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Magazin-Artikel

Olivia Giuntini im Interview über Identität und solide Fundamente

Wie schafft man es, ein Unternehmen, das seit 1875 existiert, im Hier und Heute zu positionieren? Olivia Giuntini, Chief Brand Officer von Audemars Piguet, spricht mit MADAME.de im Interview

Interview Olivia Giuntini
Olivia Giuntini spricht im Interview über Identität und solide Fundamente. PR

Im Interview mit Olivia Giuntini

Bestens gelaunt erscheint Olivia Giuntini im elegant-gemütlichen Lounge des Firmensitzes von Audemars Piguet in Le Brassus. Das Unternehmen von 1875 ist die älteste Uhrenmanufaktur der Schweiz, die noch im Besitz der Gründerfamilie ist. An den Wänden sind unzählige Modelle der Marke in kleinen, beleuchteten Vitrinen ausgestellt. Giuntini zeigt stolz ihre beiden Lieblingsmodelle und strahlt.

MADAME: Wie wichtig ist Tradition für Audemars Piguet?

Olivia Giuntini: Ich kann mir diese Firma nicht vorstellen ohne die Achtung vor der eigenen Geschichte. Auch wenn wir natürlich nicht stehen bleiben dürfen. Das Ziel heißt: unsere Balance finden, langfristig denken und nicht an kurzfristigem Profit orientiert sein. Wenn wir wissen, wo wir herkommen, kennen wir unsere Identität und können authentisch in die Zukunft steuern.

Kann das in einem Familienunternehmen besser gelingen als in einem großen Konzern?

Definitiv. Es ist ein anderer Spirit, ein freier Geist, der die Entwicklung des Einzelnen inspiriert und fördert. Hier arbeiten wir nach dem Prinzip, dass jeder in seinem persönlichen Gleichgewicht sein sollte, um sein Bestes geben zu können.

Waren Sie schon an Uhren interessiert, bevor Sie zu Audemars Piguet kamen?

Überhaupt nicht. Als ich jung war, wollten meine Eltern mir eine Uhr schenken, aber ich habe mich sehr schwer damit getan, eine zu finden, die zu mir passt. Die Uhr, die es dann wurde, war ein Kompromiss. Jetzt fällt mir die Wahl leicht, ich liebe die "Code 11.59".

Diese Uhr ist recht groß, eher ein Unisex-Modell.

Ja, genau. Wunderbar. Ich finde, sie ist ein wenig wie der Smoking von Saint Laurent. Ein Kleidungsstück für Männer und für Frauen. Ich kann mich entscheiden, wie ich mich heute fühle, das ist die Message. Mag ich es femininer, wähle ich die freigeistige „Millenary Philosophique“ mit nur einem Zeiger.

Soll es bei Audemars Piguet künftig mehr Damenuhren geben?

Wir denken darüber nach. In der Firmengeschichte haben wir immer viel mit Frauen zu tun gehabt. Wir werden aber heute von potenziellen Kundinnen etwas weniger wahrgenommen, weil die Marke wegen der "Royal Oak" eher männlich ausgerichtet ist. Das wollen wir aber ändern, mit einer besseren Kommunikation.

Liegt die männliche Ausrichtung auch daran, dass in den Führungsebenen der Uhrenbranche eher Männer den Ton angeben?

Ich bin neu in der Branche und will mir noch kein Urteil erlauben. Mein Standpunkt ist aber, dass Männer nicht anstelle der Frauen über deren Geschmack entscheiden sollten. Umgekehrt gilt das Gleiche. Wenn Frauen bestimmte Modelle einer Kollektion nicht kaufen, muss es nicht heißen, dass sie die nicht mögen, sondern vielleicht nur, dass ihnen niemand diese Modelle gezeigt hat. Ich freue mich also sehr auf die neuen Kommunikationsansätze.

Bemerken Sie diesbezüglich einen Unterschied zur Champagner- und Spirituosenbranche, in der Sie früher gearbeitet haben?

Nein, da ist es recht ähnlich. Bei Krug Champagner hat mich die Präsidentin, also eine Frau, eingestellt. Das war schon mal ein guter Anfang.

Haben Sie eine neue Ära bei Audemars Piguet eingeläutet?

Als ich zu AP kam, wurde gerade die "Code 11.59" entwickelt, und in dieses Projekt bin ich komplett eingetaucht. Ich wollte herausfinden, was mit ihr alles möglich ist. Als ich die ersten Modelle sah, wusste ich, zu dieser Uhr werde ich eine innige Beziehung haben.

Sie sind alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und erfolgreich im Job. Wie managen Sie das?

Als ich jung war, dachte ich, das sei alles eine Frage der Organisation. Heute weiß ich es besser. Zu Hause habe ich Unterstützung. Und mein Team weiß, dass ich vor neun Uhr nicht im Büro bin, weil diese Zeit meinen Kindern gehört.

Was tun Sie als Ausgleich zum Job?

Sport, lesen, Freunde treffen und, ganz wichtig, Kunstausstellungen besuchen. Letzteres nervt die Kids manchmal, aber langsam fangen sie an, es zu mögen.

Was ist Ihre Inspiration für Ihre tägliche Job-Routine?

Auf dem Weg ins Büro telefoniere ich oft mit engen Freunden. Zum Beispiel einer Journalistin, die sich mit relevanten Themen wie Nachhaltigkeit und Klima beschäftigt. Diese Freunde sind meine "Spione in der Welt".

Neben dieser repräsentativen Lounge haben Sie ein kleines, funktionales Büro. Brauchen Sie dort keine Inspiration?

Nur meine Bücher und Zeichnungen meiner Kinder. Alles andere kommt von außen.

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 03/20 erschienen.

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