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Renée Zellweger im MADAME-Interview über Leidenschaften und ihren Film "Judy"

Ruhm, Sucht, Einsamkeit – in ihrer Rolle als tragische Hollywood-Ikone Judy Garland füllt Renée Zellweger sämtliche Klischees. Alles zum neuen Film

Renee Zellweger auf dem roten Teppich
Hollywood-Ikone Renée Zellweger sprach mit MADAME über kommende Projekte Getty Images

Renée Zellweger im Gespräch über die Hollywood-Traumfabrik

In „Bridget Jones“ war sie die „Fürstin der Fettnäpfchen“, schrieb ich in einem meiner ersten Texte über Renée Zellweger, die uns in dieser englischen Komödie mit Charme und Tollpatschigkeit um den Finger gewickelt hatte. Nach ihrem Durchbruch traf ich Renée Zellweger immer wieder: zunächst 2002, als sie im Musical „Chicago“ als feurige Tänzerin Roxie faszinierte. 2004 vergällte ihre Absage Dieter Kosslicks Berlinale-Auftakt mit „Unterwegs nach Cold Mountain“, was besonders schade war, weil sie für diese Rolle den Nebendarsteller- Oscar gewann. 2004 landete sie ihren zweiten Hit als Bridget, die Alltagsheldin mit Übergewicht. Danach, so schien es Beobachtern, wurde die Schauspielerin mit jedem Film fahriger und besorgniserregend dünn. Bei der Berlinale 2010 war Renée auch als Jurymitglied entzückend wie immer, stand aber völlig neben sich.

Verlor sich in Halbsätzen, schien abgelenkt, als sei sie eine Fremde im eigenen Körper. Wer sie dort erlebte, hoffte, ihr nahestehende Menschen würden sie für eine Weile aus dem Verkehr ziehen – zu ihrem eigenen Besten. Und plötzlich war Renée Zellweger verschwunden, ganze sechs Jahre lang. Kurz tauchte sie mit einem fremd gewordenen Gesicht auf, dessen Veränderung viele – und nicht freundliche – Kommentare nach sich zog. Im Jahr 2016 kehrte sie, 15 Jahre nach Teil 1, mit einem dritten „Bridget Jones“-Kapitel auf die Leinwand und zu ihrem Publikum zurück. Und sah wieder aus wie sie selbst. Sie wirkte ruhiger. In Interviews vermied sie damals die Begriffe „Burn-out“ oder „Depression“, wenn sie ihre Leinwandabstinenz erklärte – aber man sah: Sie war kein Zombie mehr. Sie war wieder auf dem Weg zu sich.

Nun, drei Jahre später, liegen sogar Oscar-Gerüchte in der Luft. Lächelnd kommt Renée Zellweger mir beim Interviewtermin in einer Londoner Hotelsuite entgegen. Seit vergangenem April ist sie 50 Jahre alt, und das trägt sie mit großer Entspanntheit, wie ihr lässiger Jeans-und-Pulli-Look und das dezente Make-up verraten. Die neue Souveränität ist sehr begründet. In „Judy“ (ab 2.1.) verkörpert Zellweger die Hollywood-Schauspielerin und Sängerin Judy Garland, die man nun wirklich eine Ikone nennen darf. Der Film zeigt die letzten Monate dieser Künstlerin, die 1969 mit nur 47 Jahren an einer Schlafmittelüberdosis starb.

Zellweger interpretiert Judy Garland als eine verletzliche, kämpferische, bezaubernd verliebte Frau, sie liegt am Boden, rappelt sich wieder auf – und singt so sensationell, dass man Gänsehaut bekommt. Eine Künstlerin, die das Licht auf sich zieht, aber auch Schatten und Düsterkeit kennt. Es sieht ganz so aus, als hätte Renée Zellweger auf diese große Rolle gewartet und dafür alles gegeben.

Interview mit Renée Zellweger

Renée, Anfang Januar wissen wir, ob Sie für einen weiteren Oscar nominiert sind. Klopfen Sie sich dann auch mal selbst auf die Schulter?

Was mich wirklich glücklich macht, ist zu sehen, wenn ein Film die Menschen bewegt. Das gibt mir einen Kick! Während ich drehe, konzentriere ich mich so auf meine Rolle, dass ich fast vergessen kann, dass der Film am Ende von einem Publikum gesehen wird. Umso schöner ist es dann, die Begeisterung der Leute zu sehen. Das ist ein irres Gefühl.

Was lieben Sie an Judy Garland?

Als Kind liebte ich natürlich den „Zauberer von Oz“. In Amerika kam der Film mindestens einmal im Jahr im Fernsehen. Unsere gesamte Familie saß dann vor dem Fernseher, und ich kann mich erinnern, dass mein Bruder Drew und ich tagelang kein anderes Thema mehr hatten.

Jetzt singen Sie den Kultsong „Somewhere Over The Rainbow“ selbst. Wie lange dauert es, bis man so singen kann?

Ich habe etwa ein Jahr lang trainiert. Zuerst habe ich Judy Garlands Stimme analysiert, um zu verstehen, wie sie mit ihr arbeitet: wie sie bestimmte Passagen betont, wie viel Kraft sie einer bestimmten Note gibt, dass sie Konsonanten mehr betont als Vokale. Aber ihre Stimme war ein Gottesgeschenk, absolut magisch und einzigartig, das kann man gar nicht kopieren. Selbst in einer MillionJahre werden wir nicht mehr so eine Stimme hören.

Haben Sie angesichts dieser Mammutaufgabe auch mal kalte Füße bekommen?

Allerdings. Vor allem kurz vor Drehstart, als mir noch mal bewusst wurde, wie groß die Fußstapfen waren, in die ich da treten sollte. Dies war die herausforderndste und beängstigendste Rolle, die ich je gespielt habe. Aber dann habe ich mich auf einen Tag nach dem anderen konzentriert, um mich nicht verrückt zu machen. Bei den besonders schwierigen Szenen habe ich einfach drauflosgespielt. Und gebetet, dass es irgendwie klappen möge.

Gibt es etwas an Judy Garland, das Ihnen persönlich besonders nahe ging?

Judy hat nicht nur Filmgeschichte hinterlassen. Sie stand auch mit ihrem Leben immer in der Öffentlichkeit, sie war ja schon mit 13 Jahren ein Star.

Judy Garland wurde nur 47 Jahre alt. Trotz ihrer Erfolgewar sie pleite, wurde von Studiobossen und ihren Ehemännern ausgenommen, blieb aber trotz vier Scheidungen so unheilbar romantisch, dass sie noch ein fünftes Mal heiratete. Sie wurde als Star gefeiert – aber wäre Mitleid mit dieser Stehauf-Frau nicht viel eher angebracht?

Ich habe sehr mit ihr gefühlt: Welch hohen Preis sie für ihr Leben im Scheinwerferlicht zahlte! Wie turbulent und schwierig ihr Leben war, gerade als sie ihre Wohnung verlor, ihr Stern verblasste und sie ihre kleinen Kinder beim Ex-Mann lassen musste, um mit Gigs in einem Londoner Theater Geld zu verdienen. Dass sie dann noch die Kraft hatte, um auf die Bühne zu gehen, finde ich heldenhaft. So eine Frau muss man doch feiern! Mich interessieren Menschen wie Judy, die ihre Wahrheit ausleben und außergewöhnliche Lebenssituationen bewältigen.

Garland suchte Halt in Aufputsch- und Schlafmitteln, sie starb an einer Überdosis. Was hätte anders laufen müssen in ihrem Leben, um sie zu retten?

Ich habe viel darüber nachgegrübelt. Sie war unglaublich jung, als der Trubel um sie losging. Schon als Kinderstar wurde sie mit Aufputschmitteln gefüttert, und ihre Mutter peitschte sie zum Erfolg. Aber haben diese Schwierigkeiten Judy Garland nicht auch zu der Person und Künstlerin gemacht, die sie wurde? Bewegt sie uns vielleicht genau deswegen bis heute?

Auch Marilyn Monroe ist unter der Last ihres Ruhms zerbrochen...

Ja. Man muss zugeben, dass so ein Schicksal in Hollywood nicht unüblich ist.

Sie selbst brauchten 2010 eine Pause von Hollywood und haben sich sechs Jahre vom Filmgeschäft zurückgezogen. Danach sagten Sie, Sie hätten Zeit benötigt, „um einfach wieder zu leben“. Wie meinten Sie das?

Nun, es gab so vieles, was ich unbedingt lernen wollte, weil es mich immer begeistert hat. Dauernd sagt man doch, „eines Tages mach’ ich dies und das …“ – und plötzlich ist man 50. Es wurde einfach Zeit. Ich habe mich dann viel mit der Familie beschäftigt, mit den Eltern, aber auch mit Nichten, Neffen und Patenkindern. Ich habe eine TV-Show entwickelt. Diese Phase half mir, eine neue Perspektive auf mein Leben zu finden.

Hat Ihre Auszeit von Hollywood Sie glücklicher gemacht?

Ich brauchte die Pause. Wenn ich ehrlich bin, hat mich vieles sehr belastet. Ich habe es damals gar nicht wahrgenommen, aber meine Familie und Freunde merkten es und redeten mit mir darüber. Heute ist mir klar, dass es mir damals einfach nicht gut ging.

Was lief damals schief?

Wenn man mitten im Chaos steckt, im Auge des Sturms, fällt einem nichts mehr auf. Ich war so dankbar für meine Arbeit, dass ich vergaß, für mein Leben dankbar zu sein. Es ging nur noch um Ziele, gar nicht mehr um mich. Es gab zu wenig Authentizität in meinem Leben, alles war oberflächlich geworden, ich hatte kaum noch tiefere Gespräche mit Leuten. Das führte dazu, dass ich wichtige Lebensentscheidungen nur um den Job herum traf. Die Prioritäten haben einfach nicht mehr gestimmt. Und es ist mir lange nicht mal aufgefallen. Bis mir bewusst wurde, dass ich nicht glücklich werden kann, wenn ich mich nicht auf mich zurückbesinne.

Da denkt man unweigerlich wieder an Judy Garland. Legen Sie eigentlich am Ende des Drehtages eine Figur einfach ab oder bewegt sie Sie weiter?

Ich wollte sicher nicht während der Dreharbeiten rund um die Uhr als Judy Garland angesprochen werden! Aber sie einfach ablegen zu können … nein. Abends habe ich YouTube-Videos über sie angesehen oder mit meinem Sprechtrainer weitergeübt. Ich wollte sie nicht ablegen, wenn ich schlafen ging, sondern bei mir haben. Für mich war das keine Bürde, sondern eine Übung, in der ich gut werden wollte.

Wie finden das Ihre liebsten Menschen, etwa Ihr Freund Doyle, mit dem Sie seit 2012 liiert sind, wenn Sie in so einer Drehblase abtauchen? Ignorieren Sie dann jede Geburtstagsparty, jedes Familienessen?

Wir haben das für uns geklärt: Unser Deal besteht darin, dass wir nach Drehende alles einzeln nachholen. Geburtstage ignoriere ich natürlich nicht, sondern plane vor. Ich verschicke gerne Blumen oder Schokolade, das tue ich frühmorgens, um mich am Set wieder ganz auf die Arbeit konzentrieren zu können.

Apropos, man hört oft, wie aufmerksam Sie seien. Neulich sollen Sie Ihre Crew mit einem Food Truck zum Lunch überrascht haben, auf eigene Rechnung natürlich.

Es macht mir einfach Spaß, anderen eine Freude zu machen. Ich schätze meine Kollegen, ihre Freundschaft, ihr Talent und dass sie so was wie Komplizen sind, Verschworene. Diese Wertschätzung möchte ich auch zeigen. Wenn ich die Chance habe, ihnen etwas Gutes zu tun, warum nicht? Ein paar Tacos reichen, und schon sind wir alle in Partystimmung. Außerdem esse ich selbst sehr gern an Food Trucks.

Sehen Sie sich als Anti-Diva?

Ich habe schon in sehr jungen Jahren großartige Menschen kennengelernt, die mich beeindruckt haben. Von ihnen habe ich gelernt, was für eine wunderbare Wirkung es hat, wenn man großzügig ist und an andere denkt.

Frauen wurden beim Film lange unfair behandelt. Was meinen Sie: Hat #MeToo etwas verändert?

Definitiv. Wir Frauen finden endlich Gehör! Es gibt jetzt mehr interessante Inhalte und damit Rollen für uns. Die Nachfrage war immer da, aber endlich wird sie auch bedient. Das Machtgefüge in Hollywood ändert sich gerade und damit auch die Werte. Frauen werden ernst genommen, sowohl als Künstlerinnen als auch als Publikum. Mit unserer Stimme und unserem Geld bestimmen wir bald, wo’s langgeht. Denn das ist sicher: Frauen werden in Zukunft eine noch größere Rolle im Filmgeschäft spielen.

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