madame wird geladen...
Magazin-Artikel

Brie Larson im Interview über die Oscars, neue Filme und Instagram

Mit ihrem bewegenden Spiel in "Raum“ räumte Brie Larson sämtliche Filmpreise ab, als Comic-Heldin "Captain Marvel“ brach sie Zuschauerrekorde. Die Schauspielerin im Interview

Hollywood-Star Brie Larson
Brie Larson bei den 92. Annual Academy Awards in Hollywood Getty Images

So früh begann die Schauspielkarriere von Brie Larson

Sieben Jahre war Brie Larson alt, als sich ihre Eltern trennten und die Mutter ihre beiden Töchter ins Auto packte, um von Sacramento nach Los Angeles zu ziehen. So begann Larsons Weg als Schauspielerin, der sie bis nach ganz oben führen sollte. Seit ihrem zehnten Lebensjahr arbeitet sie fast nonstop, trat in Sitcoms auf, veröffentlichte ein Pop-Album, spielte in der Serie "Taras Welten“ neben Toni Collette. 2013 folgte der erste Durchbruch mit Rollen in gleich zwei Festival- Hits, als Nebendarstellerin in "The Spectacular Now“ und mit der Hauptrolle in "Short Term 12“, für die sie von der USKritik gefeiert wurde. Dann kam der Oscar. Den gab es für das Drama "Raum“ (2015), in dem sie eine Frau spielt, die mit ihrem Sohn jahrelang in einem Zimmer gefangen gehalten wird.

Brie Larson ganz privat

Vielleicht ist es gerade diese frühe Erfahrung vor der Kamera und im Rampenlicht, die Larson zu einer so diskreten Person werden ließ. Über Privates spricht sie nicht. In den Medien und sozialen Netzwerken gelingt es ihr zwar, auf charmante Weise präsent zu sein, aber die eigene Privatsphäre zu schützen. Mit dieser Taktik fährt Larson gut, vor allem, seit sie 2019 als Superheldin im Welterfolg „Captain Marvel“ endgültig zum Weltstar wurde. Darüber, dass sie etwa sechs Jahre lang mit dem Musiker Alex Greenwald liiert und sogar verlobt war, verlor sie nie ein Wort. Auch die Trennung Anfang 2019 kommentierte sie nicht.

Am liebsten spricht die 30-jährige Amerikanerin über ihre Arbeit – und über gesellschaftspolitische Themen, die ihr am Herzen liegen. Mit ihrem neuen Film "Just Mercy“ (ab 27.02.2020 im Kino), einem Justizdrama über die wahre Geschichte des Anwalts und Bürgerrechtlers Bryan Stevenson (gespielt von Michael B. Jordan) und seiner Equal Justice Initiative, kommt beides zusammen. Idealer Ausgangspunkt also für ein Gespräch.

Im Interview mit Hollywood-Star Brie Larson

Ms. Larson, Ihre Rolle in "Just Mercy“ ist eher klein. Geht das nicht gegen Ihr Ego?

Ich bitte Sie! Klar, Hauptrollen sind wunderbar. Aber ich möchte in Filmen spielen, die etwas zu sagen haben. Wie "Just Mercy“. Er erzählt eine unglaublich schwierige und wichtige Geschichte über einen wahren Fall aus dem Jahr 1987, mit dem Bryan Stevenson seinen Kampf für Gerechtigkeit begann. Es geht darum, wie im US-Justizsystem Afroamerikaner diskriminiert werden, auch heute noch. Gegen solch strukturelle Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft müssten viel mehr Menschen kämpfen.

Sie verkörpern Eva Ansley, eine Anwältin, die gemeinsam mit Bryan Stevenson die Equal Justice Initiative gegründet hat und seit den Achtzigerjahren gegen Ungerechtigkeit kämpft. Was haben Sie durch die Begegnung und Auseinandersetzung mit ihr gelernt?

Eva und auch Bryan haben mich nachhaltig beeindruckt. Eva ist viel mehr als eine Anwältin. Sie ist vor allem eine Mutter, die irgendwann realisiert hat, dass in ihrem Umfeld etwas grundlegend schiefläuft – und seither alles daransetzt, das zu ändern. Ich wollte unbedingt von ihr wissen, wie sie damit umgeht, dass nicht in allen Fällen die Gerechtigkeit siegt. Was sie bei Rückschlägen weitermachen lässt. Ihre Antwort lautete: "Wenn ich nur einem Menschen ein bisschen Hoffnung geben kann, ist das schon genug. Niemand sollte sich allein und hoffnungslos fühlen müssen.“ Dieses Motto trage ich seither in meinem Herzen und versuche, mir immer wieder vor Augen zu führen, dass letztlich jede zwischenmenschliche Begegnung genau das ist: die Chance, jemandem Hoffnung zu geben. Veränderung fängt im Kleinen an.

Sie selbst engagieren sich auch schon länger als Aktivistin und kämpfen für Veränderung. Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Ich möchte denen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden. Wo man hinsieht, ist der Blick auf unsere Welt dominiert von weißen, heterosexuellen Männern, ob im Kino, in der Presse oder der Politik. Wer nicht weiß oder einfach nur eine Frau ist, bekommt viel zu selten die Gelegenheit, seine Stimme zu erheben und von seinen Lebenserfahrungen zu berichten. Daran etwas zu ändern, ist mein großes Anliegen. Mir ist sehr bewusst, wie privilegiert ich durch meine Hautfarbe und Prominenz bin. Und dafür nutze ich alle Plattformen, die mir zur Verfügung stehen, von Twitter bis zu meinen Filmen.

Das "Time Magazine“ hat sie 2019 zu den wichtigsten 100 Menschen der Welt gezählt. Wie reagieren Sie auf so eine Ehrung?

Vieles, was sich in meinem Leben in den letzten Jahren ereignet hat, fühlt sich an, als würde es einer anderen passieren. Als hätte ich gar keinen eigenen Bezug dazu. Auch wenn ich höre, dass meine Filme Eindruck hinterlassen beim Publikum, ist das schwer zu begreifen, ich erlebe die direkten Reaktionen ja selten mit. Ich habe also gar kein Gespür dafür, was ich für einen Einfluss habe, was ich bewirke oder eben nicht. Aber ich höre einfach weiter auf mein Herz und auf mein Bauchgefühl und tue und sage, was sich richtig anfühlt. Wenn das gut ankommt, freut mich das riesig. Und wenn nicht … – dann mache ich trotzdem weiter!

Nicht leicht, wenn es im Internet nur so wimmelt von Hass und Anfeindungen, oder?

Mag sein, aber ich habe gelernt, wie ich nicht in dieses Loch aus Hass und Diskriminierung stürze. Ich google mich nicht, lese nicht alle Kommentare. Dank meiner Familie, meiner Freunde und den vielen Mitstreiter*innen bin ich von so viel Liebe umgeben, dass ich nie Gefahr laufe, mich von zu viel Negativität runterziehen zu lassen. Und ich habe inzwischen ein so klares Konzept davon, wer ich bin und was ich will, ich muss mir nicht von Fremden im Internet erklären lassen, was ich richtig oder falsch mache.

Viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen meiden Instagram und Co lieber …

Ich halte Social Media eigentlich für ein gutes, wirkungsvolles Instrument, um mit den unterschiedlichsten Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Im Rahmen der "Captain Marvel“-Pressetour zum Beispiel habe ich in jedem Land, in dem wir waren, kleine Fotosessions mit aufstrebenden jungen Fotografinnen gemacht. Ohne Instagram hätte ich diese Frauen gar nicht gefunden. Auch ganz tolle Designerinnen, mit denen ich zusammenarbeite, habe ich dort entdeckt.

Bleibt zwischen Arbeit und Engagement genug Zeit für Sie selbst? Oder fürchten Sie, dass es irgendwann zu viel wird?

Ich bin im Laufe der Jahre ganz gut darin geworden, auf mich aufzupassen. Ich kenne meinen Körper. Früher habe ich manchmal durchgepowert, heute höre ich auf meine innere Stimme, wenn ich einfach mal was essen oder zwischendurch 20 Minuten meditieren muss. Und ich habe eine einfache Regel: zwölf Stunden Pause. Das heißt, dass ich nach der Arbeit, nach dem Sport oder auch einfach nachdem ich ein Buch gelesen oder eine Dokumentation gesehen habe, zwölf Stunden lang nichts Neues anfange. So ertrinke ich nicht in Terminen und Input. Und siehe da, alles, was ich tun möchte, ist zwölf Stunden später immer noch da.

Dieser Artikel stammt von Patrick Heidmannund ist erstmalig in der MADAME-Ausgabe 03/20 erschienen.

 

var premium1Fallback = mobile_premium1Fallback = '
';var premium2Fallback = mobile_premium2Fallback = '
';var premium3Fallback = mobile_premium3Fallback = '
';
var basic1Fallback = mobile_basic1Fallback = '
';var basic2Fallback = mobile_basic2Fallback = '
';var basic3Fallback = mobile_basic3Fallback = '
';