die Idee zum Wings for Life World Run kam ursprünglich von zwei Sport- und Eventspezialisten aus Österreich. Wir haben uns sehr gefreut, als sie uns das Konzept vorgestellt haben, da die Veranstaltung ein großartiger Weg ist, um Spenden zu sammeln und das Bewusstsein für diese Sache auf globaler Ebene zu schärfen."


Zwischen all den Menschen, Emotionen und der eigenen Aufregung stellt sich natürlich die Frage, wie man sich gewissermaßen von der Masse mitreißen lässt, ohne dabei den Fokus auf den eigenen Lauf zu verlieren. Florian Neuschwander ist Ultraläufer und hat bereits mehrere Rekorde und Erfolge auf dem Buckel. Felix Georgii hingegen hat mit Laufen nicht sehr viel am Hut, dafür steht er sehr erfolgreich mit beiden Beinen fest auf dem Wakeboard und ist bereits im letzten Jahr beim WFLWorld Run mitgelaufen.
 


Tipps vom Ultraläufer Florian Neuschwander
Redakteurin Nele Dörk mit Ultraläufer Florian Neuschwander

Redakteurin Nele Dörk mit Ultraläufer Florian Neuschwander


Unglaublich tiefenentspannt steht uns Florian Neuschwander an der Startlinie gegenüber, wo er bereits von mehreren Reportern umzingelt wird. Der 1,67 m große Ultraläufer lächelt neckisch und scheint keineswegs aufgeregt zu sein. „Nein“, antwortet er selbstsicher auf die Frage, ob er sich beim diesjährigen Wings for life world run ein Kilometer-Ziel gesetzt habe: „Ein kleines Minimalziel von 70 Kilometern und wenn es gut geht, dann ziehe ich durch und wenn nicht, dann laufe ich entspannt weiter – also wenn man es entspannt nennen kann.“ Die Bedeutung des Adjektivs „entspannen“ hat bei uns beiden definitiv eine unterschiedliche Bedeutung. Beim Wings for life world run 2017 in Mailand, hat der 36-Jährige nämlich ganze 83,49 Kilometer in 5 Stunden und 16 Minuten zurückgelegt, bevor ihn das Catcher Car eingeholt hat. Zum Vergleich: Ein gut trainierter Läufer kann einen Halbmarathon (21,1 km) in unter zwei Stunden zurücklegen. Bei dem Gedanken alleine, geht einem schon die Puste aus.

Wir möchten unbedingt wissen, wie er sich auf so einen Lauf vorbereitet, bei dem es quasi keine Ziellinie und somit keine Maximaldistanz gibt. Die letzten zehn Tage vor dem Wettkampf habe Florian immer einen Tag Lauftraining und einen Tag Pause gemacht, seine Distanz von knapp 250 Kilometern pro Woche reduziert er die Tage vorher um mehr als die Hälfte. Außerdem wichtig: Sehr viel trinken, vor allem bei wärmeren Temperaturen. Alle fünf Kilometer stellt sich Florian eine Trinkflasche bereit, die unter anderem mithilfe von Salz den Elektrolythaushalt aufrechterhält. Denn Krämpfe und müde Beine sind bei einem langen Lauf alles andere als vorteilhaft. Schließlich hat man vor einem Wettkampf schon genug mit der eigenen Aufregung und dem eigenen Druck zu kämpfen.
Florians Geheimtipp in Puncto Anfängerglück basiert auf der Gruppendynamik und der richtigen Geschwindigkeit: „Gut ist es, wenn man zu Beginn eine Gruppe hat, wo man mitlaufen kann. Viele machen den Fehler, dass sie zu schnell loslaufen. Das ist kein 10 Kilometer-Lauf, wo man Vollgas geben sollte. Ich laufe relativ konstant. Je weiter und schneller man rennen möchte, desto konstanter sollte die Geschwindigkeit sein.“  Mit dieser Antwort kontert er ordentlich gegen unseren  inneren Kampfgeist beim Laufen. Unsere Redakteurin meint: Die ersten zwei Kilometer alles geben, dann kann der Lauf nur gut werden. Florian Neuschwander grinst bei dieser Aussage. Nagut, wir lassen mich gerne eines Besseren belehren.

Florian Neuschwander sieht optisch genau so aus, wie man sich einen Profi-Läufer vorstellt: Schmal, sportlich schlank und dünne, aber kräftige Beine. Laufen hat nicht nur viel mit dem Kopf zu tun, sondern fordert auch viel körperliche Energie, sodass die Ernährung eine wichtige Rolle spielt – doch Florians Antwort überrascht als er unbeeindruckt erklärt, dass es heute früh Nutella und Toastbrot zum Frühstück gab. Eigentlich hatte er sich Erdnussbutter gewünscht, das Frühstücksbuffet im Hotel  konnte jedoch nur Schokocreme anbieten. Doch noch mehr Infos überraschen: Intervall-Training mache er nicht, nach Puls laufe er nicht und auch Alternativ-Training zur Ergänzung steht nicht im Programm.

Stattdessen steht nach dem langen Lauf von letztendlich 69,5 Kilometer selbstverständlich erstmal eine Pause an, allerdings auch nur für ein-zwei Tage. Währenddessen genießt der Ultraläufer Sauna-Gänge und Entspannung, bevor er sich wieder seine Laufschuhe schnürt und die nächsten Rekorde anpeilt.

Vom Wakeboard auf den Asphalt – Felix Georgii
Wakeboarder Felix Georgii

Wakeboarder Felix Georgii

Als Wakeboarder ist die Kondition einfach weniger relevant, die Muskelkraft steht an erster Stelle“, erklärt uns der 24-jährige Wakeboard-Profi, der sich auf den Brettern einfach besser aufgehoben fühlt. Sein persönlich größter Erfolg: Beim X-Games Real Wake Contest 2017 holte er sich Gold im Judge-Voting & Platz 2 im Fan-Voting. Im Interview hat uns Felix verraten, wie er persönlich zum Laufen steht und wie er sich vorbereitet hat.

Madame.de: Wie hast du dich auf den Lauf vorbereitet?

Felix Georgii: Ehrlich gesagt habe ich das so gar nicht. Theoretisch bin ich immer noch auf einem Produkt-Shooting und bin erst aus Amerika gekommen. Von daher werde ich auch langsam machen, möchte aber natürlich nicht aufgeben. Es werden keine zehn Kilometer wie im letzten Jahr, aber mal schauen. Die Wochen vor dem Lauf im letzten Jahr bin ich des Öfteren laufen gegangen.

Madame.de: Läufst du denn auch privat viel?

Felix Georgii: Ich laufe eher weniger. Als Wakeboarder ist die Kondition weniger relevant, es kommt vielmehr auf die Kraft an. Ich gehe lieber radeln, da es gelenkschonender ist.
 
 
Madame.de: Worauf fokussierst du dich als Wakeboarder?

Felix Georgii: Als Wakeboarder mache ich alles ein bisschen, arbeite allerdings viel mit Medien zusammen und produziere Videos. Da geht es eher in die Freeride-Richtung. Der Hauptfokus liegt auf der Content-Produktion.

 
Madame.de: Achtest du auf die Ernährung und hältst dich an einen Trainingsplan?

Felix Georgii: Auf jeden Fall! Es ist nicht mehr das Rockstarleben, wie man es früher kannte. Im Winter schalte ich meinen Kopf vom Wakeboarden ab und gehe ins Fitness-Studio und auch gerne Snowboarden. Auf die Ernährung achten ist auf jeden Fall wichtig, sodass ich Fastfood auch vermeide.
 
Madame.de: Hast du einen ultimativen Tipp für Lauf-Anfänger, die eventuell zum ersten Mal mitlaufen?

Felix Georgii: Das Coole ist, dass jeder mitlaufen kann. Man muss keinem etwas beweisen und der Push in der Menge ist unglaublich. Jeder, der Bedenken oder auch Muffensausen hat wird dies beim Startschuss verlieren.

Im letzten Jahr habe ich eine tolle Erfahrung gemacht. Ungefähr ab Kilometer sechs war ich schon recht fertig und habe mich kurz an die Seite gestellt. In diesem Moment kam eine Frau auf mich zu und meinte „Los, lauf weiter, du schaffst das!“ Dann ist Sie tatsächlich mit mir bis Kilometer zehn gelaufen und hat anschließend meine Startnummer genommen und ist noch bis Kilometer 14 gelaufen. Das war voll cool! Ich habe Sie motiviert obwohl Sie mich motiviert hatte. Das ist das Schöne an dieser Veranstaltung.


Übrigens: Weltweit wurden 934.484 Kilometer zurückgelegt und über drei Millionen Euro für die Wings for Life Stiftung gesammelt, die über Startgelder und Spenden zusammenkamen.