und einem Pudel, bringt Romanautorin Mariana Leky jeden Tag
zum Lachen – und assistiert ihr beim Schreiben.
In meiner Kindheit hatten wir einen Pudel, und als ich vor neun Jahren beschloss, mir einen Hund zu kaufen, sollte es wieder etwas Pudeliges sein - denn einer der Trümpfe von Pudeln ist, dass sie nicht haaren. Ebenso wenig wie Golden Doodles.
Unser Hund Eddie ist ein solcher Golden Doodle.
(Oft werde ich von Passanten gefragt, was Eddie für ein Hund ist, und weil ich die etwas alberne Bezeichnung „Golden Doodle“ vermeiden will, antworte ich dann immer umständlich: „Er ist eine Art Mischung aus Golden Retriever und Pudel, im weitesten Sinne.“ - „Ah“, sagen die Passanten dann meistens, „also ein Golden Doodle.“)
Ich hatte mir sehr lange einen Hund gewünscht und meiner Familie so ausführlich vom Leben mit einem Tier vorgeschwärmt, dass sie schließlich auch unbedingt einen haben wollte, vor allem mein damals siebenjähriger Sohn. Als wir Eddie dann vom Züchter abholen wollten, verkroch er sich spontan unter einem Stuhl. Das konnte ich ihm gut nachfühlen, ich selbst hatte nämlich kalte Füße bekommen - die kriegt man ja gerne mal, wenn ein Wunsch in Erfüllung zu gehen droht. Alle Fragen, die ich längst erörtert hatte, ploppten beim Abholtermin wieder auf.
Ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich auch alles von vorne bis hinten bedacht hatte: War das eine gute Idee, mitten in Berlin einen Hund zu halten?
War mein Sohn schon alt genug, um sich ebenfalls um das Tier zu kümmern? Und wie würden wir das organisieren, wenn ich auf Lesereisen unterwegs bin?
Es gab, als ich Eddie zum ersten Mal sah, nicht diesen einen, herzergreifenden Moment, in dem man lautstark spürt, dass man zusammengehört. Wir haben aber schnell eine haltbare Zuneigung zueinander entwickelt - und die ganze Familie ist froh, dass es Eddie gibt. Das Einleben verlief reibungslos, wir hatten Glück, Eddie war ein ganz leicht erziehbarer Hund. Der schwierigste Moment am Anfang unseres Zusammenlebens war der, als wir erfuhren, dass Eddie eine chronische Krankheit hat und wir uns zeit seines Lebens nicht weit von einer Tierarztpraxis entfernen dürfen.
„Wir gehen sehr viel spazieren, das ist für Eddie und mich gleichermaßen gut: Ich kann am besten in Bewegung über einen Text nachdenken.“
Eddie kann gut eine Weile alleine zu Hause bleiben. Komme ich dann wieder, schnappt er sich einen Schuh und trägt ihn mehrfach und feierlich um mich herum. Warum er das tut, bleibt sein Geheimnis. Aber ich finde das sehr erheiternd. Überhaupt bringt er mich oft zum Lachen, zum Beispiel, wenn er lange und andächtig vor einer ballförmigen Anhängerkupplung steht. (Eddie liebte früher Ballspiele - jetzt ist er in die Jahre gekommen und muss auf Ballsport verzichten.) Oder wenn er die Küche verlässt, weil er das Geräusch der Dunstabzugshaube empörend findet.
Auf unseren Spaziergängen rührt es mich immer wieder, wie offen und freundlich Eddie aller Welt ent-gegenwedelt. Wir gehen sehr viel spazieren, das ist für Eddie und mich gleichermaßen gut: Ich kann am besten in Bewegung über einen Text nachdenken.
Wenn wir zurück nach Hause kommen, legt er sich auf seine Decke, ich setze mich an den Schreibtisch.
Es ist dann immer unterschiedlich, wer zuerst wieder vor die Tür möchte: Eddie oder ich. Wenn Eddie findet, dass jetzt genug getippt wurde, kommt er zu mir und tut, was er ganz besonders gut kann: mich mit der Schnauze anstupsen und extrem niedlich sein.
Niedlichsein gehört zu Eddies Kernkompetenzen.
Weil Eddie schon recht alt ist, denke ich manchmal darüber nach, wie es sein wird, wenn er eines Tages nicht mehr da ist. Es gibt ja Leute, die es tröstet, wenn man dann gleich einen neuen Hund ins Haus holt. Man weiß ja bekanntlich nie, aber ich glaube, für mich käme das nicht infrage. Für mich wäre ein anderer Hund vor allem eines: nicht Eddie.