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Fitness

Fitnesstrends 2020: Auf diese 5 Workouts setzen wir jetzt

Ein gesunder, trainierter Körper ist heute wichtiger denn je. Entsprechend steigt die Nachfrage nach alltagstauglichen Workouts. Wir nehmen fünf Sporttrends unter die Lupe

Sportliche junge Frau
Fitnesstrends 2020: Auf diese 5 Workouts setzen wir jetzt iStock

Fitness hat im Alltag heute einen weit höheren Stellenwert als noch vor ein paar Jahren. Personal Trainer werden für individuelle Sport-Sessions in Unternehmen eingebucht, sportliche Erfolge im Netz mit der Community geteilt und Geschäftsabschlüsse großer Wirtschaftsunternehmen bei Rennradtouren diskutiert.

„Fitness ist einer der wichtigsten Trends unserer Zeit und ersetzt als solcher unsere klassischen Statussymbole. Ich sehe, dass beruflicher und gesellschaftlicher Erfolg heute weniger an Dienstwagen, teuren Uhren oder sonstigem materiellen Besitz gemessen, sondern dass immer mehr Wert auf eine gesunde Fitness gelegt wird, die man ausstrahlen möchte“, sagt Prof. Niels Nagel, Geschäftsstellenleiter der DIFG (Deutscher Industrieverband für Fitness und Gesundheit e.V.). Das verändert auch die Ansprüche an die Branche.

Die Fitnessbranche der Zukunft wird vor allem von drei Faktoren bestimmt werden: Digitalisierung, Individualisierung und Neuausrichtung im Gesundheitswesen. „Connected Training, also die Verbindung zwischen digitalen Trainings-Apps und Geräten, spielt eine große Rolle“, prophezeit Nagel. Aber auch Gaming als Teil des Trainings wird ein wichtiger Trend werden. Das heißt, Konzepte aus dem Trainingsbereich werden mit spielerischem Charakter in virtuelle Welten übertragen. „Dadurch erreichen wir auch die Menschen, die eher spielen als trainieren wollen.“

5 Fitnesstrends mit Favoriten-Potenzial

1. HIIT-Yoga

Was ist es? Die Kombination aus hochintensivem Intervalltraining und Yoga in einer Trainingseinheit, bei der abwechselnd Kalorien verbrennen und gleichzeitig die Muskeln dehnen. HIIT-Yoga geht auf das Zürcher Paar Nora und Simon Kersten zurück.

Was sind die Benefits? "Yoga führt zu mehr Flexibilität. HIIT stellt eine hohe Trainingsbelastung in Hinblick auf Kraft oder Ausdauer dar. Das macht beide Sportarten sehr wertvoll. Bei der Kombination dieser Trainingsformen in einer Trainingseinheit sollte man aufpassen. Durch die Ermüdung im HIIT-Teil können danach Yoga-Übungen nicht so exakt ausgeführt werden. Deshalb achtsam sein, um Verletzungen des passiven Bewegungsapparates zu vermeiden", so der Experte. Anfänger sollten die Einheiten erst an unterschiedlichen Tagen perfektionieren und dann verbinden.

Für wen ist es geeignet? Yoga kann jeder sofort beginnen, für HIIT sollte der Körper bereits fitnessgeschult sein.

2. Slow Jogging

Was ist es? Ein langsamer Ausdauerlauf, der seit den 80ern von dem japanischen Sportphysiologen Prof. Dr. Hiroaki Tanaka erforscht wird. Dabei wird anders als beim normalen Joggen der Fuß nicht mit der Ferse, sondern mit dem Mittelfuß aufgesetzt, was die Gelenke schont. "Es handelt sich um eine Bewegungsform zwischen Gehen und Laufen, bei der es eine kurze Flugphase gibt", so Niels Nagel. "Es ist also kein Walking." Für das Tempo gilt: Man sollte sich entspannt unterhalten können, was je nach Belastbarkeit bei zwischen vier und sieben km/h noch möglich ist. Die Schritte sind kürzer als beim normalen Joggen, die Frequenz ist somit höher.

Was sind die Benefits? "Das Tolle am Slow Jogging ist, dass man es auch miz Jeans oder in der MIttagspause machen kann", sagt Nagel. "Es passt mit weniger Aufwand in den Alltag." Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Regenration. Besonders für die Erholung nach einem harten Arbeitstag ist 25 Minuten Slow Jogging als Abwechslung zu HIIT-Workouts perfekt. Plus: Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass das Training gewichtsreduzierend wirkt.

Für wen ist es geeignet? Für jeden. Bei sportlich sehr Aktiven ist es super als Regeneration und bei Einsteigern ein guter Weg, sich langsam an Sport heranzutasten.

3. EMS-Training

Was ist es? Ein Training, das an sich nicht neu ist, aber im Zuge des Gesundheitstrends einen neuen Aufschwung erlebt. Die elektrische Muskelstimulation kommt nämlich ursprünglich aus der Physiotherapie, um nach Verletzungen die Muskeln wieder zu kräftigen. „Beim EMS Training werden die Muskeln zusätzlich zur willentlichen Kontraktion elektrisch stimuliert“, erklärt Niels Nagel. So würden sofort alle Fasern der Muskeln angesprochen. Während eines Trainings ohne EMS werden die Muskelfasern hingegen selten alle aktiviert. Das Training erfolgt in einem Anzug, der mit Elektroden und einer Station verbunden ist, an der die Stromimpulse geregelt werden.

Was sind die Benefits? „Bereits einfache Übungsformen können eine extreme Trainingsbelastung darstellen. Das macht das Ganze sehr zeiteffizient – und zwar in kürzester Zeit“, meint der Experte. „Schon zehn Minuten intensives Training genügen.Wichtig ist, dass Trainer mit fachlicher Ausbildung die Sessions begleiten. Die Schwierigkeit der Trainingssteuerung besteht darin, dass die Belastung erst nach dem Training voll spürbar ist.“

Für wen ist es geeignet? Für alle, die Zeit sparen wollen. Aber auch für jene, die nach Verletzungen gezielt Muskelmasse aufbauen wollen als Hinführung zu anderen Trainingsformen.

4. Functional Training

Was ist es? Beim funktionellen Training geht es darum, die Muskeln zu stärken, die man persönlich im Alltag oder beim Sport am meisten braucht. „Es ist eine unterstützende Trainingsform, die andere Aktivitäten begleitet“, so Niels Nagel. Dabei richten sich die Übungen nach individuellen Bedürfnissen – standardisierte Trainingsprogramme widersprechen der Idee des Functional Trainings. Die geht von einer therapeutischen Zielsetzung bis hin zur Leistungssteigerung beim Crossfit. „Klassische Beispiele wären die Rückenschule oder ausgleichendes Training am Arbeitsplatz. Für einen Radfahrer kann es aber auch Rumpfmuskeltraining bedeuten, wenn er diese bei seiner Aktivität besonders beansprucht.“

Was sind die Benefits? Funktionelles Training gleicht motorische Defizite, Dysbalancen und fehlende Koordination aus. Gleichzeitig steigert es konditionelle Grundfähigkeiten wie Kraft, Ausdauer und Geschwindigkeit. „Es schafft eine höhere Bewegungsqualität, stabilisiert die Gesundheit und fördert auch die Genesung bei Verletzungen“, meint der Experte.

Für wen ist es geeignet? Für jeden, da man sich für den Alltag fit machen und andere Trainingsformen unterstützen kann.

5. Muskellängentraining

Was ist es? Hier wird der Muskel nicht in den verkürzten Querschnitt, sondern in die Länge trainiert. „Wenn man sich Bauchtraining als Beispiel nimmt, würde beim Muskellängentraining kein Sit-up gemacht, was eher zu einer Verkürzung führen kann, sondern aus dem Stand eine starke Rückbeuge. Diese Überstreckung wird dann solange gehalten, bis die Position nicht mehr stabil gehalten werden kann“, so der Experte. „Das kann für viele Muskeln angewandt werden.“ Die Bewegungen sind statischer und nutzen den vollen Bewegungsumfang der Gelenke aus.

Was sind die Benefits? „Die Kombination aus Dehnung und Kräftigung ist perfekt, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen, die 80 Prozent aller Rücken- und Gelenkbeschwerden verursachen. Die Muskeln werden stärker, aber eher lang statt dick. Dadurch ergibt sich eine größere Beweglichkeit“, so Nagel. „Besonders im Alltag wo wir durch Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Sitzen im Büro, so oft in eine nach vorne gebeugte Haltung gehen, ist dieses Training optimal, um den Körper zu öffnen.“

Für wen ist es geeignet? Für jeden – auch für Anfänger.

Körperliche Fitness als Gesundheitsprävention

In Hinblick auf die Individualisierung gewinne der Personal Trainer an Bedeutung, sowohl in Fitnessstudios als auch in eigenen Mikrostudios, erklärt der Gesundheitsexperte. „Hier wird das gesamte Training individuell begleitet sowie vor- und nachbereitet.“ Der letzte wichtige Faktor sei die voranschreitende Verschmelzung von Fitness- und Gesundheitsmarkt. Fitness findet zum Beispiel vermehrt Anwendung in der Krebstherapie. „Während man früher davon ausgegangen ist, dass der Patient nach einer Chemo vor allem Ruhe braucht, wissen wir heute, dass es ihm mehr bringt, wenn wir ihn mit moderatem Krafttraining wieder in die Bewegung führen. Dasselbe gilt übrigens für eine Depression“, erläutert Nagel.

Jeder kann fit werden

Vor dem Hintergrund der Gesundheitsprävention kann man zudem feststellen, dass der Altersdurchschnitt in Fitnessstudios steigt. Laut einer Erhebung des Arbeitgeberverbands deutscher Fitnessund Gesundheitsanlagen DSSV, Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement ist von 2017 auf 2018 das Durchschnittsalter von 39,9 auf 40,7 gestiegen. „Gerade ältere Generationen nutzen Fitness, um lange eigenständig den Herausforderungen des Alltags begegnen zu können“, erklärt Niels Nagel. Das heißt aber nicht, dass Fitness in jungen Jahren vernachlässigt wird. Im Gegenteil: „Um Schüler fit zu halten, werden an Schulen immer mehr neue Sportprogramme geschaffen.“

Das klingt, als hätte die heutige Gesellschaft alle Chancen dieser Welt, fit zu sein. Allerdings ist das nur eine Seite der Medaille. „Wir erleben aktuell eine Diskrepanz: Während viele Fitte immer fitter werden, steigen gleichzeitig auch infolge der Inaktivität die Zahlen der Diabeteserkrankten und Fettleibigen. Dennoch ist die Fitnessbranche auf einem guten Weg, für jeden Menschen das passende Angebot zu schaffen, um ihn zu gesundheitsorientiertem Training zu motivieren“, meint Prof. Niels Nagel. Fitness richte sich heute stärker denn je nach den Bedürfnissen des Menschen – unabhängig von Ort, Alter oder Zeit.

Fit durch den Alltag
Gemeinsam fit werden mit diesen 5 Workouts iStock

Fitness überall und zu jeder Zeit

Wenn man so will, kann man von einer Demokratisierung des Fitnessbegriffs sprechen, die Aktivität jedem von uns ungeachtet äußerlicher Umstände und jederzeit zugänglich macht – man muss nur das passende Angebot finden. Um das zu erleichtern, wird es neue Abo-Systeme geben. „Die sogenannten Fitness- Aggregatoren werden zunehmen. Das sind Plattformen, auf denen verschiedene Studios und Sporeinrichtungen angeschlossen sind, die der Konsument abonnieren kann. Ein bekanntes Beispiel hierfür wären Urban Sports Club und Gympass“, so Nagel.

Und in Zukunft? Laut Experten ist Biohacking „The next big thing“, und damit ein Training, das sich noch mehr nach Gesundheitsfaktoren richtet wie Regeneration oder Ernährung. „In den USA zeichnet sich das schon ab. Es gibt vermehrt Start-ups, die spezielle Ernährungsmittel anbieten oder Blaufilter-Brillen, die abends die Melatonin-Produktion für guten Schlaf anregen – alles vor dem Hintergrund des ganzheitlichen Body-Soul-Mind- Ansatzes“, so Nagel. Und dieser lässt sich auch schon in den aktuellen Trendsportarten ablesen.

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 12/19 erschienen.

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