Stresstest: Diese Ausstellung lässt uns die Folgen des Klimawandels spüren

Zur 19. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia, die vom 10. Mai bis 23. November 2025 stattfindet, macht der Deutsche Pavillon mit der Ausstellung „STRESSTEST“ auf etwas Dringendes aufmerksam: die drastischen Folgen des Klimawandels für das städtische Leben – und die ebenso dringende Notwendigkeit, unsere Städte klimaresilient umzubauen.
Hitze. Das spürt jeder Besucherin unmittelbar beim Betreten des Pavillons. Kunst wird in dieser Ausstellung nicht nur betrachtet – sie wird durchlebt. Eine Skulptur des Künstlerduos Rasthofer/Neumaier mit dem Titel Strictura aus rohem Stahl verengt den Raum, lenkt Bewegungen, staut Luft und speichert Hitze. Es entsteht ein Klima der Enge und Überhitzung - ein Zustand, in dem sich der Körper kaum noch regulieren kann. Eine Wärmebildkamera zeigt auf großformatigen Screens in Echtzeit, wie sich die Körpertemperatur in Bezug zur Raumtemperatur verändert.
Diagramme, Karten und ein räumliches Temperaturmodell veranschaulichen zusätzlich die komplexen Zusammenhänge zwischen Klima, baulichen Strukturen und städtischem Leben. Die Botschaft ist deutlich: Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es nicht mehr lange gut gehen.
Der „STRESSTEST“ ist der deutsche Beitrag zur 19. Internationalen Architekturausstellung - La Biennale di Venezia. Die Biennale Architettura gilt als eine der weltweit bedeutendsten Plattformen für Architektur und Stadtentwicklung. Sie findet alle zwei Jahre in Venedig statt und versammelt Beiträge aus über 60 Nationen. Der Deutsche Pavillon ist dabei traditionell einer der meistbeachteten Orte in den Giardini, dem zentralen Ausstellungspark.
Kuratiert von Nicola Borgmann, Elisabeth Endres, Gabriele G. Kiefer und Daniele Santucci, verwandelt sich der Pavillon in eine eindringliche Rauminstallation. „STRESSTEST“ zeigt, wie sehr Städte heute schon unter den Folgen der Klimakrise leiden - und wie Architektur, Landschaftsplanung und Technologie aktiv gegensteuern können.

Das Fieber der Städte
Asphalt, Beton und dichte Bebauung verwandeln urbane Räume in gefährliche Hitzeinseln. Tagsüber speichern Materialien die Wärme, nachts bleibt sie in der Stadt. Die Folge: ein immer höheres Risiko für Dehydrierung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar tödliche Hitzebelastung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich vorbelastete Gruppen. Die Klimakrise ist längst Realität – und die Ausstellung zeigt: Sie trifft uns körperlich.
Der STRESSTEST – Architektur als Warnsystem
Der Pavillon lenkt den Blick auf die Rolle der Architektur in der Klimakrise. Lange Zeit war sie Teil des Problems: zu viel Versiegelung, zu wenig Verschattung, kaum Rücksicht auf Mikroklima oder Belüftung. Doch gerade hier liegt die Chance zur Veränderung. Architektur und Stadtplanung können - und müssen - Lösungen liefern, die Mensch, Natur und Technik neu zusammendenken.
DESTRESS: Stadt als Oase
Im Kontrast zu den überhitzten STRESS-Räumen wartet im zweiten Teil der Ausstellung eine urbane Oase: kühl, ruhig, einladend. Hier wird erfahrbar, wie wirkungsvoll selbst einfache Maßnahmen sein können - wenn man sie konsequent umsetzt. Bäume spenden Schatten, Wasserflächen kühlen, offene Strukturen lassen Luft zirkulieren. Der Bereich DESTRESS zeigt: Stadt kann auch anders.
Ein neuer Stadtplan für die Zukunft
Der Deutsche Pavillon lässt keinen Zweifel daran: Städte sind nicht nur Brennpunkte der Klimakrise. Sie sind auch Schlüsselorte für ihre Lösung. Architektur, Stadtplanung, Landschaftsgestaltung und Technologie dürfen nicht länger isoliert gedacht werden. Sie müssen zu einem integrierten System verschmelzen, das auf Resilienz, Gesundheit und Lebensqualität zielt.
Die Ausstellung fordert ein radikales Umdenken - nicht durch Schock, sondern durch Erfahrung. Sie zeigt, dass die Werkzeuge längst vorhanden sind: grüne Infrastrukturen, zirkuläres Bauen, kluge Materialwahl, soziale Teilhabe und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Der STRESSTEST ist damit weit mehr als eine Ausstellung. Er ist ein Entwurf für eine lebenswerte Zukunft - und ein Appell, die Stadt von morgen schon heute zu bauen.
Die Ausstellung können Sie noch bi zum 15. November 2025 besuchen. Alle Informationen finden Sie hier.








