100mesdames

Miriam Weihermüller von ITEM m6 im Interview über Shapewear und Wagnisse

Im Interview mit Miriam Weihermüller von ITEM m6 sprach MADAME.de über das neue Image von Shapewear, das Arbeiten im Familienunternehmen und Female Empowerment

Miriam Weihermüller
Miriam Weihermüller von ITEM m6 Foto: Jelena Ilic

Ihre Ideen sind inspirierend, ihr Mut ist bewundernswert: Frauen, die kreative Wege gehen, keine Angst vor Rückschlägen haben und die ihr Glück selbst in die Hand nehmen. Pionierinnen, von denen wir uns einiges abgucken können - egal, ob Unternehmerin, Feministin, Künstlerin oder Meinungsgeberin. Unter dem Hashtag #100Mesdames porträtiert MADAME.de Frauen der Zeitgeschichte, aus Wirtschaft, Kultur und Design.

#100Mesdames mit Miriam Weihermüller

Den Sprung ins kalte Wasser wagen und so unbekanntes - vielleicht etwas kompliziertes - Terrain zu entdecken, hat Miriam Weihermüller zu dem gemacht, was sie heute ist: General Manager bei ITEM m6. Die Vision: Unterstützende Bodywear zu kreieren - von Frauen für Frauen - die dem Körper schmeichelt und ihn nicht einzwängt. Dass dieser Maßstab gut in die Philosophie von Miriam Weihermüller passt und gleichzeitig soziale Projekte unterstützt, macht sie so erfolgreich.

Interview mit Miriam Weihermüller, General Manager von ITEM m6

MADAME.de: Wie hat sich das Bild von Shapewear in den letzten Jahren verändert?

Miriam Weihermüller: Das Bemerkenswerte ist, dass sich eigentlich kaum etwas geändert hat - nur der Name. Früher hieß die Kategorie im deutschsprachigen Raum "Miederware". Die Produkte glänzten selten durch eine besondere Optik, sollten im besten Falle möglichst unsichtbar sein und uns Frauen schlanker wirken lassen. Alles andere also, als gut vereinbar mit einem zeitgemäßen Frauenbild. Diese Erkenntnis war mit der wichtigste Grund dafür, uns überhaupt in dieses spannende Thema zu stürzen. Stets mit dem Ziel, Produkte zu entwickeln, die sich anfühlen wie ein Powersuit, die uns genau den richtigen Halt und die Sicherheit geben, die wir brauchen – ein gutes Körpergefühl den ganzen Tag über.

Dementsprechend haben wir auch eine völlig neue Ästhetik gewählt - zum ersten Mal moderne Farben in funktionale Bodywear gebracht. Inzwischen kreieren wir Produkte, die den Look und das Körpergefühl mit einem fein austarierten Druckprofil unterstützen, und gleichzeitig so hübsch sind, dass man sie sichtbar tragen oder eben beim Ausziehen vorzeigen möchte.

Welches Stück Shapewear ist das beliebteste bei Ihren Kunden und wieso?

Absoluter Liebling ist unsere All Mesh Linie. Die Kollektion wird aus einem einzigartigen, extrem aufwendig in Deutschland produzierten und in Italien veredeltem Material hergestellt.

Ihr Einstieg bei ITEM m6 bedeutete 2014 der Einstieg ins Familienunternehmen. Vor welchen Herausforderungen standen Sie? Welche Sorgen waren vorhanden und welches Erlebnis ist Ihnen besonders positiv im Gedächtnis geblieben?

Die Vorstellung als "Tochter" in einen Job einzusteigen, in dem man womöglich ohne Beziehungen nie gelandet wäre, war immer eine Horrorvorstellung für mich. Meine Eltern haben mein freiheitsliebendes Naturell aber stets unterstützt und so konnte ich immer genau das tun, was mein Gefühl mir vorgab. Meine Leidenschaft für Sozialforschung habe ich durch die Arbeit an der Uni, direkt nach meinem Studium, ausgelebt. Parallel habe ich in einer Kreativagentur gearbeitet und mit Anne Gorke das gleichnamige Modelabel gegründet. Dank all dieser Erfahrungen konnte ich in dem Moment, als sich die Gelegenheit ergab, mit guter Energie einsteigen.

Meine Vorerfahrung war von sehr eigenständiger Arbeit geprägt. Mit welcher Vorstellung von den Abläufen in einer großen Firma ich gestartet bin, bringt mich immer noch zum Schmunzeln. Wobei: Über Mitarbeiter, die heute mit dem gleichen Mindset starten, freue ich mich eigentlich jedes Mal. Wer keine Grenzen kennt, lässt sich nicht so leicht aufhalten. Vor allem war und bin ich dankbar, mit welcher Offenheit und positiven Grundeinstellung mir die Mitarbeiter in unserer Firma begegnet sind und mich in alle bis dato unbekannten Themen eingearbeitet haben.

Medi - so heißt die Company hinter ITEM m6 - ist ja ein Medizinunternehmen. ITEM m6 als Fashionbrand bringt für dieses Umfeld natürlich völlig ungewohnte Anforderungen mit sich - Kollektionsrhythmen und kreativen Output etwa. Da erntet man schon das ein oder andere Kopfschütteln. Dennoch: Wie bis heute all diese Herausforderungen angenommen werden, um ein ganz neues Business aufzubauen, begeistert mich immer wieder.

Sie beschäftigen sich auch mit Female Empowerment. Wie setzen Sie diese im Unternehmen um?

Dass es Möglichkeiten und Förderung für Mütter und Frauen in Führungspositionen gibt, ist Standard bei uns im Unternehmen. Bei ITEM m6 wird dieser Gedanke an erster Stelle mit der Idee hinter dem Produkt gelebt: Immer für den Körper der Frau, nie dagegen! Unser Team ist ohnehin fast ausschließlich weiblich. Dass der gegenseitige Umgang unterstützend ist, ist eine persönliche Führungsleitlinie für mich. Mit Projekten wie den gerade gelaunchten "All for one socks", deren Erlöse komplett an das Bayreuther Frauenhaus gespendet werden, möchten wir unsere Verpflichtung zu diesen Werten zusätzlich manifestieren.

Familie, Karriere und Privatleben: Haben Sie ein Geheimnis, alles unter einen Hut zu bekommen?

Ja. Der Masterplan lautet: Möglichst wenig schlafen. Aber mal im Ernst: Sich Leichtigkeit zu bewahren ist für mich der Schlüssel zum Erfolg. In herausfordernden Zeiten läuft man leicht Gefahr, sich von dem Stress einholen zu lassen. Das versuche ich im Dialog mit mir selbst radikal zu unterbrechen.

Stattdessen den Zauber neuer toller Kreationen sowie die Liebe für den Job mit nach Hause zu bringen - das ist ein wunderbares Gefühl. Umgekehrt inspiriert und motiviert mich die Begeisterungsfähigkeit und frische Energie meiner beiden Kinder jeden Morgen dazu, auf dem Weg ins Office, noch einmal "rauszuzoomen", um zu sehen, wie großartig und bunt die Welt ist. Das versuche ich auch ins Team zu bringen. Meine Mitarbeiter wundern sich vermutlich gelegentlich.

Wie gönnen Sie sich nach einem langen Tag Erholung?

(Lacht) Fragen Sie mal meinen Freund. Sobald ich zu Hause ankomme, bin ich zu 1000 % bei meinen Kindern. Wenn sie dann einschlafen, ist bei mir nichts mehr los. Mein Partner und ich haben uns aber ein paar Tricks für gegenseitige Auszeiten angeeignet. Wir haben eine Wohnung in Berlin, wo wir regelmäßig Inspiration sammeln, Kunst anschauen, Menschen mit großartigen Visionen begegnen, Musik hören und Freunde treffen. Yoga und die Vorfreude auf besondere Erlebnisse sind so etwas wie meine Medizin.

Gerade habe ich mit meiner dreijährigen Tochter in einem Baumzelt übernachtet. Ich war "seekrank" davon - habe mich aber trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb?) wie ein neuer Mensch gefühlt.