Histaminintoleranz

Sei es im Freundeskreis, beim Restaurantbesuch oder vor dem Supermarktregal: Während Gluten- und Laktoseunverträglichkeiten schon längst gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, ist Histaminintoleranz immer noch relativ unbekannt. Erfahren Sie alles Wissenswerte über die Stoffwechselstörung

Nathalie Gleitmann kreiert auf 'Nathalie's Cuisine' gesunde Rezepte, die auf Histamine und Laktose verzichten

Nathalie Gleitman kreiert auf 'Nathalie's Cuisine' gesunde Rezepte, die auf Histamine und Laktose verzichten

Diverse Food-Philosophien führen in der Kaffeeküche der Madame.de-Redaktion regelmäßig zu hitzigen Diskussionen. Schließlich kommen und gehen so manche Ernährungstrends schneller als wir 'Nike Air Zoom Pegasus 32 Flash ID' sagen können. Außerdem, wer kann zwischen Detox-Foods, Low CarbPaleo, Superfoods und Clean Eating wirklich noch mit Bestimmtheit sagen, was eine gesunde Ernährung ausmacht? 

Doch was ist los, wenn eine vermeintlich ausgewogene Ernährung krank macht? Eine noch relativ unbekannte Lebensmittelunverträglichkeit, die Intoleranz von Histamin, lässt selbst unsere Food-Experten ratlos zurück. Zeit, sich näher mit der Thematik auseinanderzusetzen. 
Was ist Histamin?
Essen nach dem Sport
Essen nach dem Sport

6 schnelle Gerichte für den besten Trainingseffekt

Während man sich über Gluten- und Laktoseunverträglichkeiten mittlerweile ein umfassendes Bild gemacht hat, ist die Histaminintoleranz noch weitgehend unbekannt. Was ist Histamin eigentlich? Darunter versteht man ein biogenes Amin, also einen Eiweißstoff, der sowohl vom Köper produziert, als auch durch die Nahrung aufgenommen wird. Bei einer auftretenden Intoleranz wird das Enzym Diaminooxidase (DAO), das zum Abbau des Eiweißes nötig ist, nur in unzureichender Menge ausgeschüttet. Das Histamin reichert sich mit jeder Mahlzeit im Körper an und wird bei Betroffenen nur äußerst langsam abgebaut. Ab einer gewissen Konzentration treten Symptome auf, die sich mit einer allergischen Reaktion vergleichen lassen. 
Wie verbreitet ist die Histaminintoleranz? Die Histaminintoleranz, früher auch Histaminose genannt, gehört zu den Nahrungsmittelintoleranzen und betrifft schätzungsweise zwei Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung. Die Dunkelziffer der Betroffenen wird jedoch weitaus höher geschätzt. Denn anders als bei Gluten- oder Laktoseintoleranzen ist die Unverträglichkeit von Histamin in unserer Gesellschaft noch weitgehend unbekannt und wird von Allgemeinmedizinern leider nur in Ausnahmefällen korrekt diagnostiziert. 
Welche Lebensmittel enthalten Histamine? Die Liste unverträglicher Lebensmittel ist ziemlich lang und muss in Nahrungsmittel aufgeteilt werden, die Histamin enthalten und die körpereigenes Histamin ausschütten. Zu ersteren zählen unter anderem konservierte Lebensmittel, gereifter Käse, geräuchertes Fleisch und Fisch, Bohnen und Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Weizenprodukte, Fertiggerichte, Bananen, Birnen, Orangen, Kiwi, Schwarzer Tee, Essig, Alkohol, Kaffee und viele weitere. Zu den Nahrungsmittel, die Histamin  freisetzen (Histaminliberatoren) gehören unter anderem Erdbeeren, Ananas, Schokolade und Tomaten. 
Nathalie Gleitman, Gründerin von 'Nathalies Cuisine'

Nathalie Gleitman, Gründerin von 'Nathalies Cuisine'


Die gebürtige Münchnerin Nathalie Gleitman hat sich mit ihrem Foodbloog 'Nathalie's Cuisine' auf gesunde Rezepte spezialisiert, die sowohl auf Laktose, als auch auf Histamin verzichten und trotzdem wahnsinnig lecker schmecken. Im Interview erzählt sie, was sich hinter einer Histaminintoleranz verbirgt und ob eine histaminfreie Ernährung auch für Menschen ohne Unverträglichkeiten Sinn macht.

Madame.de: Auf Ihrem Blog finden sich nur Rezepte, die sowohl laktose- als auch histaminfrei sind. Wie kam es zu diesem Ernährungsansatz?

Nathalie Gleitman: Vor zwei Jahren wurde ich mit einer Histamin – und Laktoseintoleranz diagnostiziert. Ich wusste zwar damals wie ich mich laktosefrei ernähre, aber ich hatte keine Ahnung, was eine Histaminintoleranz bedeutet. Ich hatte damals das Gefühl als wären alle Beschwerden über Nacht über mich hereingebrochen. Nach allem, was ich aß ging es mir sehr schlecht. Meine Beschwerden erreichten ihren Höhepunkt, als ich einfach nicht mehr das Haus verlassen konnte. Ich fühlte mich so unwohl und ich passte in keine Kleidung mehr, da ich so aufgebläht war. Schließlich diagnostizierte der Arzt die Histaminintoleranz. Ich war einerseits erleichtert, dass die Ursache für meinen schlimmen körperlichen Zustand endlich gefunden war. Andererseits brach in mir eine Welt zusammen. 

Wie entstand die Idee zu Ihren Foodblog 'Nathalie's Cuisine'?

Ich verstand nicht mehr, was ich essen konnte und wie ich die richtigen Lebensmittel wählen sollte. Ich war völlig verunsichert und auch verzweifelt. Die Umstellung zu einer strengen histamin- und laktosefreien Lebensweise hat mir sehr schnell geholfen. Die Liste der Lebensmittel, die ich nicht anrühren darf, ist unglaublich lang, sie schien anfangs endlos! Aber indem ich mich stattdessen auf die Dinge konzentriert habe, die ich tatsächlich essen durfte, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese Intoleranz kein Kompromiss oder eine Einschränkung bedeuten muss, sondern eine optimistische Alternative für einen gesunden Lebensstil. Ich fand nur wenig praktikable Informationen, Rezepte und Ratschläge, die mich unterstützten, mich streng histaminfrei zu ernähren und dennoch gesund zu leben. Der zentrale Gedanke hinter dem Blog liegt darin andere dazu zu inspirieren, die Einschränkungen, die ein gesunder Lebenswandel mit sich bringt, nicht nur anzunehmen, sondern zu zelebrieren indem man das Beste aus bestehenden Möglichkeiten herausholt und gleichzeitig natürliche und saisonale Zutaten zu verwenden lernt. 
Auf Avocados müssen Menschen mit einer Histaminintoleranz leider verzichten

Auf Avocados müssen Menschen mit einer Histaminintoleranz leider verzichten


Wie sehen die Symptome einer Histaminunverträglichkeit aus?

Symptome können während dem Essen und Trinken auftreten aber auch chronisch fortbestehen oder sporadisch auftreten. Es gibt eine Vielzahl von Symptomen, die auftauchen können und bei jeder Person anders ausfallen können. Meine Hauptsymptome waren Migräne, Bauchschmerzen, Schwindel, Verdauungsprobleme, Herzrasen, Übelkeit und Müdigkeit. Viele Leute leiden aber auch unter Hautausschlägen, Juckreiz, Schlafstörungen, Niesen und vieles mehr. 
Shirataki: Die kalorienärmsten Nudeln der Welt
Die 10-Kalorien-Nudeln

Lecker und so gesund: Diese Nudeln besitzen pro Portion nur 10 Kalorien


Der Verzicht welches Lebensmittels war besonders schwer für Sie?

Am Anfang war der Verzicht auf Tomaten und Schokolade schwer. Jetzt vermisse ich Avocado und Nüsse am meisten, da es so viele tolle vegane Rezepte mit Nüssen und Avocado gibt, die ich leider nicht probieren kann. Zum Glück habe ich viele leckere Alternativen kreiert! 

Macht eine histamin- und laktosefreie Ernährung auch für Menschen ohne Intoleranzen Sinn?

Für Menschen, die kein Problem haben Histamin abzubauen, wird es kein großen Unterschied machen sich anders zu ernähren. Ein Mensch, der Laktose abbauen kann und keine Symptome verspürt, kann sich weiter normal ernähren. Viele Menschen haben jedoch Symptome und wissen nicht warum. Ich finde es wichtig sich in diesem Fall auf verschieden Intoleranzen testen zu lassen. Zwei Prozent der Population hat eine Histaminntoleranz, zehn Prozent reagieren sensibel auf Histamin und sogar 65 Prozent der Population hat Probleme Laktose zu verdauen nach dem Säuglingsalter. Ich finde eine histaminfreie Ernährung  auch für Menschen ohne Intoleranzen interessant, da es gesunde und leckere Rezepte sind, die mal aus anderen Lebensmitteln hergestellt sind. Jeder kocht heute schon dasselbe und fängt an, sich sehr eintönig zu ernähren, was auf Dauer auch zu Unverträglichkeiten führen kann. Meine Rezepte sind auch eine Möglichkeit für Menschen ohne Intoleranzen sich vielfältig zu ernähren und Neues auszuprobieren. 
3 neue Lieblings-Rezepte aus 'Nathalie's Cuisine': Solo oder als Beilage zu gegrilltem Hühnchen: Frischer Kräutersalat mit Granatapfelkernen. In den Salat kommen je nach Präferenz frische Minze, Petersilie und Koriander. Als Dressing reicht Olivenöl und frische Zitrone.
Kräutersalat

Kräutersalat


Orientalisches Couscous mit Huhn

Zutaten: Filetierte Hähnchenbrust, 1EL Kokosöl, Salz, Kreuzkümmel, 5 gehackte Datteln, 500 ml Gemüsebrühe, 4 kleine geschnittene Zucchini, frischer Koriander, 150 g Couscous
Zubereitung: Das Kokosöl in einer Pfannen erhitzen und die Hähnchenstücke darin gold-braun anbraten. Etwas Salz hinzufügen und das Huhn dann von der Kochplatte nehmen. Die gehackten Datteln und den Kreuzkümmel in einer Pfanne für ca. 2 Minuten anschwitzen. Mit der Gemüsebrühe löschen und das Hähnchen, Zucchini und den Couscous dazugeben. Ca. 6-10 Minuten auf kleiner Flamme köcheln bis der Couscous weich ist. Das fertige Gericht auf einen Teller servieren und frischen, gehackten Koriander darüber streuen.
Orientalischer Couscous mit Huhn

Orientalischer Couscous mit Huhn


Gesunder Apfelcrumble

Zutaten: 100 g Macadamia Nüsse, 100 g Dinkel Vollkorn Mehl, Zimt, 2 EL Honig, 4 Äpfel, 1 EL Rosinen
Zubereitung: Den Ofen auf 160 °C vorheizen. Die Äpfel in feine Scheiben schneiden und die Auflaufform damit auslegen. Die Macadamia Nüsse in einem Personal Blender mahlen oder fein reiben und alle Zutaten mit den Händen gut kneten. Es sollen Streusel entstehen. Die Streusel gleichmäßig auf die Äpfel verteilen. Den Apfelcrumble 25-30 min im Ofen backen. 
Gesunder Apfelcrumble

Gesunder Apfelcrumble