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Reise

Mustique: Geheimtipp unter den karibischen Inseln

Schon Prinzessin Margaret kam hierher in den 60er-Jahren. Seitdem ist die karibische Insel Mustique der Geheimtipp für alle, die viel Wert auf Privatsphäre legen – und die es in den Ferien gern rundum sorglos haben

Weißer Strand mit blauem Wasser auf der Karibikinsel Mustique
Verlassene Traumstrände laden auf Mustique zum Entspannen ein iStock

Reisetipps für Mustique

Selwyn wartet schon auf uns am Flughafen in seinem „mule“, zu Deutsch: Maultier. Hier ist das die Bezeichnung für das Gefährt, mit dem Gäste und Einheimische über die Insel cruisen – also ein offener Wagen, ein bisschen größer und stärker motorisiert als ein Golf-Buggy, schließlich muss er die teils steilen Hügel schaffen. Gesehen haben wir das wellige Gelände gerade im Landeanflug, kurz bevor sich die Propellermaschine über die Wipfel der Palmen auf die wirklich sehr kurze Landebahn senkte. Mustique ist eine der größeren Inseln der Grenadinen, in Sichtweite zur Hauptinsel St. Vincent, mit nur einem Hotel und 100 Privathäusern, von denen etwa 80 vermietet werden.

Der Einreiseprozess ist denkbar kurz. Vom Flugzeug laufen wir nur wenige Meter zu einem hübschen Bambusgebäude und erklären Selwyn, welche Gepäckstücke unsere sind. Selwyn ist seit 40 Jahren Butler im „Obsidian House“, der Villa, die wir für eine Woche gemietet haben. Auf dem Weg bekommen wir einen ersten Eindruck von der knapp sechs Quadratkilometer großen Insel. Die milde karibische Meeresluft umschmeichelt die langstreckengeplagte Haut. Frangipani, Bougainvilleen, Palmen, Mango-, Orangen- und Zitronenbäume wechseln sich in schöner Reihenfolge ab.

Wir passieren die Inselschule, Tennisplätze, den kleinen Hafen und bewundern die zuckerbäckerartigen Pastellhäuser, in denen die drei einzigen Läden des Eilands untergebracht sind. Ab und zu muss Selwyn bremsen, weil eine Schildkröte oder Ziege die Straße quert. Ansonsten schnurrt hier alles dank der Mustique Company, die der Engländer Sir Colin Tennant vor exakt 50 Jahren gegründet hat, um aus der wilden Insel ohne Straßen und fließendes Wasser ein privates Holiday-Hideaway zu formen.

Colin Tennant ist auch der Grund dafür, dass Mustique sich zu dem Celebrity-Hotspot heutigen Ausmaßes entwickelt hat, nicht nur, aber vor allem des britischen Jetsets: Kate und William sowie Bryan Adams sind regelmäßige Besucher und/oder Villenbesitzer. Prinzessin Margaret war es, die den ersten Hype auslöste. Von ihrem guten Freund Colin hatte sie 1960 zu ihrer Hochzeit mit dem Fotografen Antony Armstrong-Jones und späteren Lord Snowdon eines der besten Grundstücke der Insel geschenkt bekommen. Ein genialer Marketing-Coup des Pioniers. Die Skandalgeplagte – sie hatte sich zuvor in einen geschiedenen Mann verguckt und feierte gern bis zum Umfallen – konnte sich keinen besseren Rückzugsort wünschen. In ihrem Gefolge kamen Family and Friends, über deren Partys man bis heute auf der Insel spricht.

Margarets Haus, „Les Jolies Eaux“, befindet sich fast unverändert auf dem Nachbargrundstück unseres Feriendomizils „Obsidian House“. Bei unserer Ankunft erwartet uns, harmonisch aufgereiht in direkter Sichtachse zum türkis glitzernden Meer, unsere Haus-Crew. Da ist Lorna, die Köchin, Marlene und Suanne, die Zimmermädchen, sowie die Gärtner Kenvil und Jerry. Jedes Haus hat sein eigenes Team, das sich um den Besitz und die Gäste kümmert. Bei Buchung einer Villa ist der Service gleich miteingepreist. Der Empfang ist herzlich, es werden eiskalte und frisch gemixte Piña Coladas gereicht. Um das Gepäck kümmern sich Marlene und Suanne.

Frühstücken im Pavillon

Das Wohnzimmer befindet sich am höchsten Punkt des Hauses. Von hier fällt das Grundstück sanft ab bis zu einem Steilufer. Das Meer erreicht man über eine kleine Felsentreppe. Das dschungelige Grün der Bäume und die knallpinken und orangen Blüten sind ein hübscher Kontrast zu dem weißen Holz des im Kolonialstil gebauten Gebäudeensembles.Die Frangipani verströmen einen betörenden Duft. Die Pavillons, Terrassen und der Pool befinden sich auf verschiedenen Ebenen, sodass man immer auch eine private Ecke findet, auch wenn bis zu zwölf Personen untergebracht werden. Wir lernen in den nächsten Tagen die ausgefeilte Choreografie der Crew kennen. Zum Frühstück im Pavillon wird mit dem berühmten Zwiebelmuster-Porzellan von Meissen gedeckt, zum Lunch am Pool und Dinner im Speisezimmer legt Selwyn jeweils andere Tableware aus. Wir genießen die Ruhe, die Minischildkröten, die unser Sohn morgens mit Mangos füttert, das Tosen und Rauschen des Meeres – und natürlich den umsichtigen Service. Nasse Badeanzüge verschwinden hier binnen Minuten und werden wenig später getrocknet und gefaltet wieder im Schrank verstaut.

Fängt es an zu tröpfeln, sammeln Jerry und Kenvil Handtücher und Kissen ein, um sie bei wieder blauem Himmel erneut aufzulegen. Lorna, die Köchin, backt Kuchen, bereitet Smoothies, Barbecues und Picknicks vor, öffnet Weinflaschen und versorgt den Kleinen mit hausgemachter Limonade. Bei einem Schwätzchen verrät sie, dass eine der drei Kaffeemaschinen in der Küche von Tom Ford persönlich in dieses Haus gebracht wurde, weil er eben genau diesen Espresso trinken wollte. Der in Stilfragen kompromisslose Modedesigner kommt regelmäßig ins „Obsidian“. Wir können das bestens verstehen. Eigentlich möchte man das Grundstück gar nicht verlassen, wären da nicht die überwältigend schönen Strände.

Selwyn bringt uns eines Vormittags mit dem Mule an den Lagoon Beach, einen puderweißen, lang gestreckten Strand, an dem in gutem Abstand zueinander Parkbuchten markiert sind. Ist ein Slot belegt, geht hier kein anderer mehr an den Strand. „Privacy is key, you know“, sagt Selwyn und klappt unsere Sonnenstühle aus. Während wir mit einem kalten Glas Rosé auf das glatte Meer schauen und die blassrosa Conch-Muscheln bewundern, richtet Selwyn das Picknick, packt die Salate, Brathühnchen und andere Köstlichkeiten aus Lornas Küche aus. Besser geht es nicht!

Traumhafte Aussichten

An den folgenden Tagen probieren wir noch einige andere Strände aus. Besonders schön ist der Gelliceaux Beach, eine Badewannenbucht unterhalb zweier Privathäuser. Der Housekeeper des „The Beach House“ erlaubt uns die steile Steintreppe des Anwesens zu benutzen, sodass wir von unserem Haus nur fünf Minuten brauchen, um den fast kitschig schönen Strand zu erreichen. Hier kann man bestens schnorcheln und dabei Schildkröten, Muscheln und bunte Fische sehen.

Während mein Mann in den kommenden Tagen auf dem Tennisplatz steht, mache ich mit Jeanette Hausbesichtigungen. Sie ist die heimliche Königin der Insel, Ex-Frau des Präsidenten der Grenadinen. „Häuser wechseln ihre Besitzer hier nur durch die drei Ds: deaf, divorce or dead“, lacht sie, als sie mich durch das Haus von Prinzessin Margaret führt. Heute gehört es einer amerikanischen Unternehmerfamilie. Auch wenn das meiste modernisiert wurde, ist der Stil von damals erhalten geblieben bis hin zum Himmelbett der royalen Dame.

Häuser direkt am Wasser auf der Insel Mustique
Die Häuser und Villen der Insel bieten einen imposanten Blick auf das Meer iStock

Selfie-Verbot!

Renoviert und verschönert wird viel auf der Insel, neu gebaut selten. Das liegt sicher daran, dass die Mustique Company organisiert ist wie eine kleine AG mit allen Hausbesitzern als Shareholder. Man bleibt eben gern unter sich. Die Villen von Mick Jagger und Bryan Adams werden nicht vermietet, wohl aber das riesige Haus von Modedesigner Tommy Hilfiger in derselben Bucht.

Auch die Superstars erscheinen regelmäßig am Dienstagabend, wenn Roger Pritchard, Chef der Mustique Company, im „Cotton House“ zum Cocktail einlädt. Alle Gäste, auch die Mieter, sind willkommen. Oberstes Gebot: keine Fotos, keine Selfies! Und so fühlen sich auch die wohl, die sonst nur angestarrt und angequatscht werden. An diesem Dienstag sehe ich Giles Deacon, den Modedesigner aus London, mit dem ich schon öfter während der Fashion Weeks zusammengetroffen bin. Im Schlepptau hat er seine Muse, Gwendoline Christie, Schauspielerin aus „Game of Thrones“. Die 1,90-Meter-Britin freut sich, dass ich mit meinen hohen Schuhen auf Augenhöhe mit ihr bin.

Aus dem Cocktail ergeben sich traditionell weitere Einladungen, die man mittels Butler übergibt. Und so sind wir schon am kommenden Abend bei einem charmanten Pärchen zu Gast, das mehrmals pro Jahr hier urlaubt, Mark und Sean. Man munkelt, dass Mark beim MI5 ist, sprechen wird er darüber selbstredend nicht. Die besten Freundschaften, so sind sich alle Gäste dieses Abends einig, seien hier auf Mustique entstanden. Es wird ein wenig übers Geschäft gesprochen (Bierbrauen, Kaffeeplantagen, Immobilien und Devisen-Deals), ein wenig über die nächsten gesellschaftlichen Events (Ascot, Fuchsjagden, Oktoberfest!) und exzellent gegessen und getrunken. Und so kam es dann auch, dass David und Jamie von den Bermudas in diesem Jahr unsere Gäste auf dem Münchner Oktoberfest waren.

Dieser Artikel erschien erstmals im MADAME Magazin 12/18

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