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Leben

Nachhaltig einkaufen: Wie sinnvoll ist das wirklich?

Möglichst saisonal, möglichst regional, möglichst bio – so lautet mittlerweile die Maxime vieler Verbraucher, wenn es um Lebensmittel geht. Doch wie nachhaltig ist nachhaltig einkaufen wirklich?

Ein Bund Möhren ragt aus einer Stofftasche heraus
Wer nachhaltig einkaufen möchte, sollte vor allem auf Regionalität achten iStock

Ein Viertel aller Emissionen klimaschädlicher Gase geht in Europa auf das Konto der Lebensmittelindustrie. Sie entstehen bei der Erzeugung, Verarbeitung und Verpackung der Produkte, durch den Transport und die Lagerung, so das Bundeszentrum für Ernährung. Wer die Umwelt nicht noch mehr belasten will, trifft schon bei der Wahl der Lebensmittel Entscheidungen, die sich auf den ökologischen Fußabdruck auswirken. Tanja Dräger de Teran, Expertin für Lebensmittelverschwendung und nachhaltige Ernährung vom World Wide Fund For Nature (WWF), kennt Antworten auf gängige Fragen:

Wie sinnvoll ist es, beim Frühstück auf Schinken zu verzichten, jedoch eine Avocado zu essen?

Tanja Dräger de Teran: In der Kritik steht, dass für die Bewässerung und Ernte von Avocados der Wasserverbrauch mit 1000 Liter pro Kilogramm enorm ist. Daher rate ich: in Maßen genießen und auf das Herkunftsland achten, denn in trockenen Regionen wie Israel wird mehr Wasser benötigt. Doch im Vergleich zu Fleisch, wo der Wasserverbrauch bei 14 000 Liter pro Kilogramm liegt, ist er bei Avocados immer noch gering. Der hohe Wert beim Fleisch setzt sich aus dem Futteranbau, dem Trinkwasser sowie dem Wasserverbrauch bei der Reinigung der Ställe und Fabriken zusammen.

Ist Obst aus Deutschland nachhaltiger als Produkte aus Marokko?

Tanja Dräger de Teran: Wenn möglich, immer auf regionale Produkte setzen – sofern es die Saison erlaubt. Auf klimaschädliche Flugware sollte verzichtet werden. Da es jedoch noch keine verbindliche Kennzeichnung hierfür gibt, gilt: Je leicht verderblicher Ware aus anderen Regionen der Welt ist, z.B. Papaya und Mango, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese per Luftfracht eingeflogen wird.

Ist es umweltfreundlicher, Sojadrinks statt Kuhmilch zu trinken?

Tanja Dräger de Teran: Das in Sojadrinks enthaltene Soja ist unbedenklich, denn es stammt überwiegend aus Europa und ist im Gegensatz zu seinem südamerikanischen Pendant nicht gentechnisch verändert, weil es bestimmten EU-Anforderungen entsprechen muss. Vom Ressourcenverbrauch sind Milchersatzprodukte – auch Hafer- und Mandeldrinks – besser als Milch, also unbedingt die Vielfalt nutzen.

Macht es Sinn, Bio-Fleisch oder -Fisch zu kaufen, oder werden die Tiere letztendlich unter ähnlichen Bedingungen gehalten?

Tanja Dräger de Teran: Es ist ratsam, Fleisch in Bio-Qualität und Wildfleisch aus der Region zu kaufen. Ebenfalls zu befürworten ist Weidefleisch aus der Mutterkuhhaltung, bei der die Kälber nicht von ihren Müttern getrennt werden. Leider gibt es dafür kein geregeltes Zertifikat. Tipp: Unter weidefleisch.org findet man Höfe in der Nähe.

Stammen Bio-Eier tatsächlich von glücklichen Hühnern?

Tanja Dräger de Teran: Fakt ist: Bio-Hühner leben nicht in einer "Bullerbü“-Realität, sondern zu Tausenden im Stall. Nichtsdestotrotz wird bei ihnen mehr auf das Wohl der Tiere und die Art der Fütterung geachtet. "Normale“ Hühner erhalten gentechnisch verändertes Soja, welches mit enormen Auswirkungen auf die Umwelt verbunden ist.

Sollte man zum Schutz der Regenwälder grundsätzlich auf Produkte verzichten, die Palmöl enthalten?

Tanja Dräger de Teran: Nein, Palmöl ist nicht automatisch zu verteufeln. Es gibt Firmen, die sich für nachhaltigen Anbau einsetzen. Sie sind in der jährlichen "Palmöl Scorecard“ des WWF gelistet.

Dieser Artikel erschien erstmals im MADAME Magazin 09/19

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