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Magazin-Artikel

Naomi Scott im Interview über Frauenpower und "3 Engel für Charlie"

In der Neuverfilmung von "3 Engel für Charlie" verkörpert Naomi Scott geballte Frauenpower. MADAME sprach mit der Britin über weibliche Solidarität und ihre Ehe mit einem Fußballstar

Naomi Scott im Interview
Naomi Scott gibt im Interview Einblicke in ihren familiären Hintergund und betont die Wichtigkeit von Frauenpower Getty Images

Naomi Scott: Ein Engel mit Bodenhaftung

Sie ist die Frau der Stunde – eine junge Darstellerin, die ein Märchen modernisierte und aus einer Disney-Prinzessin eine Powerfrau machte. Seit uns die britisch-indische Schauspielerin und Sängerin Naomi Scott in „Aladdin“ bezauberte, scheint ihre Karriere wie ein magischer Teppich zu fliegen. Jetzt legt die 26-Jährige noch an Tempo (und Action) zu: Sie ist einer der neuen "3 Engel für Charlie" (Start: 28.11.19). Auch in diesem Remake der 70er-Jahre-Serie um drei gut ausgebildete, kampferprobte und attraktive Agentinnen wird weibliche Power gefeiert.

Von der hat Naomi Scott auf keinen Fall zu wenig: Laut schallt ihre Stimme über den Flur des Londoner "Ham Yard Hotels", bevor die Mimin selbst auftaucht. Trompetenstimme, dunkle Augen, Madonnengesicht – Naomi Scott bezaubert mit Authentizität, Temperament und Schönheit. Selbst die kühle Kristen Stewart taute da auf, zog mit Naomi beim "3 Engel" - Dreh in Hamburg schon mal über den Kiez und nannte das singende und schauspielernde Multitalent fortan Best Friend Forever. Hollywood findet die Pastorentochter himmlisch – doch die hat Bodenhaftung, wie unser Interview zeigt.

Im Interview mit Naomi Scott

MADAME: Naomi, Sie gelten als das neue britische It-Supergirl. Wie wichtig ist es Ihnen, in Filmen autarke, coole, zeitgemäße Frauen zu spielen?

Naomi Scott: Natürlich bin ich als junge Frau hungrig auf solche Rollen. Es kann nicht sein, dass es heute in einer Geschichte einzig und allein darum geht, dass eine Frau einen Mann findet. Ein moderner Film muss darüber hinausgehen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass eine Figur auf Liebe verzichten muss, nur weil sie eine berufliche Mission im Leben hat.

Die Mission der neuen "3 Engel für Charlie" besteht darin, mal eben die Welt zu retten …

Wir Frauen sind in Filmen heute ganz selbstverständlich auch Heldinnen. Das sind wir schließlich genauso im echten Leben – in vielen Disziplinen und Bereichen, beruflich wie privat. Weibliche Eigenschaften sind in meinen Augen eng verbunden mit guten Führungsqualitäten.

Auch die Disney-Prinzessin, die Sie in "Aladdin" spielten, war so ambitioniert, dass sie ihr Volk anführen wollte. Welche Frauen inspirieren Sie im wahren Leben?

Ganz unterschiedliche, aus ganz verschiedenen Lebenswelten. Frauen aus meiner Familie, die ich lange und sehr gut kenne. Frauen, die mir mit einem winzigen Satz zu verstehen geben, dass sie mich als Schwester und Verbündete sehen. Und Frauen, die sich für andere Frauen einsetzen.

Haben Sie Ihre toughe Kollegin Kristen Stewart auch als so jemanden erlebt?

Ja, Kristen ist unfassbar cool und hat so viele Talente. Ich liebe ihre Ehrlichkeit – ich mag weibliche Energie einfach! Auch in der Filmbranche ist es enorm wichtig, dass Frauen einander unterstützen. Nur so konnten #TimesUp und #MeToo groß werden. Immer, wenn eine Frau den Mund aufmachte, gab es eine andere, die dabei ihre Hand hielt und sagte: "Ich bin auf deiner Seite.“

Hat es auch mit Frauensolidarität zu tun, dass Sie Mütter in Togo unterstützen?

Ja, unbedingt. Ich war selbst in Togo, um mir von Compassion UK, der Charity, für die ich mich engagiere, ein Bild zu machen. Unterstützt werden Mütter, die in Not sind oder kranke Kinder haben. Ich war beeindruckt, was die Frauen etwa aus einem Mikrokredit machten. Ihr Überlebensinstinkt hat ihnen das Talent abverlangt, aus wenig so viel wie möglich zu gestalten. Gesellschaftlich stehen sie oft auf der niedrigsten Stufe, dabei bringen sie mit Arbeit und Nachwuchs ihre Community nach vorne. Solche Menschen inspirieren mich – genauso wie die Londonerinnen, die für diese Charity arbeiten: Das sind Frauen, die anderen Frauen Gutes tun.

"3 Engel für Charlie" wurde unter anderem in Hamburg gedreht. Wie gefiel es Ihnen dort?

Ich liebe Hamburg! Wir wohnten in einem herrlichen Hotel direkt am Wasser, dem "Vier Jahreszeiten". Und diese Elbphilharmonie – schon allein das Gebäude ist ein Traum. Wenn drehfrei war, waren wir auch ein paar Mal aus, in sehr coolen Restaurants.

Wo Sie herkommen, war Hollywood weit weg: Ihre Eltern sind Pastoren im Londoner Vorort Woodfort. Würden Sie sagen, dass Ihre Karriere – Sie sind ja Schauspielerin und Sängerin – in der Kirche begann?

Ich sang im Kirchenchor und wuchs mit Gospels und Soul auf. Mit 15 fing ich an, selbst Songs zu schreiben. Das Schauspielern passierte fast nebenbei. Ich will in den nächsten Jahren beides tun: Filme drehen und neue Alben herausbringen. Ich habe keine klassische Gesangs- oder Theaterausbildung, alles, was ich tue, geht bei mir über das Gefühl, und das wird von den Menschen um mich herum genährt. Ich bin mit einer unglaublich tollen Familie gesegnet. Mein Glaube und meine Familie sind mein Fundament.

Wie tief sind Sie in der Religion verwurzelt?

Alle meine Entscheidungen basieren auf meinem Glauben. Gerade im Showbusiness gibt es so viel Angst und Furcht, viele Kollegen sorgen sich ständig um Karriere und Zukunft. Mir hilft es, mich auf das Positive zu konzentrieren, wie in dem Bibelvers: "Gott gab uns nicht den Geist der Furcht, sondern den der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit." Ich weiß, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Aber ich vertraue darauf, dass Gott einen Plan für mein Leben hat. Dass ich selbst in schwierigen Zeiten nicht alleine bin. Das gibt mir Kraft.

Als "Aladdin" startete, war ganz London mit Ihrem Konterfei gepflastert. Jeder Bus und jedes Cover schien Ihr Gesicht zu tragen. Wie schaffen Sie es, da nicht völlig abzuheben?

Für mich ist nicht Erfolg wichtig, sondern Sinnhaftigkeit. Wenn ich mal keinen Erfolg habe, möchte ich nicht zusammenbrechen, sondern weiterhin aufrecht stehen können. Genauso wenig möchte ich Menschen um mich haben, die zu allem Ja und Amen sagen. Meine Cousine Tiffany etwa ist meine beste Freundin, persönliche Assistentin und Trauzeugin – sie managt mein Leben. Wenn ich abheben würde, würde Tiff mir sofort Bescheid geben.

Sie haben mit 21 den britischen Fußballstar Jordan Spence geheiratet. Wie haben Sie sich gefunden?

In der Kirche meiner Eltern. Wir sind zusammen auf- und dabei zusammengewachsen. In der gesamten bisherigen Zeit unserer Ehe war ich viel unterwegs, saß ständig in Fliegern, und mein Mann auch. Wir kennen das, es bedroht uns nicht. Jordan pusht mich und bestärkt mich darin, die beste Version meiner selbst zu sein. Ich finde es sehr männlich, dass er sagt: "Los Baby, du schaffst das!" Eine starke Liebe beflügelt die Karriere. Man muss sich nicht für das eine oder andere entscheiden.

Sie haben vorhin Ihre Familie erwähnt, die faszinierend bunt zu sein scheint.

Oh ja. Mein Vater ist Brite, aber meine indische Mutter wurde in Uganda geboren. Sie hat Afrika mit elf verlassen, kurz vor der Machtergreifung Idi Amins 1971. Meine Oma, die mit 15 geheiratet hatte und zehn Kinder bekam, wanderte nach England aus, damit ihre Kinder eine Chance im Leben bekommen. Aber meine Mutter und auch meine Schwiegermutter, die aus Jamaika stammt, hatten unter Rassismus zu leiden. England hatte ihnen versprochen, eine neue Heimat zu sein, hat dann aber nicht viel getan, damit sie sich sicher fühlten.

Waren Sie selbst je mit Rassismus konfrontiert?

Jeder Mensch hat Vorurteile und ist gelegentlich selbst Vorurteilen ausgesetzt. Ich habe bei Castings schon gehört, dass ich "nicht weiß genug" sei, aber genauso, dass ich "nicht orientalisch genug" sei.

Macht diese absurde Kategorisierung Sie nicht wütend?

Ich passe nun mal in keine Schublade. Ich sehe mich als wunderbare Mischung aus verschiedenen Welten. Und ganz genau daraus beziehe ich mein Selbstbewusstsein und meine Identität.

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 11/19 erschienen.

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