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Leben

Resilienz: So stärkt man seine eigene Widerstandskraft

Sie trägt uns über harte Zeiten und hilft uns, nach Niederlagen schneller wieder aufzustehen: Resilienz, das Geheimnis der Stehaufmännchen. Eine Gottesgabe? Nein. Zur eigenen Widerstandskraft kann jeder selbst beitragen

Resilienz bedeutet Widerstandskraft zu haben
Resiliente Menschen lassen sich selten aus der Ruhe bringen iStock

Was ist Resilienz?

Resilienz scheint eine ungerecht verteilte Zauberkraft zu sein: Manche Menschen verfügen im Übermaß über diese psychische Widerstandskraft, andere müssen darum kämpfen. Neu ist der Begriff nicht: In der Psychologie steht er für die Fähigkeit, nach einer Krisensituation, einer Niederlage oder einem Schicksalsschlag wieder schnell auf die Beine zu kommen. Auch wer sich heute im Job behaupten und Karriere machen möchte, braucht Resilienz. Sie lindert den Stress, den viele als ständigen Begleiter im Alltag erfahren. Das permanente Online-Sein, das rasante Tempo durch Deadlines und Termine sowie die oftmals zermürbenden Arbeitsstrukturen können zu Gereiztheit und Erschöpfung führen. Fehler haben negative Konsequenzen, Ideen werden abgeschmettert, Kritik fällt härter als erwartet aus, die Mühe der letzten Monate war umsonst, weil ein Deal platzt oder ein Kollege einen ausbootet …

Die Liste der möglichen beruflichen Enttäuschungen ist lang und jedem bekannt. Wie bleibt man belastbar? Wie aktiviert man seine Resilienz? In meinen Seminaren höre ich an dieser Stelle oft: „Tja, diese Gabe hätte ich auch gerne. Aber lernen kann man das ja nicht.“ Doch!

Wie leben resiliente Menschen?

Natürlich gibt es Menschen mit einer echten Rossnatur, die scheinbar nichts umwirft. Die sich nicht unterkriegen lassen und denen eine innere Sprungfeder immer wieder neue Energie und Auftrieb verleiht. Aber die Forschung belegt: Resilienz ist trainierbar. Jeder kann sie aktivieren und verbessern. Was kann man sich von besonders belastbaren Menschen abgucken? Resiliente Menschen stellen sich der Realität und aktivieren, was man die „Trotzmacht des Geistes“ nennt. Gemeinsam ist ihnen die Fähigkeit, konstruktiv zu denken: Sie fokussieren sich auf Chancen und Lösungen, anstatt sich von Problemen entmutigen zu lassen. Hinzu kommen eine gewisse Anpassungsfähigkeit und grundsätzliche Flexibilität – besonders wichtig, wenn man Dinge nicht ändern kann. Offenheit für Kritik ist ebenfalls ein Schlüssel für Resilienz. Der Blick nach vorne ist besonders wichtig, will man eine schwierige Situation bewältigen.

Resiliente Menschen richten sich auf die Zukunft aus; sie leben nicht in der Vergangenheit, sie drehen sich nicht im „Wer ist schuld?“-Karussell, sondern suchen nach der Antwort auf die Frage „Was ist richtig?“. Um so lösungsorientiert zu denken, benötigt man ein hohes Maß an Motivation. Resiliente Menschen sind hoch selbstmotiviert. Sie warten nicht darauf, dass andere ihnen den nötigen Schubs geben. Sie betrachten sich nicht als Opfer, sondern versuchen, das Steuer in der Hand zu behalten. Wer das Gefühl hat, noch über Gestaltungsmöglichkeiten zu verfügen, dem fällt es leichter, die Hoffnung zu behalten. Das Motto für diese Haltung lautet: „Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.“

„Ein stabiles soziales Netz gibt uns Ruhe und Kraft.“
DR. Katja Unkel
Social Media verstärkt innerlichen Stress
Das ständige Online-sein verstärkt die innerliche Unruhe Getty Images

Das sind die wichtigsten Merkmale der Resilienz

Natürlich ist es menschlich, sich in einer krisenhaften Situation oder nach einer Niederlage erst einmal selbst leidzutun. Oft tappen wir dann aber in die Falle des Jammerns oder weisen Kritik reflexhaft weit von uns. Wer hört schon gern etwas Negatives über sich? Tage-, manchmal wochenlang können wir uns über Umstände ärgern, die längst vergangen und nicht mehr zu ändern sind. Auch halten wir lieber am bisherigen Weg fest, anstatt am gesetzten Ziel. Die Frage, ob es nicht auch andere Lösungswege geben kann, wird zu wenig gestellt. Nun kann sich niemand über Nacht von Grund auf ändern. Aber: Wir können uns entwickeln, Schritt für Schritt, und dabei die Eckpfeiler der Resilienz im Auge behalten.

Ein starkes Fundament der Resilienz in allen Lebenslagen liefert die persönliche, ganz pragmatische Sinnnhaftigkeit. Wenn wir unser „Warum“ kennen, erfahren wir eine Kraft, die beflügelt und motiviert. Zwei weitere Bausteine sind ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung. So abgedroschen es klingen mag: Eine gute physische Verfassung für die Belastbarkeit in Job und Alltag ist von großer Bedeutung. Bei längerem Schlafmangel liegen irgendwann die Nerven blank. Besonders wichtig ist ein stabiles soziales Netz. Dass schon eine Vertrauensperson uns stark macht, hat die Psychologie längst bewiesen. In Zeiten von Facebook und Instagram sei gesagt: Bei Freundschaften zählt die Qualität, nicht die Quantität. Pflegen Sie Beziehungen, die Ihnen Ruhe, Kraft und Stärke geben. Haben Sie diese Personen im Blick? Sind Sie Teil Ihres Lebens? Oder bleibt es zu oft beim Vorhaben, sich mal wieder zu treffen? Dann ändern Sie das – am besten gleich jetzt.

Dieser Artikel stammt von DR. Katja Unkel und ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 10/18 erschienen.

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