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Start-up-CEO Kaddie Rothe über die Gründerszene und Frauenpower im Job

MADAME.de sprach im Interview mit Kaddie Rothe über die Zukunft der Frau in der Berufswelt und welche Möglichkeiten hinter digitalem Networking stecken

Kaddie Rothe
Gründerin der Agentur "co-creagency" Kaddie Rothe PR

In der Businesswelt herrscht das bekannte Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Sie ist eine, die sich nicht nur über den Fakt beschwert, sondern auch etwas dagegen tut: Kaddie Rothe ist Gründerin der Agentur co-creagency. Zusammen mit ihrer Schwester und vielen anderen Frauen stellt sie Projekte auf die Beine, die starke Aussagen unterstützen und die Welt ein Stück weit gerechter machen sollen.

Interview mit Kaddie Rothe, CEO co-creagency

Sie haben 2019 zusammen mit Ihrer Schwester Helena die Agentur “co-creagency” gegründet. Was ist die Vision?

Die co-creagency ist ein neues Agenturkonzept für die Generation "Woke" - wir sind angetrieben von einem geteilten Zweck durch den wir Kreative zusammenbringen und Kampagnen sowie Bewegungen gestalten. Wir sind ein Kollektiv aus über 100 weiblichen Kreativen, die gemeinsam die patriarchalischen Strukturen der Industrie brechen wollen. Wir erfinden neue Arbeitsweisen und Wege zu kollaborieren - mit weniger Ellenbogen und mehr Herz.

Mit der co-creagency wollen wir herausfinden, wie Frauen wirklich Karriere machen wollen. Eine Agentur voller weiblicher Kreativdirektoren, die von Männern dominierte Branche gerade braucht. Dafür haben wir die archaische Kultur der Agentur durch eine Holakratie mit flache Hierarchien und autonome Teams ausgetauscht. Dieses System wird oft in großen Tech-Unternehmen angewendet, funktioniert aber umso besser für smarte Kreative, die hohe Ansprüche an ihre persönliche Weiterentwicklung haben. Das klingt alles ziemlich komplex, aber im Grunde sind wir einfach nur eine unheimlich kreative Girlgang, die den Status Quo in Frage stellt.

Welche Leute wollen Sie mit Ihren Projekten ansprechen?

Wir sind für unsere Projekte ein bisschen unsere eigene Zielgruppe: Millennial, GenZ, Digital Nomads, aber vor allem, die die Wert auf Werte legen. Unsere Kampagnen kommunizieren meist nicht das Produkt, sondern den Impact, den die Marke haben kann. Wir sind sehr oft politisch und machen uns stark für Gleichberechtigung. In der Zukunft wird es aber mehrere co-creagencies geben - mit unterschiedlichem Zweck, der die Kreativen zusammenbringt. Unsere zweite Community zum Beispiel heißt Brand New Love - da dreht sich alles um Love Empowerment. Wir wollen herausfinden welche Bedeutung Liebe und menschliche Beziehungen für unsere Generation hat - in dieser Community sind alle Geschlechter Willkommen.

Sie sind außerdem CEO von „goalgirls“ – ebenfalls zusammen mit Ihrer Schwester. Wie ergänzen Sie sich im Beruf und welche Eigenschaften braucht eine gut funktionierende Führungsspitze?

Die co-creagency ist so etwas wie die Extension von "goalgirls" - wir haben damals gemerkt, dass wir viel mehr Frauen bewegen wollen und haben kurzerhand beschlossen das Agenturkonzept einmal völlig auf den Kopf zu stellen. Ohne meine Schwester Helena wäre das alles gar nicht möglich. Außer unserer geteilten Vision und dem unermüdlichen Ehrgeiz, haben wir aber nichts gemeinsam.

Wir sind wie Ying und Yang - sie hat alles finanzielle und bürokratische unter Kontrolle und bringt mich immer wieder zurück auf den Boden. Wir sind als Gründer-Duo unzertrennlich und vereinen disruptive Ideen (ich) mit strategischer Umsetzung (Helena), mutige Schritte (ich) mit Risikomanagement (Helena) - und vor allem Social Impact mit Profit (wir beide). Wir arbeiten unermüdlich daran einander unsere Träume zu verwirklichen. Wir sind Schwestern, beste Freunde und Geschäftspartner - das ist kompliziert, aber auch gut so.

Sie sind Vorbild für viele Start-up-Gründer/innen: Haben Sie einen Tipp, der Ihnen selbst im Business hilft und den Sie jungen Start-ups mit auf den Weg geben wollen?

Ich mag das Wort "Vorbild" oder "Rolemodel" nicht so, weil es uns Frauen schon immer im Weg stand einander zu pushen. Denn es gibt meistens nur eine Frau im Board Room oder eine Julia im Schulstück "Romeo und Julia". Deshalb fahren wir oft die Ellenbogen aus und kämpfen um unsere Positionen, anstelle einander hochzuziehen. Mein erster Tipp deshalb: Wir sind alle als Kollektiv viel stärker und Gleichberechtigung in den Management-Positionen wird jedem Start-Up gut tun. Achten Sie auf Vielseitigkeit, wenn Sie Ihre Firma aufbauen! Ansonsten ist mein Lieblingstipp: Es gibt kein "zu früh oder zu spät", die Deadline oder sonst eine Form des Timings - es gibt keine "richtige Zeit" und man sollte lieber unperfekte Dinge tun, als Angst davor zu haben, anzufangen.

Wir goalgirls glauben daran, dass man gewagte und unvollkommene Schritte machen sollte, um seine Ziele zu erreichen. Es ist niemals die richtige Zeit und ein 5-Jahres-Plan ist total überbewertet. Einfach anfangen und sich daran erinnern, dass keine Entscheidung ultimativ ist. Vor allem wir Frauen neigen dazu immer alles perfekt ausgearbeitet und durchdacht haben zu wollen, bevor wir den ersten Schritt wagen. Goalgirls war zuerst ein Female-Empowerment-Blog, dann eine Event- und später eine Marketing Agentur. Nun sind wir so etwas wie eine Bewegung in der Kreativindustrie. Und wer weiß, wo sie uns noch hinführt.

Online-Networking - wie über Bumble Bizz - ist im digitalen Zeitalter wichtiger denn je. Welche Möglichkeiten nutzen Sie selbst am meisten, um sich mit anderen zu vernetzen und auszutauschen?

Tatsächlich benutzen wir Bumble Bizz oft zum Recruitment - unser Herz schlägt für Female Empowerment und man findet wirklich starke, kreative Frauen beim "Swipen". Ansonsten bin ich aber wirklich eher ein Offline-Typ. Ich bin kein großer Fan von Networking Events, weil ich der Meinung bin, man sollte sich ohne Intention kennenlernen. Oft habe ich das Gefühl man setzt dort die starke Karriere-Fassade auf und das finde ich ist Teil von altem patriarchalischem Verhaltens. Ich habe die tollsten Bekanntschaften in der Supermarktschlange gemacht oder in einer Bar, wenn man gar nicht erwartet, jemanden zu treffen, der Einfluss auf die Karriere haben könnte.

Inwieweit haben Sie mit der Nicht-Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen im Berufsalltag zu tun?

Mein Berufsalltag in "The Womb" - unserem Space am Alexanderplatz - ist täglich voller starker Frauen und da fällt es leicht zu vergessen, dass das nicht der Norm ist. Wir merken zum Beispiel in Pitches, dass zwar Frauen im Raum sitzen, die Entscheidungsmacht aber meist bei den Männern liegt. Es ist nach wie vor schwer für Frauen ins höhere Management zu rücken, weil die Arbeitsumstände besonders in der Kreativindustrie nicht unbedingt ideal für sie sind. Vor allem wenn man plant eine Familie zu haben - da werden die Wünsche von Frauen oft übergangen. Das ist schade, aber deswegen gibt es uns.

Sie saßen in der Jury des Bumble Bizz Grant, eine Initiative, die ein Stipendium an ein von Frauen gegründetes Unternehmen vergibt. Glauben Sie, dass wir auf dem richtigen Weg zu mehr Gleichstellung sind? Und wo gibt es noch Nachholbedarf?

Wir sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg und merken, dass die Frauenbewegung so viel Zugkraft hat. Immer mehr Männer schließen sich ihr an. Immer mehr Themen kommen in den Bundestag - wie zuletzt die Tampon-Steuer. Nachholbedarf sehe ich nach wie vor in der Gender Pay Gap und auch der Ermöglichung gleicher Chancen im Berufsleben. Die Entscheidung ob Karriere oder Familie sollte gar nicht auf dem Tisch liegen. Tut sie aber, denn die Bedingungen sind einfach zu hart. Selbst wenn Frauen sich entscheiden Mutter zu werden, so sind sie das nicht ihr Leben lang. Jeder sollte sein Leben planen, wie er möchte, aber um das zutun, sollte es einfacher sein, beides zu sein: Karrierefrau, Mutter und auch Gründerin.

Wie leben Sie Gleichberechtigung in Ihrem eigenen Unternehmen?

Das ist schwer zu sagen, denn wir schreiben uns vor allem in der co-creagency Rebelles auf die Fahne "female only" zu sein. Das bedeutet, ich lebe nicht Gleichberechtigung, aber habe vor die Industrie mit talentierten Kreativdirektorinnen zu schwemmen, die eine neue Arbeitskultur mit in große Unternehmen bringen - für Gleichberechtigung.

Haben Sie in Ihrer Agentur ein Herzensprojekt, für das Sie besonders brennen?

Es sind eigentlich immer die selbst initiierten Projekte für die ich am meisten brenne. Zur Zeit ist das Musequality, ein Zusammenschluss einflussreicher Forces aus der Musikindustrie, wie YouTube, Irrsinn, Melt Booking, Landstreicher Booking und viele mehr, die gemeinsam eine Plattform fürweibliche Talente bauen und sie als Headliner auf Festivals bringen. Es hat als kleine Idee begonnen und wächst mit jeder Woche zu einer großen Bewegung. Den Soft Launch haben wir schon gemacht, Mitte Februar folgt das große Kampagnen Release. Am meisten stolz bin ich auf den Kampagnen Hero Film, den wir vor zwei Wochen im YouTube Space geshootet haben.

Was ist Ihre liebste Ablenkung vom Berufsalltag und wie können Sie am besten Entspannen?

Ich bin unheimlich gerne allein - im Berufsalltag umgebe ich mich mit so großartigen Menschen, das überwältigt mich manchmal. Deshalb genieße ich es oft, einfach allein zu sein, lesen, Netflix - das Übliche. Ehrlich gesagt habe ich das mit der Work-Life Balance aber null unter Kontrolle. Deswegen möchte ich auch keinesfalls ein Vorbild sein.

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