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Magazin-Artikel

Salma Hayek im Interview über persönliche Höhenflüge und Hindernisse

Mit 53 Jahren hat Schauspielerin Salma Hayek mehr erreicht, als sie sich je hätte träumen lassen. Ihr Erfolgsrezept: Immer das Beste geben – im Job und im Leben. Und: Entdeckerin sein, statt Pläne zu machen

Salma Hayek im Interview
Im Interview spircht Salma Hayek über ihr Erfolgsrezept und persönliche Höhenflüge Getty Images

Salma Hayeks große Träume

Zusammen mit Antonio Banderas und Penélope Cruz löste Salma Hayek einst einen Latino-Boom in der Traumfabrik aus. Doch bis dahin war es ein langer Weg für die Mexikanerin, die mit 24 Jahren in ihrer Heimat ein TV-Star war, aber unbedingt nach Hollywood wollte. Das ist bald 30 Jahre her.

Diesen Februar, auf dem roten Teppich der Berlinale, war Salma Hayek wieder einmal ganz große Diva, atemberaubend sexy und mit 53 schöner denn je. Sie stellte Sally Potters wunderbar melancholischen Film "The Roads Not Taken" (geplanter Start: 30.4.) vor, in dem es um Lebenswege geht, gerade und verschlungene, wahre und erträumte. Hayek selbst ist in der Rolle einer Mutter zu sehen, die in der Trauer um ihren kleinen Sohn von ihrem Mann, gespielt von Javier Bardem, alleingelassen wird. Die beiden standen noch nie gemeinsam vor der Kamera, sind aber gut befreundet.

Bardem ist mit Hayeks bester Freundin Penélope Cruz verheiratet. Am Tag nach der Filmpremiere sind wir mit Salma zum Gespräch verabredet. Sie erscheint ganz puristisch in schwarzer Hose und Bluse, mit goldener Pilotenbrille, das Haar streng zurückgekämmt. Und erobert einen sofort mit ihrer Herzlichkeit, ihrem Feuer, ihrer Kraft.

Im Interview mit Salma Hayek

MADAME: Sie kennen Javier Bardem seit 15 Jahren, er nennt Sie liebevoll "Hurricane Hayek". Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Salma Hayek: Ehrlich gesagt hat sie mir Angst gemacht. Die Geschichte ist sehr intensiv und geht dahin, wo es wehtut. Wir mussten als Schauspieler also eine angespannte Stimmung konstruieren. Das war nicht einfach, weil wir beide uns so mögen. Javier ist wie ein Schwager für mich. Diese liebevolle, persönliche Beziehung durfte man auf der Leinwand zu keiner Sekunde sehen. Das war wirklich eine Herausforderung.

Wie haben Sie es geschafft, Ihre Freundschaft beim Drehen auszublenden?

Wir haben vor den Dreharbeiten viel geprobt, bestimmt tausend Stunden. In dieser Zeit hatten wir viel Spaß, sind immer wieder aus unseren Rollen herausgefallen und haben uns dann mühsam wieder in die Figur hineingearbeitet. In der Mittagspause haben wir Penélope angerufen und mit ihr am Telefon gescherzt. Sie hat sich schon Sorgen gemacht, dass wir den Film ruinieren, so albern waren wir. Doch dann passierte etwas Erstaunliches: Am ersten Drehtag sind wir zusammen zum Make-up gegangen und es hat sich ganz anders angefühlt. Als würden wir uns zum ersten Mal sehen. Wir haben nicht miteinander gesprochen. Die Stimmung war von einem Tag auf den anderen komplett anders.Wir haben das nicht abgesprochen, es ist einfach passiert. Ich habe Javier als Schauspieler noch mal völlig neu kennengelernt.

Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass er vor Jahren auf einer Party in Cannes Champagner aus Ihrem Schuh trank …

Damals kannten wir uns schon sehr gut. Ich habe ihn in Madrid kennengelernt, das war im Jahr … Puh, wenn man in meinem Alter ist, tut man sich mit Jahresangaben immer schwerer (lacht). Langsam verschwindet alles im Nebel, aber es war viele, viele Jahre, bevor wir in Cannes in der Jury saßen.

"The Roads Not Taken" handelt von den Lebenswegen, die man nie gegangen ist. Von der Liebe, die nicht hat sein sollen. Können Sie sich in dieses Gefühl hineinversetzen?

Ich hätte keinen anderen Lebensweg einschlagen wollen und bereue nichts. Wobei, wenn ich genau darüber nachdenke, da gibt es doch etwas. Als Mädchen wurde ich für die Olympischen Spiele im Turnen angenommen. Zur Vorbereitung hätte ich auf ein Sportinternat gemusst, aber mein Vater hat es mir verboten. Diese verpasste Chance hat mich lange verfolgt. Als ich ihn später mit seiner Entscheidung konfrontierte, sagte er, dass er meine Kindheit nicht zerstören wollte. Ich war so wütend. Ich wollte keine Kindheit, ich wollte Kunstturnen. Das war mein Traum. Aber wer weiß, ob ich heute wäre, wo ich bin, wenn ich damals diesen Weg eingeschlagen hätte. Also ist doch alles richtig gelaufen.

Seither haben Sie offensichtlich immer gute Entscheidungen getroffen, Sie sind erfolgreich im Job, seit elf Jahren verheiratet, haben eine zwölfjährige Tochter …

Viele Entscheidungen, die ich treffe, machen aus logischer Hinsicht gar keinen Sinn, nicht mal für mich selbst. Aber im Nachhinein stellt sich dann alles als richtig heraus.

Auch, was die Liebe angeht?

Alle Wege, die ich gegangen bin, und alle Beziehungen, die ich hatte, führten mich zu der Liebe meines Lebens, mit der ich jetzt zusammen bin. Und diese große Liebe schenkte mir meine anderen großen Lieben, nämlich meine Tochter und meine Stiefkinder.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Berlinale, 1995?

Natürlich! Ich weiß noch genau, wie mein Herz fast aus der Brust sprang, so schnell hat es geschlagen. Ich saß in diesem Premierenkino und war völlig überfordert mit meiner Aufregung. Ich hatte solche Angst, dass das Publikum mich in der Luft zerreißt. Damals hatte ich dumme Vorurteile gegenüber Deutschen, ich hielt sie für streng und überkritisch. Dann ging das Licht im Saal aus, und auf der Leinwand öffnete sich ein Fenster, eine Welt voller Bilder, die zu tanzen begannen. Als ich meinen Namen auf der Leinwand sah, wurde ich von meinen Gefühlen überwältigt, mich überkam eine Mischung aus Schönheit und Terror. Mein Name dort auf der Leinwand. Der Name meines Vaters, es steckte so viel Vergangenheit in diesem Moment, alles kam wieder hoch.

Haben Sie damals geglaubt, dass Sie später so eine Weltkarriere hinlegen würden?

Ich sage Ihnen etwas: Die Dinge, die in meinem Leben passiert sind, kann man sich nicht ausdenken. Nicht mal in meinen wildesten Fantasien hätte ich mir so ein Schicksal ausmalen können. Nie, nie, nie! Aber eines habe ich mir früh vorgenommen: Statt mir selbst immer das Beste zu wünschen, versprach ich mir, immer mein Bestes zu geben. Im Beruf, im Leben, ich habe immer mein Herz hineingelegt. Ich ging Wege, die nicht vernünftig erschienen, und wurde mit Zielen belohnt, die ich nie für möglich hielt. Ich war immer Entdeckerin, nie Planerin.

Was entdecken Sie jetzt gerade?

Das ganze Leben fühlt sich für mich gerade neu an. Ich habe in der letzten Zeit viel beendet, ich habe Menschen verloren, Projekte abgeschlossen, es beginnt viel Neues. Wir sind in ein neues Haus gezogen, meine Tochter lässt die Kindheit hinter sich und wird zum Teenie.

Auch die Ära Weinstein ist abgeschlossen. Vor Kurzem wurde der Fall vor Gericht mit einem Schuldspruch abgeschlossen.

Ja, auch das kann ich hinter mir lassen und in eine neue Phase starten.

Sie haben unter ihm gelitten, als er Sie beim Dreh von "Frida" bedrängte und bedrohte.

Es ist an der Zeit, Machtmissbrauch stärker zu thematisieren. Wenn man Frauen respektlos behandelt, muss das Konsequenzen haben! In dieser Hinsicht ändert sich gerade etwas, und das zeigt, dass unsere Gesellschaft langsam erwachsen wird. Wir müssen Verantwortung übernehmen und Frauen die richtige Botschaft senden. Unsere Stimmen werden gehört, und unser Schmerz ist nicht egal. Wir müssen für unsere Würde kämpfen.

Jetzt werden Sie offiziell Superheldin, in Marvels "The Eternals". Was hat Sie daran gereizt?

Die Indie-Regisseurin Chloé Zhao ist einfach fantastisch. Ihr Film "The Rider" hat mich umgehauen. Außerdem fand ich die Idee interessant, dass ausgerechnet ich, mit inzwischen 53 Jahren, eine Rolle als Superheldin angeboten bekomme.

Sie haben auch in sehr interessanten, kleineren Indie-Filmen mitgespielt – um sich Ihre künstlerische Freiheit zu erhalten?

Nein, weil es großartige Stoffe waren. Sie müssen sie sich anschauen, vor allem den Film "Bliss", der bald veröffentlicht werden soll. Ich bekomme mit 53 die besten Stoffe meiner Karriere angeboten.

Sie haben mal gesagt, dass Ihre Tochter eine talentierte Regisseurin werden könnte.

Absolut. Entweder das, oder sie wird Anwältin (lacht). Sie ist erst zwölf, aber ich merke, dass sie viel Talent als Autorin und Regisseurin hat, aber auch als Schauspielerin. Dann wiederum hat sie auch musikalisches Talent. In nur zwei Monaten hat sie sich selbst beigebracht, Klavier, Gitarre und Ukulele zu spielen. Ich weiß noch nicht, was aus ihr wird, aber ihr stehen viele Wege offen.

Wäre es Ihnen lieber, sie würde Anwältin werden und das Filmbizz meiden?

Um Himmels Willen, wie soll man die Seele eines Menschen schützen, der Anwältin wird? Nein, ich habe nur eine Angst: Jemand, der so viele Talente hat, läuft Gefahr, am Ende nichts davon konsequent zu machen. Valentina hat immer getan, worauf sie Lust hatte, wir mussten sie zu nichts drängen. Ich befürchte, sie hat nie gelernt, dagegenzuhalten, wenn Druck von außen kommt und sie auf Hindernisse stößt.

Sie selbst sind anfangs auf viele Hindernisse gestoßen – und hielten dagegen. In einer spanischsprachigen Talkshow klagten sie Anfang der Neunzigerjahre, dass Latinas in US-Filmen nur Geliebte, Prostituierte oder Putzfrauen spielen dürften …

… und diese Show sahen zufällig Regisseur Robert Rodriguez und seine Frau und Partnerin, Elizabeth Avellan. Sie waren begeistert, dass eine junge Frau so offen spricht und ihrem Frust freie Bahn lässt, und engagierten mich für "Desperado", neben Antonio Banderas. Der Film war für mich das Licht, das mir Hoffnung gab.

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