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Denken wir an Marilyn Monroe, dann oft an ihren Look im Film „Das verlixte 7. Jahr“, mit blonden Locken, roten Lippen und dem weißen Kleid, das, huch, auf einmal hochfliegt. Die attraktive Nachbarin, die den vergebenen Ehemann verführt. Die naive, laszive Blondine spielte Marilyn Monroe oft – und das Image wird bis heute untrennbar mit ihr verbunden; sie konnte sich nie ganz von ihm befreien.
Zu ihrem 100. Geburtstag möchten wir die Frau hinter den Rollen ehren. Lernen Sie Marilyn Monroe besser kennen – das wusste Sie vielleicht noch nicht über die Schauspielerin.
1. Ihr bürgerlicher Name war ein Irrtum der Behörden
Marilyn Monroe hieß bei der Geburt eigentlich Norma Jeane Mortensen, doch in ihrer Geburtsurkunde wurde irrtümlich der Nachname Mortenson eingetragen, obwohl ihr Vater offiziell als Edward Mortensen geführt wurde. Dieser Fehler blieb lange unbemerkt. Am 6. Dezember 1926 wurde sie auf den Namen Norma Jeane Baker getauft – so wollte ihre Großmutter verstecken, dass sie ein uneheliches Kind ist. Den Künstlernamen Marilyn Monroe wählte sie erst als junge Frau; Monroe war der Mädchenname ihrer Mutter.
2. Eine Kindheit zwischen Pflegefamilien und Waisenhaus
Hinter dem glamourösen Lächeln verbarg sich eine erschütternde Kindheit. Ihre Mutter war häufig in psychiatrischen Anstalten untergebracht, und Norma Jeane wurde von einer Reihe von Pflegeeltern, Verwandten und zeitweise einem Waisenhaus großgezogen. Mit 16 Jahren heiratete sie den 21-jährigen James Dougherty. Nicht aus Liebe, sondern um eine Rückkehr ins Waisenhaus zu vermeiden. Die Ehe hielt nur vier Jahre.
3. Ihre berühmte Stimme war Therapie, keine Koketterie
Das wohl größte Missverständnis ihrer Karriere: Monroe hatte als Kind ein ausgeprägtes Stottern. Sie arbeitete mit einem Sprachtherapeuten zusammen, und gemeinsam entwickelten sie den hauchigen Sprechstil, den sie bis ins Erwachsenenleben beibehielt. Was als Technik begann, wurde zu ihrem Markenzeichen – ihr verführerisches, geflüstertes Sprechen.
4. Sie war eine leidenschaftliche Leserin mit über 400 Büchern
Das Image der naiven Blondine konnte falscher nicht sein. Ihre persönliche Bibliothek umfasste über 400 Bücher zu den unterschiedlichsten Themen. Darunter Erstausgaben von Jack Kerouacs „On the Road", Werke von Tolstoi, Twain, Hemingway, James Joyce und Albert Camus. Sie interessierte sich für Literatur und Philosophie und wollte sich nicht mit flachen Komödien begnügen. Am Set wurde sie einmal gerügt, weil sie eine als „radikal" geltende Lincoln-Steffens-Biografie las.
5. Sie gründete ihre eigene Filmproduktionsfirma
Monroe war eine der ersten Stars, die offen gegen das Studio-System aufbegehrten: Sie brach ihren Vertrag und ging nach New York, um am renommierten Actors Studio zu studieren. Als sie zurückkehrte, verlangte sie Mitsprache bei der Regisseurswahl und hatte ihre eigene Produktionsfirma gegründet. Innerhalb eines Jahres lenkte Fox ein und bot Monroe einen neuen Vertrag mit höherem Gehalt, Regisseur-Mitsprache und der Freiheit, Filme über ihre eigene Produktionsfirma zu drehen. „Sie bekam alles, was sie wollte – alles. Das war 1955 beispiellos“, erinnerte sich ihre Freundin Amy Greene.
6. Sie half Ella Fitzgerald, Karriere zu machen
Als Monroe erfuhr, dass Fitzgerald keinen Auftritt im Mocambo Club in Los Angeles bekommen konnte, beschloss sie zu helfen. Monroe wandte sich an den Clubbesitzer mit einem Angebot: Wenn er Fitzgerald buche, würde sie jeden Abend in der ersten Reihe sitzen und andere Prominente mitbringen. Obwohl Monroes Einsatz für Fitzgerald ihr zu einer Zeit hätte schaden können, in der Rassismus und Segregation noch weit verbreitet waren, tat sie es trotzdem.
7. Sie stand unter FBI-Beobachtung
Monroes öffentliche Loyalität zu ihrem damaligen Verlobten Arthur Miller – der sich weigerte, vor dem HUAC-Ausschuss Namen kommunistischer Sympathisanten zu nennen – sowie ihre Anfrage, die Sowjetunion zu besuchen, veranlassten das FBI, eine Akte über sie anzulegen. Sie engagierte sich auch in der Hollywood-Filiale des Komitees für eine vernünftige Atompolitik (SANE), das Pazifisten und Anti-Atomaktivisten zusammenbrachte. Reportern sagte sie einmal: „Mein schlimmster Alptraum ist die Wasserstoffbombe. Und Ihrer?“
Marilyn Monroe starb am 5. August 1962 im Alter von 36 Jahren. Noch heute, Jahrzehnte nach ihrem Tod, zeugt ihre ikonische Strahlkraft von einer Ära, die maßgeblich von der schillernden Welt Hollywoods geprägt wurde. Doch die Frau dahinter – die Leserin, die Rebellin, die Freundin, die Aktivistin – verdient es, genauso in Erinnerung zu bleiben.
Wie nahbar und zugleich widersprüchlich das Hollywood-Idol in ihren letzten Lebensmonaten wirkte, zeigen auch die Fotografien, die 1962 am Set ihres letzten Films entstanden: „Something’s Got to Give“ blieb unvollendet, denn sie verstarb, bevor die Dreharbeiten nach einem Regiewechsel fortgesetzt werden konnten. Der damals 25-jährige Lawrence Schiller fotografierte am Set einer Poolszene – Aufnahmen, die ihm zu seinem internationalen Durchbruch verhalfen. Mit „Marilyn & Me“ wurde aus seinen Erinnerungen an diese intime Begegnung und den dabei entstandenen Fotografien anlässlich ihres 100. Geburtstags ein unerwartetes Porträt aus den letzten Lebensmonaten Monroes.