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Kultur

"Helfen ist meine Berufung"

Eine Frau mit einer Aufgabe: Velma Saric hat mit ihrem Projekt Ordinary Heroes den Intercultural Innovation Award 2014 gewonnen. Wir haben die junge Frau zum Gespräch getroffen.

Ordinary Heroes gewinnt den Intercultural Innovation Award 2014

Velma Saric ist gestresst. Hinter ihr liegt eine Woche intensiver Workshops in der BMW-Zentrale in München: Medientraining, Projektmanagement, Marketing, BWL. Der Höhepunkt war die Projektpräsentation vor Top-Managern des Automobil-Konzerns. Velma ist immer noch ein bisschen elektrisiert: "All diese erfolgreichen Topmanager mit ihrem Spezialwissen, ihren Connections und ich durfte mein Unternehmen vor ihnen präsentieren! Das war schon etwas ganz Besonderes!"

Das sagt die Frau, die erst vor wenigen Monaten einen Preis für ihr außergewöhnliches humanitäres Engagement von Ban Ki Moon entgegennehmen durfte. Velma Saric gewann mit ihrem Multimedia-Projekt Ordinary Heroes über zivile Heldentaten während des Bosnienkriegs bei dem Intercultural Innovation Award 2014 den ersten Platz.

Die Finalisten des Intercultural Innovation Award 2014 bei der Preisverleihung auf Bali
Die Finalisten des Intercultural Innovation Award 2014 bei der Preisverleihung auf Bali Die Finalisten des Intercultural Innovation Award 2014, UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, BMW Kommunikationsleiter Bill McAndrews und UNAOC-Repräsentant Nassir Abdulaziz Al-Nasser bei der Preisverleihung auf Bali BMW

Velma lächelt: "My Million-Dollar-Picture" nennt sie das Foto, das sie bei der Preisverleihung auf Bali neben dem einflussreichen UN-Generalsekretär zeigt und das im Zuge der Berichterstattung über den Intercultural Innovation Award 2014 durch die Presse ging. Plötzlich gehen Türen auf, Leute rufen an und wollen mit ihr zusammenarbeiten.

Velma hat eine Millionen weiterer Projekte für ihre Organisation Post-Conflict Research Center in Sarajevo auf dem Schreibtisch und organisiert gerade die Finanzierung. Sie verzichtet bewusst auf staatliche Mittel. Seit es das Post Conflict Research Center gibt, haben politische Organisationen immer wieder versucht, Velma Saric für sich zu vereinnahmen. Doch Velmas Aufgabe ist Peace-building und nicht das Bewahren eines Konflikts, der in den 90ern knapp 100.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Und so zeigt das Post-Conflict Research Center in großen Foto-Ausstellungen auf öffentlichen Plätzen Geschichten von Mut, Stärke und Zivilcourage auf allen Seiten eines unmenschlichen Krieges, dessen Massaker von Srebrenica im Juli 1995 sich den zweifelhaften Ruhm zuschreiben kann, das schwerste Kriegsverbrechen seit Ende des zweiten Weltkriegs zu sein. In Videos dokumentiert Ordinary Heroes die Geschichten von Menschen, die unter Lebensgefahr anderen Menschen halfen, über ethnische, religiöse und politische Grenzen hinweg.

Velma Saric & Post-Conflict Research Center

Velma Saric war erst 13 Jahre alt, als der Krieg begann und ihre Mutter sie anwies, das Wichtigste in eine Tasche zu packen. Drei Jahre lang verbrachte Velma auf der Flucht, im Hinterkopf immer der Gedanke, dass ihr Leben jetzt gleich enden könne. Ihre Erfahrungen aus dem bosnischen Krieg und der Genozid an knapp 8.000 Bosniaken haben Velma tief erschüttert und zu ihrer Entscheidung geführt, ihrem Land zu helfen, sein grausames Vermächtnis hinter sich zu lassen.

Durch ihre Arbeit beim Institute for War and Peace Reporting in Sarajevo entdeckte Velma die Geschichten von Menschen, die während des Krieges ihr Leben in Gefahr gebracht hatten, um anderen zu helfen. Velma Saric machte daraus das Projekt Ordinary Heroes: die Wander-Ausstellung "The Rescuers", die Dokumentarfilm-Serie "Ordinary Heroes", die Jugend-Workshops "Heroes in Training" und den Srdan Aleksic Jugend-Wettbewerb.

2010 arbeitete das Post-Conflict Research Center mit Angelina Jolie an ihrem Regiedebüt In The Land Of Blood And Honey zusammen. Velma Saric fungierte als Researcherin für Jolies Film über den Bosnienkrieg und stellte Kontakt zu Überlebenden und Opfer-Organisationen her.

Website des Post-Conflict Research Center

Ein Leben für den Frieden

Doch Velmas Anliegen ist nicht die Errichtung eines Mahnmals. Wenn sie über die hohe Arbeitslosenquote und die tristen Aussichten für junge Menschen in Bosnien und Herzegowina spricht, kommt die Wut über einen korrupten und über die Maßen aufgeblähten Regierungsapparat in ihr durch.

58% der jungen Bosnier sind arbeitslos, leichte Beute für die Rekrutierer von IS, die die jungen Männer mit guten Gehältern in ihre Reihe locken und selbst jungen Frauen über 200 Euro in der Woche zahlen, damit diese sich verschleiern. Velmas Post-Conflict Research Center will diese chancenlose Jugend aufklären, alte Vorurteile aufbrechen und Toleranz eröffnen, damit ein solcher Genozid nie wieder passiert.

Die Auszeichnung des Intercultural Innovation Award hat sie wieder ein Stück weiter nach vorne gebracht und ihr gezeigt, dass sie das Richtige tut.

Unterstützung für messbare Erfolge und Nachhaltigkeit

Franziska Dusch von dem Deutschland-basierten Online-Projekt für mehr Gleichberechtigung Equal for Equal beim Workshop
Franziska Dusch von dem Deutschland-basierten Online-Projekt für mehr Gleichberechtigung Equal for Equal beim Workshop Franziska Dusch von dem Deutschland-basierten Online-Projekt für mehr Gleichberechtigung Equal for Equal beim Workshop BMW AG/Tommy Lösch

Der Preis für innovative Projekte für bessere Völkerverständigung wird seit 2011 von der BMW Group und der UNAOC (United Nations Alliance fo Civilizations) an Grassroots-Organisationen weltweit verliehen und sein heimlicher größter Benefit ist nicht die Finanzspritze, die die elf Finalisten bekommen, oder die mediale Aufmerksamkeit, sondern der anschließende strategische Support durch die UNAOC und die BMW Group.

Bill McAndrews, Leiter Konzernkommunikationsstrategie, Unternehmens- und Märkte-Kommunikation der BMW Group, rief den Intercultural Innovation Award ins Leben und konnte die UNAOC 2011 als Partner gewinnen. "Die BMW Group ist ein globales Unternehmen mit Mitarbeitern aus Hunderten Nationen, interkulturelle Kompetenz ist ein unerlässlicher Teil unserer täglichen Arbeit. Deswegen sind wir sehr glücklich, mit der UNAOC zusammenzuarbeiten und Organisationen zu unterstützen, die neue Wege für interkulturellen Dialog und Zusammenarbeit fördern."

Der Intercultural Innovation Award

Seit 2011 vergibt die BMW Group in Partnerschaft mit der United Nations Alliance of Civilizations einen Preis an internationale Grassroots-Organisationen, die sich mit außergewöhnlichen Projekten für mehr Toleranz und bessere interkulturelle Verständigung einsetzen.

Die zehn Finalisten bekommen außer einem monetären Preis ein einjähriges Mentoring, Workshops und intensiven Support von der BMW Group und eine Mitgliedschaft in dem Intercultural-Leaders-Netzwerk.

2014 war auch ein deutscher Beitrag unter den Finalisten: "Equal for Equal", ein Projekt der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V., dessen Ziel die Ermutigung zu mehr Gleichberechtigung und Erfahrungsaustausch auf der Plattform equalforequal.org ist.

Mehr Infos zum Intercultural Innovation Award hier:

www.interculturalinnovation.org

Die Arbeit mit den unterschiedlichsten Organisationen begeistert ihn: "Diese jungen Leute haben frische Ideen, wie sie das Leben von benachteiligten Menschen verbessern können. Sie widmen dem ein Großteil ihrer Zeit und ihrer Ressourcen, ich finde das großartig, das inspiriert mich. Doch oft stoßen diese kleinen Organisationen an ihre Grenzen, weil sie nur bis zum Ende eines Projekts gedacht haben – und nicht weiter. Und die BMW Group will diesen Organisationen helfen, ihre Projekte zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten. Die Unterstützung der BMW Group für die Preisträger geht über die Bereitstellung finanzieller Mittel hinaus und schließt alle relevanten Ressource ein, die wir zu bieten haben. Diese Hilfe kann entscheidend dafür sein, ob eine Idee, die das Leben der Menschen bereichert, erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden kann."

Bill McAndrews
Bill McAndrews Bill McAndrews BMW

Das heißt konkret Know-How, Support und wertvolle Connections. Steffi Biester, Leiterin der gemeinnützigen Jugendorganisation KICKFAIR, schaffte es 2011 mit ihrem Jugendsport-Projekt "Mit dem Ball durch's Leben" unter die Finalisten des Intercultural Innovation Awards und erzählt, dass sie auch heute noch auf die unkomplizierte Unterstützung der BMW Group zählen kann. "Mithilfe der Capacity Building Workshops von BMW haben wir unsere Außendarstellung und das Marketing signifikant professionalisiert und so auch unsere Fundraising-Strategie verbessert."

Eine Frau, die inspiriert

Velma Saric
Velma Saric Velma Saric

Auch untereinander helfen sich die Teilnehmer des Intercultural Innovation Awards. Nachdem Velma Saric bei der Preisverleihung den ruandischen Mitfinalisten Pacifique Ndayishimiye von der Youth Service Organziation kennengelernt hatte, half sie ihm dabei, eine neue Website zu erstellen und sein Projekt weiter zu entwickeln.

Anderen helfen, Sichtbarkeit und ein Bewusstsein für problematische Zustände zu erzeugen, ist Velmas Leben. Statt sich im Nachkriegs-Bosnien eine Nische zu graben und ein normales Leben zu führen, hat sich Velma für den aktiven Kampf gegen schreiende Ungerechtigkeiten entschieden, sei es die Dokumentation von gewöhnlichen Menschen, die unter widrigen Bedingungen zu Helden werden oder die Anprangerung sexueller Gewalt gegen Frauen in Kriegsgebieten mit Angelina Jolies In The Land Of Blood And Honey. Morddrohungen und schwieriges Privatleben inklusive. "Ich kann keine Kinder haben," sagt sie, "es wäre einfach zu gefährlich, jeder weiß, wer ich bin."

Ein anderes Leben kann sie sich jedoch nicht vorstellen: "Das ist meine Berufung."

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