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Reise

Reise-Trend: Winterurlaub im Hygge-Style - die schönsten Hideaways in den Alpen

Skizirkus und Pistenpartys haben ihren Reiz verloren. Der neue Trend heißt Winterurlaub im Hygge-Stil. Eine Zeitreise durch die Wintersportgeschichte – und Alpenorte, die mit Charme und Idylle verzaubern

Alpenlandschaft Aussicht auf die Berge und Hütten
Im Hygge-Stil Urlaub zu machen ist der neue Trend für Ihren Urlaub iStock

Zauberberge- Urlaub im Hygge-Stil

Lange bevor das Skilaufen zum puren Vergnügen deklariert wurde, waren überall dort, wo Winter und Schnee zusammengehörten, Menschen auf zwei Holzbrettern beziehungsweise bescheidenen Schneeschuhen unterwegs: Ärzte, Postboten, Priester, Jäger, aber auch Abenteurer und Polarforscher auf ihren Entdeckertouren im ewigen Eis. Zu den Pionieren des alpinen Wintersport-Tourismus zählt der Schweizer Hotelier Johannes Badrutt. Der lockt im Dezember 1864 ein paar britische Stammgäste, die im Sommer regelmäßig zum Wandern kommen, erfolgreich nach St. Moritz. Er hatte ihnen strahlenden Sonnenschein und tagsüber milde Temperaturen versprochen, behält recht – und die Briten bleiben bis Ostern. Eine zweite Wiege des Wintersports ist die Arlberg-Region, wo der Skilehrer Hannes Schneider wenige Jahre später die „Arlbergtechnik“ entwirft, die für lange Zeit Grundlage des weißen Sports bleiben soll.

Mit dem Film „Der weiße Rausch“, in dem Schneider die Hauptrolle spielt, löst er 1931 in den Alpen, aber auch in den gerade wachsenden amerikanischen Skigebieten eine regelrechte Lawine aus. Zu jener Zeit unbekannte Bergdörfer wie Zermatt, Kitzbühel und Davos erklären sich zu neuen Top-Destinationen in Europa, und es beginnt die wohl schönste Zeit in der Geschichte des Wintersports. Wer auf die Berge will, ist zu Fuß unterwegs und folgt einheimischen Skilehrern auf jungfräuliche, unpräparierte Pisten – in warmen Jacken, flatternden Hosen, handgestrickten Socken und Handschuhen. Nach dem ersten Sturz wärmt man sich in einer urigen Hütte auf, lässt das nasse Zeug am Ofen trocknen und nimmt sich Zeit für Grog und Gerstlsuppe. Vom neuen sportlichen Treiben in den Bergen magisch angezogen, rutschen fortan Skihaserl aus Wien und Wuppertal in breitem Stemmbogen über Idiotenhügel und Buckelpisten.

Lohn der Angst sind Flirtereien, bevorzugt mit einheimischen Naturburschen, an Schneebars und beim obligatorischen Tanztee. Anfangs in schmalen Keilhosen Marke Bogner, groben, über Kreuz geschnürten Lederschuhen, Norwegerpullis, Nickis und groß karierten Flanellhemden. Später dann in knallfarbenen, wasserabweisenden Astronauten-Overalls und Moonboots. Schlepp- und Tellerlifte machen immer häufiger Gondeln und Sesselliften Platz. 1950 bringt Mr. Head den ersten Metallski auf den Markt, zehn Jahre später folgen Glasfaserski, Schuhe aus Kunststoff und Stöcke aus Aluminium. In der Skimode halten zweckmäßige Materialien wie Goretex und Aramid Einzug. Im Laufe der Jahre wohnt man immer seltener in Familienpensionen, wo die Gäste am Abend im gemütlichen Aufenthaltsraum Monopoly spielen, sondern bevorzugt Mountain Resorts mit allem Drum und Dran.

Wellnessanlagen mit Saunalandschaften und beheizten Pools werden zum Standard. In immer mehr Hütten und alpinen Haubenlokalen sorgen namhafte Küchenchefs für kulinarische Kicks. Skifahrer begeben sich auf Genuss-Safaris, in prominenten Ski orten wie St. Moritz feiert man Gourmet-Festivals im Schnee und lässt sich beim Einkehrschwung auf der Corviglia mit Kaviar und Champagner bespaßen. Manch einem wird das zu viel: Der Trubel in vielen Pistenparadiesen kostet Nerven, hohe Preise für Tagestickets passen nicht mehr ins Familienbudget und lassen einst beschauliche Winterurlaube zu hektischen Wochenenden zusammenschrumpfen. In den Skigebieten ist die Message angekommen, und die Statistik zeigt, dass nur noch die Hälfte der Wintersportler auf den Pisten unterwegs ist. Heute besinnt man sich auf die Wurzeln des Wintersports und wirbt flächendeckend mit präparierten Winterwanderwegen, verleiht außer Carvern auch geländegängige Schneeschuhe, organisiert nächtliche Fackelwanderungen und tagsüber romantische Pferdeschlittenfahrten oder Skitouren.

Begleitet wird die neue Beschaulichkeit von heimeligem Retro-Design: Ski in altem Stil werden in kleinen Stückzahlen aus modernem Material handgefertigt. Trendsetter wie die Südtiroler Kultmarke Luis Trenker geben mit ihrem Vintage-Look die Richtung vor, Skimode-Designer wie Bogner und Moncler setzen auf klassische Farben und Formen. In der Hotellerie ist „Hygge“ das neue Zauberwort. Man sehnt sich nach Ohrensesseln, Kuschelcouchen und Kaminfeuer, nach Knödeln und Kaiserschmarrn. Sei es auf einer Hütte mit Gästezimmern, im familiengeführten Boutiquehotel oder in einem der charmanten Chaletdörfer, die sich überall in den Alpen auf harmonische Art in die Welt der Berge einfügen.

Die Seele aufwärmen

Winterwunderland

Flims, Graubünden

Viele Jahre waren die beiden benachbarten Bergdörfer Laax und Flims nur Sommertouristen bekannt. Sie pilgerten zum im Flimser Wald versteckten, kristallklaren Caumasee, dessen Wasser man Heilkräfte nachsagte. Inzwischen gibt es Lifte, präparierte Pisten und Winterwanderwege. Und vor allem der 2800-Einwohner-Ort Flims hat seinen Charme bewahrt.

Hotel-Tipp: Die Jugendstilvilla Schweizerhof ist seit 115 Jahren in Familienbesitz und wird regelmäßig verschönert. Mit 48 Wohlfühlzimmern, Restaurant und Bar. Die vielen Stammgäste lieben Glühweintrinken auf der Dachterrasse, Candlelight-Dinner zu zweit, Private Spa mit Champagner und Bündnerfleisch und Nachtschlitteln mit Fondue- Abend. DZ ab 210 Euro, schweizerhof-flims.ch

Filmkulisse auf Zeit Mürren, Berner Oberland

Als der australische James-Bond- Darsteller George Lazenby 1969 im Auftrag seiner Majestät das steile Schilthorn herabwedelte, stand zu befürchten, dass Mürren seine Unschuld verlieren würde. Es blieb, bis auf die Dauerausstellung „Bond World 007“ im Drehrestaurant Piz Gloria auf dem 2970 Meter hohen Gipfel, Gott sei Dank verschont. Das autofreie Walserdorf zu seinen Füßen mit gerade mal 418 Einwohnern ist ein Geheimtipp unter den verwunschenen Sehnsuchtsorten im Berner Oberland. Alles ist so, wie es war. Auch am Stägerstübli, von dem Einheimische und Gäste behaupten, hier gäbe es das beste Fondue weltweit, ist die Zeit spurlos vorbeigegangen.

Hotel-Tipp: das Belle-Époque-Juwel Regina, ein liebevoll geführtes, kulturell ambitioniertes Familienhotel. Von 50 Einzel- bis Vierbettzimmern haben nur neun ein Bad. Dafür gibt es seit 2015 einen Kulturverein. DZ ab 130 Euro, regina-muerren.ch

Vergessene Paradiese

Berg Dörfer im Engadin

Noch bis ins 20. Jahrhundert fungierte das winzige Bauerndorf Vna als Zollstation an der Handelsstraße zwischen dem Engadin und dem österreichischen Paznaun. Heute ist es ein herrlicher Rückzugsort für Sommer- und Wintergäste, die Wert auf Tradition und unversehrte Natur legen.

Hotel-Tipp: Das Zuort ist eher ein schmucker Gutshof mit Landwirtschaft als ein Hotel. Der Tiroler Stil des Gebäude-Ensembles findet sich auch in der Küche wieder, mit Gitzibraten, Gerstlsuppe und Kaiserschmarrn. Zum länger Verweilen gibt es vier Doppelzimmer in historischem Stil, zwei rustikale Vierbettzimmer und eine Chalet-Suite mit antiken Kachelöfen. DZ ab 110 Euro, zuort.ch

Zwischen St. Moritz und Zuoz liegt das klitzekleine Schanf (mit eigener Bahnstation) noch im Dornröschenschlaf.

Hotel-Tipp: die Villa Flor mit sieben heimeligen Zimmern und viel Sinn für moderne Kunst. Unser Favorit: Zimmer Nr. 1 mit offenem Kamin. DZ ab 210 Euro, villaflor.ch

Schöne, heile Winterwelt

Salzburger Land

Im Schatten der bekannten Skiregionen versteckt sich eine Handvoll kleiner, feiner Geheimtipps. Zum Beispiel das Großarltal am Rand des Nationalparks Hohe Tauern, eines der schönsten Alpentäler überhaupt – und eine perfekte Kulisse für sanften Wintersport.

Hotel-Tipp: Großarler Hof mit 40 stilvoll-kuscheligen Zimmern und Suiten sowie Salzburger Genießerküche und Pongauer Spezialitäten in Restaurant, Stube und Weinkeller. Lieblingsplätze: am Kamin, in der „American Bar“ und in der Kräutersauna. DZ mit Verwöhnpension ab 310 Euro, grossarlerhof.at

Ebenfalls noch nicht überlaufen ist das Skigebiet um Saalfelden- Leogang, zu Füßen der Leoganger Steinberge und des imposanten Hochkönigs. Ein halbes Dutzend außergewöhnlicher Hideaways schmücken dieses schöne Stück Natur. Zwei davon im Bilderbuchdorf Maria Alm: Hotel Sepp, ein brandneues Boutiquehotel in smartem Alpen-Look, mit Sauna und Infinity-Pool auf dem Dach. Im „Sepp Dachboden“ genießt man am Abend Leckeres aus der Showküche. DZ ab 99 Euro, edersepp.com

Absolute Vorzeigeadresse in Maria Alm: der für seine ausgezeichnete Küche 2016 von Gault-Millau zum Hotel des Jahres gewählte Wachtelhof, mit Chalet- und Alpenzimmern, die mit Kuscheldecken und Kaminfeuer Wohligkeit und Wärme ausstrahlen, und einem SpaChalet mit geheiztem Außenpool. Für eine SkiSafari im Skigebiet Hochkönig amadé organisiert das Hotel einen privaten Guide. Wer’s ruhiger angehen möchte, wählt zwischen SchneeschuhWanderung, Langlauf oder Schlittenfahrt. Zur Bahnstation Saalfelden gibt es einen LimousinenShuttle. DZ mit HP ab 310 Euro, hotelwachtelhof.at

Wer gerne mitten im Ort wohnen möchte, ist im Kirchenwirt direkt neben der Leoganger Kirche an der richtigen Adresse. Das fast 700 Jahre alte Haus mit seinen historischen Gewölben wird in siebter Generation von derselben Familie geführt und schlägt eine Brücke zwischen Alt und Neu. In den 17 alpenländischen Zimmern und Suiten findet man historische Schränke und Hochzeitstruhen, aber auch Flatscreens und modernen Komfort in den Badezimmern. In den Gaststuben steht die klassische Wirtshauskarte neben moderner regionaler Küche im „back to the roots“Menü. DZ ab 140 Euro, hotelkirchenwirt.at

Nicht weit vom bekannten Wintersportort Zell am See versteckt sich der Weyerhof in Bramberg am Wildkogel, einem kleinen Skigebiet mit rund 70 Pistenkilometern. Hier pflegt die Familie Meilinger einheimische Lebensart und Gastfreundschaft. Mit bester regionaler Küche und 15 Zimmern im modernschlichten Alpenstil. DZ ab 130 Euro, weyerhof.at

Family & Friends

Chaletdorf Statt Hotel, Tirol

Einige Chaletdörfer waren ursprünglich unbewohnte Weiler, die dann umgestaltet wurden, andere ergänzen Hotels. Oder sie stehen als Dorfanlagen ganz für sich selbst. Weltenbummler Dominik Posch erfüllte sich 2009 einen persönlichen Traum: LaPosch, ein mit viel Herzblut angelegtes Chaletdorf in Biberwier bei Leermoos, das er mit Frauund Großfamilie betreut. Ganz neu: sechs zweistöckige, aus einheimischem Mondholz gebaute „Seealmen“ an einem künstlich angelegten See. Und: das „Walters“ mit fünf Tischen und Bergblick, wo neuerdings für die Gäste gekocht wird. DZ ab 310 Euro, chaletresort-tirol.at

Dem Himmel so nah

Weltkulturerbe Dolomiten, Südtirol

Einfach atemberaubend: die Aussicht auf Hunderte Dolomitengipfel vom Albergo Rifugio Pralongia auf 2157 Meter Höhe, das nur mit dem Lift oder Motorschlitten erreichbar ist. Von den Skiorten Corvara und St. Kassian kommt man mit dem Auto bis zur Talstation des Sessellifts Pralongia. Gepäck wird separat transportiert. Das Rifugio ist Hütte, Gasthof und Gästehaus gleichzeitig. Auf dem Speiseplan steht italienische und ladinische Hausmannskost. Durch die großzügigen Fenster der sieben Doppelzimmer sieht man nachts die Sterne leuchten. Morgens zieht man erste Spuren in den jungfräulichen Schnee. DZ mit Halbpension ab 214 Euro, pralongia.it

Tradition & Moderne

Urlaubsidylle Allgäu

In Ofterschwang genießen Wintersportler den Blick aufs Nebelhorn und die umliegenden Oberstdorfer Berge. Neue Wohlfühloase in der Nachbarschaft: die fünf 80 bis 320 Quadratmeter großen, loftähnlichen Feriendomizile des Talgut, alle mit eigener Küche. Gastgeberin Sabine Horlacher und ihre Familie verwöhnen die Gäste nach Gusto mit einem Frühstückskörberl an der Tür oder einem liebevoll gedeckten Tisch und stellen fertig zubereitete Wunschgerichte in den Kühlschrank. Ausflüge auf Tourenskiern und Schneeschuhwanderungen beginnen direkt vor der Tür, Langlaufloipen führen bis ans Haus. DZ ab 162 Euro, talgut.de

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 02/19 erschienen.

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