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Fernreise

Reise-Guide Seidenstrasse: Die schönsten Orte in Zentralasien

Die Seidenstrasse brachte den zentralasiatischen Ländern Reichtum und Macht. Eine Guide zeigt Ihnen die schönsten Orte und erklärt wichtige Reiseinformationen

Blick über Buchara, Usbekistan
Buchara, Usbekistan, gehört zu den Zielen in Zentralasien, die Sie unbedingt sehen sollten iStock

Reise-Guide Seidenstrasse: Unterwegs in Zentralasien

Der Ticketverkäufer ist längst auf dem Weg nach Hause, er hat das Tor unverschlossen gelassen. Es ist Abend über der Steppe Kirgisistans, die Hitze des Tages bloß noch ferne Erinnerung. Statt vibrierend zu flirren, glüht der Horizont nun golden. Von den Bergen zieht ein kühler Wind über die Ebene heran, er raschelt in den Pappeln und zaust das Fell eines schlafenden Hundes, der zusammengerollt am Fuße eines Turms liegt. Ganz für sich steht das tausend Jahre alte Minarett in der Ebene. Einst gehörte es zu einer mächtigen Stadt, die an der Handelsstraße von Ost nach West lag.

Karawanen brachten Gewürze aus Indien und das Fell der Schneeleoparden aus der Mongolei, Schwerter aus Damaskus, Papier aus Persien. Vor allem aber brachten sie Seide, diesen mystischen Stoff , der jener alten Route später ihren Namen gab. Auf den Märkten des Westens wurde Seide mit Gold aufgewogen; von den Gewinnen errichteten sich die hiesigen Herrscher Paläste, gedacht für die Ewigkeit. Nichts jedoch ist geblieben von Balasagun, der Prächtigen, kaum jemand kennt noch ihren Namen. Irgendwann wurde die Stadt zerstört, irgendwann verfielen ihre Mauern zu Staub, irgendwann waren auch ihre letzten Reste vom Winde verweht. Nur der Turm der größten Moschee steht bis heute. Er ragt in den Abendhimmel wie ein mahnender Zeigefinger. Als wolle er daran erinnern, dass nichts unter der Sonne für immer währt.

Moschee in Asien
iStock

So geht es einem immer wieder auf einer Reise entlang der Seidenstraße: Dieses Land lässt einen poetisch werden. Manchmal nachdenklich. Ziemlich oft demütig. Sind das Landschaften! Ist das eine Weite! Und diese Leere! Überall Steppe, von einem Ende des Horizonts bis zum anderen, und wo keine Steppe ist, sind Berge, und wo keine Berge sind, ist Wüste. Auf der Landkarte sehen die ehemaligen Sowjetstaaten mit den „stan“-Endungen bereits so einschüchternd aus, dass man sich bei der Planung vorsorglich nur kleine Stücke davon ausgesucht hat.

Und dann kommt man an in Almaty oder Bischkek oder Taschkent und stellt fest: Selbst diese Stückchen sind in der Realität unfassbar groß. Und wild. Und extrem. Im Sommer brennt die Sonne das Land, im Winter wird es von Schneestürmen gepeitscht, in manchen Regionen Zentralasiens betragen die Temperaturunterschiede zwischen August und Februar 80 Grad. In den Nächten spannt sich ein sternenzerstoßener Himmel über Steppe, Wüste und Gebirge, ein Himmel so unermesslich weit, als wolle er den Menschen mit jedem seiner schwindelerregend vielen Lichter die eigene Winzigkeit vor Augen halten. Und seine Bedeutungslosigkeit.

Seidenstrasse: Die Mitte der Welt

Hier lag einst die Mitte der Welt. Vor tausend Jahren – plus/ minus ein paar Jahrhunderte davor oder danach – machte der Handel mit Seide (und etlichen anderen Gütern) in dieser Region aus ärmlichen Weilern prosperierende Metropolen. Ihre Herrscher spornten sich gegenseitig an, jeder ließ größere Bibliotheken und prächtigere Moscheen erbauen und gigantischere Marktplätze anlegen. Weil die Emire von Samarkand, Buchara und Kashgar zudem um die Bedeutung der Wissenschaft wussten, gründeten sie Hochschulen, an denen die bedeutendsten Gelehrten Asiens forschten.

Die Zentren der geistigen Welt, die Harvards und Oxfords ihrer Zeit – sie befanden sich nicht in Europa. Sie lagen hier, in den Steppen und Wüsten Zentralasiens. Was erhalten ist aus jenem Zeitalter, lässt einen heute noch staunen. Im usbekischen Buchara hat die Unesco die komplette Altstadt unter Schutz gestellt, über 140 Gebäude. Beinahe benommen steht man vor immer neuen Moscheen, Mausoleen und überdachten Basaren. Bei einem Spaziergang kann man sich da leicht verzetteln, und den Überblick hat man sowieso schnell verloren.

So schmeckt der Osten Asiens

Deswegen: Besser Pausen machen! Aus den alten Karawansereien, in denen Händler und Kamele einst Schutz vor der Macht der Elemente fanden, haben Hoteliers bezaubernde Unterkünfte gemacht. In deren stillen Innenhöfen vertrödelt man die heißen Stunden des Tages, durch dicke Mauern abgeschottet vom Tosen der Welt. Liegt auf einem Diwan, trinkt einen Granatapfelsaft, knabbert Gebäck, das wie Pfeffernüsse schmeckt. Und fragt sich, welche Neuigkeiten die Hirtenstare wohl die ganze Zeit bereden, wenn sie auf ihren gelben Vogelfüßchen über das Pflaster stolzieren.

Vielleicht schwärmen sie ja von Samarkand. Die Stadt, deren Name einen ähnlichen Zauber heraufbeschwört wie Timbuktu oder Sansibar, ist eine der ältesten in Zentralasien und liegt eine unendlich heiße und unendlich leere Wüste entfernt. Es ist später Nachmittag, als der Zug ankommt, es ist früher Abend, bis es das Taxi durch den Feierabendverkehr ins Zentrum geschafft hat. Und dann wird es dunkel in Samarkand, die Sonne veranstaltet ihr übliches Spektakel in Orange und Karmesin und Zinnoberrot, und am Registan wird die Beleuchtung angeschaltet.

Malerische Landschaften

Man hat diesen Ort den Petersplatz Zentralasiens genannt, aber nichts in Rom (und möglicherweise nichts auf der Welt) besitzt die grazile Schönheit dieses Gebäude-Triptychons mit seinen Kuppeln und Türmen. Fast ist es, als schwebe der komplette Platz eine Handbreit über dem Boden und wolle demnächst hinauf in andere Sphären. Die vielen flachen Treppen hier sind da, um sich zu setzen. Und zu schauen. Und zu staunen. Am nächsten Morgen vor der Bibi-Chanum-Moschee, allein mit acht älteren Frauen, die sich in ihren gemusterten Gewändern, mit den Kopftüchern und dem Goldzahnlachen zum Verwechseln ähnlich sehen und alle gern ein Selfie von sich und dem

Besucher aus dem Westen haben möchten. Der Feldherr und Eroberer Tamerlan hat das Gotteshaus Ende des 14. Jahrhunderts errichten lassen, und noch immer scheint es mit seinen himmelsstürmenden Wänden voller Ornamente in Türkis- und Blautönen nach den Sternen zu greifen. Auch im Innern ist bis hinauf in die Kuppeln alles mit Mosaikmustern verziert, im Unterschied zu unseren Kirchen aber sind diese Kathedralen der Wüste komplett leer.

Gebirge
iStock

Endlose Weiten in Zentralasien

Als wollten sie sagen: Unsere Schönheit hat euch von weither angelockt, willkommen, Friede sei mit euch. Nun aber, wo ihr da seid, müsst ihr selbst die Leere füllen mit euren Gedanken und Gebeten. Tamerlan kann sich übrigens nicht oft in seiner Hauptstadt aufgehalten haben, die meiste Zeit hat der Herrscher Zentralasiens wohl auf Eroberungszügen im Sattel verbracht. Man schätzt, dass in seinem Reich damals die Hälfte aller Pferde weltweit lebte, und wenn man heute in den Steppen Kasachstans unterwegs ist oder in den Gebirgstälern Kirgisistans, ahnt man: Möglicherweise ist das ja noch immer so. Dieser Teil Zentralasiens mag im Winter wie im Sommer von den Elementen gebeutelt sein, im Herbst und Frühling aber wirkt er mit seinen ineinanderfließenden Wiesen und Weiden wie ein pastorales Gemälde.

Es gibt keine Zäune, Menschen wie Pferde bewegen sich frei, und wenn man will, kann man irgendwo anhalten und aussteigen und hinauslaufen in die sanft geschwungenen grünen Hügel. Bleibt man stehen, hört man nichts außer dem Wind, der durch das Gras fährt, und außer dem Gras ist da nichts, mit dem er ein Geräusch machen könnte, kein Busch, kein Baum, nichts. Es heißt ja, es gebe Gegenden, in denen fänden Natur und Seele zusammen, und vielleicht gehören die Täler des südlichen Kirgisistans zu ihnen. Bestimmt aber wäre die Welt ein besserer Ort, wenn es mehr solcher Landschaften gäbe.

Die Geheimnisse der Seidenstrasse

Ach ja. Nun sollte man nicht erwarten, den Geheimnissen der Seidenstraße auf den Grund gehen zu können – man hat auf einer Reise durch Zentralasien schon genug zu tun mit den Rätseln des Alltags: Warum muss man den Wasserhahn mal nach links drehen, um warmes Wasser zu bekommen – und manchmal nach rechts? Wie kann Haar nur so makellos nachtschwarz sein wie das aller jungen Frauen? Welche Straßenverkehrsordnung gilt, wenn Eselskarren und E-Scooter gemeinsam unterwegs sind? Wieso stecken in allen Restaurants die gefalteten Papierservietten so in ihrem Halter, dass alle herausfallen, wenn man eine einzige herauszieht? Und wer um alles in der Welt kauft diese überdimensionierten Schaffellmützen mit ihren wirren Zotteln, die in den Straßen von Buchara feilgeboten werden?

Und wer all die Teller und Schüsseln? Ihre Händler haben die Städte der Seidenstraße wohlhabend gemacht; Ende des 15. Jahrhunderts aber endete in diesem Teil der Welt eine Epoche. Damals entdeckten – kurz nacheinander – Kolumbus den Weg nach Amerika und Vasco da Gama die Seeroute nach Indien. Die Handelswege änderten sich innerhalb kurzer Zeit, und Europa wurde zur neuen Drehscheibe zwischen Ost und West.

In den Steppen und Wüsten Zentralasiens aber verschwanden Kulturen und versanken Städte im Sand, deren Reichtum, Macht und Einfluss lange Zeit so groß waren, dass sie glaubten, nichts könne ihnen etwas anhaben. Es wird dunkel am Turm in der kirgisischen Steppe, aus dem kühlen Wind aus den Bergen ist ein kalter geworden, über dem Schnee der Gipfel zerstoßen die ersten Sterne den kobaltblauen Abendhimmel. Der Hund ist aufgewacht. Er steht auf und dreht sich verwundert um, als verstehe er nicht, wohin sein Traum so plötzlich verschwunden ist. Dann legt er sich wieder hin, schließt die Augen und wartet darauf, dass er zurückkehrt.

Reiseinformationen für die Seidenstrasse:

Reisezeit

Am besten eignen sich Frühling und Herbst. Die Sommer sind sehr heiß, die Winter in den meisten Regionen bitterkalt.

Visum

Reisende aus Deutschland benötigen für Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan kein Visum. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.

Geld

Am besten nimmt man Euro- (oder Dollar-)Scheine mit; in allen Ländern kann man in jedem halbwegs größeren Ort bei offiziellen Geldwechslern schnell und bequem tauschen (in Usbekistan wird man mit hundert Euro zum So’m-Millionär). Bankomaten sind außerhalb der Städte rar. Größere Hotels akzeptieren Kreditkarten.

Hotels

• Ritz-Carlton, Almaty, Kasachstan

Nicht nur architektonisch ist das in den obersten Stockwerken des Esentai Tower gelegene Hotel das Maß aller Dinge in der kasachischen Metropole. Innen ist es sowieso ein Traum: elegantes East-meets- West-Design, Spa – und eine Sky Lounge mit schwindelerregendem Panorama. DZ ab 224 Euro, ritzcarlton.com

• Green Yard, Karakol, Kirgisistan

Versteckt gelegenes Boutiquehotel mit 26 schönen Zimmern und so allwissendem wie hilfsbereitem Personal. Die Terrasse führt zu den hoteleigenen Obstgärten; das Frühstück ist eine Extravaganza aus Beeren, Früchten und selbst gemachten Kuchen und Marmeladen. DZ ab 51 Euro, greenyard.kg

• Boutique Hotel, Buchara, Usbekistan

Die Zimmer der alten Karawanserei in Bucharas märchenhafter, zum Unesco-Welterbe gehörenden Altstadt liegen um einen Innenhof, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. DZ ab 60 Euro, 63 Eshoni Pir Street, Tel. +998 93 477 08 00

Veranstalter

Studiosus hat unterschiedliche Reisen an die Seidenstraße im Programm – 2020 z. B. eine 19-tägige Zentralasienreise, die nach Turkmenistan, Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan führt (15 Reisetermine zwischen April und Oktober); inkl. aller Flüge, Rundreise, Übernachtungen und Halbpension ab 4145 Euro. Sämtliche Bus-, Bahn- und Schiff sfahrten stellt Studiosus übrigens automatisch klimaneutral. studiosus.com.

Dieser Artikel stammt von Stefan Nink und ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 12/19 erschienen.

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