Gemischte, abstrakte Fotokunst– Künstlerin Madeleine Gross im Interview

Madeleine Gross, Künstlerin aus Toronto, fotografiert wundervolle Szenerien, um sie dann zu übermalen. Im Interview verrät Sie, warum sie das tut

"Poolside Muse" von Madeleine Gross

"Poolside Muse" von Madeleine Gross

Fotos aus verträumten Welten
Künstlerin Madeleine Gross

Künstlerin Madeleine Gross


Wenn man sich die Fotos von Madeleine Gross anschaut, dann kann es schon mal passieren, dass man sich in den eigenen Gedanken verliert. Die junge "mixed-media" Künstlerin lebt in Toronto und erzeugt durch ihre Kunst vor allem eins: Sehnsucht, Fernweh, Freude und Vollkommenheit. Wir haben mit der anstrebenden Künstlerin über mehr als nur "Linienführung" gesprochen.

MADAME.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Fotografie mit Malerei zu vermischen?
 
Madeleine Gross:
Ich dachte daran, zwei Mittel miteinander zu kombinieren: Ich wollte einfach das, was wir jeden Tag sehen und wahrnehmen abstrahieren und daraus Kunst machen. Es ist eine Art und Weise, Figuren und Landschaften zu abstrahieren, ohne die Realität dabei zu verfälschen. Ich möchte, dass diese Mischung Emotionen hervorruft und eine neue Erzählweise kreiert.  

 
Woher nehmen Sie die ganze Inspiration?

Die meiste Inspiration entnehme ich der Natur und dem Licht. Ich versuche Texturen zu kreieren und eine gewisse Bewegung zu erzwingen. Wenn es sich zum Beispiel um ein Strandbild handelt, dann mime ich die Wellen des Ozeans nach oder das Gefühl, eine frische Brise in seinem Gesicht zu spüren. Außerdem finde ich es unglaublich spannend, Leute in ihrer natürlichen Bewegung zu beobachten, vor allem im Zustand der Glückseligkeit. Dann versuche ich die Bewegung der Leute in diesem Setting nachzuahmen. Vor allem wenn ich Figuren zeichne denke ich daran, wie es sich für mich wohl anfühlen wurde, jetzt an diesem Ort zu sein. Dieses Abstrakte setze ich dann in die Figur.


Auf welche Art und Weise arbeiten Sie am liebsten mit Ihren Fotoaufnahmen?
 
Ich genieße sehr den physischen Aspekt, direkt in das Foto hinein zu malen und habe sehr viel Spaß, wenn dort Figuren sind, manchmal sind es sogar Selbst-Portraits. Ich verdecke in jedem Bild die Identität, sodass die Leute sich selbst oder Bekannte wahrnehmen können.  
 
Lifeguard Tower (Miami Beach 2017)

Lifeguard Tower (Miami Beach 2017)

 
Ich habe Sie in den sozialen Medien entdeckt und Ihre Kunst hat mich sofort abgeholt – die Kunstwerke gaben mir das Gefühl, sie wären ohne die Malerei nicht vollständig – was ist Ihre Intention?
 
Vielen Dank, genau das ist eine meiner Absichten. Eine andere ist das Gefühl zu vermitteln, dass man nur durch bloßes Anschauen genau an diesem Ort ist. Ich möchte, dass sich der Betrachter die Frage stellt, was wirklich real ist. Durch das Hinzufügen von gemalten Linien füge ich dem Ganzen Tiefe, Textur und das Gefühl der Bewegung hinzu.
 
 
Woran sollen die Leute denken, wenn sie sich Ihre Arbeiten ansehen?
 
Ich möchte, dass sie sich gut fühlen. Vielleicht auch ein wenig nostalgisch, wenn sie an eine bestimmte Erinnerung zurückdenken oder aber von dem nächsten Urlaub träumen. Ich mag es sehr, von verschiedenen Leuten verschiedene Interpretationen zu hören: Manche sehen in meinen Pinselstrichen Gesichter oder andere „Lebewesen“. Der Betrachter soll eine ganz individuelle, persönliche Erfahrung machen. Wenn ich mir selbst Fotos anschaue, dann kann ich sie zwar genießen, aber es ist schwer sich genau hineinzuversetzen, wenn man nicht dort gewesen ist. Ich versuche Bilder zu kreieren, die intimer und einladender sind.
 
 
Viele Ihrer Werke zeigen Szenerien aus aller Welt – reisen Sie selbst sehr viel?
 
Ich liebe es zu reisen, neue Orte inspirieren mich immer. Ich nehme mir im Jahr 3-4 Mal eine Auszeit und gehe auf Reisen. Wenn ich dann unterwegs bin fällt es mir schwer, meine Kamera liegen zu lassen – ich halte alles fest! Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich diese Erfahrung gar nicht selbst machen, sondern nur Zeuge des Ganzen sein. Mit meinen Aufnahmen möchte ich es den Leuten zurückgeben.
Welch eine schöne Illusion: "Sunset Love"

Welch eine schöne Illusion: "Sunset Love"

 
 
Welche Künstler inspirieren Sie am meisten?
 
Oh, da gibt es viele, aber vorne mit dabei sind Helen Frankenthaler, Claude Monet, Tom Wesselman, Georgia O’Keeffe und George Condo.

 
Was ist das größte und schönste Kompliment, das Sie bis hierhin erhalten haben?
 
Ich bin so dankbar für all die Anerkennung, die ich meiner Arbeit wegen erhalte, Beiträge aus aller Welt – ich fühle mich jedes Mal außerordentlich geschmeichelt. Das größte Kompliment ist wenn jemand seine Wände mit meinen Werken schmücken möchte, es ist das Schönste zu wissen, dass meine Kunst „ankommt“ und jeden Tag gesehen werden möchte.