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Zeitgeist

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Unser Begriff von Schönheit ist heute diverser denn je. Dennoch gibt es Looks, die ewigen Ikonenstatus genießen. MADAME zeigt die Schönheitsideale im Wandel

Marilyn Monroe
Sie galt nicht nur als Stilikone, sondern auch Schönheitsideal ihrer Zeit: Marilyn Monroe Getty Images

Schönheitsideale im Wandel

Die einzige Konstante im Universum sei die Veränderung, sagte der griechische Philosoph Heraklit einmal. Das gilt auch für Schönheitsideale. Und dennoch gibt es im Laufe der Beauty-Geschichte Erscheinungen, die einen ikonenhaften Status erlangten und ihn bis heute behielten. „Ein signifikanter Look bleibt dann über Dekaden hinweg auf der Bildfläche, wenn er zu seiner Zeit etwas Neues zeigt. Es geht um Hervorhebung, Einzigartigkeit, manchmal auch um Provokation“, erklärt Louisa von Minckwitz, Gründerin der Modelagentur Louisa Models mit Sitz in München und Hamburg.

"Ein gutes Beispiel wären etwa die signalroten Lippen von Marilyn Monroe, in einer Zeit, in der für Frauen Schlichtheit und Dezenz maßgeblich waren.“ Oder, aktueller, die buschigen Augenbrauen von Model Cara Delevingne, die eine klassisch gezupfte Brauenlinie abgelöst haben. Mit maskulinerer Anmutung treffen sie den Nerv der Zeit und spiegeln Caras burschikose Art. Damit aus einer Frau mit dem gewissen Etwas eine Ikone wird, braucht es jedoch noch etwas: ein Auftreten, das den Zeitgeist trifft.

"Ein Look alleine reicht nicht. Wir sind, was das Aussehen anbelangt, kaum noch zu überraschen. Das entscheidende Kriterium für nachfolgende Schönheitsikonen ist Persönlichkeit“, so die Expertin. Der Status einer Ikone ist heute, in Zeiten von Social Media und einer fast schon omnipräsenten Konfrontation mit dem Thema Schönheit, kaum noch erreichbar. Es gibt unzählige Influencer und Role Models, die mit ihren Looks und ihren Werten eine ganz bestimmte, in sich geschlossene Gruppe von Anhängern, sprich Followern, beeinflussen. Oft stammen Beauty-Vorbilder auch aus dem persönlichen Umfeld. Eine Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos vom Mai 2019 ergab, dass Frauen in Deutschland ihrer Mutter (41 Prozent) und ihren Freundinnen (33 Prozent) einen starken Einfluss auf die eigene Schönheitsroutine zuschreiben.

In diesem Zuge wird die klassische Ikone, die für das Lebensgefühl der gesamten Gesellschaft steht, seltener. "Das liegt daran, dass Ideale heute nicht mehr so einheitlich sind“, bestätigt Attraktivitätsforscher Prof. Martin Gründl von der Hochschule Harz. "Die Massenmedien bieten eine Plattform für eine Vielzahl unterschiedlicher sozialer Gruppierungen. Jede davon hat andere Role Models, denen nachgeeifert wird.“

Schönheitsideale früher und heute

Was aber zeichnet dann jene ikonenhaften Beauty-Looks aus, die über Jahrzehnte Bestand hatten und noch immer angesagt sind? Ganz einfach: Unsere grundsätzliche Bewertung von Attraktivität hat sich über die Zeit nur wenig verändert. "Was wir bei Menschen als schön empfinden, ist nicht nur kulturell geprägt, wie etwa bei Kunst oder Musik, sondern zum großen Teil angeboren“, erklärt Prof. Gründl. "So empfinden wir das als attraktiv, was gesund oder jugendlich aussieht, was typisch für das jeweilige Geschlecht ist oder einen hohen gesellschaftlichen Status suggeriert.

Das sind in der Attraktivitätsforschung die vier wichtigsten Gesetzmäßigkeiten von Attraktivität.“ Tatsächlich erfüllen fast alle legendären Looks eines dieser drei Kriterien. "Nehmen Sie Marilyn Monroes rote Lippen. Lippen junger Menschen sind stärker durchblutet und voller. Daher stehen das Rot und das Volumen für Jugendlichkeit“, so Prof. Gründl. "Oder Audrey Hepburn, deren große Augen, kleine Nase und zierliches Kinn perfekt ins Kindchenschema passen. Das Kindchenschema verstärkt das geschlechtstypische Aussehen eines Frauengesichts.“ Zusätzlich spielen Zeitgeist-Trends eine Rolle. „Tilda Swintons ungeschminkte Augen sind zum Beispiel ein Symbol für Androgynität sowie Natürlichkeit. Beides sind Ideale, die heute zelebriert werden“, sagt Louisa von Minckwitz.

Plus: Unsere Körper sind ein Statussymbol geworden. "Trainierte Beine und Arme können auch zeigen, dass wir Zeit und Disziplin haben, uns mit unserem Körper zu beschäftigen und unser Leben im Griff haben“, so Prof. Gründl. Gleichzeitig seien heute Curvy Models angesagt, weil Frauen selbstbewusster geworden seien, zu ihren Rundungen stehen und das auch kommunizieren, meint Louisa von Minckwitz. Ähnlich souverän werde mit dem Alter umgegangen. Das macht etwas Entscheidendes bei unserem heutigen Umgang mit Schönheit und Leitbildern deutlich: Er ist vielseitiger, offener und ehrlicher geworden. Vielleicht gibt es weniger Jahrhundert-Ikonen, dafür aber mehr Raum für die Akzeptanz des eigenen Körpers.

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 01/20 erschienen.

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