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Diese 9 Designer-Newcomer sollten Sie kennen

Abseits der klassischen Modezentren blüht gerade die Kreativität, befeuert durch lokales Handwerk, authentisches Design und neue Präsentations-Plattformen. Diese 9 Designer-Newcomer sollten Sie kennen

Models tragen die neue Kollektion von Fashion-Newcomerin Alena Akhmadullina auf der Fashion Week in Paris in 2018
Die Kollektionen der Designer-Newcomerin Alena Akhmadullina sind von Märchen inspiriert und werden in Moskau und Paris präsentiert Getty Images

Designer-Newcomer aus der ganzen Welt

Irgendwo ist immer Fashion Week. Wenn nicht gerade in New York, Mailand, Paris, dann in Kopenhagen, Stockholm, Berlin oder in Seoul, Sidney, Tiflis. Man könnte das ganze Jahr von Modewoche zu Modewoche reisen, so wie es einige Street-Style-Fotografen tun. Dabei haben die noch nicht so renommierten lokalen Fashion Weeks mehr zu bieten als gut gekleidete Besucher: einheimisches Handwerk, das sich mit einem eigensinnig-kreativen Designanspruch verbindet. Einige dieser Modewochen sind eine Form der Emanzipation vom oft vergleichsweise günstigen Produktionsland hin zum Kreativzentrum. Zum Beispiel die Mercedes-Benz Fashion Week Sri Lanka:

Südasien: Fashion Week Sri Lanka

„Bisher wurde den Handwerksbetrieben hier immer gesagt, wie sie arbeiten sollen, es gab klare Instruktionen wie für Maschinen“, sagt Designer Amesh Wijesekera. „Wenn ich mit den Webern arbeite, ist das ein intimer Prozess, in dem wir uns austauschen und voneinander lernen.“ Die Kollektionen in Urlaubsinselfarben für sein gleichnamiges Label entstehen alle im Atelier in Sri Lanka und werden im Land gefertigt. „Durch ihre Schnelllebigkeit ist Mode zu einer riesigen Industrie geworden, die Menschen vergessen lässt, warum sie Mode kaufen“, konstatiert Amesh. „Sri Lanka steht nicht für Mode, sondern für lokale Handwerkskunst.“ Und die ist in Zeiten von Massenproduktion besonders wertvoll und ein internationaler Trend.

Auf der Berliner Fashion Week präsentierte Mercedes Benz den Designer Amesh Wikesekera die in Sri Lanka entworfen wurden und dort von Hand gewebt und gestrickt werden
Die leuchtenden Kollektionen des Designers Amesh Wikesekera werden in Sri Lanka entworfen und dort von Hand gewebt und gestrickt Getty Images

Georgien: Fashion Week Tbilisi & Modewoche in Tiflis

Das aktuell beste Beispiel für lokalen Erfolg, der sich internationalisieren lässt, ist die Modewoche in Tiflis. Demna Gvasalia, der in Paris lebende Gründer von Vetements und Balenciaga-Designer, ist zwar immer noch der große, international erfolgreiche Kreative des Landes, aber der kulturell spannende Austausch zwischen Mode, Musik und Kunst in Tiflis ist den heimischen Talenten und der Plattform Mercedes-Benz Fashion Week Tbilisi geschuldet. Die in Tifl is ansässigen Designer exerzieren gerade nicht nur eine Art modischen Befreiungsschlag vom Vetements-Hype, sie befreien sich auch vom unter dem sowjetischen Regime entstandenen Informationsvakuum. Die meisten von ihnen sind während der Auflösung der Sowjetunion und des anschließenden Bürgerkriegs aufgewachsen; sie haben an der Staatlichen Akademie der Künste in Tiflis studiert oder sich das Modemachen selbst beigebracht. Wie George Keburia, der sein gleichnamiges Label 2010 gegründet hat. Zwischenzeitlich war er zwei Jahre lang Gastdesigner der Linie Matériel Tbilisi aus dem Modehaus Materia, das seit 1949 in Georgien Kollektionen produziert. Keburia fertigt noch heute alle seine Kollektionen, die mit weiblichem Schönheitsideal und Schneiderkunst eigenwillig brechen, im eigenen Land.

Irakli Rusadze vereint für sein Label Situationist politischen Aktivismus mit Mode. Seine im November im Underground-Techno-Club „Bassiani“ präsentierte Sommerkollektion zeigt dekonstruierte Reminiszenzen an die europäischen 90er-Jahre und das traditionelle georgische Gewand Chokha. Wie Situationist steht die gesamte Mercedes-Benz Fashion Week Tbilisi für das alte und das neue Georgien. Zu Hause sind die Designer bereits in zahlreichen Conceptstores erhältlich, jetzt ziehen Shops wie Matchesfashion, Net-A-Porter und Browns nach. Man muss nicht gleich mit New York, Mailand und Paris in einem Atemzug genannt werden.

Model posiert Backstage vor einem Schwimmbecken in einem pinken Kleid von George Keburia auf der Fashion week in tbilisi
Designer George Keburia hat sich das Modemachen selbst beigebracht und im Alter von 20 Jahren sein eigenes Label gegründet Getty Images

Südkorea: Seoul Fashion Week

Die Seoul Fashion Week hat sich trotzdem dieses ambitionierte Ziel gesetzt. Südkorea ist Trendsetter für Asien, K-Pop, und koreanische Beauty-Hypes schwappen längst weiter nach Europa und Nordamerika. Das soll nun auch die Mode von jenen südkoreanischen Designern schaffen, die nicht nach Paris gegangen sind. Zu den Highlights auf der Fashion Week Ende März gehören Myoungsin Lee, die für ihr Label Low Classic durch eine minimalistisch-europäische Linse entwirft, und Minju Kim, die an der Königlichen Akademie in Antwerpen studiert hat und verspielt-hübsche Kleider mit handgezeichneten Prints zeigt – und damit genau den Geschmack der heimischen Zielgruppe trifft. So müssen Modemacher in einer übersättigten Branche agieren: erst im eigenen Markt erfolgreich werden. Durch die weltweiten Fashion Weeks können sich die Designer dann langsam über den Heimatmarkt hinaus definieren. Vom Staat gibt es dafür meistens viele Förderungsmöglichkeiten. Darüber hinaus unterstützt Mercedes-Benz Nachwuchsdesigner seit zehn Jahren mit einem Austauschprogramm und ist aktuell Partner von mehr als 80 Modeplattformen weltweit. Viele davon sind lokale Fashion Weeks wie die in Sri Lanka.

Auf der Fashion Week in Berlin wurde die Designerin Minju Kim von H&M ausgezeichnet, ein Model in weißem Kleid läuft über den Laufsteg in Deutschland
Jede der spielerisch weiblichen Kollektionen von Designerin Minju Kim beginnt mit einem handgezeichneten Print Getty Images

Deutschland: Berlin Fashion Week

Amesh Wijesekera hat seine Kollektion im Rahmen von „Mercedes-Benz Fashion Talents“ gerade während der durch die deutsche Automarke unterstützten Fashion Week Berlin präsentiert. Insgesamt hat in den vergangenen zehn Jahren ein Austausch von 90 Designer*innen auf rund 30 Plattformen stattgefunden. In Zukunft soll das Programm die Unterstützung der Modemacher in ihren Heimatländern in den Fokus rücken. In Russland hat die heimische Mode bereits eine große Fangemeinde. Für die Entwürfe fliegen bei der Mercedes-Benz Fashion Week Russia schon mal Blumen auf den Laufsteg.

Russland: Fashion Week in Moskau

Alena Akhmadullina zeigt einen romantisch-modernen Ansatz. Ihre Inspiration sind russische Märchen, deren Motive opulent auf Kleider gestickt werden – ganze Unterwasserkönigreiche oder, für die Sommerkollektion, das Märchen von Lady Godiva, die nackt und nur von ihren langen Haaren bedeckt aus Protest gegen hohe Steuern auf einem Pferd durch die Straßen ritt. Akhmadullina stellt ihre Kollektionen auch in Paris vor, doch in Moskau wirken sie stärker.

Auf der Fashion Week in Russland präsentierte Alena Akhmadullina ihre Kollektion mit besonders schönen Stickereien die in Russland handgemacht werden
Ein Großteil der Stickereien auf den Kleidungsstücken von Alena Akhmadullina entsteht in Handarbeit in Russland Getty Images

Australien: Fashion Week

So wie man die Mode der Mercedes-Benz Fashion Week Australien genau dort am besten präsentiert. Die meisten Designer zeigen hier tragbare Resort-Kollektionen. Albus Lumen, das 2015 von Marina Afonina gegründet wurde, bietet Goldschmuck mit Muscheln und schlichte Kleider.

Bei Lee Mathews findet man das perfekte fließende Sommerkleid aus Seide, Leinen oder Baumwolle. Für Einkäufer ist die Modewoche in Australien längst ein Muss, um Urlaubs-Looks zu ordern. „Am liebsten würde man zu allen Fashion Weeks fahren“, sagt eine Einkäuferin von Net-A-Porter. Durch die weltweiten Modeplattformen und deren internationalen Austausch bekommen Orte wie Sri Lanka und Tifl is endlich Aufmerksamkeit. „Es ist so wichtig, zu bewahren, was ein Land zu bieten hat“, sagt Amesh Wijesekera. „Wir verbinden die Welt der Mode.“

Dieser Artikel stammt von Lisa Riehl und ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 04/19 erschienen.

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