madame wird geladen...
Gesundheit

Gesetzlicher Menstruationsurlaub wird Realität

Zumindest in Taiwan. Dort haben Frauen ein Recht auf drei Tage Urlaub während ihrer Periode. Und Deutschland könnte das nächste Land sein, das nachzieht

Eine blutige Binde während der Menstruation
Wenn Menstruationsbeschwerden zur Berufsunfähigkeit führen können iStock

Bezahlter Menstruationsurlaub: Auch in Italien eine Option

Der italienische Gesetzesentwurf ist ähnlich wie der in Taiwan, und sieht vor, dass Frauen, die regelmäßig unter derart starken Krämpfen oder Blutverlust (Hypermenorrhoe) leiden, dass ihnen eine ärztliche Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung zusteht, drei Tage im Monat bezahlten "Menstruationsurlaub" bekommen können. "Es hat sich gezeigt, dass Frauen, die während ihrer Periode unter starken Schmerzen leiden, in dieser Zeit unproduktiver sind", argumentiert Simonetta Rubinato, eine von vier italienischen Politikerinnen, die den Gesetzesentwurf vorgebracht haben. "Wenn wir ihnen in dieser Zeit einen Abwesenheits-Anspruch zusprechen, werden diese Frauen nach ihrer Rückkehr viel produktiver sein."

Neben Taiwan ist auch in einigen anderen asiatischen Ländern wie Indonesien, Japan, Südkorea oder Indien der Anspruch auf bezahlten Menstruationsurlaub bereits Realität.

Was spricht gegen Urlaub während der Menstruation?

In den sozialen Medien wird jede Diskussion über den Gesetzesentwurf lautstark als Schritt in die richtige Richtung gefeiert, aber es gibt auch Kritiker. Ein "zusätzlicher" gesetzlich verankerter Urlaubsanspruch von drei Tagen im Monat nur für Frauen – mit 36 Tagen deutlich mehr als der durchschnittliche Jahresurlaubsanspruch eines deutschen Arbeitnehmers - würde nicht nur für Missstimmung im Team, sondern für noch mehr Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt sorgen.

Selbst im Jahre 2020 werden Frauen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen noch immer schlechter bezahlt und seltener eingestellt und befördert; weil der Arbeitnehmer immer im Hinterkopf hat, dass die potentielle Arbeitnehmerin durch Kinderwunsch ausfällt, könnte sich die Stellung der Frau durch ein solches Gesetz noch mehr verschlechtern. Schließlich entstehen dem Arbeitgeber durch den bezahlten Menstruationsurlaub Kosten, die der männliche Bewerber ohne Uterus nicht verursacht.

Männern muss Bewusst werden, was Periode bedeutet

Für Menschen ohne Gebärmutter ist der Menstruationszyklus ein eher abstraktes Konzept, das Männer gerne auch mal gegen Frauen verwenden: "Hast du deine Tage, oder was!??". Zu den Themen Regelblutung und Menstruationsbeschwerden werden genauso wie bei den ominösen Geburtsschmerzen auf dünnster Informationsbasis Platitüden von sich gegeben ("In Kambodscha kriegen sie ihr Kind auf dem Reisfeld und gehen dann wieder arbeiten!" , "Komm, so schlimm kann es gar nicht sein, meine Schwester hatte nie Krämpfe!").

Aber jede Frau, die das Kommen ihrer Periode an den plötzlichen Pickelausbrüchen an Hals und Kinn, den Rückenschmerzen und einer generellen Abgekämpftheit ablesen konnte, die sich während ihrer Tage zuhause im Bett vor Schmerzen gekrümmt, mit Verdauungsbeschwerden ständig aufs Klo gerannt ist und Paracetamol wie Smarties eingepfiffen hat, weiß, dass Menstruationsbeschwerden den Alltag jeder Frau jeden Monat einschneidend beeinträchtigen können.

Aber auch wenn wir uns sicher sind, dass wenn Männer menstruieren würden, es nicht nur drei Tage gesetzlichen Urlaub geben würde, sondern eine ganze Woche, und außerdem Schmerzmittel und Hygieneprodukte von der Krankenkasse bezahlt würden – befürchten auch wir, dass gesetzlich verankerter bezahlter Menstruationsurlaub Frauen langfristig schlechter stellen würde.

Dennoch ist die öffentliche Debatte über die Anerkennung der tatsächlichen Lebensbedingungen von Frauen wichtig und verdient Aufmerksamkeit: Es ist bemerkenswert, dass die Hälfte von uns sich nur unter Einnahme von Schmerzmitteln ins Büro schleppt und mit blutenden Genitalien eine Präsentation hält (nicht zu erwähnen Frauen in Berufen, die körperliche Arbeit erfordern). Dieses Bewusstsein für unsere Lebensrealität muss unbedingt auch bei Männern geschärft werden.

Wie wäre es denn zum Beispiel mal mit kostenlosen Tampons und Binden? Wenn Viagra von der Kasse bezahlt werden kann…

var premium1Fallback = mobile_premium1Fallback = '
';var premium2Fallback = mobile_premium2Fallback = '
';var premium3Fallback = mobile_premium3Fallback = '
';
var basic1Fallback = mobile_basic1Fallback = '
';var basic2Fallback = mobile_basic2Fallback = '
';var basic3Fallback = mobile_basic3Fallback = '
';