100mesdames

Katja Foos von Marc Cain über die Modeindustrie in Zeiten von Corona

Im Interview mit Katja Foos, Director Design bei Marc Cain, sprach MADAME.de über die aktuelle Corona-Lage in der Modeindustrie sowie Lieblingsstücke der aktuellen Kollektion

Katja Food von Marc Cain
Katja Foos von Marc Cain über die Modeindustrie in Zeiten von Corona Foto: Marc Cain

Ihre Ideen sind inspirierend, ihr Mut ist bewundernswert: Frauen, die kreative Wege gehen, keine Angst vor Rückschlägen haben und ihr Glück selbst in die Hand nehmen. Pionierinnen, von denen wir uns einiges abgucken können - egal, ob Unternehmerin, Feministin, Künstlerin oder Meinungsmacherin. Unter dem Hashtag #100Mesdames porträtiert MADAME.de Frauen der Zeitgeschichte aus Wirtschaft, Kultur und Design.

#100Mesdames mit Katja Foos

Die Kreativbranche hat 2020 eines der schwersten Jahre zu verzeichnen und steht seit Ausbruch der Pandemie vor ständigen Herausforderungen. In der Modewelt haben nicht nur kleine Unternehmen zu kämpfen, sondern auch die etablierten Labels müssen ein Umdenken vornehmen. Katja Foos von Marc Cain sprach im Interview über eben jenes und welche neuen Chancen die jetzige Situation mit sich bringt.

Interview mit Katja Foos, Director Design bei Marc Cain

MADAME.de: Seit Januar 2020 sind Sie der Kopf des Designteams bei Marc Cain. Was ist die größte Herausforderung in Ihrer Position?

Katja Foos: Als Künstlerin bin ich es gewohnt alleine im Atelier zu arbeiten, als Designerin hingegen schätze ich die Teamarbeit sehr. Natürlich wurde und wird auch immer noch unser Team dabei im kreativen Prozess von der aktuellen Situation beeinflusst. Dabei ist eine der spannendsten Herausforderungen aus digital emotional werden zu lassen, beispielsweise durch die Verbindung von 2- und 3-Dimensionalität. Das kann starre Strukturen auflösen und macht gleichzeitig den Weg frei, für neue Formen der digitalen Inszenierungen. Auch in der Form und Präsentation unserer Spring / Summer 2021 Kollektion mussten wir umdenken. Mit unserem digitalen Fashion Film haben wir den Zeitgeist aufgegriffen und können mittlerweile sagen, dass die Art der Präsentation sehr positiv aufgenommen wurde.

2020 ist für die Modeindustrie ein hartes Jahr. Wie haben Sie auf die Pandemie reagiert?

Das Virus hat die Welt und damit auch die Modebranche fest im Griff. In unserer Branche sind wir es gewohnt, durch vorgegebene Rhythmen wie Saisonstarts und feste Strukturen weit im Voraus zu denken und zu planen. Da diese momentan nicht mehr existieren, stehen wir alle vor einer großen Herausforderung, die gleichzeitig aber auch eine große Chance bedeuten kann. Man wird gezwungen den Blick auch außerhalb des Gewohnten schweifen zu lassen – „The sky is the limit“ wurde dann auch unser Kollektionsthema. Durch Flexibilität und Kreativität entsteht eine neue Lebendigkeit. Im Grunde handelt es sich dabei auch um den Grundgedanken eines Designers – positiv über Grenzen und feste Strukturen hinaus zu denken, mit dem Blick nach vorne. Der Shutdown hat auch eine Welle der Euphorie ausgelöst, wenn es um „Support your local“ oder „buy local“ geht. Marc Cain steht nach wie vor für die Produktion am eigenen Standort in Bodelshausen.

Welcher Trend für Herbst/Winter 2020/2021 ist ein absolutes Muss?

Allgemein wollen Frauen heute „Multitasking-Teile“ und Kleidung mit einer hohen Wandelbarkeit. Das bietet auch die Möglichkeit mit Schnitten und Formen zu experimentieren. So werden eigentlich maskulinen Silhouetten, z.B. Blazern oder Mänteln, durch Taillengürtel oder eine feminine Farbgebung, die passende Weiblichkeit verliehen.

Ihr Favoritenteil aus der aktuellen Kollektion Herbst/Winter-Kollektion von Marc Cain – und wie kombinieren Sie es am liebsten?

Ein schwarzer Mantel mit Federntaschen und couturigen Details. Diesen hat auch schon Katie Holmes bei unserer Fashion Show im Januar getragen.

Welchen Ausgleich brauchen Sie nach einem stressigen Arbeitstag?

Ich zeichne sehr gerne, insbesondere auf meinem iPad und lasse mich dabei von den verschiedensten Dingen, meiner Umgebung und Personen, die mich faszinieren sowie der Kunst inspirieren.