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Rami Malek im Interview über seine Rolle in James Bond - "Keine Zeit zu sterben"

Für seine Darstellung als Queen-Frontmann Freddie Mercury bekam Rami Malek einen Oscar. Jetzt ist er im neuen Film „Keine Zeit zu sterben“ als Gegenspieler von James Bond zu sehen

Rami Malek im Interview
Oscar-Preisträger Rami Malek erzählt im Interview mit MONSIEUR über seine Rolle als Bösewicht im neuen "James Bond" - Film. Getty Images

Rami Malek als Bösewicht im neuen "James Bond" - Film

Lange Jahre war Rami Malek so etwas wie Hollywoods bester Geheimtipp. Nach seinem Schauspielstudium trat er vor allem in Nebenrollen in Serien wie "Gilmore Girls" und "24" sowie Filmen wie "Nachts im Museum" und "The Master" auf. Ein Hingucker war der in Los Angeles geborene Sohn ägyptischer Einwanderer mit seinen dunklen Locken und den eindringlichen Augen zwar auch dort, doch die ersten zehn Jahre seiner Karriere flog er eher unter dem Radar.

Das änderte sich 2015 mit der Hauptrolle in der erfolgreichen Hacker-Serie "Mr. Robot" (die gerade nach vier Staffeln zu Ende ging), für die Malek mit dem Emmy-Award ausgezeichnet wurde. Und spätestens, seit er im Welterfolg "Bohemian Rhapsody" den Queen-Sänger FreddieMercury verkörperte und dafür nicht nur einen Golden Globe, sondern auch noch den Oscar gewann, ist der 38-Jährige ein echter Superstar.

So richtig hat sich Malek an das Scheinwerferlicht allerdings noch immer nicht gewöhnt. "Deswegen stolpere ich in der Öffentlichkeit so oft", sagt er lachend mit Verweis auf seine Unbeholfenheit, die er etwa auf der Oscar-Bühne im vergangenen Jahr demonstrierte. Und in Interviews spricht er nur ungern über sich selbst oder gar seine Beziehung zu Kollegin Lucy Boynton.

Der guten Laune bei unserem Treffen im Keller eines Design-Hotels im New Yorker Stadtteil SoHo tut das allerdings keinen Abbruch. Denn über James Bond und seine geheimnisumwitterte Rolle als Bösewicht Safin im neuen 007-Film „Keine Zeit zu sterben“ (ab 2. April im Kino) plaudert der ganz in Schwarz gekleidete Malek um so lieber.

Im Interview mit Rami Malek

MONSIEUR: Mr. Malek, erinnern Sie sich noch an den ersten "James Bond", den Sie gesehen haben?

Rami Malek: Das muss entweder "Dr. No" oder "Goldfinger" gewesen sein. Ich habe zu Hause auf dem Sofa mit meinem Vater und der Familie alle alten Bond-Filme gesehen, doch die beiden gehören bis heute zu meinen absoluten Favoriten. Aber auch Daniel Craigs erster Auftritt in „Casino Royale“ ist mir lebhaft in Erinnerung. Wie er da in diesen fahrenden Zug springt und dann erst mal seine Manschetten geraderückt – was für ein cooler Moment! Jetzt dieser Ikone auf Augenhöhe zu begegnen, war natürlich große Klasse.

Ihre Familie ist wahrscheinlich genauso begeistert?

Ich glaube, die sind alle immer noch geschockt, was in den letzten paar Jahren in meiner Karriere so alles passiert ist. Für sie bin ich der kleine Rami von früher. Und im Grunde bin ich das ja auch. Zumindest ist es mir wichtig, derselbe zu bleiben.

Trotzdem sind Sie nun einmal inzwischen ein Star. Wie fühlt sich das an?

Was heißt das schon: ein Star? Zunächst mal ist es einfach ein sehr befriedigendes Gefühl, dass ich mir den Traum von der Schauspielerei erfüllen darf. Klar, das zieht auch ein paar weniger schöne Konsequenzen nach sich, man büßt zum Beispiel ein wenig Privatsphäre ein. Das ist nicht immer ganz einfach, aber ich lerne immer besser damit umzugehen. Denn ich möchte auf keinen Fall darauf verzichten, am Leben teilzunehmen oder bestimmte Orte zu besuchen, aus Angst, jemand könnte mich erkennen, ein Foto machen oder meine Gespräche belauschen. Aber ich kann nicht leugnen, dass ich manchmal in der Öffentlichkeit eben doch einen Schritt schneller laufe und den Kopf einziehe.

Seit einem Jahr dürfte das nötiger sein denn je. Ist es für Sie noch surreal, wenn hinter Ihrem Namen "Oscargewinner" steht?

Im Gegenteil, das ist sogar sehr real. Denn ich erinnere mich selbst jeden Tag daran, dass mir das passiert ist, welche Bedeutung es für mich hat und dass diese Ehre nichts Selbstverständliches ist. Privilegien wie diese sollte man sich immer auch als solche vor Augen führen.

Erinnern Sie sich noch daran, was Sie damals auf der Oscarbühne konkret gedacht oder gefühlt haben?

Ich weiß noch, dass ich am Abend vorher Leonardo DiCaprio getroffen habe und ihn fragte, ob er nicht einen Ratschlag für mich hätte. Einfach für den Fall der Fälle, ich war ja immerhin schon nominiert. Er meinte, ich solle so gut vorbereitet wie möglich sein, denn oben auf der Bühne sei es fast unausweichlich, dass man im Eifer des Gefechts vergisst, was man sagen wollte. Und tatsächlich fühlte ich mich dann gleichzeitig vorbereitet und trotzdem vollkommen überwältigt. Und es war unglaublich schwer, meine Knie am Schlottern zu hindern.

Kommen wir zu Bond und "Keine Zeit zu sterben" zurück. Haben Sie die Rolle in dem Film dem Oscar zu verdanken?

Nein, dass ich den Widersacher von James Bond spielen würde, stand bereits vor der Oscarverleihung fest. Ich kenne die Bond-Produzentin Barbara Broccoli schon seit einigen Jahren. Sie war ein Fan meines Films "Short Term 12" und wollte mich kennenlernen. Als sie damals sagte, dass wir auf jeden Fall mal zusammen arbeiten müssten, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht an den Bond-Film gedacht. Eher an was Kleines, ein Theaterstück oder so.

Stimmt es, dass Sie Ihre Zusage an gewisse Bedingungen geknüpft haben ?

Nicht ganz. Allerdings habe ich beim ersten Treffen mit dem Regisseur Cary Fukunaga klargestellt, dass ich kein Interesse daran habe, einen Terroristen mit einer religiösen Ideologie zu spielen. Ganz gleich, um welche Religion es sich dabei handelt. Als Bösewicht in einem solchen Film ist man ja in der Regel für ziemlich viel Unheil verantwortlich und wird natürlich von einem Großteil des Publikums gehasst. Ich wollte einfach nicht, dass irgendwo auf der Welt Kinder den Film sehen und die Taten dieses Mannes automatisch mit einem bestimmten Glauben oder einer bestimmten Religion assoziieren. Das war mir als Sohn koptischer Ägypter einfach wichtig. Doch zum Glück war etwas in der Richtung ohnehin nicht geplant.

Was macht Ihrer Meinung nach die Faszination der Bösen in den 007-Filmen aus, sowohl für das Publikum als auch für Schauspieler?

Ich denke, die Sache ist ganz einfach: James Bond ist ein ganz besonderer Held – und deswegen muss jeder, der es mit ihm aufnehmen kann, letztlich auch etwas Besonderes sein. Die besten dieser Gegenspieler sind bis heute unvergessen und überlebensgroß, aber trotzdem keine Witzfigur oder Karikatur. Und sie verursachen beim Publikum Gänsehaut – und zwar auf der ganzen Welt.

Haben Sie sich von Ihren Vorgängern inspirieren lassen?

Aber sicher! Als Schauspieler ist es doch ganz normal, dass wir uns den einen oder anderen Kniff von Kollegen abgucken. Deswegen habe ich mir ein paar Filme angesehen, in denen ich die Bösewichte besonders faszinierend fand. Allen voran Javier Bardem. Den halte ich für einen der größten Schauspieler unserer Zeit. Als Widersacher in "Skyfall" war er außergewöhnlich, und jenseits von 007 war seine Rolle damals in "No Country For Old Men" einer der furchteinflößendsten Auftritte, die ich je gesehen habe. Aber auch Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer" war eine Inspiration.

Dieser Artikel stammt von Patrick Heidmann und ist erstmalig in der MONSIEUR-Ausgabe 01/20 erschienen.

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