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Deutsche Schauspielerinnen: Diese fünf repräsentieren die neue Schauspielgeneration

Jede ist anders, jede ist einzigartig: Was diese fünf jungen Frauen aber eint: Sie gehören zur neuen Generation deutschsprachiger Schauspielerinnen, die gerade von sich reden machen

Eine Schauspielerin in schwarz weiß fotografiert, davor befindet sich eine Filmklappe
Fünf junge Talente im Gespräch über die Schauspielerei und ihre jeweiligen Karrierewege iStock

Deutsche Schauspielerinnen - die neue Generation

Die erste Garde vielversprechender Schauspielkünstlerinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die Berlinerin Sonja Gerhardt ist Leading Lady der erfolgreichen Serie "Ku’damm 56“, die Österreicherin Valerie Pachner hat es mit dem Film "A Hidden Life“ von US-Regisseur Terrence Malick bis zu den Filmfestspielen in Cannes geschafft. Maria Ehrich dreht seit ihrem zehnten Lebensjahr, hat sich jetzt eine Auszeit für eine Weltreise genommen und darüber ein Buch geschrieben. Lea van Acken ist die Jüngste, spielt eine Zukunftskriegerin in der Netflix-Serie "Dark“ und engagiert sich für den Klimaschutz. Und die Theaterschauspielerin Lilith Stangenberg ist gerade als Lulu wieder an der Berliner Volksbühne zu sehen.

Lea van Acken (20) über Bücher, Filme und Ängste

Was haben Sie zuletzt gelesen?

"Haben oder Sein" von Erich Fromm, den indischen Mystiker Sadhguru und "Jetzt" von Eckhard Tolle. Wenn ich nicht drehe, hole ich meine filmischen Bildungslücken nach und habe mir zuletzt "Léon – Der Profi", "Fight Club" von David Fincher und alle Filme mit Catherine Deneuve angeschaut.“

Was treibt Sie um?

"Dass die Bedenken und Ängste der jungen Leute, was Europa und den Klimawandel angeht, ernst genommen werden! Aber auch die Erkenntnis, dass ich nicht alles zu 100 Prozent perfekt machen muss. Ich esse fast ausschließlich vegan, fahre kein Auto in der Stadt und fliege nur, wenn es wirklich sein muss. Manchmal träume ich davon, Klima-Aktivistin zu werden, aber dann könnte ich meiner Leidenschaft, der Schauspielerei, nicht mehr nachgehen. Mein Kompromiss: Ich versuche, durch meine Arbeit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Themen zu lenken, die mir wichtig sind.“

Valerie Pachner (32) über die Inspiration für ihre Rolle

Die Österreicherin studierte am Max Reinhardt Seminar in Wien, spielte am Residenztheater in München und in der Literaturverfilmung "Vor der Morgenröte“ die Stieftochter von Stefan Zweig. Für ihre Rolle in „Egon Schiele: Tod und Mädchen“ wurde Pachner mit dem Österreichischen Filmpreis und der Romy als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Der Film öffnete ihr auch international die Türen, der US-Regisseur Terrence Malick drehte mit ihr das Weltkriegsdrama "A Hidden Life“.

Kannten Sie die Geschichte des österreichischen Dissidenten Franz Jägerstätter, der von den Nazis hingerichtet wurde und dem Terrence Malick nun ein filmisches Denkmal gesetzt hat?

"Den Namen hatte ich schon mal gehört, mehr aber auch nicht. Ich bekam die Rolle von Jägerstätters Frau Fani schon sehr früh, durfte aber lange nicht darüber reden. In dieser Zeit habe ich alle Briefe gelesen, die sich die beiden während seiner Zeit im Gefängnis geschrieben haben. In dem Dokumentarfilm "Die Witwe des Helden" habe ich Fani als 93-Jährige erlebt – und gesehen, dass sie trotz ihres Schicksals nicht gebrochen wirkte. Das war sehr berührend und inspirierend.“

Wie war die Zusammenarbeit mit dem preisgekrönten US-Regisseur Terrence Malick?

"Wunderschön! Terry ist unglaublich positiv. Er lobt viel, reagiert während des Drehens auf Unerwartetes immer flexibel. Er hat mich dazu motiviert, dass ich immer das Beste zu diesem Gesamtkunstwerk beitragen wollte. Alle am Set haben mit großer Hingabe ihm und dem Projekt zugearbeitet. Gedreht haben wir in Südtirol und auf Englisch – es war anstrengend und leicht zugleich.“


Sonja Gehrhardt (30) und die Rock'n Roll Tanzstunden

Was haben Sie vor der Serie "Ku'damm 56" gemacht und wie haben sie sich auf ihre Rolle vorbereitet?

"Ich bin gebürtige Berlinerin und habe elf Jahre lang im Friedrichstadt-Palast im Kinderensemble getanzt. Schon damals kam der Wunsch auf, Schauspielerin zu werden. Mit 16 Jahren habe ich einen Part in einer Telenovela übernommen, das war Fließbandarbeit, aber gleichzeitig eine gute Übung für den Beruf. Obwohl ich vom Tanz komme, musste ich für meine Rolle in "Ku’damm 56" mit meinem Filmpartner Trystan Pütter Rock-’n’-Roll-Unterricht nehmen. Wir haben drei- bis viermal in der Woche mehrere Stunden trainiert. Als wir für die Fortsetzung "Ku’damm 59" wieder angefangen haben, ging es viel schneller. Meine Figur Monika Schöllack ist eine Rebellin, die sich ihre Freiheiten erkämpft. Sich mit den Anfängen der Emanzipation in den 1950er-Jahren zu beschäftigen ist wichtig, um die Frauenbewegung zu verstehen. Ich hoffe, dass die Serie weitergeht, es gibt noch so viel zu erzählen!“

Maria Ehrich (26) über eine besondere Reiseroute

Die Erfurterin startete mit zehn Jahren als Kinderdarstellerin und wurde durch ihre Hauptrolle in der "Edelstein-Trilogie“ zum Teenie-Star. Der Sprung zur Charakterdarstellerin gelang ihr mit der Serie "Ku’damm 56/59“. Neben Sonja Gerhardt und Emilia Schüle spielt sie darin eine der drei Töchter der Tanzschulbesitzerin Caterina Schöllack.

Sie waren auf Weltreise und haben ein Buch darüber geschrieben. Wie kam es dazu?

Nach dem Abitur habe ich fast durchgehend gedreht, mir fehlte irgendwann der Ausgleich. Ich hatte das dringende Bedürfnis, auch mal etwas anderes als die Filmwelt zu sehen. Von außen auf das eigene Leben zu blicken ist sehr heilsam.

Mit wem waren Sie unterwegs?

Mit meinem Freund Manuel. Er ist Videojournalist und hat unsere Reise filmisch begleitet. Wir wollten für "Leaving the Frame“ eine Reiseroute, die eigentlich keine ist. Hawaii war mein Traumziel, Mexiko seins, und in Kenia gab es viele Projekte, die uns interessierten.

Worauf sind Sie stolz?

Dass wir den Film, eine Mischung aus Roadmovie und Dokumentation,in Eigenregie und ohne Sponsoren produziert haben und im Herbst, am 3. Oktober, selbst ins Kino bringen.

Lilith Stangenberg (30) und die Volksbühne

Was macht die Volksbühne für Sie aus?

"Bis zum Ende der Castorf-Ära war die Volksbühne mein künstlerisches Zuhause. Ein besonderer Ort, an dem nicht nur gute Schauspieler engagiert waren, sondern auch extreme Persönlichkeiten.“

Einen sehr außergewöhnlichen Charakter spielt Lilith Stangenberg in Nicolette Krebitz’ Film "Wild“: eine junge Frau, die eine Beziehung mit einem Wolf beginnt und sich komplett von zivilisatorischen Zwängen befreit. Ein verstörender, großartiger Film. Stangenberg fordert die Zuschauer und sich selbst gleichermaßen heraus. Mit dem Künstler Paul McCarthy hat sie Anfang des Jahres in Los Angeles Variationen des Arthouse-Klassikers "Der Nachtportier“ von 1974 gedreht. Lilith verkörpert darin die Rolle von Charlotte Rampling, McCarthy den männlichen Part. "Das war eine sehr inspirierende Begegnung und wahnsinnig intensive Arbeit!“ Diesen Sommer kehrt sie unter der Regie von Stefan Pucher als Lulu an die Volksbühne zurück.

"Eines der schwierigsten Stücke, die ich bisher gemacht habe, da man quasi von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Man muss Lulu heute, im Jahr 2019 mit mehr Gehirn und Sprache ausstatten, als Wedekind es Ende des 19. Jahrhunderts konnte. Lulu provoziert auch heute noch: Sie stellt ihre Sexualität und ihr Begehren in den Mittelpunkt, sie ist eine Anarchistin der weiblichen Lust, eine Rasierklinge, an der sich die Männer ins eigene Fleisch schneiden.“

Dieser Artikel ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 08/19 erschienen.

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