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Migräne: 10 Mythen im Fakten-Check

Sie sind lästig - und quälen tagtäglich Millionen von Menschen. Die Rede ist von Kopfschmerzen, die sich bei manchen von uns sogar zur handfesten Migräne entwickeln. Die "Initative Schmerzlos" hat gemeinsam mit Experten aus Neurologie und Schmerzmedizin zehn gängige Mythen einem Fakten-Check unterzogen: Was kann man gegen Migräne tun - und was sollte man lieber lassen?

Handystrahlung
Handystrahlung (1/10) Thinkstock

Mythos 1: Handystrahlung kann Kopfschmerzen verursachen

Das Smartphone ist inzwischen unser täglicher Begleiter. Bei einigen geht das Handy sogar mit ins Bett. Vielfach liest man von der gefährlichen Strahlung, die von Smartphones ausgehen kann - doch gilt sie auch als Auslöser von Migräne? "Es gibt keine Studie, die darauf hinweisen würde, dass die 'Strahlung' durch die normale Benutzung von Handys oder von anderen 'elektrischen' Quellen zu Kopfschmerzen oder Migräne beitragen könnte", entwarnt Dr. med. Astrid Gendolla, Fachärztin für Neurologie, spezielle Schmerztherapie und Psychotherapie.

Kaugummi kauen
Kaugummi kauen (2/10) Thinkstock

Mythos 2: Kopfschmerzen entstehen durch Kaugummikauen

Der zweite Migräne-Mythos im Fakten-Check: Kaugummikauen kann Kopfschmerzen verursachen. "Es gibt Hinweise, dass extensives Kaugummikauen über mehrere Stunden pro Tag mit mehr Kopfschmerzen einhergeht", weiß Dr. med. Raymund Pothmann. "Für 'normales' Kaugummikauen gilt das allerdings nicht."

zu viel Fernsehen
zu viel Fernsehen (3/10) Thinkstock

Mythos 3: Zu viel Fernsehen macht Kopfschmerzen

Ob Computer oder Fernseher: Tagtäglich verbringen wir viele Stunden vor diesen Geräten. Dann kann man schon mal Kopfweh bekommen! Allerdings konnte ein kausaler Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Migräne in Studien nicht belegt werden.

Interessant: Männliche Jugendliche mit Kopfschmerzen verbringen laut der so genannten MUKIS-Studie (Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten - Interventionsstudie) mehr Zeit mit Spielen am PC als Jugendliche ohne Kopfschmerzen Dabei ist aber nicht geklärt, was Folge und was Ursache ist.

Schmerzmittel
Schmerzmittel (4/10) Thinkstock

Mythos 4: Schmerzmittel - viel hilft viel?

"Es gilt bei Kopfschmerzen und Migräne immer der bestimmungsgemäße Gebrauch", erklärt Neurologe Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers. "Das bedeutet, man soll Akutmedikamente an maximal 10 Tagen im Monat einnehmen, dann aber so früh wie möglich und auch ruhig in höherer Dosierung." Es gilt also: "Viel hilft viel" in der akuten Attacke und "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" beim Langzeitgebrauch von Schmerzmitteln.

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Wetterfühligkeit
Wetterfühligkeit (5/10) Thinkstock

Mythos 5: Wetterfühligkeit

Wetterfühligkeit und Wetterveränderungen sind die am häufigsten angegebenen Trigger für Migräneattacken - die Münchner unter uns können ein Lied davon singen! Dabei hat sich aber keine Regelhaftigkeit herausgestellt: "Während der eine auf hohen Luftdruck reagiert, reagiert der andere auf niedrigen Luftdruck", weiß Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers. "Für Deutschland ist festgestellt worden, dass signifikant mehr Migräneattacken auftreten, wenn es größere Veränderungen in der Lufttemperatur gibt, die Richtung der Änderung ist dabei egal. Ansonsten gibt es Hinweise, dass bestimmte Wetterlagen wie das Föhnwetter in Süddeutschland Migräneattacken auslösen können. Dies ist aber nie vorhersagbar. Außerdem kann nicht sicher gesagt werden, ob wirklich das Wetter oder nur die Erwartung als Auslöser dienen."

Migräneattacke
Migräneattacke (6/10) Thinkstock

Mythos 6: Migräneattacke - Menschen mit Kopfschmerz ticken anders

"Ja, dies gilt aber nur für die Zeit zwischen zwei Attacken: Je näher eine Migräneattacke kommt, desto weniger Anpassung zeigen Migränepatienten in der Reizverarbeitung. Dies bedeutet, dass sie Reize auch nach längerer Zeit noch genauso schnell verarbeiten können wie zu Anfang", erklärt Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers. "Dies kann ein Vorteil sein, wenn man schneller reagiert und mehr von der Umgebung mitbekommt. Dies kann aber auch ein Nachteil sein, wenn mehrere Reize gleichzeitig auf einen einströmen: Dann können Migränepatienten schlechter die unwichtigen Reize ignorieren und erleben alles mit, sie werden von den Reizen quasi überflutet."

Migräne ist Frauensache
Migräne ist Frauensache (7/10) Thinkstock

Mythos 7: Migräne ist Frauensache

Die angeborene Veranlagung für Migräne ist unter Frauen und Männern gleich verteilt. Nur im Alter zwischen etwa 20 und 50 Jahren haben Frauen zwei- bis dreimal häufiger und mehr Migräne als Männer, da durch die besondere hormonelle Situation der Frau mehr Attacken ausgelöst werden.

Migränetrigger
Migränetrigger (8/10) Thinkstock

Mythos 8: Migränetrigger Stress

"Stress, das heißt psychosoziale Belastung durch viele unangenehme Aufgaben oder Konflikte, können Migräneattacken auslösen", bejaht Dr. med. Raymund Pothmann. Auch unregelmäßiger Schlaf gehört zu den gängigen Triggern. Stimmungsschwankungen seien jedoch häufig eher die Folge einer Migräne als der Auslöser.

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Mythos 9: Besondere Ernährungsformen können Migräne heilen.
Mythos 9: Besondere Ernährungsformen können Migräne heilen. (9/10) Thinkstock

Mythos 9: Besondere Ernährungsformen können Migräne heilen

"Grundsätzlich ist es nicht möglich, Migräne zu heilen", lautet die positive Nachricht von Dr. med. Astrid Gendolla. "Die Veranlagung bleibt jedoch ein Leben lang, sodass immer Attacken auftreten können, auch wenn sie bei den meisten Patienten mit zunehmendem Lebensalter immer seltener kommen. Gerade Anbieter von bestimmten Diäten versprechen eine Heilung von Migräne, ohne dass es dafür Belege gäbe. Dies gilt auch für die 'No-Carb-Diät', die im Gegenteil sogar bei Migräne problematisch ist, da Menschen mit Migräne regelmäßig Kohlenhydrate benötigen."

Schon besser: Low Carb!

Alkohol und Migräne
Alkohol und Migräne (10/10) Thinkstock

Mythos 10: Alkohol und Migräne

Der letzte Mythos im Fakten-Check: Von A wie Alkohol bis Z wie Zitrusfrüchte, wer ist schuld am dröhnenden Kopf? Dr. med. Raymund Pothmann erklärt: "Nahrungsmittel sind wohl das am meisten untersuchte Gebiet unter den Migränetriggern. Um es klar zu sagen: Es gibt nur ganz wenige Stoffe, von denen nachgewiesen werden konnte, dass sie bei einigen Betroffenen regelhaft Migräne auslösen können."

Nicht darunter sind: Schokolade, Käse, Nüsse und Zitrusfrüchte. Etwa ein Viertel der Migränepatienten ist allerdings sensibel auf Alkohol, am ehesten auf französischen Rotwein. "Darin enthaltene Stoffe, die noch nicht identifiziert sind, können Kopfschmerzen verursachen, z. B. alte Bordeaux-Weine", so der Experte.

Der Geschmacksverstärker Glutamat kann ebenfalls Kopfschmerzen bei Migränepatienten auslösen. Dabei handelt es sich häufig nicht um typische Migräneattacken, sondern um einen dumpfen Kopfschmerz, der sich von Migräne unterscheidet.

Ebenfalls eine Volkskrankheit: Rückenschmerzen

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