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Magazin-Artikel

Gemeinsames Statement: Die Kraft des Zuhörens

Manchmal entsteht aus vermeintlich unvereinbaren Positionen etwas Positives: Nadine Leopold, internationales Topmodel, und MADAME legen ihre Rechtsstreitigkeiten bei und wollen gemeinsam ein Zeichen für die Selbstbestimmung der Frauen setzen. Zusammen machen wir auf unseren Kanälen auf die internationale Organisation „Humans of Fashion“ aufmerksam, die sich gegen Missbrauch in der Modeindustrie einsetzt

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Gemeinsames Statement: Die Kraft des Zuhörens MADAME

Missverständnisse und Auseinandersetzungen sind immer unerfreulich – vor allem, wenn sie öffentlich ausgetragen werden. Das MADAME-Magazin befand sich monatelang in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit dem österreichischen Model Nadine Leopold, weil ein enormer Vorwurf im Raume stand: MADAME habe gegen Leopolds Willen bei einem Shooting Nacktfotos von ihr angefertigt und diese, ohne ihre Erlaubnis, veröffentlicht. Dieser Vorwurf muss ein Magazin wie MADAME, für das Integrität eine Herzensangelegenheit ist, besonders hart treffen. Und so sehr die Sichtweisen zwischen Frau Leopold und der MADAME auf den Vorgang auseinanderliegen, so deutlich haben die auch persönlichen Gespräche der letzten Wochen doch eines gezeigt: Beim Engagement für weibliche Selbstbestimmung sind sich beide Seiten einig. Um einen konstruktiven Beitrag dazu zu leisten, dass auch in der Modeindustrie dafür klarere Rahmenbedingungen herrschen, haben wir uns dazu entschieden, diese Angelegenheit transparent in MADAME zum Thema zu machen.

Was war geschehen?

Im April 2019 wurde auf Ibiza eine MADAME-Modestrecke zum Thema „Beach & Body“ produziert: sommerliche Fashion, fotografiert in mediterranem Ambiente. Protagonistin war das österreichische Topmodel Nadine Leopold. Das Shooting vor Ort wurde von allen beteiligten Personen (Model, Modechefin, Fotograf, Assistent, Haare/ Make up-Verantwortliche) als vertrauensvoll und positiv bewertet. Auch im Nachgang tauschten sich Redaktion, das Model und ihr Management mit viel Sympathie aus. Das Model Nadine Leopold war, dem Thema entsprechend, am Set leicht bekleidet, agierte selbstbewusst und professionell. Zu den entstandenen Bildern zählten auch Fotos, auf denen die Brustwarze von Nadine Leopold erkennbar ist. Da Frau Leopold am Entstehen dieser Fotos aktiv beteiligt war, ging die Redaktion von Einvernehmlichkeit aus. Einige dieser sommerlichsinnlichen Motive wurden im Juliheft 2019 der MADAME, auf dessen Cover Leopold zu sehen ist, veröffentlicht.

Nach Veröffentlichung äußerte sich Nadine Leopold schockiert über diese Motive. Sie verwies auf eine mündliche Bitte am Set, dass keine „topless“ Bilder gemacht werden sollten, äußerte sich enttäuscht über die Zusammenarbeit und auch, sie fühle sich als Frau missbraucht. An die Öffentlichkeit gehe sie auch, um die Verhältnisse in der Branche zum Besseren zu wenden und jungen Mädchen schlechte Erfahrungen zu ersparen, wie sie es in Ihrem Podcast „ I CHOOSE ME“ dokumentiert. Diese Vorwürfe haben die Redaktion erschüttert. Es war dem Team am Set zu keiner Zeit bewusst, dass Teile dieses Shootings nicht verwendet werden dürften. Es gab aus Sicht des MADAME-Teams kein „NEIN“ zu topless-Bildern, sondern ein „NEIN“ zu Nackt-Bildern – was in der Modebranche ein erheblicher Unterschied ist. Deshalb nahm das Team an, sich gemäß der Absprache richtig zu verhalten.

Trotzdem: Das Empfinden von Nadine Leopold respektieren wir nicht nur, wir bedauern es auch zutiefst. Hinter jedem Job stehen Menschen, die ihn ausüben, Familien, ein persönliches Umfeld, das Feedback gibt. Und wir fragen uns: An welcher Stelle ist das Missverständnis entstanden, was fotografiert und was dann tatsächlich gedruckt werden darf ? Darf ein Magazin, wenn das Model leichtbekleidet vor der Kamera agiert, die Bilder frei nutzen? Müssen auch Models und ihre Agenturen im Vorfeld klarer und schriftlich ihre Wünsche kommunizieren? Muss gemeinsam an der Auswahl gearbeitet werden? Wir stellen fest: Der Begriff „Nacktheit“ muss in Shootings immer wieder neu und gemeinsam definiert werden. Die in der Branche verwendeten Begriffe „nude“, „semi-nude“ und „topless“ reichen an dieser Stelle nicht aus. Die Redaktion muss noch akribischer und sensibler in Ab- und Rücksprache agieren, um ihrer Sorgfaltspflicht gerecht zu werden.

MADAME tritt seit der ersten Ausgabe von 1952 dafür ein, die Emanzipiertheit, Schönheit und Besonderheit von Weiblichkeit sichtbar zu machen und zu feiern – in all ihrer Selbstbestimmtheit. Umso mehr bedauern wir diese Auseinandersetzung. Aber auch aus scheinbar unvereinbaren Positionen kann etwas Positives entstehen: ein gemeinsames Anliegen, konstruktiv vorangetrieben. Aus diesem Grund unterstützen wir gemeinsam mit Nadine Leopold die internationale Organisation „Humans of Fashion“, die sich gegen die Ausbeutung und für Selbstbestimmung in der Modeindustrie einsetzt. Und wir empfehlen sehr, in Nadine Leopolds Podcast „Ichooseme“ hineinzuhören, in dem sie jungen Frauen und Kolleginnen in der Fashionbranche eine Stimme gibt. Wir alle können viel bewirken, wenn wir besser zuhören.

I choose me - Podcast von Nadine Leopold

"Fast jedes Mädchen, das Sie kennen oder treffen werden, hat Missbrauch in der einen oder anderen Form erlebt, und es wird ihm nicht annähernd die Aufmerksamkeit geschenkt, die ihm gebührt." Mit diesen starken Worten leitet Nadine Leopold eine Folge ihres Podcasts ein - eine Plattform, die sie geschaffen hat, um anderen Mut zu machen und ihnen genau diese nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

"I choose me" kann über iTunes oder Spotify abgerufen und angehört werden.

Humans of Fashion

Die Organisation "Humans of Fashion" unterstützt betroffene Mädchen und Jungen, Fotografen, Models, Redakteure, Assistenten und mehr, die in der Industrie Belästigung oder Missbrauch erfahren mussten. "Wir müssen die Opfer ermutigen, Verbrechen anzuzeigen, und wir müssen diejenigen schützen und unterstützen, die in der Modeindustrie Misshandlungen erfahren", erklärt HOFF. Es gilt einen Arbeitsplatz für alle zu schaffen, der sicher ist und für jegliche Betroffene Unterstützung zu bieten.

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