100mesdames

Fotografin Pamela Tulizo im Interview über Frauenbilder und neue Projekte

MADAME.de sprach mit Pamela Tulizo über ihr Siegerprojekt des diesjährigen Fotografie-Wettbewerbs von Dior und beleuchtet die Frauen, die sie porträtiert

Pamela Tulizo
Pamela Tulizo, Gewinnerin des 3. Dior Photography and Visual Arts Award Foto: Parfums Christian Dior

Ihre Ideen sind inspirierend, ihr Mut ist bewundernswert: Frauen, die kreative Wege gehen, keine Angst vor Rückschlägen haben und die ihr Glück selbst in die Hand nehmen. Pionierinnen, von denen wir uns einiges abgucken können - egal, ob Unternehmerin, Feministin, Künstlerin oder Meinungsgeberin. Unter dem Hashtag #100Mesdames porträtiert MADAME.de Frauen der Zeitgeschichte, aus Wirtschaft, Kultur und Design.

#100Mesdames mit Pamela Tulizo

2020 gilt jetzt schon als eines der ereignisreichsten Jahre, das für viel Spannung, Umdenken und neue Möglichkeiten steht. Passend also, dass den diesjährigen Fotografie-Wettbewerb von Dior Pamela Tulizo gewonnen hat. Sie zeigt mit ihren dokumentarischen Werken eine ganz neue Seite an Frauen, die für eine inspirierende Zukunft und vor allem für kraftvolle Spiegelbilder der Betrachter stehen.

Interview mit Fotografin Pamela Tulizo

MADAME.de: Herzlichen Glückwunsch zum 3. "Dior Photography and Visual Arts Award for Young Talents". Was hat Sie zur Teilnahme motiviert?

Pamela Tulizo: Ich denke, dass die kongolesische Jugend, die Künstler und vor allem die Frauen viel zu erzählen haben, aber es einfach nicht genügend Möglichkeiten und Mittel gibt, dies zu tun. Dieser Preis war die Gelegenheit, meine Stimme zu erheben. Ich musste sie nutzen, um die Geschichte meiner Stadt und meiner Generation zu vermitteln und sie auch mir wieder anzueignen. Ich war vor allem motiviert, weil ich wusste, dass es für mich die Chance sein würde, laut auszusprechen, was verheimlicht wird. Das Projekt hat mich einem breiten, vielfältigen Publikum näher gebracht und es mir ermöglicht mit den unterschiedlichsten Menschen zu kommunizieren.

Sie bezeichnen sich selbst als Dokumentarfotografin. Warum haben Sie dieses Genre gewählt?

Zuerst war ich Journalistin und fühlte mich nicht so frei, wie ich es mir in Bezug auf die Geschichte wünschte. Mit dem Wechsel veränderte sich das auf jeden Fall: Jetzt erlaubt mir die Dokumentarfotografie offen für andere Kunstformen zu sein, um Geschichten zu schaffen und gleichzeitig zu dokumentieren.

Dior gibt jungen Künstlern mit dem Wettbewerb die Chance, eine breite Bühne zu nutzen. Wie war dieses Erlebnis für Sie?

Es war das Traumszenario überhaupt für mich und natürlich eine große Ehre den Contest zu gewinnen. Die aktuelle Situation im Bezug auf das Coronavirus ist nicht leicht und hat natürlich auch Auswirkungen auf den Contest gehabt. Das Ausstellungsprogramm hat sich verändert - aber diese Erfahrung eröffnete mir wiederum andere Möglichkeiten, bestimmte Ziele in Bezug auf das Publikum zu erreichen und auch die Aufmerksamkeit der Medien für mich zu gewinnen. 

Ihr Projekt „Double Identitiy“ zeigt Frauen als starke Individuen. Wer sind diese Frauen?

Wir alle sind diese Frauen: Ich bin es, Sie sind es, die Frauen des Kivu im Besonderen und des Kongo im Allgemeinen. Aber jede Frau kann sich auf den Fotos wieder finden und identifizieren.

Inwieweit spielt Mode eine Rolle in Ihren Fotografien?

Mode ist sehr wichtig, denn sie ist das Element, das meinen Fotos Bedeutung verleiht. Ich liebe Mode und glaube, die meisten Frauen ebenfalls. Für mich persönlich kann Mode alles über eine Person ausdrücken, weil sie eine Form der inneren und äußeren Identität ist - ein wesentliches Element im Leben jeder Frau.

Wenn Sie ein Wunschprojekt in die Tat umsetzen könnten, welches wäre das?

Mein Traumprojekt hat erst mal nicht direkt etwas mit Fotografie zu tun, sondern fokussiert sich auf der Erziehung der jungen Frau und damit, dass sich die Frauen ihrer Rechte, Fähigkeiten und Macht bewusst werden.

Ich möchte eines Tages einen Ausbildungsraum für junge Mädchen in Goma schaffen, der auf künstlerische Bildung, weibliche Führung, Frauenrechte und weibliches Bewusstsein ausgerichtet ist.

Auf welche zukünftigen Projekte von Ihnen dürfen wir uns freuen?

Im Moment kann ich noch nicht so viel verraten, aber ich möchte ein neues Fotoprojekt starten, dass sich mit der Coronalage auseinandersetzt. Ich habe vor, in Goma an einer Fotoserie über Covid-19 und das Überleben der Bevölkerung in Bezug auf die wichtigsten Elemente des Lebens in Krisenzeiten zu arbeiten.

Die Serie wird eine parallele Realität des Überflusses und des Mangels an bestimmten wichtigen Dingen des täglichen Lebens zeigen - "Paradiesische Hölle" wird sie heißen.