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Fernreise

Chicago

Frank Lloyd Wright, Renzo Piano, Pablo Picasso: Die größten Architekten und Künstler haben in Chicago ihre Spuren hinterlassen. Entstanden ist ein einzigartiges Stadtbild – und damit die perfekte Kulisse für einen modernen, genussvollen Lifestyle.

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chicago.jpg Wolkenkratzer am Chicago RIver. PR

Nicht so hektisch wie New York, menschlicher als L.A. und eine Art Stehaufmännchen, wenn es darum geht, Krisen zu überwinden. „Chicago baut sich auf“, sagte Saul Bellow, „geht in die Knie, kehrt den Schutt weg und beginnt von Neuem.“ Was damit gemeint ist, hat die drittgrößte Stadt Amerikas oft genug bewiesen. Ihre Beinamen, die sie in nicht mal 250 Jahren Geschichte gesammelt hat, sprechen für sich: größter Schlachthof des Landes, Jazz-&-Blues-Metropole, Meat-&-Potato-Town, Emigranten- Eldorado, Rib-Town, Wiege der Wolkenkratzer. Sie war Umschlaghafen für Getreide und illegalen Alkohol und ist aktuell Sitz der weltweit wichtigsten Warenterminbörse.

Ihr größter Schicksalsschlag, ein verheerender Großbrand, der 1871 hunderttausend Häuser in Schutt und Asche legte, schuf die Voraussetzung für Chicagos tollsten Titel: die Stadt der Architekten. In den Jahren nach der Katastrophe verwandelten die Halbgötter unter den Häuserbauern ein trostloses Trümmerfeld in das architektonische Wunderland des 20. Jahrhunderts. Mit der Eleganz eines Frank Lloyd Wright, der allein im Villenviertel Oak Park rund 30 Häuser durch seinen unverwechselbaren Prärie-Stil veredelte; mit der Gradlinigkeit eines Mies van der Rohe, der schnörkellose Konstruktionen aus Stahl und Glas am Ufer des Chicago River platzierte. In neuerer Zeit gefolgt von Helmut Jahn, der sich mit Monumentalbauten wie dem gläsernen State of Illinois Building oder dem halbrunden Xerox Center verewigte. Oder dem Berliner Stararchitekten Paul Kleihues, der die lange Reihe außerordentlicher Museen mit dem Museum of Contemporary Art krönte.

Chicago Sehenswürdigkeiten

Seither steht es spielerisch im kulturellen Wettstreit mit dem Art Institute of Chicago, das sich durch Renzo Pianos coolen Anbau vor Kurzem weit nach vorne geworfen hat. Damit nicht genug, entwickelte sich Chicagos Zentrum „The Loop“ seit den 1960er-Jahren zu einer Art Freilichtmuseum: Die erste von insgesamt 32 bahnbrechenden Skulpturen – von Miró bis Calder – war Pablo Picassos 15 Meter hohe persönliche Interpretation von Chicago.

„The Loop“ ist auch der Standort der

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chicago_shopping.jpg Shopping auf der Michigan Avenue. PR

Magnifcent Mile – so nennt man den mit allen Shopping-Hotspots gepflasterten Teil der Michigan Avenue. Wer nicht gerade seine Kreditkarten zum Glühen bringt, relaxt in einer der unzähligen Genießer-Adressen, deren globales Repertoire die Völkervielfalt von mehr als 70 Neighbourhoods widerspiegelt. Oder schlendert durch eins der neuen, mit Galerien, Bookshops und Sushibars lockenden Trendviertel.

Lake Michigan

Was Brooklyn und Queens für New York, sind Bucktown und Wicker Park für Chicago – europäische Einwanderer-Nostalgie zum Anfassen. Wenn allerdings im Sommer die Hitze in der Stadt unerträglich wird, flüchten alle an einen der 29 Strände des kobaltblauen Lake Michigan. Dorthin geht’s auch zum Show-off an den szenigen Oak Street Beach oder zum Biken, Joggen und Skaten.

Kluge Stadtväter sorgten dafür, dass sich einige der insgesamt 130 Parks bis ans Seeufer ausdehnen. Absolutes Aushängeschild ist der 2004 eröffnete Millennium Park, ein natürliches Kunstwerk der Extraklasse. Seine Highlights sind Anish Kapoors silberglänzendes Cloud Gate, genannt „The Bean“, das wohl beliebteste Fotomotiv der Stadt. Und Frank Gehrys Pritzker Pavilion, eine spektakuläre Open-Air-Bühne, zu deren Füßen Musikfans im Sommer ihre Picknickkörbe auspacken, um klassische Musik auf ihre Art zu genießen, nämlich easy-going.

Reisetipps Chicago

HOTELS

In einer Stadt wie Chicago fällt die Auswahl schwer, deshalb finden Sie hier eine Auswahl der besten Adressen.

THE PENINSULA

In Poleposition, nur einen Steinwurf von den Genießer-Adressen der Michigan Avenue entfernt, verbreitet das 5-Sterne-Hotel den besonderen Charme der elitären Peninsula- Kollektion. Von insgesamt fünf Restaurants ist die „Shanghai Terrace“ the Place to be: Mit Aussicht auf den Lake Michigan nimmt man einen Cocktail oder diniert fernöstlich, gefolgt von den süßen Verführungen der „Chocolate Bar“ in der Lobby.

DZ ab 440 Euro, peninsula.com

WALDORF ASTORIA

Architekt Lucien Lagrange dachte an die schillernd-eleganten Schmuckstücke von Coco Chanel, als er den prachtvollen Lüster für die Lobby des vornehmen, im Stil der 1920er-Jahre gehaltenen Luxushotels schuf. 188 Zimmer in zeitgemäß luxuriösem Stil, Elysian Spa & Health Club.

DZ ab ca. 300 Euro, wachicago.com

PUBLIC CHICAGO

Unter dem Namen „Public“ kreierte Hotel-Visionär Ian Schrager ein neues Hotel-Label und meint damit eine neue, zeitgemäße Schlichtheit. Das heißt z. B.: Die Gäste können sich rund um die Uhr im Public Express-Shop mit Drinks, Snacks und Kosmetik eindecken.

DZ ab 120 Euro, publichotels.com

PARK HYATT

Die Architektur des 5-Sterne-Hotels versteht sich als Hommage an Frank Lloyd Wright und Mies van der Rohe.

DZ ab 330 Euro, parkhyatt.com

FEIN ESSEN

Chicago hat auch kulinarisch viel zu bieten - die besten Tipps für Lunch und Dinner.

Vorwahl von Chicago: 001/312

ALINEA

Gemeinsam mit Thomas Keller, dem Küchenchef des New Yorker Gourmettempels „Per Se“, thront 3-Sterne-Koch Grant Achatz im Olymp der besten Köche Amerikas. Bei der Kreation seiner Tasting-Menüs lässt er sich offensichtlich von der Molekularküche inspirieren. Lange im Voraus reservieren!

1723 N Halsted Street, Tel. 867 01 10

GRACE

Was aus der Küche des hochgelobten High-End-Gourmetrestaurants kommt, ist die hohen Preise absolut wert. Starkoch Curtis Duffy überlässt seinen Gästen die Wahl zwischen zwei 8- bis 12-gängigen Menüs: dem vegetarischen „Flora“ oder Fisch und Fleisch unter dem Stichwort „Fauna“. Wie schön: Hier genießt man ohne Ablenkung – Handys sind verboten.

652 W Randolph Street, Tel. 234 94 94

TRU

Stammgäste kommen auch schon mal auf Kaviar und Champagner vorbei. Beim Degustationsmenü erlebt man unter der Regie von Küchenchef Anthony Martin und Patissier Gale Gand preisgekröntes französisches Fine Dining – mit Blick auf Originale von Andy Warhol und Gerhard Richter.

676 N Saint Clair Street, Tel. 202 00 01

GOOSEFOOT

Nach dem für Spitzenrestaurants dieser Güte ungewöhnlichen Prinzip „Bring your own Bottle“ hat der Gast hier seine eigenen Getränke dabei. Das und der weite Weg zur Stadt hinaus lohnen sich unbedingt. Jeder der neun Gänge und besonders die Desserts sorgen für wahre Explosionen auf der Zunge.

2656 W Lawrence Avenue, Tel. 773 942 75 47

STEAKS & CO.

CHICAGO CHOP HOUSE

Wer gern Fleisch isst, geht aufs Ganze und ordert ein „New York Strip“, ein zwischen 400 und 650 Gramm schweres Supersteak. Von mehr als 600 internationalen Spitzenweinen gibt es 30 glasweise.

60 W Ontario Street, Tel. 787 71 00

KEEFER’S RESTAURANT

Ein kulinarisches Wunderland für „Meat-and-Potato-Lovers“. Besonders beliebt ist hier „Surf & Turf“, die klassische Kombination von Steak und Lobster.

20 W Kinzie Street, Tel. 467 95 25

SEAFOOD

SHAW´S CRABHOUSE

Die köstlichen Crab Cakes sind berühmt, und Stammgäste schwärmen vom Copper River King Salmon in Senf-Mousseline. Unter dem gleichen Dach: die „Oyster Bar“ für einen lukullischen Snack zwischendurch.

21 E Hubbard Street, Tel. 527 27 22

ACADIA

Insider sind sich einig, dass es hier die beste Lobster Roll, einen legendären Klassiker, gibt: frisches Hummerfeisch in einer bissfesten Brothülle, feine Mayonnaise und ein Hauch von Paprikapulver.

1639 S Wabash Avenue, Tel. 360 95 00

MK THE RESTAURANT

Starkoch Michael Kornick serviert unter dem Dach einer alten Farbenfabrik feine Fischspezialitäten. Oder auch mal unkomplizierte Bar Bites wie Hummerspießchen, Krabbentoast und ein halbes Dutzend Austern.

868 N Franklin Street, Tel. 482 91 79

SZENE-SPOTS

LITTLE GOAT DINER

Die strengen Kritiker der „Chicago Tribune“ haben ein einstimmiges Urteil gefällt: Vom Müsli mit Beeren und Smoothies zum Frühstück im Parterre des lässigen Diners (mit eigener Bäckerei) bis zu den marktfrischen Salaten, Suppen und Sandwiches, die Stephanie Izard abends im ersten Stock auf den Tisch bringt, ist hier alles erste Sahne.

820 W Randolph Street, Tel. 888 34 55

BAR TOMA

Ganz ohne Italiener geht’s in Chicago nicht. Hausgemachte Pasta, 20 Sorten Knusperpizza, tolle italienische Antipasti und frische Eissorten sprechen für sich.

110 E Pearson Street, Tel. 266 31 10

THE BRISTOL

Eine der beliebtesten Adressen in Bucktown. Beim Sonntagsbrunch wird es hier rappelvoll. Die Deko lässt sich am besten mit Urban Chic beschreiben. In der Küche konzentriert man sich auf Midwestern Cuisine mit mediterranem Touch. Auf der Karte lassen sich allerdings auch so ausgefallene Speisen wie Brathähnchen mit Spätzle fnden.

2152 N Damen Avenue, Tel. 773/862 55 55

BARS & CLUBS

POPS FOR CHAMPAGNE

In der lässigen Lounge der River North Tree Studios stehen 150 Champagnersorten zur Auswahl. Dazu viele kleine Tapas wie Ceviche, Prosciutto und überbackene Austern. Täglich Live Jazz.

601 N State Street, Tel. 266 76 77

AVIARY

Ferran Adrià und Grant Achatz hatten die Idee zu diesem elitären Cocktail Club. Dementsprechend ausgefallen ist das Sortiment der kleinen, feinen Häppchen. Sehr chic!

9556 W Fulton Market, Tel. 226 08 68

DRUMBAR

Auf der Dachterrasse des „Raffaello Hotel“ schaut man vom 18. Stock auf das John- Hancock-Gebäude und den Lake Michigan.

201 E Delaware Place, Tel. 924 25 31

THE GREEN MILL

Hier gibt’s original 1920er-Jahre-Feeling. Der Gangster Al Capone gehörte zu den Stammgästen der wohl größten Legende unter den zahlreichen Jazzclubs der Stadt.

4802 N Broadway Ave, Tel. 773/878 55 52

SHOPPING

IKRAM

In ultracoolem Edel-Ambiente präsentiert Fashion-Flüsterin Ikram Goldman ihren eklektischen Mix aus bekannten Designern wie Azzedine Alaia und Alexander McQueen und originellen, überaus attraktiven No-Name-Kreationen und Schmuck ihrer Wahl. Ein Must: Das köstliche Organic Food zu Fruchtsäften im „Café at Ikram“.

15 E Huron Street, Tel. 587 10 00

MACY’S ON STATE STREET

Unter der prachtvollen Tiffany-Glaskuppel fndet man außer einem modischen Riesenrepertoire von casual bis high-end diverse Shops in the Shop wie den berühmten Spielzeug-Guru FAO Schwarz.

111 N State Street

MUSEEN

ART INSTITUTE CHICAGO

Das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude wurde nach Plänen von Renzo Piano durch einen modernen Flügel erweitert. Es beherbergt eine der weltweit größten Impressionisten-Sammlungen, darüber hinaus 250 Werke von Picasso.

111 S Michigan Avenue, mcachicago.org

MUSEUM OF CONTEMPORARY ART

Das MCA wurde 1996 vom Berliner Architekten Joseph Paul Kleihues realisiert. Mit einem Skulpturen-Garten, Bibliothek, Theater, gutem Restaurant und natürlich zeitgenössischer Kunst vom Feinsten. Mit Werken von Sol LeWitt, Cindy Sherman und vielen anderen.

220 E Chicago Avenue, mcachicago.org

FIELD MUSEUM

Wer Dinosaurier liebt, Mumiensammlungen und frühzeitliche Tierskelette sowie Antworten auf Fragen à la „Wie verwandeln sich Steine in Diamanten?“, ist hier genau richtig.

1400 S Lake Shore Drive, fieldmuseum.org

TOUREN

FIRST LADY

Die von einem Dozenten begleitete Cruise auf dem Sightseeing-Boot der Chicago Architecture Foundation (mit 1-a-Blick auf die Highlights der Wolkenkratzer-Metropole) ist so toll, dass manch einer sie zweimal bucht. Zum Beispiel im Sonnenuntergang.

cruisechicago.com

FESTIVALS UND MEHR

Alle Infos zu Blues-, Jazz- und Food-Festivals, anderen Events und hilfreiche Chicago-Tipps unter choosechicago.com

Christine von Pahlen