Networking ist wie Wassertrinken: Man muss es tun, sonst stirbt man. Jedenfalls, wenn man Frauennetzwerken glaubt, die sich regelmäßig zu Talks, Cocktails und Ladies Lunches treffen. Wir wissen, dass Netzwerken eine männliche Erfindung ist, die die Herren der Schöpfung sehr weit bringt, oft in Chefetagen. Frauen tun also gut daran, sich ebenfalls zu organisieren. Aber warum sehen Frauenversammlungen dann oft sehr nach sinnlosem Cocktail-Empfang aus, während man die von Männern gar nicht sieht? Das ist eine andere Geschichte.
Ich networke nie. Erstens bin ich faul und will mit niemandem etwas zu tun haben außer mit meinem Hund. Zweitens war es mir immer schon peinlich. Zur Fremdscham kommen wir später, zunächst aber das Wichtigste: Ich lebe noch, sogar beruflich! Früher, als ich noch jung und ehrgeizig war, fand ich mich auf Veranstaltungen wieder, wo Networkerinnen mantrahaft diesen Satz benutzten: „Das ist XY, ihr müsst euch kennenlernen! XY ist eine ganz tolle Frau!“ Tolle Frau – sind wir das nicht irgendwie alle? Als gewinnbringende Verbindung gilt das, finde ich, nicht. Womit wir beim großen Unterschied zwischen Boys Club und Ladies Lunch wären. Bei den Jungs ist völlig klar, dass eine Hand die andere wäscht. Geschäftlich. Bei Frauen heißt es immer nur diffus, dass man sich unterstützen müsse, weil Madeleine Albright irgendwann mal gesagt hat, dass man sonst in die Hölle kommt. So kann es passieren, dass einen irgendeine Annika, die man mal vor drei Jahren am Käseigel getroffen hat, anruft, um einen um einen Gefallen zu bitten, also ihren Namen irgendwo fallen zu lassen. Eine unangenehme Situation, die man nur dadurch auflösen kann, knallhart zu analysieren: Was bringt es mir (oder bringt es mir sogar Nachteile)? Auch wenn man dafür in die Hölle kommt.
Wie sieht es nun mit dem digitalen Networken aus, also LinkedIn? Auch dafür war ich jahrelang zu faul, aber wegen aufbrandender Existenzangst habe ich seit ein paar Monaten einen Account. Und was habe ich verpasst? Natürlich nichts, außer Leuten, die sich networkend zum Networking gratulieren. Apropos Gratulation: Geburtstags-SMS von losen Arbeitskontakten sind die plumpste Form des Netzwerkens. Und da ist sie, die Fremdscham. Weil nur allzu klar ist, worum es geht: den Kontakt mit einer Person halten, die auf irgendeine Art noch mal wichtig für einen werden könnte. Dabei geht es gar nicht nur um Berufliches, es ist viel schlimmer. Es geht um mögliche Gratis-Urlaube, weil die Person am Meer wohnt, oder um andere Vergünstigungen. Worum es aber fast nie geht, ist die Person an sich. Ich konzentriere mich deswegen lieber weiterhin auf echte Freundschaften.