madame wird geladen...
Magazin

MADAME-Kolumne: Ich mache das!

Ein Plädoyer für mehr Mut und Lernbereitschaft von Teresa Bücker – und der Start ihrer neuen MADAME-Kolumne, die monatlich im MADAME-Magazin und online erscheint

Mut und Selbstvertrauen
Über Mut und Lernbereitschaft spricht Teresa Bückner in ihrer neuen MADAME-Kolumne. iStock

Der Blick auf sich selbst und die Welt verändert sich nicht nebenbei, denn wir schleppen ein Bündel von Glaubenssätzen aus unserer Kindheit mit uns herum. Es ist anstrengend, sich auf neue Sichtweisen einzulassen. Manchmal gelingt es durch ein einschneidendes Ereignis, das die bisherigen Erfahrungen infrage stellt. Nur selten bewegt uns ein einziger Ratschlag zum Umdenken, denn wir bekommen viele widersprüchliche Tipps von Freundinnen oder Kollegen.

Auch Google verhilft uns in der Regel nicht zu mehr Sicherheit, denn es hält alle Optionen bereit. Während der erste Artikel, den man angeklickt hat, dazu rät, diesen Mann jetzt sofort zu verlassen, argumentiert der nächste, es lohne sich immer, an einer Beziehung zu arbeiten. Wer gibt einem also einen Ratschlag, der passt?

Sag immer Ja, auch wenn es zu groß erscheint

Bei mir waren es bislang meistens Menschen, die mir weder sehr nahestanden noch völlig unbeteiligt waren. Die reale beste Freundin fühlt vielleicht zu sehr mit, der Therapeut hingegen schlägt die vernünftigste Lösung vor, die aber dem eigenen Bauchgefühl widerstrebt. Der Rat, der mich in den letzten Jahren getragen und vermutlich zu der Person gemacht hat, die ich heute bin, stammt von meinem ersten Chef. Ich arbeitetenoch nicht lange mit ihm, und er war keiner, der als besonders empathisch galt.

Vielleicht habe ich ihn unterschätzt. Bis er zu mir sagte: "Wenn dir etwas angeboten wird, das dir eine Nummer zu groß erscheint, sag immer Ja." Mir war im Unternehmen eine Stelle angeboten worden, von der ich dachte, so eine könnte ich frühestens in fünf Jahren ausfüllen. "Wenn du etwas machst, was du jetzt schon kannst, wirst du dich ohnehin nur langweilen", sagte er weiter. Vermutlich wirkten seine Worte umso stärker, weil ich nicht gedacht hatte, dass er mir so etwas zutrauen würde und er nicht die Person gewesen wäre, die ich von mir aus um einen Rat gefragt hätte.

Neue Blickwinkel auf die eigene Person

Die Erfahrung, dass eine eher distanzierte Person eine Vorstellung davon zu haben schien, was mein Potenzial sein könnte, und nicht zögerte, mir diese Einschätzung mitzuteilen, ließ mich ganz neu auf mich selbst blicken: Vielleicht muss ich mit mehr Menschen sprechen, um mich selbst besser kennenzulernen. Vielleicht bin ich selbst nicht die geeignetste Person, um zu beurteilen, was ich am besten kann. Das waren Gedanken, die ich nach diesem Gespräch hatte. Bis dahin war ich eher unsicher gewesen, auf Perfektion bedacht und vertraute vor allem mir selbst.

Damit war ich ein logisches Produkt unserer Zeit, denn auch ich bekam immer wieder gesagt, ich könne alles werden, wenn ich mich nur richtig anstrengen würde. Doch woher soll man wissen, ab wann man gut genug ist? Als Erwachsene finden wir heute ein endloses Angebot von Büchern und Coachings, mit denen wir uns so lange optimieren können, bis wir den vermeintlichen Punkt erreicht haben, an dem wir uns endlich sicher fühlen dürfen.

Doch all diese Möglichkeiten, noch besser zu werden, zeigen uns an erster Stelle all das, was uns noch fehlt. Was man eher selten lernt: dass man um Hilfe fragen darf. Dass es okay ist, nicht alles zu wissen. Dass in den besten Teams nicht lauter Überflieger arbeiten, sondern Menschen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, die sich ergänzen und ausgleichen. Und dass das Leben lang genug ist, um noch viel zu lernen. Lebenserfahrung ist kein Crashkurs.

Selbstvertrauen: Mit seinen Aufgaben wachsen

Ich bin meinem damaligen Vorgesetzten sehr dankbar für den Hinweis, dass ich unfertig sein darf und trotzdem bereit für Größeres. Man kann an einer Aufgabe nur wachsen, wenn man sie noch nicht beherrscht. Selbstvertrauen entsteht auf zwei Wegen: Zum einen, während man sich selbst dabei zuschaut, wie man besser wird – mittendrin, nicht auf dem Übungsplatz. Zum anderen lernt man es von Menschen, die mit einem lachen und einen unterstützen, wenn man mal scheitert, und die selbst Fehler machen.

In meiner letzten Rolle als Chefin habe ich diesen Tipp weitergegeben an Jüngere und sie ermutigt, wenn sie an sich zweifelten. Und ich habe immer darüber gesprochen, was ich noch nicht kann. Ich habe Fehler eingestanden. Anderen vorzuspielen, man sei ihnen weit überlegen und unfehlbar, macht uns alle schwächer. Der Zeitpunkt für meinen eigenen nächsten großen Schritt wird vermutlich wieder einmal dann kommen, wenn ich noch gar nicht bereit bin.

Aber da ich nun weiß, dass ich mein Leben lang unfertig sein werde, werde ich gelassen sagen können: "Ja, ich mache das.“

Diese Kolumne stammt von Teresa Bücker und ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 03/20 erschienen.

var premium1Fallback = mobile_premium1Fallback = '
';var premium2Fallback = mobile_premium2Fallback = '
';var premium3Fallback = mobile_premium3Fallback = '
';
var basic1Fallback = mobile_basic1Fallback = '
';var basic2Fallback = mobile_basic2Fallback = '
';var basic3Fallback = mobile_basic3Fallback = '
';