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Ferritin Face: Was hinter dem Beauty-Buzzword steckt

Ferritin Face: Was hinter dem Beauty-Buzzword steckt Ferritin Face: Was hinter dem Beauty-Buzzword steckt
Ein müdes Aussehen kann auf einen Eisenmangel hindeuten. (Foto: curly_photo/ Getty Images)

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Müde Augen, fahle Haut und dunkle Schatten, obwohl man eigentlich genug geschlafen hat?

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Unter dem Namen: „Ferritin Face“ oder „Low Ferritin Face“ dokumentieren Nutzerinnen aus der Beauty-Bubble, wie sich ihr Gesicht verändert haben soll, nachdem bei ihnen niedrige Eisenspeicher festgestellt und behandelt wurden. Was zunächst wie der nächste TikTok-Beauty-Trend klingt, hat zumindest teilweise einen medizinischen Hintergrund. Denn ein Eisenmangel kann sich tatsächlich äußerlich bemerkbar machen. Trotzdem lässt sich ein niedriger Ferritinwert nicht einfach am Gesicht ablesen. Was steckt also hinter dem Begriff – und wann lohnt es sich, genauer hinzusehen?

Was bedeutet „Ferritin Face“?

„Ferritin Face“ ist kein etablierter medizinischer Begriff und auch keine Diagnose. Gemeint ist vielmehr ein Erscheinungsbild, das Social-Media-Nutzer:innen mit niedrigen Eisenspeichern verbinden: ein blasser oder ausgewaschener Teint, dunkle Schatten unter den Augen und teilweise trockene, rissige oder juckende Haut. Auch Haarveränderungen werden häufig im selben Zusammenhang thematisiert.

Der Name leitet sich von Ferritin ab, einem Protein, das Eisen im Körper speichert. Der Ferritinwert gibt deshalb Aufschluss darüber, wie gut die körpereigenen Eisenspeicher gefüllt sind. Sind die Werte niedrig, kann das auf einen Eisenmangel hindeuten – und dieser kann sich nicht nur durch Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme, sondern teilweise auch äußerlich bemerkbar machen.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Eisenmangel und Anämie sind nicht automatisch dasselbe. Bei Eisenmangel sind die Eisenreserven des Körpers erschöpft oder vermindert. Eine Anämie liegt dagegen vor, wenn nicht genügend gesunde rote Blutkörperchen vorhanden sind, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Man kann also bereits einen Eisenmangel haben, ohne anämisch zu sein. Unbehandelt kann Eisenmangel allerdings zu einer Anämie führen.

Warum Eisen auch für Haut und Haare wichtig ist

Eisen erfüllt im Körper zahlreiche Funktionen. Es ist ein Baustein von Hämoglobin, einem Protein, das für die roten Blutkörperchen und damit für den Sauerstofftransport durch den Körper benötigt wird. Darüber hinaus spielt Eisen unter anderem für die Funktion von Skelett- und Herzmuskulatur, das Haarwachstum, die Energieproduktion und die Bildung von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin eine Rolle.

Sind die Eisenspeicher niedrig, kann sich das deshalb auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Die Dermatologin Macrene Alexiades beschreibt im Ausgangsmaterial, dass sie bei Patient:innen mit niedrigen Eisenspeichern regelmäßig blasse Haut beobachtet, die teilweise auch trocken, rissig oder juckend sein kann. Genau die Kombination aus einem ausgewaschen wirkenden Teint und Schatten unter den Augen wird auf Socials inzwischen als „Ferritin Face“ bezeichnet.

Kann man Eisenmangel wirklich im Gesicht erkennen?

So eindeutig die Vorher-Nachher-Videos auf TikTok auch wirken: Ein Blick in den Spiegel ersetzt keinen Bluttest. Blasse Haut und Augenringe können Hinweise sein, sind aber keineswegs spezifisch für Eisenmangel. Wie stark sich ein Eisenmangel im Gesicht zeigt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Blasse Haut oder dunkle Augenringe können zwar damit zusammenhängen, haben aber häufig auch ganz andere Ursachen. Allein anhand des Aussehens lässt sich ein Eisenmangel deshalb nicht erkennen.
Ein „Ferritin Face“ lässt sich deshalb weder eindeutig definieren noch diagnostizieren. Der Begriff, der ziemlich ausschließlich auf Social Media auftaucht, fasst sichtbare Veränderungen zusammen, die bei einem Eisenmangel auftreten können, aber nicht müssen.

Aussagekräftiger können Veränderungen an Haaren und Nägeln sein. Besonders der Zusammenhang zwischen niedrigen Ferritinwerten und Haarausfall ist besser dokumentiert. Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen niedrigen Ferritinwerten und sogenanntem Telogen Effluvium, einer Form des diffusen Haarausfalls. Dabei wechseln mehr Haare als gewöhnlich vorzeitig in die Ruhephase und fallen einige Zeit später aus. Eine 2022 im Fachjournal „Skin Appendage Disorders“ veröffentlichte Analyse wertete 36 Studien mit insgesamt mehr als 10.000 Frauen aus. Das Ergebnis: Frauen mit nicht vernarbendem Haarausfall hatten im Durchschnitt niedrigere Ferritinwerte als Frauen ohne Haarausfall. Die Forschenden betonen allerdings, dass auch hier die wissenschaftliche Evidenz für einen direkten ursächlichen Zusammenhang nicht eindeutig ist.

Welche Symptome können zusätzlich auftreten?

Wer sich ausschließlich auf das Gesicht konzentriert, übersieht möglicherweise andere Hinweise. Zu den häufig genannten Symptomen eines Eisenmangels gehören Müdigkeit, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwindel, Brustschmerzen, Muskelkrämpfe und Konzentrationsprobleme.

Typisch ist gerade, dass viele dieser Beschwerden unspezifisch sind. Erschöpfung wird schnell auf zu wenig Schlaf, einen stressigen Alltag oder Arbeit geschoben, Brain Fog auf Überforderung. Viele Betroffene nehmen die Beschwerden lange nicht als mögliche Anzeichen eines Eisenmangels wahr, sondern führen anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung auf Stress, Schlafmangel oder den Alltag zurück.

Warum Frauen besonders häufig betroffen sein können

Eisenmangel ist besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter verbreitet, unter anderem aufgrund des regelmäßigen Blutverlusts während der Menstruation. Besonders starke Menstruationsblutungen können die Eisenspeicher zusätzlich belasten. Ursache dafür können beispielsweise gutartige Wucherungen der Gebärmutter, sogenannte Myome, oder Erkrankungen wie Adenomyose sein.

Auch die Perimenopause kann eine Phase sein, in der Eisenmangel übersehen wird: Menstruationszyklen können stärker und unregelmäßiger werden, während Symptome wie Müdigkeit oder Brain Fog gleichzeitig vorschnell ausschließlich hormonellen Veränderungen zugeschrieben werden.

Nach der Menopause tritt Eisenmangel zwar seltener auf, ist aber nicht ausgeschlossen. Gastrointestinale Erkrankungen oder eine eingeschränkte Aufnahme von Eisen können beispielsweise weiterhin zu einem Mangel beitragen.

Warum Ferritin beim Bluttest interessant ist

Ein Grund dafür, dass niedrige Eisenspeicher lange unentdeckt bleiben können: Ferritin wird nicht automatisch bei jeder Routineuntersuchung bestimmt. Ein normaler Hämoglobinwert schließt niedrige Eisenreserven nicht aus. Wer noch keine Anämie entwickelt hat, kann deshalb trotz Beschwerden zunächst unauffällige Standardwerte haben.

Auch die Frage, welcher Ferritinwert als zu niedrig gilt, ist nicht ganz eindeutig. Die Weltgesundheitsorganisation verwendet bei Frauen einen Grenzwert von unter 15 ng/ml zur Diagnose eines Eisenmangels, während andere medizinische Fachgesellschaften unter 30 ng/ml ansetzen. Neuere Forschung deutet darauf hin, dass auch Ferritinwerte unter 50 ng/ml genauer betrachtet werden können, da sich bereits in diesem Bereich Veränderungen des Eisenstoffwechsels zeigen können.

Was hilft bei niedrigem Ferritin?

Wurde tatsächlich ein Eisenmangel festgestellt, sollte nicht nur der Wert korrigiert, sondern auch nach seiner Ursache gesucht werden. Denn niedrige Eisenspeicher können beispielsweise mit starken Blutungen, Zöliakie, Darmentzündungen, verminderter Magensäure oder einer gestörten Eisenaufnahme zusammenhängen.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Eisen findet sich etwa in rotem Fleisch und Leber, aber auch in Linsen, Kichererbsen, Kürbiskernen und dunklem Blattgemüse. Dabei unterscheidet sich die Aufnahme: Häm-Eisen aus tierischen Lebensmitteln wird vom Körper besser absorbiert als Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Quellen. Vitamin C kann dabei die Aufnahme von pflanzlichem Eisen verbessern. Deshalb lohnt es sich, diese beispielsweise mit Paprika, Brokkoli, Beeren, Kiwi oder Zitrusfrüchten zu kombinieren.
Reicht die Eisenaufnahme über die Ernährung nicht aus, können nach ärztlicher Abklärung Eisenpräparate helfen. Einige Präparate können allerdings Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verstopfung verursachen, während andere Formen häufig besser vertragen werden. Wichtig ist auch der richtige Zeitpunkt der Einnahme: Kaffee, Tee, Schokolade und Calcium können die Eisenaufnahme hemmen und sollten deshalb nicht gleichzeitig mit einem Eisenpräparat konsumiert werden.

In bestimmten Fällen werden Eiseninfusionen eingesetzt. Sie gelangen direkt in die Blutbahn und umgehen damit den Magen-Darm-Trakt. Das bedeutet allerdings nicht, dass Infusionen ein schneller Beauty-Fix für einen fahlen Teint sind: Sie sollten nur nach ärztlicher Überweisung und in einem medizinisch geeigneten Umfeld erfolgen.

Wann verschwindet das „Ferritin Face“ wieder?

Wie schnell sich sichtbare Veränderungen verbessern, hängt vom Ausmaß und von der Ursache des Mangels ab. Manche Menschen bemerken bereits innerhalb weniger Wochen nach einer Behandlung Verbesserungen der Haut. Haare brauchen deutlich mehr Geduld: Bis dort relevante Veränderungen sichtbar werden, können drei bis sechs Monate vergehen. Ein „Ferritin Face“ verschwindet nicht zwangsläufig über Nacht, sobald ein bestimmter Laborwert erreicht ist. Ebenso wenig bedeutet ein strahlenderer Teint automatisch, dass die Eisenspeicher wieder ausreichend gefüllt sind.
 
„Ferritin Face“ ist damit vor allem ein griffiger Social-Media-Begriff für ein wesentlich komplexeres gesundheitliches Thema. Es gibt kein eindeutig definiertes Gesicht, an dem sich Eisenmangel zuverlässig erkennen lässt.

Trotzdem lenkt der „Trendbegriff” den Blick darauf, dass vermeintliche Beauty-Probleme auch wichtige Hinweise des Körpers sein können. Ein fahler Teint, Augenringe oder Haarausfall können viele Ursachen haben – niedrige Eisenspeicher sind nur eine davon. Statt sich anhand von TikTok-Videos selbst zu diagnostizieren oder auf Verdacht Eisenpräparate einzunehmen, sollten anhaltende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden. Es lohnt sich, bei solchen Veränderungen nicht nur auf die Oberfläche zu schauen, sondern auch darauf, was im Körper passiert.

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