monsieur Jetzt lesen
MADAME im Abo: Verpassen Sie keine Ausgabe - mehr erfahren.
Alle Themen Mode Beauty Lifestyle Travel Health Schmuck Culture Horoskope
Kuratiert aus Ausgabe Januar/Februar 2026
Culture

Raye – der Aufstieg und Glam einer Vollblutmusikerin

Raye –  der Aufstieg und Glam einer Vollblutmusikerin Raye –  der Aufstieg und Glam einer Vollblutmusikerin
Bevor sie ihr Debüt veröffentlichte, schrieb Raye Songs für Superstars wie John Legend und Beyoncé – und wollte doch immer selbst auf die Bühne. 2024 gelang ihr dann ihr internationaler Durchbruch (Foto: Courtesy of Audemars Piguet)

MADAME im Abo: Verpassen Sie keine Ausgabe - mehr erfahren.

Ausgabe Januar/Februar 2026
Kuratiert aus Ausgabe Januar/Februar 2026
Vom Gospelchor in Brixton auf die Weltbühne des Jazz. Mit ihrem Debütalbum „My 21st Century Blues“ startete die Londonerin Raye 2023 international durch

MADAME im Abo: Verpassen Sie keine Ausgabe - mehr erfahren.

Ausgabe Januar/Februar 2026
Kuratiert aus Ausgabe Januar/Februar 2026

Manche Märchen beginnen mit einem Albtraum. Auch bei der Londonerin Raye war das so. Dabei hat die 28-Jährige in den vergangenen zwei Jahren so ziemlich alles erreicht, wovon man als Musikerin träumen kann, sie hat, was man einen Lauf nennt. Ihr Debütalbum „My 21st Century Blues“ rauschte weltweit in die Charts, wurde von Kritikern beklatscht und mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht – zur Krönung mit sieben Brit-Awards, womit Raye Rekorde von Adele und Harry Styles einstellte. Das Finanzfachblatt „Forbes“ wählte sie unter die „30 unter 30“, also die Persönlichkeiten, die derzeit besonders interessant sind. Eigentlich nur logisch, dass Raye in diesem Frühjahr auch bei der Oscar-Verleihung auftrat.

Große Premiere


Die selbstbewusste Lässigkeit mit der die junge Londonerin R&B, Jazz, Soul, Hip-Hop und Pop zu elektrisierenden Songs mit ambitionierten Texten verzahnt, illustriert ihr außergewöhnliches Talent, das tatsächlich an Amy Winehouse und Rayes großes Idol Nina Simone erinnert. Auch Beyoncé, Charli XCX, John Legend und Ellie Goulding ging sie bereits als Songwriterin und Produzentin zur Hand. Die Garantie für eine märchenhafte Karriere möchte man meinen, wenn da nicht ihre Plattenfirma gewesen wäre, deren Verantwortliche Rayes Talent verblüffenderweise nicht erkannten. Erst nachdem sie sich von diesen Leuten befreit hatte, konnte ihr Märchen doch noch beginnen.

„Solange ich mich erinnern kann, wollte ich immer nur Musikerin werden. Und weil ich wirklich sehr, sehr stur bin, habe ich mich davon nie abbringen lassen,“ erinnert sie sich und lacht laut, was sie oft und ausdauernd macht, wenn man sich mit ihr unterhält. Ihre Stimme klingt nach vielen Zigaretten, langen Nächten und herausfordernder Leidenschaft. Und obwohl sie nur via Bildschirm aus ihrer Londoner Wohnung zugeschaltet ist, überträgt sich ihre nervöse, rastlose Energie: „Ein Künstler muss bestehende Meinungen immer herausfordern dürfen,“ sagt sie dann überraschend ernst, und es ist klar, dass sie keiner Herausforderung aus dem Weg geht.

Ruhm & Verve

Zur Welt kam Raye 1997 im Südlondoner Stadtteil Tooting als Rachel Agatha Keen, das erste von vier Kindern einer Schweizer Mutter mit ghanaischen Wurzeln und eines britischen Vaters. Ihr Talent fiel auf. Sie sang im Kirchenchor, lernte Klavierspielen und begann mit zehn erste Songs zu schreiben. Als 14-Jährige wurde sie von der Londoner BRIT School aufgenommen, eine Art Hogwarts für junge Pop-Überflieger, zu deren Absolventen Adele, Amy Winehouse, Katie Melua, Lola Young gehören. Nach zwei Jahren brach Raye die Ausbildung ab: „Ich fühlte mich eingeengt!“ erklärt sie amüsiert. Viel zu lernen gab es für sie ohnehin nicht mehr, denn in den Jahren zuvor hatte sie jede freie Minute damit verbracht, Songs zu schreiben und zu verstehen, wie Musik im Studio produziert wird: „Pop-Songs sind wie Mathematik, irgendein Detail kannst du immer verbessern“, sagt sie. Aber eben zu ihren Regeln, ihrem Rhythmus. Sie ist, wie so viele wirklich Kreative, ein Freigeist geblieben. Sich in Systeme einzupassen, damit hat sich Raye immer schwergetan. Allein die Vorstellung, vor drei Uhr nachmittags aufzustehen, ist ihr zuwider: „Ich versuche mit weniger Schlaf auszukommen, aber es klappt einfach nicht.“ Sagt sie und prustet los.

Raye ist „Friend of the Brand" bei der Luxusuhren-Manufaktur Audemars Piguet (AP) (Foto: Courtesy of Audemars Piguet)

Raye war 17, als sie vor gut zehn Jahren auf SoundCloud ein paar ihrer Songs hochlud. Wenige Monate darauf unterschrieb sie einen Plattenvertrag bei dem großen Unternehmen Polydor. Was wie die Erfüllung eines Traums daherkam, erwies sich als Irrtum. Wobei der Beginn wunderbar schien. Raye veröffentlichte Songs, die es in die Charts schafften, und wurde von ihren Chefs als „besonders cool“ an andere Künstler weitergereicht: Mal war sie mit Jess Glynne auf Tournee, mal bei einem Remix für Rita Ora an Bord oder mit David Guetta im Studio. Nur um ihre eigenen Songs ging es nie. Und genau das wurde Rayes Problem: Irgendwann war sie zum beliebten Dauergast bei anderer Leute Musik geworden. Aber wann immer sie fragte, wann denn endlich ihr Debütalbum eingeplant sei, wurden die Verantwortlichen schmallippig. So ging es sieben Jahre lang, eine halbe Ewigkeit in Pop-Zeit. Eines Abends hatte sie es dann endgültig satt. Frustriert saß sie im Bett und beschloss, ihre Wut via Twitter rauszulassen: „Ich habe einen 4-Alben-Vertrag seit 2014! Und durfte bislang nicht mal eins rausbringen. Ich habe so was von genug davon ein höflicher Popstar zu sein“, ließ sie ihre Follower wissen. Kurze Zeit später hatte Raye keinen Plattenvertrag mehr. Klar, sei sie damals nervös gewesen, aber vor allem habe sie sich erleichtert und frei gefühlt, erinnert sie sich:

„Du musst deine Kunst lieben, sonst hat alles andere keinen Sinn!“

Unter Stars

Von Nina Simone hat sie sich abgeschaut furchtlos zu sein, zumindest so gut wie das eben geht. Seit Beginn der Musikindustrie gibt es Künstler, die sich da unwohl fühlen und irgendwann beschließen, das System herauszufordern. In der jüngeren Popgeschichte waren das Titanen wie Prince und George Michael. Aber es traten in den letzten Jahren zunehmend junge Künstlerinnen an, die das Kleingedruckte in den Plattenverträgen nicht akzeptieren wollten. So wie Kate Bush, die ihrem Label von Beginn an klarmachte, dass sie nur nach ihren eigenen Regeln arbeiten wird. Auch Adele ließ sich schon in ihren allerersten Vertrag schreiben, was sie bereit ist mitzumachen und vor allem – was nicht. Oder Taylor Swift, die über den Weiterverkauf ihrer Frühwerke von einem Label an ein anderes so empört war, dass sie die entsprechenden Werke einfach neu einspielte – „Taylors Version“ – nur um sich die Kontrolle darüber zurückzuerobern. Zu den wichtigen Dingen, die Raye auf der BRIT School gelernt hatte, gehörte das Geschäftliche. Also legte sie ohne Plattenfirma los, als selbstständige und unabhängige Künstlerin, und setzte alles auf eine Karte: Ihr Debütalbum „My 21th Century Blues“. Der Rest ist sozusagen Geschichte. Dass „Escape“, der große weltweite Superhit des Albums, von ihrer alten Plattenfirma als nicht gut genug abgelehnt worden war, dürfte einigen Musikmanagern zu denken gegeben haben. Songs hatte Raye ohnehin mehr als genug, nach all den Jahren, in denen sie ausgebremst wurde. Themen, die ihr am Herzen lagen ebenfalls. „Pass gut auf dich auf, wenn du in der Musikindustrie deinen Platz suchst“, sagt sie ernst. Und sie weiß, wovon sie da spricht, denn sie hat Übergriffe von Kollegen erlebt. Ebenso hat sie ihre Erfahrungen mit Alkohol und allerlei anderen Dingen. Alles lange her. Die dunklen Tage sind überwunden.

Wählen Sie jetzt Ihr MADAME-Abo mit
exklusiven Vorteilen.
Madame
Sommer-Deal 3für10
3 Ausgaben
€ 10.00
Madame
Jahresabo MADAME
Jahresabo mit 11 Ausgaben inkl. Prämie
€ 99.00
Madame
MONSIEUR Abo
4 Ausgaben
€ 32.00