Lippen aufspritzen: Der MADAME.de Redaktionstest

Lippen aufspritzen gehört mittlerweile zu den gängigsten minimalinvasiven Prozeduren in der ästhetischen Medizin. Ablauf, Risiken und Schmerzfaktoren können demnach ja nicht so schlimm sein – das dachte sich auch unsere Beauty-Redakteurin Jasmin Haupenthal und riskierte eine dicke Lippe. Der MADAME.de-Redaktionstest

Lippen aufspritzen Redaktionstest

Rote Lippen soll man küssen!

Lippen aufspritzen im Test


Wie kommt man auf so eine Idee? Naja, das fragen nicht nur Sie sich, sondern auch meine lieben Kolleginnen in der Redaktion. Dabei ist die Antwort doch ganz leicht: Wer schön sein will muss leiden. In meinem Fall ganz freiwillig und mit dem Ansporn aufzuräumen – und zwar mit Vorurteilen bezüglich Ablauf und Risiken, die bei dem minimalinvasiven Eingriff „Lippen aufspritzen“ über die Jahre entstanden sind.
Also schnappte ich meine Kollegin Maxi (Vielen Dank an dieser Stelle für die moralische und fotografische Unterstützung!) und stattete dem plastischen Chirurgen Dr. Thomas Hartmann einen Besuch in seiner Hamburger Praxis Goldbek Medical ab:

 
Hyaluron spritzen
Lippen aufspritzen im Goldbek Medical Hamburg

Dr. med. Thomas Hartmann von Goldbek Medical in Hamburg/Winterhude


Gemeinsam mit dem Mediziner, der sich auf Gesichtsbehandlungen und Brust-Operationen spezialisiert hat, haben wir uns auf eine Lippenunterspritzung mit Hyaluronsäure (in diesem Fall von Juvéderm der Firma Allergan) geeignet. Vorteil: „Mit diesem Filler kann der Anwender das spätere Ergebnis gut kalkulieren, die Nebenwirkungen sind äußerst gering und die Haltbarkeit sehr gut.“, so der Experte. Dabei ist Hyaluron nicht gleich Hyaluron. Neben deutlichen Qualitätsunterschieden (bitte unbedingt beim behandelten Arzt nachfragen, welche Produkte er benutzt) gibt es die Subtanzen auch mit unterschiedlichen „Vernetzungsgraden“:
Außerdem interessant: Die Spritzen sind schon fertig dosiert und verpackt und liegen für ihre Verwendung bereit.
 
 
In meinem Fall hat sich Dr. Hartmann für eine mittelstarke Hyaluronsäure entschieden, die eine Haltbarkeit von über einem halben Jahr hat. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch, in dem wir auf meine Lippenform, sowie mögliche Risiken und Alternativen eingegangen sind, wurde ein Behandlungsplan erstellt: Meine eher schmale Oberlippe sollte dabei mehr aufgebaut werden, als die Unterlippe, die schon jetzt fast ein perfektes Volumen aufweist. Lediglich die unteren Lippenhöcker sollen etwas definiert werden, weil das attraktiv wirkt. Dr. Hartmann erklärt, dass grundsätzlich bei einer idealen Lippe die natürlichen Proportionen (der „Goldene Schnitt“) eingehalten werden sollte, bei dem die Unterlippe immer etwas mehr Volumen aufweist, als die obere. Vermieden werden sollte auf jeden Fall ein unnatürliches Ergebnis oder eine „Schlauchbootlippe“.
 
Herr Dr. Hartmann beim Entfernen der Betäubungscreme

Herr Dr. Hartmann beim Entfernen der Betäubungscreme


Ablauf der Behandlung: Wie schmerzhaft ist Lippen aufspritzen wirklich?


Vorab muss ich gestehen, dass ich kein großer Freund von Spritzen im Mundbereich bin. Demnach war ich auch leicht nervös, als es nach der 15-minütigen Einwirkzeit der Betäubungscreme auf den weißen Behandlungsstuhl des Sprechzimmers ging. „Keine Angst, die Creme betäubt wirklich sehr gut.“, versicherte mir der Mediziner und drückte mir prompt noch zwei kleine Knautsch-Herzen in die Hand – in Weiß, passend zum Stuhl. Natürlich. Er behielt recht - denn nach dem ersten Einstich auf der rechten Oberlippenseite, fühlte sich der Eingriff wie Augenbrauen zupfen an. Nur eben etwas intensiver – aber gut auszuhalten. 
Zu meiner Überraschung wurde es sogar an der unteren Lippe noch entspannter: Dort habe ich die Prozedur kaum gespürt. Nach circa vier Einstichen an der Ober-, zwei an der Unterlippe, sanftem Einmassieren der Textur durch Herrn Dr. Hartmann und ganzen neun Minuten später war es geschafft und meine Lippen mit Hyaluronsäure aufgespritzt. Leichte Blutpünktchen wurden anschließend beseitigt und noch ein Kühlpad aufgelegt, damit sich die Schwellung im Zaum hält. Danach ließ ich die Prozedur etwas sacken und konnte dann die Praxis auch schon wieder verlassen.
 
Die Behandlung im Überblick:
  1. Vorgespräch, Analyse der Lippen, Behandlungsspielraum, Aufklärung von Risiken.

  2. Betäubungscreme wird um die Lippen herum aufgetragen und circa 15 Minuten einwirken lassen.

  3. Betäubungscreme wird weggewischt und die Haut desinfiziert.

  4. Injektion der Hyaluronsäure in die Lippenkontur sowie in die Tiefe zum Volumenaufbau. Je nach Patient und Behandlungsweise unterscheidet sich die Quantität und Platzierung der Einstiche.

  5. Der behandelnde Arzt massiert vorsichtig die Textur in die Lippe ein (gleich nach den einzelnen Einstichen).

  6. Kleine Blutaustretungen werden durch die Stiche weggewischt und mit einem Kühlpad die Lippen kühlen –fertig!

Worauf man nach dem Lippen aufspritzen achten sollte


„Sie können gleich danach wieder Essen und Trinken und Ihr ganz normales Alltagsleben ausführen“, sagte Dr. Hartmann zu mir, bevor ich seine Praxis verließ. Nur auf extremen Sport, Solarium- oder Sauna-Hitze solle ich in den kommenden zwei Tagen verzichten, „um die Lippen nicht unnötig von außen zu irritieren.“ In meinem Fall hieß „Alltagsleben“ zurück an den Schreibtisch. Mir und meiner Kollegin Maxi, die beim minimalinvasiven Eingriff dabei war, fiel natürlich die leichte Schwellung über meiner Oberlippe auf – meinen anderen Kollegen: nicht. 

Und wie ging es mir im Laufe des restlichen Tages und an den darauffolgenden?

Am Abend nach der Behandlung war vor allem meine Oberlippe angeschwollen und spannte stark. Kein Wunder, denn die hatte am meisten Hyaluron abbekommen. Aber vorsichtiges Kauen und Trinken taten dem Genuss keinen Abbruch. Am nächsten Morgen spannten die Lippen nur noch ein wenig und fühlten sich wieder komplett wie meine an, fast so, als wäre nichts gewesen. Essen und Trinken war wieder ohne Einschränkung möglich. 
Vor der Behandlung Lippen aufspritzen
Welche Risiken entstehen können: Was tun gegen die Schwellung?
Zugegeben, eine kleine Schwellung ist nie ganz zu vermeiden. Mit einem Kühlpad ist einem deshalb schon gut geholfen und mindert das weitere Anschwellen und Spannungsgefühl. Nach ein bis zwei Tagen nach der Unterspritzung sollte sich die Region um die Lippen aber wieder normalisieren und die Schwellungen abnehmen. Blaue Flecken können auftreten, sind aber nicht die Regel. Sie entstehen, wenn beim Einstich ein Gefäß getroffen wird – aber auch hier geht die Verfärbung von selbst zurück. Auf meine Frage nach allergischen Reaktionen antwortete Dr. Hartmann, dass diese extrem selten aufträten, wenn gute Produkte verwendet würden. Die Hyaluronsäure wird zwar künstlich hergestellt, ist in ihrer Struktur aber dem natürlichen Hyaluron des Körpers sehr ähnlich. 

Was kann ich machen, wenn mir die Behandlung nicht gefällt?

Das Gute an der Behandlung mit Hyaluronsäure ist im Gegensatz zu anderen Prozeduren (wie z.B. Eigenfett), dass es in solchen Fällen ein Enzym als Gegenmittel gibt, mit dem sich die Hyaluronsäure in kürzester Zeit wieder auflösen lässt und die Lippe wie vor der Behandlung aussieht. Ansonsten kann man auch einfach den natürlichen Abbau über ein paar Monate abwarten.
 

Ist die Unterspritzung mit Hyaluron auch bei der Kosmetikerin möglich?
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Lippeninjektionen gehören zum alltäglichen Geschäft eines plastischen Chirurgen, doch immer häufiger begegnen einem in den sozialen Medien Behandlungen von Kosmetikerinnen. Eine günstigere Alternative zur Behandlung beim Arzt, oder? Leider nein. 

Dr. Hartmann klärt auf, dass nur ein approbierter Arzt und noch nicht einmal ein Zahnarzt Injektionen am Patienten vornehmen darf, geschweige denn eine Kosmetikerin. Leider werden diese Behandlungen aber trotzdem durchgeführt und dem ahnungslosen „Kunden“ eine Expertise vorgetäuscht. Gerade bei der Anwendung von Hyaluronsäuren im Gesicht sind neben einem Gefühl für Ästhetik, anatomische Kenntnisse von größter Bedeutung. Diese haben aber nur ausgebildete Ärzte, im Idealfall Mediziner mit chirurgischem Hintergrund. Bei der Injektion in ein Gefäß kann dieses verschlossen werden und zum Absterben von Haut oder sogar zur Erblindung führen. Das wissen viele Patienten nicht, wenn sie sich einem Laien anvertrauen.

Deshalb: Suchen Sie sich für die Behandlung einen erfahrenen Arzt aus, der Ihre Wünsche mit Verantwortung und einem Gefühl für Ästhetik umsetzt!


Wie lange hält die Behandlung mit Hyaluronsäure?

 
Grundsätzlich kann man von einer Haltbarkeit von bis zu einem Jahr ausgehen. Bei Sportlern kann der Effekt durch den höheren Stoffwechsel aber schon einmal kürzer ausfallen. Interessanterweise stabilisieren sich die Lippen nach einigen Auffrischungen, so dass die Ergebnisse dann auch schon mal weit über ein Jahr halten. Dr. Hartmann empfiehlt, die Lippe gegebenenfalls in kleineren Schritten aufzubauen, das birgt weniger Gefahren und wirkt natürlicher.
 

Was kostet Lippen aufspritzen?


Wenn es um Ästhetik und die Gesundheit geht, sollten Sie keine Abstriche machen. Eine gute und sichere Behandlung ist schließlich das A und O. Suchen Sie sich deshalb unbedingt eine Praxis mit dem Schwerpunkt der plastischen Chirurgie, um eine Lippenunterspritzung durchführen zu lassen. In der Regel liegen die Kosten je nach Produkt und Menge bei 300-400 Euro. Auffrischungen sind meist kostengünstiger, da weniger Hyaluron verwendet werden muss, um die Lippen weiter aufzubauen.
Lippenunterspritzung

Der obligatorische "Vorher-/ Nachher-Vergleich. V.l.n.r.: Vor der Behandlung (mit Betäubungscreme), direkt nach der Behandlung, zwei Wochen nach der Unterspritzung


Mein Fazit
Unkompliziert, schnell und natürlich – so kann ich die Behandlung und das Ergebnis meines Selbsttests „Lippen aufspritzen“ beschreiben. Meine Oberlippe hat sich – wie gewünscht – leicht vergrößert und sieht nach wie vor super natürlich aus. Auch der Eingriff an sich, vor dem ich am meisten Angst hatte, war im Handumdrehen gemeistert und die Einstiche waren dank Betäubungscreme (und natürlich auch wegen der Knautsch-Herzen) sehr erträglich. Ob ich mich nochmal zu einem minimalinvasiven Eingriff verleiten lassen würde? Definitiv ja! Wer sich nicht wohl in seiner Haut fühlt oder mit kleinen Makeln im Gesicht oder am Körper nicht zufrieden ist, hat mit den Eingriffen einen tollen Behandlungsspielraum, etwas an diesem Zustand zu ändern.