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Knigge bei Red-Carpet-Events: Von Wiener Opernball bis Oscar-Nacht

Knigge bei Red-Carpet-Events: Von Wiener Opernball bis Oscar-Nacht Knigge bei Red-Carpet-Events: Von Wiener Opernball bis Oscar-Nacht
Candice Swanepoel auf dem Wiener Opernball 2025 (Foto: Swarovski)

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Ob Wiener Opernball, Oscars, Cannes oder Met Gala: Wer die Balance zwischen Mode, Persönlichkeit und Respekt für das Event meistert, hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck. Madame erklärt die wichtigsten Knigge-Regeln für glamouröse Auftritte







































Es gibt Orte, an denen Stoff zu Sprache wird. An denen eine Silhouette mehr erzählt als ein Interview. Der rote Teppich ist so ein Ort. Wer ihn betritt, trägt nicht nur ein Kleid oder einen Smoking – sondern eine Botschaft. Und wie bei jeder Sprache gilt: Man sollte ihre Grammatik kennen. Red-Carpet-Events folgen keinem starren Regelbuch, wohl aber einem feinen Kodex. Zwischen Tradition und Inszenierung, Couture und Charakter entscheidet sich, wer stilvoll wirkt – und wer verkleidet. Wer die Balance findet zwischen modischem Wagemut und Übermut. Wer auf der Best Dressed Liste stehen wird – und wer nicht. Madame hat die Dresscodes der wichtigsten Mode-Events zusammengetragen.

Wiener Opernball: Die hohe Schule der Form

Der Wiener Opernball eröffnet jedes Jahr die Saison der großen gesellschaftlichen Auftritte – und setzt den strengsten Maßstab. Er ist kein Ort für Experimente, sondern ein Ritual. White Tie lautet die Devise, die formalste Kleiderordnung unserer Zeit. Für Damen heißt das: bodenlange Robe, edle Materialien, idealerweise ein Hauch von Grandezza. Schultern dürfen frei sein, das Dekolleté stilvoll, nie demonstrativ. Lange Handschuhe sind mehr als Accessoire – sie sind Reminiszenz an eine Epoche, in der Etikette Teil der Erziehung war. Getragen wird Weiß oder Elfenbein bei Debütantinnen, für Gäste sind gedeckte oder klassische Abendfarben stilvoller als modische Exzesse. Für Herren ist die Sache klarer – und unerbittlicher: Frack, weiße Weste, weiße Fliege. Kein Smoking, kein modischer Twist. Der Opernball duldet keine modischen Interpretationen, sondern erwartet Respekt vor dem Zeremoniell. Und doch geht es um mehr als Kleidung. Das Auftreten ist hier wörtlich zu nehmen. Wer eine Treppe hinabschreitet, führt sein Kleid mit diskreter Selbstverständlichkeit. Wer tanzt, führt oder folgt mit Eleganz – nie mit Show. Der wahre Luxus des Abends ist nicht der Schmuck, sondern das Charisma der Person.






Oscar-Nacht: Couture trifft Kamera

Die Academy Awards sind das Gegenteil des Wiener Zeremoniells – und doch ebenso streng in ihrer eigenen Dramaturgie. Sie finden traditionell zwischen Ende Februar und Mitte März in Los Angeles statt und bilden den Höhepunkt der internationalen Filmpreissaison. Offiziell gilt Black Tie. Inoffiziell: maximale Strahlkraft. Hier wird Couture zur Kunstform. Roben werden Monate im Voraus entworfen, angepasst, perfektioniert. Schleppe oder cleane Linie? Dramatischer Samt oder fließende Seide? Bei den Oscars darf Mode Emotion erzeugen – aber sie darf niemals verzweifelt wirken.

Das Geheimnis ikonischer Auftritte liegt nicht im Spektakel, sondern in der Stimmigkeit. Wenn Persönlichkeit und Kleid eine Einheit bilden, entsteht ein Moment, der bleibt. Der rote Teppich verzeiht keine Unsicherheit. Er liebt Frauen, die ihr Kleid tragen – nicht umgekehrt. Für Herren öffnet sich mittlerweile ein subtiler Spielraum: Mitternachtsblau statt Tiefschwarz, Samtjacke statt klassischem Revers. Doch auch hier gilt: Stilbewusstsein ersetzt keine Disziplin. Die Fliege bleibt gebunden, das Hemd makellos, die Schuhe spiegelnd. Und noch etwas entscheidet über den Eindruck: Bewegung. Zwei, drei präzise gesetzte Stopps für die Fotograf:innen, ein kurzer Blick über die Schulter, ein Lächeln ohne Hast. Wer zu lange posiert, wirkt kalkuliert. Wer zu schnell geht, verschenkt Präsenz.





Filmfestspiele von Cannes: Sinnlichkeit unter Beobachtung

Die Filmfestspiele von Cannes finden jedes Jahr im Mai an der französischen Côte d’Azur statt und zählen zu den prestigeträchtigsten Filmfestivals der Welt. Über rund zwei Wochen hinweg wird der rote Teppich vor dem Palais des Festivals zum internationalen Schaufenster der Couture. Die Filmfestspiele von Cannes waren lange das Epizentrum der Red-Carpet-Sinnlichkeit. Fließende Chiffonroben im Wind der Croisette, gewagte Transparenzen, dramatische Schleppen – Cannes liebte das Spiel mit der Inszenierung. Doch der Ton hat sich leicht verschoben. Der Dresscode wurde zuletzt präzisiert, „Naked Dresses“ und überbordende Silhouetten sind offiziell nicht mehr erwünscht. Begründet wird dies mit Würde und Logistik. Zwischen den Zeilen jedoch schwingt eine alte Frage mit: Wie viel Haut ist Haute Couture? Für Stilbewusste bedeutet das keinen Verlust, sondern eine Herausforderung. Transparenz kann raffiniert sein, wenn sie konstruiert ist. Ein hoher Schlitz wirkt elegant, wenn er mit Selbstbewusstsein getragen wird. Entscheidend ist die Balance zwischen Verführung und Form. Cannes bleibt ein Ort der großen Roben – nur eben mit französischer Disziplin. Nonchalance ja, Nachlässigkeit nein.








Met Gala: Wenn Mode zum Manifest wird

Die Met Gala folgt keiner klassischen Saisonlogik, sondern einer eigenen Tradition: Sie findet jedes Jahr am ersten Montag im Mai im Metropolitan Museum of Art in New York statt und eröffnet die neue Ausstellung des Costume Institute. Dieses feste Datum ist Teil ihres Mythos – ein gesetzter Moment im Modekalender, auf den sich die Branche monatelang vorbereitet. Und mit ihm die vielleicht meistdiskutierte Frage des Abends: das Thema. Denn das jährlich neu verkündete Motto ist mehr als ein Dresscode – es ist ein intellektueller Rahmen, eine Einladung zur Interpretation. Wochen im Voraus beginnt die Spekulation. Designer, Stylist:innen und Gäste entwickeln Konzepte, recherchieren Referenzen, entwerfen Silhouetten, die mehr sind als bloße Kleidung. Am Abend selbst entscheidet sich dann, wer das Thema wirklich verstanden hat. Die entscheidende Kategorie lautet nicht „schön“, sondern „on theme“. Wer es schafft, Mode und Idee zu einer Einheit zu verschmelzen, prägt den visuellen Kanon des Abends. Wer das Thema ignoriert, wirkt nicht rebellisch, sondern unaufmerksam.

Das Thema des Jahres 2026 lautet „Fashion Is Art“ – eine direkte Aufforderung, Mode nicht nur als Handwerk, sondern als Kunstform zu begreifen. Es begleitet die Ausstellung „Costume Art“, die Mode und Kunstwerke miteinander in Dialog setzt und die Beziehung zwischen Kleidung, Körper und künstlerischem Ausdruck über Jahrtausende hinweg untersucht.
Die Met Gala entzieht sich klassischen Dresscodes. Hier gilt kein White Tie, kein Black Tie – hier gilt Interpretation. Wer eingeladen ist, versteht sich nicht nur als Gast, sondern als Teil einer kuratierten Inszenierung. Der rote Teppich wird zur Performancefläche. Doch auch hier existiert Knigge. Respekt vor dem Konzept. Respekt vor der handwerklichen Leistung. Und vor allem: Professionalität. Ein spektakulärer Look darf dramatisch sein – aber niemals beliebig wirken. Ironie ist erlaubt, Beliebigkeit nicht.

Stil ist Respekt

Ob im winterlichen Wien, im blendenden Licht Hollywoods, im warmen Abendwind von Cannes oder auf den Stufen des Metropolitan Museum – der rote Teppich verlangt mehr als ein schönes Outfit. Er verlangt Bewusstsein. Für den Anlass, für den Moment, für die eigene Wirkung. Wahrer Glamour entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Klarheit. Durch die Fähigkeit, Mode nicht als Verkleidung zu nutzen, sondern als Verlängerung der eigenen Präsenz. Wer den Anlass versteht, muss nicht provozieren. Wer sich selbst vertraut, muss nicht übertreiben. Am Ende bleibt nicht das Kleid in Erinnerung, sondern die Person, die es getragen hat – und die stille Selbstverständlichkeit, mit der sie den Raum betreten hat.

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