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"Ich liebe meine Falten" - Ute Lemper im Interview

Im Interview sprach die deutsche Broadway-Künstlerin Ute Lemper über ihre Ehe, wie sie die Zeit während Corona nutzt und ob sie zurück nach Deutschland kommt

Ute Lemper
Im Interview mit Ute Lemper Getty Images

Sie fühlt sich auf der Bühne wie zu Hause, doch die ist vorerst passé. Aktuell lebt Broadway-Star Ute Lemper mit ihrem zweiten Ehemann Todd und den vier Kindern in ihrem New Yorker Penthouse. Dass sie Corona-bedingt mit der Familie das Haus hütet, statt durch die Welt zu reisen, empfindet die Sängerin als „Qualitätszeit“. Und dennoch macht sie sich Sorgen. Wie sie sich langsam auf ein anderes Leben einstellt, was ihr Deutschland noch bedeutet und wie sie zu Botox und Erotik im Alter steht, erzählt Ute Lemper im Interview.

Interview mit Ute Lemper

MADAME: Frau Lemper, Ihre Auftritte wurden Corona-bedingt bis Herbst abgesagt oder verschoben. Wie geht es Ihnen damit?

Ute Lemper: Ich mache mir schon Sorgen. Ich nehme zwar an, dass sich 2021 alles wieder einpegelt, doch wer weiß, was das Corona-Virus noch bewirkt. Wir versuchen aber, ruhig zu bleiben. Mit meiner Familie wohne ich seit Mitte März in unserem New Yorker Penthouse. Meine beiden großen Kinder wurden aus San Francisco eingeflogen, wo sie seit zwei Jahren wohnen. Sie kümmern sich auch wirklich rührend um die Kleinen. Zusammen haben wir jetzt eine Qualitätszeit, die wir nie vorher hatten! Wir machen Gesellschaftsspiele und sind jeden Tag im Central Park, der direkt nebenan liegt. Da joggen die Kids oder spielen Fußball. Außerdem kochen wir wie verrückt. Soviel habe ich in meinem Leben noch nicht gekocht! Meist richtig abenteuerlich mit Gerichten aus verschiedenen Kulturen.

Beruhigt Sie das in dieser Krisenzeit?

Ein wenig. Ich frage mich aber schon, in was für einer Welt meine Kinder nun aufwachsen, ob sie noch die Freiheiten haben werden, die ich immer hatte, und ob sie bald wieder frei ausgehen und sich verwirklichen können. Die junge Generation will ausgehen und Spaß haben! Sie ist angstlos. Was in den Entwicklungsländern passiert, in Afrika und Südamerika, beunruhigt mich außerdem. Ich bin aber keine Panikmacherin. Und dennoch: Wenn die ganze Kulturlandschaft zusammenbricht und ich weltweit kaum noch Konzerte geben kann, muss ich mich auf ein anderes Leben einstellen.

Können Sie sich vorstellen, nicht mehr auf der Bühne zu stehen?

Den Beruf einfach zu wechseln geht natürlich nicht. Ich habe jetzt schon 35 Jahre gearbeitet und natürlich auch Ermüdungserscheinungen. Eine ruhige Kugel zuhause zu schieben tut mir da auch mal ganz gut. Jetzt kann ich endlich durchschlafen! Mein Zeitplan war sonst immer furchtbar, ich flog ständig durch die ganze Welt. Letztes Jahr war ich dreimal in China, pendelte ständig zwischen Europa und Amerika, hatte immer Jetlag! Die Doppelaufgabe als Mutter und als Berufstätige kam noch dazu. Sie war immer schwierig.

Was meinen Sie damit?

Ich bin seit 25 Jahren Mutter, auch da zeigen sich Verschleißerscheinungen. Aber vielleicht werde ich jetzt mehr kreativ tätig, schreibe Musik oder gehe in die Lehrtätigkeit. Ich gebe ja bereits Unterricht und könnte hier in New York an der Musik- und Theaterschule oder an der Drama School etwas machen. Ich habe der jüngeren Generation einiges mitzugeben an Weisheit und Erfahrung! Eine Professur anzunehmen wäre auch denkbar. Ansonsten ziehen wir uns vielleicht ganz aufs Land zurück, denn ich kann mir auch ein total ruhiges Leben vorstellen. Allerdings ist die Musik schon Zentrum meines Herzens und das würde ich nur ungern aufgeben wollen.

„Ich kann mir schon vorstellen, nach Europa zu gehen“

Sie wollten privat irgendwann wieder nach Europa zurück. Was ist aus dieser Idee geworden?

Wir haben noch keine konkreten Pläne. Wenn New York problematisch wird, könnte ich mir aber schon vorstellen, nach Europa zu gehen. Vielleicht sogar an einen schönen Ort, nach Münster in meine alte Heimatstadt. Mein Vater lebt auch noch dort.

Wie geht es ihm?

Er ist mit 85 Jahren immer noch ein sehr versierter, intellektueller Mann, der sich gut gehalten hat, auch nach dem Tod meiner Mutter Ende Mai 2018. Da er im Rollstuhl sitzt und nicht laufen kann, sind meine Eltern bereits vor sechs Jahren in ein Heim gezogen, in dem er bis heute bestens aufgehoben ist. Mein Vater denkt sehr positiv, mit ihm kann ich über alles sprechen. Er fährt gern mit seinem Rollstuhl durch die Stadt und schaut sich Museen und Theater an. Ich hoffe, dass er noch mindestens zehn Jahre vor sich hat.

Sie haben mal gesagt, Deutschland sei Ihre Heimat und New York Ihr Zuhause.

Das stimmt. Ich fühle mich auf jeden Fall in New York zuhause, wenn auch nicht ganz. In Deutschland fühle ich mich allerdings auch nicht daheim, weil ich mittlerweile so viele andere Kulturen in mir trage. Dasselbe fühle ich in Paris, wo ich Jahre gelebt habe. Ich glaube, ich bin eine Weltenbummlerin, die da zuhause ist, wo die Familie ist. Sie ist das Wichtigste für mich. Ich bin aber auch auf der Bühne mit meinen Musikern zuhause, sie sind meine zweite Familie. Mit ihnen fliege und fahre ich durch die Welt und gebe Konzerte. Da fühle ich mich frei und bin auch sehr glücklich. Aber ich vermisse dann meinen Kleinen natürlich immer sehr. Er braucht mich.

Bereuen Sie, dass Sie nicht so oft zuhause waren?

Nein. Ich bin froh, dass meine Kinder immer viel mitbekommen haben - von ihrem Vater, ihrer Mutter, der Gesellschaft und dem Sport. In dieser Hinsicht war es auch immer einfach für mich, auf Tour zu gehen, denn ich wusste, ihr Leben geht auch ohne mich weiter. Während der Corona-Krise sind wir Eltern natürlich die Hauptinspirationsquelle. Gerade für den Jüngsten ist das manchmal schwierig. Er muss immer wieder neu motiviert werden.

Was macht die neue Situation mit Ihrer Ehe?

Wenn ich zuhause bin, motiviere ich auch meinen Mann. (lacht) Nein, im Ernst: Wir haben keine Probleme in unserer Ehe. Ich brauche ihn genauso wie er mich. Wenn ich auf Tour bin, telefonieren wir fünfzehn Mal am Tag! Wir sind wirklich ein sehr gutes Team, aber auch sehr unterschiedlich. Todd ist weniger kreativ, zum Beispiel wenn es um die Aktivitäten der Kinder geht. Die muss ich managen, auch wenn ich auf Reisen bin. Mein Mann ist dafür sehr geduldig, kann mit den Kindern alles durchziehen und sie auf Balance halten. Diese Ruhe habe ich nicht.

Also stimmt es bei Ihnen: Gegensätze ziehen sich an…

… und wir sind seit 20 Jahren zusammen und seit elf Jahren verheiratet! Wir haben aber auch die gleichen Hobbies. Wir lieben beide Musik, die Natur, Tennis, den gleichen Rotwein und Champagner, und wir kochen beide gerne. Todd bereitet das Gemüse vor und ich bin dann die Kreative an der Pfanne. Wir haben meist viele Töpfe gleichzeitig auf dem Herd und hantieren gemeinsam herum.

Was macht Sie außer Ihrer Familie und der Musik noch glücklich?

Vieles. Ich liebe es, guten Wein zu trinken, Filme auf Netflix zu gucken oder auf der Terrasse zu sitzen und einfach mal gar nichts zu tun. Gespräche mit meiner Tochter Stella sind auch toll, über Bücher zum Beispiel. Mit meinem 25-jährigem Sohn Max mache ich das genauso gern. All diese kleinen Sachen machen mich glücklich. Das Putzen übrigens auch!

Wie würden Sie Ihre 23-jährige Tochter Stella beschreiben?

Sie ist eine vollemanzipierte, selbstständige Frau, die sich von den Männern nichts einreden lässt. Sie liebt es, mit meinem Mann zu streiten, und sagt ihm ihre Meinung. Da hat er überhaupt keine Chance.

"Ich habe mich nie billig verkauft"

Sie selbst mussten sich als Frau im Musikbusiness durchsetzen.

Ich fand es aber immer wunderbar, eine Frau zu sein! Ich habe mich auch nie billig verkauft, und das Vulgäre hat mir nie gefallen. Natürlich macht man am Anfang alle möglichen Sachen, bei denen man anschließend denkt „Mein Gott, musste das sein?“. Die Klamotten der 80er Jahre zum Beispiel, die Haare und all das. Ich war aber immer ein Powertyp, ein Typ, den die Männer respektiert haben. Ich habe mich auch nie in einer MeToo-Geschichte wiedergefunden, in der ich von Männern angebaggert wurde. Ich habe mich eben nie sexuell angeboten, sondern immer elegant, emanzipiert und zeitlos präsentiert.

Apropos zeitlos: Sie scheinen nicht zu altern. Wie empfinden Sie das Älterwerden?

Ich sehe, was ich sehe, und finde Großaufnahmen schon schwierig. (lacht) Mit meinem Mann, er wird dieses Jahr 60, mache ich immer Witze darüber. Man kann dem Alter einfach nicht entgehen, nur hier und da vielleicht ein wenig tricksen. Das Wichtigste ist aber, dass man fit bleibt, denn im Alter sind zu viele Pfunde nicht so einfach wieder runterzubekommen. Mein Vorteil ist, dass mein Körper trotz meiner vier Kinder fit ist wie mit 20. Ich lasse einfach nicht zu, dass ich schlaff werde. Wir wohnen zum Beispiel im dritten Stock und ich habe auf dem Dach mein Büro, also renne ich jeden Tag fast fünfmal acht Stockwerke hoch. Meine Oberschenkel brennen, wenn ich oben ankomme, und ich bin voll aus der Puste. Aber so bleibe ich fit.

Was halten Sie von Botox?

Das benutze ich nicht, das brauche ich auch nicht. Die paar Falten, die ich an der Stirn habe, die müssen sein, da ich auf der Bühne natürlich auch mit meinem Ausdruck spiele. Botox macht eine völlig glatte Haut, da sieht man gar nichts mehr an Mimik. Das geht nicht, aber da denke ich auch eher europäisch, wie meine New Yorker Freunde gern feststellen. (lacht) Ich liebe meine Falten!

Und was sagen Sie zur Erotik im Alter?

Für mich verändert sich Erotik nicht durch die Zeit. Wobei: Je besser man sich kennt, umso schöner wird sie. Es gibt natürlich intensivere Phasen im Leben und weniger intensivere, wo andere Dinge mehr Priorität haben. Jetzt haben Todd und ich gerade eine gute Phase. (lacht)

"Wir lassen uns auch Freiheiten"

Was macht für Sie eine gute Ehe aus?  

Wir lassen uns auch Freiheiten, das ist wichtig. Man darf nicht immer zusammenhängen und sich auf den Geist gehen. Man muss auch mal getrennte Dinge machen, um sich dann wiederzufinden. Wir haben zudem einen gemeinsamen Freundeskreis und ich habe meinen eigenen. In dem sind auch Männer, mit denen ich nicht ins Bett gehe, mit denen ich aber sehr vertraulich und eng bin.

Spielt Eifersucht eine Rolle?

Nein. Mein Mann und ich sind ein eingespieltes Team. Wir haben aber genauso viele Konflikte wie schöne Momente. Wir führen keine perfekte Beziehung und bei uns fliegen auch mal ordentlich die Fetzen, denn wir sind beide temperamentvolle Intuitionsmenschen. Aber wir wissen, was wir machen müssen, um den Frieden aufrechtzuerhalten. Wir sind unser Zuhause - er ist meins und ich bin seins. Das fühlt sich einfach gut an.

Todd hat an jedem Ihrer Alben mitgewirkt. Auch am neuen, das am 22. Mai erscheint?

Natürlich! Er ist als Schlagzeuger auf dem Album zu hören. Mein Mann ist mein erster Assistent und meine rechte Hand. Er macht für mich auch die Verträge mit den Musikern.

Mit was wird die CD Ihre Fans überraschen?

Sie ist noch vielfältiger als meine Bühnenshow, die genauso heißt! Das Album „Rendezvous with Marlene“ beinhaltet 20 Lieder aus all den verschiedene Kapiteln des Lebens von Marlene Dietrich: die amerikanischen Geschichten, die französischen Lieder, die sie liebte, und die deutschen. Eigentlich müsste es eine Doppel-CD sein, aber wer macht heute noch so etwas? Wir haben uns dagegen entschieden.  Das neue Album hat aber verschiedene Versionen, je nachdem, wo ich sie spiele - in Amerika, England oder Deutschland. In Deutschland singe ich mehr die deutschen Lieder. Und ich freue mich schon sehr darauf, in meinem Heimatland wieder Konzerte zu geben.

Das Interview führte Cäcilia Fischer für Bauer Stars&Stories Experts

Ute Lemper CD Cover
Am 22.5. erscheint das neue Album „Rendezvous with Marlene“ PR
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