MADAME wird geladen...
Magazin-Artikel

Im Interview mit den Influencerinnen und Schwestern Sylvia und Julia Haghjoo

Die Influencerinnen Sylvia & Julia Haghjoo punkten in lauten Social-Media-Zeiten mit Authentizität, künstlerischem Anspruch und feiner Diskretion. MADAME traf die beiden Schwestern zum Interview

Sylvia Haghjoo & Julia Haghjoo am Meer
Family-Business bei den Haghjoo-Schwestern Sylvia Haghjoo & Julia Haghjoo

Sylvia und Julia sind fasziniert vom Picasso-Museum in Antibes. Die kunstaffinen Schwestern und Influencer- Stars fühlen sich in diesem Städtchen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts Magnet für viele Maler, pudelwohl. Nicht nur wegen der Kunst: Ihre Eleganz harmoniert perfekt mit dem Riviera-Chic der Côte d’Azur.

Madame: In der Modebranche wird die so zentrale Bühne Instagram gerade kritisch beäugt: Follower-Zahlen von Influencern werden beschönigt, Bildsprachen sind austauschbar, bezahlte Partnerschaften werden zunehmend als problematisch betrachtet. Was glauben Sie als Player dieser Szene: Droht bald der Crash auf Instagram?

Sylvia Haghjoo: Zu kommerzielle Profile sind oftmals laut, ungefiltert – und ziemlich protzig. Das beeinflusst auch sicherlich die Selbstwahrnehmung von Followern, die sich fragen: Wieso jettet diese Influencerin um die Welt, wohnt in den teuersten Hotels und ist von Kopf bis Fuß in Designermode gekleidet? Wieso nicht ich? Von Inspiration kann da schon lange nicht mehr die Rede sein. Auf Dauer ist dies ungesund für die Psyche – für Influencer und Follower gleichermaßen.

Madame: Ihr Account definiert sich durch anspruchsvollen Content und künstlerische Fotoästhetik. Im Vergleich zu den Megaplayern der Branche haben Sie jedoch wenige Follower. Trotzdem kooperieren große Luxusmarken wie Chanel, Hermès, Jaeger-LeCoultre mit Ihnen. Wie gelingt Ihnen das?

Julia Haghjoo: Jede Partnerschaft, die wir eingehen, ist auf Langfristigkeit ausgerichtet. Sie soll nicht bloß ein Blinzeln auf dem Bildschirm sein. Effekthascherei ist nicht unser Ding. Diese Exklusivität schätzt die Luxusindustrie.

Sylvia Haghjoo: Es muss eine Win-win-Situation für alle Parteien sein. Man darf sein Profil nicht verwässern. Die Unternehmen sollten mehr darauf achten, mit wem sie zusammenarbeiten. Viele holen sich eine Influencerin ins Boot, die zwar eine große Reichweite hat, aber nicht wirklich zur Markenphilosophie passt.

Madame: Welche Guidelines haben Sie für Ihre Bildsprache entwickelt?

Sylvia Haghjoo & Julia Haghjoo im Portrait
Sylvia Haghjoo (l) & Julia Haghjoo (r) Sylvia Haghjoo & Julia Haghjoo

Julia Haghjoo: Wir sind keine Frauen, die ständig ein Selfie posten müssen. Licht-und-Schatten-Spiele vor der Kamera interessieren uns mehr. Und überhaupt müssen wir in Zeiten der Informations- und Bilderflut sehr genau aufpassen, was wir veröffentlichen. Wir verstehen uns als kuratiertes Magazin, als visuelles Poesiealbum zweier Kreativköpfe.

Madame: Wie haben Sie angefangen?

Sylvia Haghjoo: Ich träumte davon, an der Parsons School of Design in New York Fotografie zu studieren. Doch das Studium für ausländische Studenten war für meine Verhältnisse zu teuer. Man riet mir, einen eigenen Fotoblog auszuprobieren, um mich damit später für ein Stipendium zu bewerben. Das war 2010. Ein Jahr später holte ich meine Schwester dazu. Weil ich Julia nicht bezahlen konnte, mich aber revanchieren wollte, schlug ich ihreinen eigenen Blog vor. Daraus wurde zufällig ein Beruf.

Madame: Sie sind Schwestern, Freundinnen und Geschäftspartnerinnen. Wie gut ist familiäre Nähe im Business?

Sylvia Haghjoo: Mit Familienangehörigen zu arbeiten ist niemals einfach. Man muss lernen, Privates und Berufliches zu trennen, die Stärken und Schwächen des anderen zu akzeptieren und sich gegenseitig an guten wie schlechten Tagen zu unterstützen. Wie in einer guten Partnerschaft eben. Es war auch für uns ein harter Weg, diese Erfahrung zu machen.

Julia Haghjoo: Als Konkurrentinnen haben wir uns nie gesehen, es wurde nur irgendwann alles zu viel. Ich zog aus unserer gemeinsamen Wohnung aus, und wir hatten tatsächlich ein Jahr lang keinen Kontakt. Aber wir sind daran gewachsen. Nun, nach neun Jahren, könnten wir nicht glücklicher über diese Konstellation sein.

Madame: Was wird auf Instagram nicht preisgegeben?

Julia Haghjoo: Der Zeitaufwand und die Arbeitsprozesse, die hinter unserer Arbeit stecken. Und wir teilen nichts Privates, wir brauchen eine gesunde Distanz zu unserem öffentlichen Leben.

Madame: Kunst ist ein häufiges Motiv in Ihrem Feed: Aufnahmen wie jüngst von Picassos Keramiken machen Ihre Accounts besonders.

Sylvia Haghjoo: Seit Kindesbeinen malen und fotografieren wir. Daher fühlt sich die Auseinandersetzung mit Kunst ganz selbstverständlich an. Auf unseren Reisen haben wir eine eiserne Regel: Wir besuchen immer mindestens ein Museum oder eine Ausstellung. Insbesondere die Messen Tefaf, Art Basel und die Fiac stehen in unseren Kalendern ganz oben.

Madame: Sie ziehen bald von Hamburg nach Paris. Weshalb?

Julia Haghjoo: In Hamburg sind wir aufgewachsen. Es war unser Tor zur Welt. Jetzt gilt es, in Paris die Zelte neu aufzuschlagen und unser Profil und unser Netzwerk zu schärfen.

Sylvia Haghjoo: Unsere Eltern haben uns gelehrt: Träume muss man sich selbst verwirklichen. Wir fühlen, dass Paris ein guter Backdrop für unser nächstes Kapitel ist.

var premium1Fallback = mobile_premium1Fallback = '
';var premium2Fallback = mobile_premium2Fallback = '
';var premium3Fallback = mobile_premium3Fallback = '
';
var basic1Fallback = mobile_basic1Fallback = '
';var basic2Fallback = mobile_basic2Fallback = '
';var basic3Fallback = mobile_basic3Fallback = '
';