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Leben

Im Interview mit Julianne Moore über Singlefrauen und Ferien-Outfits

Von Menschen und Moden: Ausnahmeschauspielerin Julianne Moore über eitle Kollegen, die Tapferkeit von Singlefrauen und Ferien in Clogs und Shorts

Julianne Moore auf dem roten Teppich in Cannes
Schauspielerin Julianne Moore sprach mit MADAME über Mode und Menschen Getty Images

Im Gespräch mit Schauspielerin Julianne Moore

Ihre grazile Schönheit ist legendär und wird doch von einem überstrahlt: ihrem frischen, zeitkritischen Geist. Während der Filmfestspiele in Cannes stand Oscarpreisträgerin Julianne Moore, 58, MADAME für ein sechsstündiges Fotoshooting zur Verfügung. Nun treffen wir sie zum Gespräch, in dem sie von Sebastián Lelios „ Gloria – Das Leben wartet nicht“ (Start: 22.8.) erzählt, ihrem neuen Film, einem hinreißenden US-Remake des chilenischen Hits „Gloria“ von 2013. Darin spielt sie eine 50-plus-Singlefrau, die um Würde und Selbstachtung ringt. Julianne Moore erscheint in weißer Bluse und cremefarbener Hose, die roten Haare flattern temperamentvoll im Wind, der vom Meer über die Terrasse weht.

Im Interview mit Julianne Moore

MADAME: Julianne, Sie gelten als eine der bestgekleideten Frauen der Welt. Kann man Stil lernen?

Julianne Moore: Danke für das Kompliment, aber Sie haben mich noch nie in Clogs und Shorts gesehen. In den Ferien kann ich einen Monat nur in kurzen Hosen unterwegs sein. Aber es gibt tatsächlich Frauen, die immer chic aussehen. Die scheinen die Eleganz in ihrer DNA zu haben. In Berlin sieht man viele, die wahnsinnig stylish wirken – als würde die Schönheit mancher Prachtbauten und der Statuen auf sie abfärben.

Wo verbringt ein Hollywoodstar denn Ferien in Shorts?

Wir haben ein Häuschen auf Long Island, in dem wir uns sehr wohlfühlen, nicht weit weg von unserem Zuhause in New York. Meist war’s ja so, dass mein Mann und ich arbeiteten und die Kids durch die Schule feste Vorgaben hatten. Daher wurde es nie was mit einer Fernreise.

Sie werden 2020 Ihren 60. Geburtstag feiern. Was hat sich für Sie in den letzten Jahren besonders verändert?

Ich glaube, dass sich die Ziele verändern, wenn man älter wird. Ich wollte unbedingt immer Mutter werden – jetzt habe ich große Kinder. Mein neues Ziel ist, sie in ihr eigenes Leben zu begleiten. Die Zeit vergeht so schnell, ich will alles auskosten. Vieles ist leider nicht planbar. Ich versuche, im Jetzt zu leben und das wertuzuschätzen, was ich erleben darf.

Fragen Sie sich, was Sie gerne noch erreichen würden?

Ja, vielleicht ein Musical zu stemmen. Aber leider kann ich nicht singen … jedenfalls nicht gut genug für einen Film. Meine Pläne betreffen eher die Familie. Gerade haben mein Mann, meine Tochter und ich beschlossen, dass die nächste Reise uns weit weg führen soll. Wir wollen etwas Unbekanntes erkunden. Am Tag nach Weihnachten fliegen wir!

Welche Erkenntnisse würden Sie aus Ihrer Lebenserfahrung weitergeben wollen?

Dass es besser ist, etwas zu erleben, als es später nachzuholen. Ich bin so dankbar dafür, Schauspielerin zu sein, dankbar für die verrückten Möglichkeiten, die der Beruf mir gab. Zu erfahren, wie Menschen sind. Ich habe viele außergewöhnliche Erfahrungen gemacht und hatte Zeit, über das menschliche Verhalten nachzudenken. Darüber, was sich gut anfühlt und was schlecht. Das hat mir geholfen zu reflektieren, wie ich als Mensch sein möchte.

Was hat Sie sonst geprägt?

Meine Eltern. Meine Mutter ist Schottin, mein Vater Amerikaner. Sie sind viel mit mir gereist und haben sich ständig weitergebildet. So war ich den unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt.

Ihr Vater war Richter beim US-Militär, Sie lebten als Teenager auch in Frankfurt am Main. Wie weit kämen Sie heute mit Ihrem Deutsch?

(Auf Deutsch) Mein Deutsch ist sehr schleckt. Ick wunschte, es wäre besser! Ich bin nur zweieinhalb Jahre in Frankfurt auf die High School gegangen. Wir sind oft umgezogen. Dadurch habe ich früh viel von der Welt gesehen, aber wenn meine Mitschüler sich im Sommer zuriefen: „Schöne Ferien!“, wusste ich nicht, ob ich danach noch da sein würde oder schon in Alaska.

Sie hätten damals schon Social Media gebraucht!

Stimmt. Obwohl ich heute nur Instagram „Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die mir mein Job gegeben hat. Ich hatte dabei viel Zeit, über das menschliche Verhalten nachzudenken.

Meinen Sie Schauspieler?

Das sind die Schlimmsten, die zeigen ständig ihr ach so aufregendes Leben!

In ihrem neuen Film „Gloria“ schlüpfen Sie in die Haut einer Singlefrau mittleren Alters. Was hat sie an der Rolle fasziniert?

Für mich sind Frauen wie Gloria Heldinnen! Dafür muss man nicht auf den Mount Everest klettern, es reicht schon, sich mit dem eigenen Leben gut zu arrangieren. Mir gefällt Glorias Respekt für ihre eigenen Träume und Bedürfnisse, sie ist so aktiv. Ihre Kinder sind erwachsen, sie hat denselben Job, trifft sich mit denselben alten Freundinnen. Aber wenn sie abends tanzen geht, macht sie das nur für sich. Da kann sie loslassen.

Gehört die Liebe zu den Träumen Ihrer Figur?

Nicht unbedingt. Gloria geht nicht aus, um einen Mann zu treffen. Bis Arnold auftaucht. Sie schläft mit ihm, aber sie glaubt nicht, dass sich daraus etwas Großes entwickelt, und wird von ihren – und seinen! – Gefühlen überrascht. Das Schöne an dieser Romanze ist doch, dass sie unerwartet kommt.

Mussten Sie für diesen Dreh eigentlich noch mal in die Tanzschule?

Ich habe etwas Nachhilfe genommen. Mein Lehrer hat mich zu Hause besucht, wir haben Discomusik aufgelegt und losgetanzt. Mit meinem Filmpartner John Turturro musste ich ja viel Salsa tanzen, und er beherrscht das so gut, dass es super klappte. Wir kennen uns schon lange privat, er ist ja auch New Yorker. Wir haben sogar mal in einem Team zusammen Basketball gespielt.

Sie selbst sind seit 16 Jahren glücklich verheiratet. Was machen Sie in Ihrer Beziehung richtig?

Bart und ich wissen, dass jede Beziehung Höhen und Tiefen hat und dass man daran arbeiten muss. Familien sind heute so kompliziert! Wenn man klarkommen will, muss man vielleicht einfach einen Tag nach dem anderen meistern. Man muss in der Ehe Zugeständnisse machen, mitfühlend sein und sich füreinander einsetzen. Das kostet Kraft! Das Wichtigste ist meiner Meinung nach: alles tun, um seine Gefühle auszudrücken.

Es gibt mehr Singles denn je, Portale von Tinder bis Parship boomen. Was halten Sie denn von Online-Dating?

Ich beobachte es bei Freunden und finde es noch immer gewöhnungsbedürftig. Ich hätte keine Ahnung, wie ich mich an ihrer Stelle verhalten würde. Ich wäre sicher überfordert. Andererseits: Ich hätte auch nie gedacht, dass ich meine Zeitung mal lieber digital lese statt auf Papier! Aber vor Kurzem habe ich mein Abo gekündigt und bin auf Digital umgestiegen.

Sie würden sich als Single also ein Profil zulegen?

Schon. Jeder sehnt sich doch nach einer erfüllenden Beziehung. Ich habe jedenfalls noch nie jemanden sagen hören: „Gott sei Dank bin ich Single und suche seit Jahren bei verrückten Dates einen Partner!“

Zwischen Ihren zwei Ehen lagen acht Jahre als Junggesellin. Wie sah Ihr Leben damals aus?

Na ja, äh … ich blieb nicht lange Single. Vielleicht hätte es mir gutgetan, mal etwas länger allein zu sein. Gerade als junge Frau war ich immer von Menschen umgeben. Ich hatte kaum die Chance herauszufinden, wer ich bin und was ich will, sondern habe mich ganz schnell anderen Leuten angepasst.

Sie haben gerade im Film „After the Wedding“ gespielt, bei dem Ihr Mann Bart Freundlich Regie führte – und dadurch kurzzeitig Ihr Boss war. Hatten Sie Vorbehalte, dass die Konstellation zu viel Reibung erzeugt?

Es hat uns sogar sehr gutgetan, ein gemeinsames Projekt zu haben, das uns beiden am Herzen lag. Unsere Tochter Liv, die nun 17 ist, hat sogar als Produktionsassistentin am Set gejobbt. Wir hatten eine wundervolle Zeit zusammen.

Hoffen Sie, dass Ihre Kinder ebenfalls beim Film landen, oder wollen Sie sie eher davor bewahren?

Ich glaube, man sollte seinen Kindern viel anbieten und dann schauen, in welche Richtung sie sich entwickeln. Mein Sohn Caleb sagte mal einem Lehrer: „Meine Eltern haben mir erlaubt, zwei Instrumente zu lernen und dann zu wählen, was ich lieber möchte.“ Ich war überrascht, dass ihm das in Erinnerung geblieben ist! Ich würde mich freuen, wenn sie Schauspiel ausprobieren, aber erst nach dem College. Erst dann kann man entscheiden, was man mit seinem Leben machen will. nutze. Mal poste ich viel, mal weniger. Ich befürchte aber, dass Social Media immer mehr zur Werbeplattform für uns selbst werden. Wozu drehen wir sonst ständig kleine Werbefilme von uns?

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 09/19 erschienen.

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