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Leben

Schauspielerin Emilia Schüle im Interview über ihren frühe Karriere und neue Rollen in Hollywood

Auf eine Caprese und Meeresfrüchte-Risotto auf Capri: Wir sprechen mit der Schauspielerin über ihren aktuellen Film „Traumfabrik“, ihre russischen Wurzeln und den Start als Kinderstar

Schauspielerin Emilia Schüle fand ihren Weg schon früh in Richtung ihrer heutigen Karriere. Mit MADAME sprach sie über alle Details
Schauspielerin Emilia Schüle sprach mit MADAME über ihre Karriere und wie alles begann Getty Images

Emilia Schüle im Interview - Hollywood, "Traumfabrik" und Tatort

Bezaubernd sieht sie aus in ihrem mit Goldfäden durchwirkten Strickkleid, der roten Body Bag, der blassen Haut und den rotbraunen Haaren. Emilia Schüle hat etwas von einer Elfe, wie sie da über die Terrasse des Hotels „Capri Palace“ zu unserem Tisch schwebt. Und Hunger hat sie auch mitgebracht. Nach einem kurzem Blick in die Karte fragt sie, ob wir uns als Vorspeise Caprese – Tomaten mit Mozzarella – und Vitello Tonnato teilen wollen. Für das Hauptgericht liebäugelt sie zunächst mit einer Pasta, entscheidet sich aber dann doch für das Risotto mit Meeresfrüchten. Wein lehnt die 26-Jährige ab, bestellt ein Ginger-Ale. Schließlich ist es schon recht warm geworden, und ein langer Tag liegt noch vor ihr. Ich schließe mich dem Hauptgericht an und ordere einen offenen italienischen Roséwein von Frescobaldi mit Eis. Der Blick von der Terrasse des berühmten Capreser Hotels ist atemberaubend. Das Meer erstreckt sich hinter steil abfallenden Felsen in glitzerndem Blau.

Nach dem Lunch werden Emilia und ich die Juwelenausstellung der Marke Bulgari im „Palace“ besuchen. 500 Stücke aus der neuen Haute Joaillerie werden gezeigt: das Beste vom Besten, das man an Preziosen und großen Edelsteinen kaufen kann. „Mai tutto“ – niemals zu viel – ist das Motto der römischen Marke. Das teuerste Stück, erfahren wir später bei einem Rundgang durch die Ausstellung, kostet über neun Millionen Euro – ein mit Rubinen besetztes Collier. Emilia Schüles Schmuck ist an diesem Mittag deutlich alltagstauglicher. Sie trägt Ringe aus der „B.zero1“-Kollektion von Stararchitektin Zaha Hadid, ein zartes Kettchen und dezente Ohrringe. Heute Abend für den großen Event mit Schmuck-Show und Auftritt von Sängerin Nicole Scherzinger im Certosa di San Giacomo, einem mittelalterlichen Kloster auf der Insel, dürfen es dann Smaragde als Ohrgehänge sein. Es ist ihr erstes Mal auf Capri. „Ich liebe Italien, vor allem Venedig und Rom“, schwärmt sie.

„Und es ist für mich eine große Ehre, dass ich als Ambassador auf Capri dabei sein darf.“ Für die Party an diesem Abend hat sich Emilia Schüle für ein Dior-Outfit entschieden. Perfekt gestylt sah sie auch beim Begrüßungsdinner am Vorabend in einem Prada-Outfit aus. Die Zusammenstellung ihrer Looks besorgt die Stylistin Dana Roski für sie. „Es ist super für mich, wenn ich das abgeben kann, weil es wirklich viel Arbeit ist, immer gut gekleidet zu sein.“ Auch wenn Emilia Schüles Filmkarriere schon mit elf Jahren startete, ist es gerade eine besonders spannende Zeit. Ihr Film „Traumfabrik“ läuft aktuell in den Kinos. Darin spielt sie das französische Tanzdouble Milou. Im Sommer 1961 verliebt sie sich in den Defa-Studios in den Tanzkomparsen Emil.

Doch die beiden werden durch den Mauerbau getrennt. Der historische Stoff ist ihr auf den Leib geschneidert. Bereits mit fünf Jahren schickten ihre Eltern sie und die fünf Jahre ältere Schwester in eine Showdance-Gruppe. „Das war mein Leben“, erzählt sie in dem Moment, als der Kellner die Getränke mit einem charmanten „prego“ vor uns abstellt. Kurz darauf werden die Antipasti gebracht. „Ich war beim Tanzen immer voll in meinem Element“, nimmt sie den Faden wieder auf. „Selbst wenn wir nur auf dem Weihnachtsmarkt zu den Klängen von ‚La-Le-Lu‘ getanzt haben.“ Bühnenangst habe sie nie gehabt, gutes Training sei das gewesen für die Schauspielerei. Ihre Eltern, die mit den beiden Töchtern von Russland nach Deutschland gekommen waren, hätten damals wahnsinnig viel gearbeitet, die Großeltern sprangen ein. Angefangen zu sprechen habe sie relativ spät.

„Ich habe mich dann für Deutsch als erste Sprache entschieden. Ich konnte das R nicht rollen, das ist problematisch, wenn man russisch spricht“, lächelt sie. Die Familie lebte zunächst im Plattenbau in Berlin-Schönefeld, dann zogen sie an den Stadtrand nach Mahlsdorf. Wenn sie sich heute einem Viertel in der Hauptstadt zuordnen würde, dann Schöneberg: „Ein schöner, ruhiger Stadtteil, der an die ganzen spannenden Bezirke anschließt.“ Zu Hause ist Schüle allerdings nicht so häufig. Wenn sie nicht dreht, ist sie viel unterwegs in der Welt. „Entfacht hat diese Leidenschaft meine Schwester Waleria“, sagt sie. „Sie berät als Juristin Unternehmen, wie diese menschenfreundlicher und sozialer agieren können.“ Ihre soziale Ader lebt Emilia Schüle als Botschafterin fürs Kinderhilfswerk Plan aus. Eine von dem Netzwerk initiierte Reise, die sie sehr geprägt habe, sei ein Besuch auf den Philippinen gewesen, nachdem dort ein Taifun Dörfer und Städte zerstört hat.

Soziales Engagement

Die für sie bewegendste Reise hat sie jedoch im Rahmen eines Filmdrehs für Lufthansa gemacht. Für die #inspiredbyheimweh- Kampagne reiste sie mit der Transsibirischen Eisenbahn an ihren Geburtsort, nach Blagoweschtschensk in Russisch-Fernost, an der Grenze zu China, etwa 8000 Kilometer von Moskau entfernt. Die Eltern, der Vater aus Moskau, die Mutter aus der Ukraine, waren damals als Militärärzte in die entlegene Station geschickt worden. Am Anfang der Reise habe sie den Druck gespürt, dass unbedingt etwas geschehen müsse. Sie legt die Gabel beiseite und denkt nach. „Es war, als würde man den Film seines Lebens als Hauptdarsteller erleben. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie das für meine Mutter war, die erzählte, dass man nur mit Telegrammen kommuniziert hatte.“ Das Gelände, auf dem die Familie damals wohnte, ist heute Geheimdienstterrain und nicht passierbar. Mitgenommen hat sie die Bilder der Orte, die sie sonst nur aus Erzählungen kannte. „Das Projekt hat mir Gelegenheit gegeben, mich selbst zu erforschen.“ Die Teller werden im fliegenden Wechsel getauscht.

Von Tatort und anderen Rollen

Der Mozzarella hat leider wie nasses Kleenex geschmeckt (eine missratene Caprese, ausgerechnet auf Capri …), darum liegt das meiste noch auf dem Teller. Aber das Vitello war schön zart und nur dezent mit Thunfischsauce bedeckt. Nun steht das Risotto vor uns, hübsch angerichtet auf einem miesmuschelförmigen Teller. Wir sprechen über Zäsuren in ihrem Leben. „Die erste war wohl, als ich mit 17 Jahren merkte, dass ich wirklich Schauspielerin werden wollte.“ Sie drehte damals schon sehr viel, war Kino- und Kinderstar in Filmen wie „Freche Mädchen“ und „Gangs“. Dem erwachsenen Publikum wurde Emilia Schüle ein Begriff, nachdem sie 2012 in gleich zwei „Tatorten“ mitgewirkt und in ihren Rollen nicht nur ein junges hübsches Gesicht gezeigt, sondern bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Die beiden „Tatort“, „Das Wegwerfmädchen“ und „Das goldene Band“, waren eine doppelte Reifeprüfung. Nebenher machte sie damals das Abitur an einer internationalen Schule. Ein Sprung ins kalte Wasser und damit auch in die richtige Karriererichtung sei der Film „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ von Oskar Roehler gewesen. Das war vor vier Jahren.

„Ich wurde da mal völlig anders besetzt, als abgefuckte Punkerin. Viele dachten, ich sei eine Amerikanerin, weil ich mit Akzent sprechen musste, sie haben mich gar nicht wiedererkannt. Das war toll!“ Als ebenso wichtig für ihre Karriere nennt sie die Serie „Ku’damm 59“, die die Situation und Rollenbilder der Frauen in den 50er- Jahren beschreibt. „Seitdem darf ich viele interessante Sachen spielen. Und zu den Nachwuchsschauspielerinnen gehöre ich wohl auch nicht mehr“, resümiert sie in Anspielung auf das Etikett, das ihr immer noch anhaftet. Während Emilia Schüle das Muschelfleisch aus den Schalen löst, plaudern wir über ihre Schauspielkollegen. Besonders gern arbeite sie mit Frederik Lau. Und sie schwärmt vom „Ku’damm 59“-Ensemble: Maria Ehrich und Sonja Gerhardt, in der Serie ihre Schwestern, sowie Claudia Michelsen, die die Mutter spielt. Auch mit Iris Berben und Katja Riemann habe sie am Set großen Spaß gehabt, in der Baby- Vertausch-Komödie „High Society“. Als ich auf ihren Teller blicke, sehe ich, dass sich das Muschelfleisch bewegt und spreche es auch leider laut aus. Zuerst lacht Emilia Schüle, legt aber dann doch die Gabel auf die Seite und schaut genauer hin.

„Ich glaube auch, die Dinger, mit denen sich die Muschel an die Schale saugt, haben sich bewegt …“ Appetit hat sie jetzt keinen mehr. Aber der Teller ist glücklicherweise schon zu zwei Dritteln leer. Ich versuche, sie auf andere Gedanken zu bringen und frage, ob es ein großer Unterschied sei, mit Regisseurinnen oder Regisseuren zu arbeiten. Sie erzählt, dass sie Frauen an der Spitze der Filmcrew besonders schätze und dass es viel zu wenige gebe. Sowohl „Freche Mädchen“ als auch der „Tatort – Das Wegwerfmädchen“ und „High Society“ wurden von Regisseurinnen inszeniert: „Es gab immer eine besondere Intensität und Nähe und auch eine Offenheit, die Stoffe gemeinsam zu entwickeln.“ Emilia Schüle ist neben ihren vielen nationalen Projekten auch international ein Begriff geworden. In der US-Serie „Berlin Station“ stand sie mit großen Namen wie Ashley Judd und Richard Armitage vor der Kamera.

Aktuell dreht sie in Budapest. In der amerikanischen Action-Drama-Serie „Treadstone“, ein Spin-off der Jason-Bourne-Filme, ist sie eine russische KGBAgentin. Wird sie oft angesprochen von Fans, oder kann sie sich noch gut frei bewegen, frage ich. „Ja“, lacht sie, „die Berliner sind cool. Sicher habe ich mir einen leichten Tunnelblick angewöhnt. Aber das Einzige, was ich wirklich nicht mehr mache, ist, in öffentliche Saunen zu gehen.“ Wer ihr wie 205 000 andere User auf Instagram folgt, sieht einen sorgfältig kuratierten Account. Wenn sie Bilder mache, sei es ihr wichtig, eine bestimmte Atmosphäre einzufangen. „Das ist ja auch als Schauspielerin mein Job.“ Die Fotos schießt sie mit ihrer Leica, die sie seit zehn Jahren begleitet. Um ihren Blick zu schulen, besucht sie, so oft es geht, Ausstellungen. Beeindruckt zeigt sie sich auch von der Dokumentation über die legendäre Fotografin Vivian Maier, „Finding Vivian Maier“.

Emilia Schüle auf Social Media

Übertreiben will es Emilia Schüle mit dem Posten auf Social Media nicht. Anfang des Jahres hat sie beschlossen, ein Detox light zu praktizieren, nur dreimal die Woche ist sie auf Instagram aktiv. „Ich mag nicht jeden Moment verschwenden, indem ich ihn dokumentiere. Bewusst im Augenblick zu leben, das zählt.“ Wir werden gefragt, ob wir noch ein Dolce wollen, und bekommen die Karte gereicht. Es gibt typische Capri-Spezialitäten wie Torta Caprese und Rum Baba. Ziemlich heavy. Darum wählen wir beide Vanilleeis mit Walderdbeeren. Dazu Espressi. Als es serviert wird, freut sich Emilia Schüle: „Das erste Eis, seit ich auf der Insel bin! Und dann diese Erdbeeren – wie köstlich!“ Wir plaudern noch über den vorigen Abend, an dem wir am Pool des Hotels „Quisisana“ ein opulentes Mahl eingenommen und zu den Klängen einer Band getanzt haben. Hach, Capri kann einfach grandios sein!

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