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Kuratiert aus Ausgabe Januar/Februar 2026
Es ist ja bald wieder Dry January, was bedeutet: vier Wochen kein Alkohol, nachdem man im Feiermonat Dezember versucht hat, Leber und Teint zu töten. Gleichzeitig scheint die alljährliche Abstinenz aus der Zeit gefallen zu sein, wie Fasten vor Ostern. Und doch. Wenn deutsche Brauereien sich vor der Zukunft fürchten und man immer öfter als Einzige mit einem Glas Alkohol am Tisch sitzt, dann scheint der sober lifestyle ja wohl der neue Chic zu sein. Kann man da überhaupt noch etwas trinken? Immer mehr Menschen, die früher extralustige Partygäste waren, sind plötzlich militante Coke-Zero-Trinker. Und das aus gutem Grund, endlich wird ernsthaft vor den Folgen von Alkohol gewarnt – das Brustkrebs-Risiko erhöht sich schließlich schon beim Gelegenheitstrinken. Für alle, die nüchterne Menschen genervt als Langweiler bezeichnen, bieten sich meistens ja täglich solche Gelegenheiten: ein Glas Champagner hier, ein Glas Rotwein am Abend dort, und warum nicht gleich am Samstagmittag auf dem Fischmarkt eine ganze Flasche bestellen?
Ich gehöre zu den Langweilern, die fast nur Coke Zero trinken, was nicht meiner Willensstärke, sondern meiner Migräne zu verdanken ist. Ich habe nichts gegen Alkohol, ich trinke manchmal sogar selbst, wenn ich in einer italienischen Strandbar sitze und Shrimps-Carpaccio esse. Fisch ohne Weißwein ist für mich möglich, aber sinnlos, genauso wie ein Sonnenuntergang auf der Lieblingsinsel, ohne ein kaltes Dosenbier. Sie sehen, Alkohol ist für mich mit Bliss-Momenten verbunden, nicht mit dem Alltag. Bei einem Empfang halb guten Prosecco trinken, nur weil die anderen sonst mit ihrem Alkoholproblem allein bleiben, um mich dann am nächsten Morgen 20 Jahre älter zu fühlen, dafür bin ich zu alt. Weil ich also selten trinke, habe ich in meinem Leben schon sehr oft den anderen dabei zugeschaut. Und mich dabei gelangweilt, weil die Gespräche irgendwann keinen Sinn mehr ergeben – wenn man nüchtern ist. Eine neue Metastudie, las ich neulich, kommt allerdings zu dem Schluss, dass völliger Alkoholverzicht ungesünder ist als einer in Maßen – was wohl daher kommt, dass man sich ab und zu mal locker machen muss. Sagen wir so: Wenn Sie schon beim Gedanken an den Dry January Schweißperlen auf der Stirn haben, wäre es wirklich keine schlechte Idee. Wenn Sie aber einfach nur Angst haben, wegen eines Aperol Spritz in der Hand gestrig zu wirken – proste ich Ihnen hiermit zu! Man sollte nie irgendwas machen, bloß um dazuzugehören, das gilt fürs Trinken und fürs Nichttrinken.