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Magazin-Artikel

Stars und ihre geliebten Hunde

Hunde wedeln auch die berühmtesten Menschen von ihrem Podest, sind Tröster und ehrliche Gefährten. MADAME.de zeigt 8 Prominente und ihre Vierbeiner

Audrey Hepburn mit Hund
Auf den Hund gekommen: Audrey Hepburn füttert einen Hund Getty Images

Prominente und ihre geliebten Hunde

Peggy Guggenheim
Peggy Guggenheim pflegte eine lange Freundschaft zu ihren Vierbeinern (1/8) Getty Images

Peggy Guggenheim

Eine Frau, die ihre Vierbeiner mehr liebte, als sämtliche Menschen. Lesen Sie im Artikel unten, welche Weggefährten ihr das Leben versüßten.

Reese Witherspoon mit Hund
Reese Witherspoon (2/8) Getty Images

Reese Witherspoon

Zum Joggen oder zum Spazierengehen geht die Schauspielerin nie alleine vor die Tür, sondern immer in Begleitung ihrer Bulldogge.

Victoria Beckham
Victoria Beckham (3/8) Getty Images

Victoria Beckham

Hunde sind in der Familie Beckham gern gesehen. Victoria designte sogar schon mehrere Looks für die kleinen Vierbeiner.

 Emily Ratajkowski
Emily Ratajkowski (4/8) Getty Images

Emily Ratajkowski

Das Model und ihr Hund Colombo sind ein Herz und eine Seele - kein Wunder also, dass ihr Instagram-Account voller Schnappschüsse mit dem süßen Hund ist.

Demi Moore
Demi Moore (5/8) Getty Images

Demi Moore

Zwar lebt Vida Blue inzwischen nicht mehr, jedoch genoss sie sicherlich viele Stunden im Arm von Mama Demi Moore, die den kleinen Hund sogar auf den roten Teppich mitnahm.

Elizabeth Taylor
Elizabeth Taylor (6/8) Getty Images

Elizabeth Taylor

Zu einer echten Filmdiva gehören Pudel - majestätisch, strahlend und ein wenig übertrieben. Kein Wunder also, dass eine der Filmlegenden schlechthin, Elizabeth Taylor, sich gerne mit der edlen Rasse umgab.

Queen Elisabeth
Queen Elisabeth (7/8) Getty Images

Queen Elisabeth

Die Queen und ihre Corgis - eine Freundschaft wie keine andere. Selten sieht man die Hoheit so strahlen, wie bei einem Sparziergang mit den kleinen Vierbeinern.

Jackie Kennedy
Jackie Kennedy (8/8) Getty Images

Jackie Kennedy

Ein Hund im weißen Haus ist keine Seltenheit. Michelle Obama und der Familienhund Bo unterhielten die Welt, aber auch schon Jackie Kennedy hatte ein Herz für die süßen Geschöpfe.

Eine Liebe zu den Hunden

Der Taxifahrer quetschte ein paar brummelige Konsonanten heraus, auf ein vernünftiges Hallo hatte er keine Lust. Ich setzte mich neben ihn, weil ich meinen Hund Juri dabeihatte, der sich im Taxi am liebsten im Beifahrerfußraum zusammenkringelt. Im Radio lief etwas Klassisches, der grollige Taxifahrer drehte direkt lauter, die international verständliche Taxifahrergeste für: Bitte belästige mich nicht mit Small Talk.

Juri schien das Geklimper zu gefallen, er löste sich wieder aus seiner Donut-Position, legte den Kopf in der Mittelkonsole vor dem Taxameter ab und schaute den Taxifahrer an. Er tat das schon etwa fünf Minuten lang, als dieser dann doch etwas sagte: „Das ist ein lieber Hund.“ Und dann fragte er sogar etwas und riskierte, dass ich antwortete: „Wie heißt er?“ „Juri“, sagte ich, und der Taxifahrer lachte bärenhaft dröhnend los. „Juri, wirklich Juri?“, fragte er, donnerlachte weiter und erzählte mir, dass er Sergej heiße und aus Sibirien komme und es wirklich, wirklich abwegig sei, einen Hund Juri zu nennen. Er kraulte dem Hund die Ohren, kramte sein Handy heraus, um ihn zu fotografieren, und sprach Juri immer wieder mit seinem Namen an, und in allen Variationen, die die russische Sprache dafür so hergibt.

Als wir schließlich nach einer halben Stunde in die breite Allee einfuhren, in der Juri und ich wohnen, war die Stimmung ausgelassen, knapp vor Musical, und der Taxifahrer und ich waren beste Freunde. „Juri! Jurik! Juritschka!“, rief er immer wieder aus dem heruntergekurbelten Fenster, das Klassikradio brauste etwas adäquat Überschwängliches, es war mein schönster Menschenkontakt seit einiger Zeit. Denn Juri hatte in Sergej etwas angeknipst, an das weder ich noch das Klassikradio hätten herankommen können, vielleicht nicht einmal Sergej selbst. Hunde zeigen, wer wir wirklich sind. Sie erschnüffeln in uns die Dinge, die wir vielleicht selbst nicht über uns wissen, sie apportieren Verdrängtes und Verstecktes. Im abstrakteren Sinn zeigen sie – wie ein Jagdhund, der mit einem höflichen Pfotenheber auf mögliche Beute hinweist – auf Wesenszüge und Eigenheiten, die sonst verborgen blieben, weil wir uns unseren Hunden gegenüber so unverstellt zeigen, wie wir es bei Menschen nie wagen würden. Genau das macht es so interessant, berühmte Menschen über ihre Hunde neu kennenzulernen. Wir sehen Sisi, die zu Unrecht verkitschte Kaiserin, etwas anders, wenn wir wissen, dass sie nicht die hoftypischen Schoßschnuffis, sondern riesige Irische Wolfshunde liebte.

Hunde sind die treusten Freunde

Wir lieben Ryan Gosling noch ein wenig mehr, seit wir wissen, dass er die Hundemarke seines verstorbenen Begleiters George an einer Kette um den Hals trägt. Hunde wedeln auch die berühmtesten Menschen von ihrem Podest und schaffen es, dass wir uns mit ihnen verbunden fühlen, obwohl wir nichts mit ihnen gemeinsam haben. Im Leben der Prominenten sind die Hunde, die sie begleiten, in der oberflächlichen Wahrnehmung oft nur niedliche Fotorequisiten. Tatsächlich spielen sie für ihre Besitzer meist nichts weniger als eine existenzielle Rolle: als Tröster der ewig Enttäuschten und als unblendbare, einzig ehrliche Gefährten in einer Welt voller Bücklinge. „Be the person your dog thinks you are“, steht auf einer Karte, die ich einmal geschenkt bekam, aber ich bin sicher, dass mein Hund mich schon genau so sieht, wie ich bin, mit all meinen Schwächen. Und mich trotzdem ohne jeden Zweifel liebt, das ist das Verrückte an Hunden. Über die Hunde, die darin herumspringen, kann man sich in fremde Leben einfühlen, in ihre schönen und ihre schlimmsten Stunden. Sie bringen uns auch Frauen und Männer näher, die dank ihres Wirkens übermenschlich groß wirken. Der Blick auf ihre Hunde zeigt: Auch sie sind Menschen.

Peggy Guggenheim und Kachina

Ich sitze auf einer Bank in Venedig und schaue zu, wie Menschen zu Butter werden. Die Bank steht im Garten der Peggy Guggenheim collection, dem berühmten Museum für moderne Kunst, und zwar schräg vor dem Grab seiner Gründerin. Seit einer Stunde sitze ich hier und betrachte genervte Schwitzbären – es ist nicht die beste Idee, Venedig im August zu besuchen, wenn die Stadt glüht –, die sich in gerührte Weichwesen verwandeln. Sie machen ein paar Schritte vom Museum in den Innenhof und werden dann davon überrascht, plötzlich vor dem Grab der großen Kunstsammlerin zu stehen. „Here rests Peggy Guggenheim“, steht auf einer schlichten Steintafel. Und dann lesen sie, was auf einer zweiten Tafel daneben steht, und fast alle machen dabei unwillkürlich ein kleines Ooh-Wimmergeräusch: „Here lie my beloved Babies“, darunter eine säuberliche Liste von 14 Namen, die gut zu kleinen Hunden passen. Für Peggy – eigentlich Marguerite – Guggenheim, geboren 1898 in eine der reichsten Familien der USA, war Sammeln die Lebensstrategie: Kunst, Männer und Hunde waren dabei ihre Disziplinen. Das fand man zu ihren Lebzeiten exzentrisch und tut es immer noch, aber ernsthaft betrachtet sind diese Interessen ja nicht eigentümlicher als Bierdeckel, Reliquien oder Flugzeugkotztüten. Ein frühbiografisches Detail aus Guggenheims Leben und minimale hobbypsychologische Ambition genügen, um die drei Sammelgebiete schlüssig erklären zu können.

Peggys Vater, den sie sehr liebte, versank mit der Titanic, als sie 14 Jahre alt war, sie erfuhr, dass er wohl in Begleitung seiner Geliebten war, was den Schmerz noch brennender machte. Also rettete sie sich in die Dingwelt, die man relativ gefahrlos und ohne Verlassensangst lieben kann. Sie sammelte kleine Wachsfiguren, begann, sich für Mode zu interessieren – später im Leben würden kühne Kaftane ihr Signature-Look werden. Es gibt aus dieser Zeit ein Bild von ihr und einem Hund, den sie unter den Arm geklemmt trägt wie eine Influencerin ihren obligatorischen Instagram-Zwergspitz, tatsächlich handelte es sich um einen Pekinesen namens Twinkle, der in ihrer Autobiografie mit keinem Wort erwähnt wird; sie würde erst später lernen, Hunde zu lieben, und zwar so maßlos, dass sie im letzten Drittel ihres Leben stets von einem kleinen Rudel umgeben sein sollte.

Eine Liebe für die Hunde

Männer begriff sie dagegen schon früh als Sammelobjekte, als fast schon abstrakt wirkende Reihe von Affären – man spürt keinen Verlustschmerz, wenn man gar nicht vorhat, etwas zu behalten. Dafür hatte Peggy die Kunst, die bei ihr blieb, wenn die dazugehörigen Männer wieder aus ihrem Bett verschwunden waren, wie die goldglänzende Skulptur „Bird in Space“ von constantin Brâncuşi oder Ohrringe von yves Tanguy. Als wilde Wutz des New yorker Großkapitals trug sie nicht nur eine herausragende Kunst-, sondern auch eine beachtliche Künstlersammlung zusammen. Und das, obwohl sie sich, verglichen mit ihren aberwitzig wohlhabenden Verwandten, eher als arm betrachtete.

Nach dem Tod des Vaters entdeckte ihre Mutter, dass er mit unglücklichen Geschäften sehr viel Geld verloren hatte. Und so erbte Peggy mit 21 Jahren nur etwa 2,5 Millionen Dollar, was heute etwa 36,1 Millionen entspräche, und zog damit nach Paris. Dort traf sie den Maler Laurence Vail, sie heirateten schnell, die beiden Kinder Sindbad und Pegeen wurden geboren, und die Familie zog nach Südfrankreich in eine Ansammlung von Bauernhöfen, kaum ein Dorf, ohne elektrischen Strom. Der Briefträger kam jeden Tag mit dem Fahrrad. „Ich fand es erstaunlich, dass er uns die Post brachte, weil unsere wilde Schäferhündin alle uniformierten Leute ansprang und biss“, schreibt Guggenheim in ihrer Biografie „confessions of an Art Addict“, auf Deutsch: „Ich habe alles gelebt“. Sie hatten Lola angebunden an einem Baum gefunden und behalten, weil sie immerhin sehr freundlich zu allen Leuten war, die keine Uniform trugen. „Außerdem“, schreibt Peggy, „erfüllte sie mir den lang gehegten Wunsch, eine Geburt zu beobachten, und brachte auf unserer Wohnzimmercouch ihre Jungen zur Welt … Drei oder vier behielten wir.“ Lola durfte bei Peggy und Laurence mit im Bett schlafen. Peggy gegenüber wurde Laurence immer häufiger gewalttätig, er schlug sie und drückte sie in der Badewanne lange unter Wasser. 1928 trennten sich die beiden, und Peggy lernte den Literaturkritiker John Holms kennen. Mit ihm, ihrer Tochter Pegeen – Sindbad blieb bei seinem Vater – und Lola unternahm sie mit dem Auto einen ausgedehnten Roadtrip durch Nordeuropa.

Lola wurde auch eingepackt, als Peggy und John nach Paris zogen. An John Holms hatte sie wirklich ihr Herz gehängt, er war nicht nur ein neues Sammelstück, eher als Dauerausstellung geplant. Ganz plötzlich starb er, bei einer kleinen Routine-OP am Handgelenk, er war erst 37 Jahre alt. Mutmaßlich hatte er am Abend zuvor zu viel getrunken und wachte nicht mehr aus der Narkose auf. Peggy litt sehr. Mit 40 Jahren beschloss sie 1938, Kunst zu sammeln – angeblich brachte sie Samuel Beckett auf die Idee, als sie mit ihm einmal vier Tage am Stück im Bett verbrachte, was plausibel klingt, irgendwie muss man da die Zeit ja totschlagen. Marcel Duchamp und Kunstkritiker Herbert Read, beide ebenfalls Exponate aus ihrer Männersammlung, schrieben ihr eine Liste mit lohnenswerten Künstlern, und während die deutschen Truppen Paris bedrohlich näher rückten, kaufte sie jeden Tag ein Kunstwerk – und zwar sensationell billig, weil viele Künstler rasch noch so viel wie möglich verkaufen wollten, bevor sie vor den Deutschen flohen.

Nur 40 000 Dollar, erzählte sie später, habe sie für den Kern ihrer Sammlung ausgegeben: Salvador Dalí, Man Ray, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Marc chagall, Joan Miró, René Magritte, Pablo Picasso, Lucian Freud – damals sah man all das als seltsame Außenseiterkunst, in der Peggy sich wiedererkannte, das aus dem Familienbild gekippte Mädchen mit der Knollen nase, die ihr von einer missglückten Schönheitsoperation im Alter von 21 Jahren geblieben war. Sie sei die Hebamme der modernen Kunst gewesen, wird sie später sagen. Ihre rasant wachsende Sammlung stellte sie in ihrer eigenen Galerie in London aus, die sie „Guggenheim Jeune“ nannte. Als die Deutschen 1940 in Paris einmarschierten, war sie immer noch in der Stadt, weil sie nicht wusste, wie sie ihre Kunst retten sollte – der Louvre fand sie „nicht erhaltenswert“ und lehnte es ab, Peggy zu unterstützen. Schließlich verpackte sie die Bilder zwischen Pfannen und Bettzeug als „Haushaltsgegenstände“ und verschiffte sie in die USA.

Sie selbst ging 1941 wieder nach New York und nahm ihre aktuelle Affäre Max Ernst mit. Dort eröffnete sie ihre neue Galerie „Art of This century“ und ergänzte ihre europäische Sammlung mit amerikanischen Malern: Jackson Pollock, Mark Rothko, Robert Motherwell, Joseph cornell und Willem de Kooning. Nach längerer, terrierhafter Zermürbungsarbeit willigte Max Ernst schließlich ein, sie zu heiraten, sprach Peggy aber weiterhin mit „Sie“ an. Dafür schenkte er ihr den Hund, an den sie endlich ihr Herz verlor: Kachina, eine Lhasa-Apso-Hündin. Damals war die Rasse außerhalb Tibets, wo sie von buddhistischen Mönchen gezüchtet wird, noch relativ selten. In ihrer Heimat gelten diese Hunde als „Botschafter des Friedens und Glücks“, man hält sie für wiedergeborene Mönche. Ernst porträtierte die Hündin in einem Ölgemälde namens „Kachina, le chien de Peggy Guggenheim“, auf dem sie aussah wie einer dieser osterlammförmigen Kuchen.

Der Name Kachina, den Ernst ausgesucht hatte, stammt aus der Mythologie der Pueblo-Indianer im Südwesten der Vereinigten Staaten, er steht für mächtige Wesen, die Botschaften zwischen der menschlichen Welt und der Geisterwelt transportieren. Bei Peggy und Max musste Kachina in einer sehr weltlichen Variante dieser Aufgabe als unfreiwilliges Bindeglied zwischen zwei hoffnungslos zerstrittenen Eheleuten herhalten. Die geteilte Liebe zu ihrem Hund reichte trotzdem nicht, um die beiden zusammenzuhalten, sie kippte im Gegenteil ins Giftige. „Einmal stürmte Max die Treppe herab und riss mir unsere Hündin Kachina aus den Armen, als wäre sie ein umkämpftes Kind in einem Scheidungsprozess“, beschreibt Peggy einen Streit. „Da wir alle geglaubt hatten, er würde mich verprügeln, wirkte diese Aktion relativ harmlos.“ In einer seltenen Friedensphase posierten sie zu dritt für die französische „Vogue“, und Peggy amüsierte sich über die Ähnlichkeit von Herrchen und Hund: „Mit seinem langen, weißen Fell sah er aus wie Max.“ 1942 organisierte Peggy Guggenheim für ihr neues Museum „Art of This century“ eine Ausstellung, in der sie ausschließlich Werke von Künstlerinnen zeigte: „Exhibition by 31 Women“.

Ernst half bei der Auswahl und lernte dabei die surrealistische Malerin Dorothea Tanning kennen, für die er Peggy schließlich verließ. „Ich hätte 30 Frauen nehmen sollen, das war mein Fehler“, sagte sie später. Als er ging, nahm er Kachina mit. Peggy bereute es, so schreibt sie später, dass sie bei der anschließenden Scheidung nicht um ein gemeinsames Sorgerecht gekämpft hatte – inzwischen empfand sie für den Hund wirklich so etwas wie mütterliche Liebe. Womöglich auch deshalb, weil das Verhältnis zu ihren leiblichen Kindern so viel komplizierter war als das zu ihrem liebesbereiten, schmusewilligen Hund: Sindbad war bei seinem Vater und ihr nicht nur rein physisch fern, Pegeen fühlte sich von ihrer Mutter chronisch vernachlässigt. Peggy trauerte um Scheidungsopfer Kachina.

Um ihr die Trennung zu erleichtern, schenkte Max Ernst ihr 1946 zwei ihrer Welpen, Emily und White Angel. 1948 nahm sie die beiden mit nach Venedig, wo sie einen Pavillon der Biennale mit ihrer Sammlung gestalten sollte, anstelle des nachkriegsklammen Griechenlands. Peggy gefiel an dieser Einladung besonders gut, wie selbstverständlich ihr Name auf dem Lageplan der Ausstellung neben den anderen Ausstellern wie „Großbritannien“ und „Frankreich“ stand: „Ich fühlte mich, als wäre ich ein neues europäisches Land.“ Emily und White Angel waren als einzige Hunde auf dem Biennale-Gelände erlaubt. Peggy blieb in Venedig und kaufte den unvollendeten Palazzo Venier dei Leoni. Sie strich das Schlafzimmer türkis, hängte ihr silbern geschnörkeltes, von Alexander Calder gefertigtes Bettkopfteil an die Wand und war endlich angekommen, zumindest räumlich. Ihre beiden Lhasa Apsos passten perfekt an diesen Ort, dessen frühere Bewohner tatsächlich zahme Löwen im Garten hielten.

Ihren Palazzo gestaltete sie als Wohn- Schau-Hybrid, den sie im Sommer für Besucher öffnete. Da es keinen abgetrennten Museumsbereich gab, wanderten diese dann mit schwankender Diskretion durch ihren Wohnbereich, um die darin verstreute Kunst zu besichtigen, und pinkelten ins Gartengebüsch, weil es nicht genug Toiletten gab. Wurde der Menschenauftrieb Peggy zu viel, stieg sie mit den Hunden in ihre private Gondel. Dann ließ sie sich mit den Vierbeinern durch die Kanäle schippern, oft trug sie dabei ihre schmetterlingsförmige Sonnenbrille, die Edward Melcarth für sie designt hatte, und sah damit wie eine Superheldin aus. In Venedig begann Peggy schließlich damit, eine Hundesammlung aufzubauen. Kachinas Welpen waren die beiden Stammmütter. Da sie nicht wusste, dass ein Lhasa Apso nicht dasselbe ist wie ein äußerlich recht ähnlicher Shih Tzu und manchmal auch noch einen Pekinesen einkreuzte, weil die ja auch irgendwie klein und wuschelig waren, ging die Hundevermehrung chaotisch vonstatten.

Bei einer Indienreise machte Peggy zwar auch einen Abstecher ins tibetanische Darjeeling, wo sie nach Lhasa-Apso-Rüden Ausschau hielt, „um die Inzucht in meiner vielköpfigen Hundefamilie zu beenden“, allerdings erfolglos: Sie besuchte Tensing Norkay, den Sherpa, der mit Edmund Hillary den Mount Everest bestiegen hatte, und der sechs reinrassige Exemplare besaß, doch er wollte keinen von ihnen hergeben. Also blieb es dabei, dass die meisten der 57 Welpen, die in Peggys Palazzo geboren wurden, auf einen einzigen Deckrüden zurückgehen, den sie aus den USA importiert hatte. Von jedem Wurf behielt sie etwa sechs Welpen, das Rudel wuchs also rasant. Peggy vermischte in ihren Venedig-Jahren zunehmend Hunde und Menschen. Besonders skurril: Einen Hund nannte Peggy nach ihrer Tochter Pegeen, was diese extrem erboste. Die menschliche Pegeen warf ihrer Mutter immer noch vor, sie als Kind zugunsten ihrer Liebschaften vernachlässigt zu haben und nun ihre Hunde mehr zu lieben als ihre eigenen Kinder. Als Pegeen selbst ein Kind erwartete, provozierte Peggy sie, indem sie die Welpen ihrer Hündinnen White Angel und Emily als ihre Enkelkinder bezeichnet.

Auch die Widmung an die „beloved Babies“ auf dem Sammelgrabstein musste für die gebeutelte, immer etwas verlorene Pe geen ein Affront gewesen sein. Je älter sie wurde, desto mehr Zeit verbrachte Peggy allein mit ihren Hunden, vor allem während der venezianischen Winter, in denen kaum Besucher kamen. Nach ihrem Vater hatte sie inzwischen auch ihre Lieblingsschwester Benita verloren; Pegeen nahm sich 1967 das Leben. Peggy hatte noch gelegentliche Affären mit jungen Italienern, aber in einem Brief schrieb sie: „Gott bewahre mich davor, mich in meinem Leben noch einmal zu eng an jemanden zu binden. Bis jetzt sind alle, die ich geliebt habe, entweder gestorben oder haben mich unglücklich gemacht, weil sie am Leben blieben. Das Leben scheint ein ewiger Kreis des Elends zu sein. Ich würde nicht wieder geboren werden, wenn ich die Chance hätte.“

Dem „Spiegel“ sagte sie 1976 in einem Interview, entweder habe sie an ihren Männern Sexyness oder Geist geliebt: „Beides zusammen habe ich nie getroffen, und so habe ich mich für Hunde als den dritten Weg entschieden.“ Am Ende blieb ihr von der Lhasa-Meute nur noch die greise Cellida. Als die Hündin starb, spürte Peggy eine gewisse Erleichterung: Sie hatte sich gefragt, wer sich nach ihr wohl um das Tier kümmern würde. Nun war der letzte Anker, der sie festhielt, gehoben. Drei Monate nach ihrem letzten Hund starb auch Peggy Guggenheim.

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 04/20 erschienen. 

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