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Diese Trends von den Herbst-Runways können Sie auch im Alltag tragen

Diese Trends von den Herbst-Runways können Sie auch im Alltag tragen Diese Trends von den Herbst-Runways können Sie auch im Alltag tragen
Durch die detailreichen Pieces und die gewagten Kombinationen dienen Runway Looks als Inspiration für neue Styles. (Foto: Courtesy of Balmain)

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Mode mit Spitze und Transparenz, opulenten Stoffen, präzisem Tailoring und Farben, die sich nicht dezent im Hintergrund halten wollen.

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Die Herbst/Winter-Runways 2026/27 klingen zunächst wenig nach Alltag. Tatsächlich aber stecken zwischen den großen Laufsteggesten erstaunlich viele Ideen, die einer bestehenden Garderobe ein sehr zeitgemäßes Update geben, ohne dass dafür gleich ein komplett neuer Kleiderschrank nötig wäre.
 
Wer die großen Schauen verfolgt, kennt das Phänomen: Ein Look begeistert auf dem Runway, im nächsten Moment stellt sich allerdings die Frage, wo genau man einen bodenlangen transparenten Rock, einen überdimensionierten Fellmantel oder ein Ensemble in leuchtendem Violett jenseits der Fashion Week tragen soll.
 
Das Geheimnis dahinter: nicht genauso. Denn Runway-Trends funktionieren im Alltag am besten, wenn man sie nicht kopiert, sondern übersetzt. Und dafür liefert die Herbst/Winter-Saison 2026/27 besonders viel Material. Aufwändige Stücke treffen auf überraschend schlichte Basics, Abendmode verlässt ihren angestammten Platz nach Sonnenuntergang und Klassiker wie Karos, Blazer und Kostüme werden gerade so weit verändert, dass sie wieder interessant aussehen.
 
Das Beste daran: Vieles, was im Herbst modern wird, besitzen Sie womöglich bereits.

1. Karos – nur bitte nicht zu brav

Karos kehren im Herbst zurück? Ungefähr so überraschend wie Strickpullover bei sinkenden Temperaturen. Interessant ist deshalb weniger das Muster selbst als die Frage, was Designer*innen in dieser Saison daraus machen.
Chemena Kamali zeigt bei Chloé, wie weit man sich von der Vorstellung des klassischen britischen Karos entfernen kann. Karierte Chiffonstoffe erscheinen hier in leuchtenden Kombinationen aus Violett und Poolblau, werden zu voluminösen Hosen oder romantischen Kleidern mit Anklängen an die 1970er-Jahre. Bei Loewe wirkt das Muster deutlich avantgardistischer. Chanel und Dries Van Noten wiederum bringen es auf Jacken und Blousons zurück in vertrauteres Terrain.

Chanel verleiht dem Karomuster diesen Herbst eine ungewohnte Lässigkeit. (Foto: Courtesy of Chanel)

Für den Alltag ist das eine dankbare Entwicklung, denn vermutlich findet sich bereits ein kariertes Stück in Ihrer Garderobe. Ein klassischer karierter Midirock verliert mit Lederjacke und schlichtem Shirt seine konservative Note. Ein Blazer mit Prince-of-Wales-Check funktioniert auch zur lässigen Jeans statt zur passenden Anzughose. Das Ziel ist nicht, den Heritage-Charakter des Karos zu verstecken, sondern ihm einen Gegenpol zu geben. Je klassischer das Muster, desto moderner darf der Rest sein.

2. Everyday Couture – warum eigentlich auf den besonderen Anlass warten?

Es gibt Kleidungsstücke, die einen Großteil ihres Lebens wartend verbringen. Der Paillettenrock wartet auf Silvester, die verzierte Bluse auf ein Dinner, das besondere Kleid auf eine Hochzeit. Die Herbst/Winter-Runways 2026/27 liefern ein ziemlich überzeugendes Argument dagegen. Unter dem Motto „Everyday Couture“ kombinierten Designer*innen ausgesprochen kostbare oder aufwändig gearbeitete Stücke mit Kleidung, die fast demonstrativ alltäglich wirkt. Bei Chanel trafen fein verzierte Kostüme auf weiße T-Shirts. Bei Celine traf ein rotes Paillettenkleid auf einen klassischen Trenchcoat – und wurde so kurzerhand vom Abendlook zum alltagstauglichen Statement. Erdem kombinierte Jeans mit einem bestickten Seidentop, Dior Denim mit einer gerüschten Interpretation der Bar Jacket.

Matthieu Blazy zeigt, wie Couture auch alltäglich geht. (Foto: Courtesy of Chanel)









Dahinter steckt eine Stylingidee, die weit nachhaltiger ist als der Kauf des nächsten Mikrotrends: das Besondere häufiger zu tragen. Der Jacquard-Blazer darf deshalb zur Jeans, die seidene Abendbluse zur schwarzen Stoffhose und der Paillettenrock zum Kaschmirpullover getragen werden. Gerade dieser Kontrast nimmt auffälligen Stücken ihre Förmlichkeit, ohne ihnen ihre Wirkung zu nehmen. Schließlich wird ein besonderes Kleidungsstück nicht weniger besonders, nur weil wir es öfter tragen.

3. Layering, aber transparent

Sheer Dressing begleitet uns bereits seit einigen Saisons. Was als nahezu vollständig transparentes Kleid auf dem roten Teppich funktioniert, lässt sich allerdings nur bedingt auf einen Montagmorgen übertragen. Für Herbst/Winter 2026/27 bekommt Transparenz deshalb eine interessante neue Ebene: Sie wird zum Instrument für Layering.
Besonders konsequent spielte Prada mit diesem Gedanken. Models liefen mehrfach in leicht veränderten Versionen ihrer Looks über den Runway, wobei einzelne Schichten entfernt wurden und darunter neue Outfits zum Vorschein kamen. Auch Tom Ford, The Row und Victoria Beckham setzten transparente Materialien so ein, dass sie nicht einfach Haut, sondern weitere Kleidungsstücke sichtbar machen.
Eine transparente Bluse kann unter einem gut geschnittenen Blazer getragen werden, ein Mesh-Longsleeve über einem blickdichten Top, ein transparenter Rock über einem schlichten Unterrock oder einer schmalen Hose. Besonders interessant wird dieser Look im Herbst ohnehin durch Gegensätze: feines Mesh zu Wolle, Chiffon zu Leder, Spitze zu schwerem Strick. Das Ergebnis ist sinnlich, ohne zwangsläufig viel Haut zu zeigen.

4. Lingerie Dressing – Spitze trifft Strick

Ein ähnliches Spiel mit Kontrasten zeigt sich beim Lingerie Dressing. Slip Dresses, Satin und Spitzenborten begleiten die Mode ebenfalls schon länger, ziehen im kommenden Herbst aber keineswegs wieder ins Schlafzimmer zurück.
In der Fendi-Kollektion wurden Elemente aufgegriffen, die bewusst an Nachtwäsche erinnern. Ein Satinkleid traf etwa auf Fellkragen, Pumps und hohen Socken. Stella McCartney zeigte ein Lingerie-Top, bei Gucci wurde Spitze deutlich offensiver inszeniert. Valentino ließ wiederum einen feinen Unterrock unter einer großkarierten Jacke hervorblitzen.

Stella McCartney verbindet Nachtwäsche mit Abendgarderobe. (Foto: Victor Virgile/Gamma-Rapho via Getty Images)

Im Alltag ist weniger dabei häufig mehr. Ein Spitzen-Top, den man unter einem Wollblazer erahnt, kann bereits reichen. Ebenso ein Satinrock zu einem großzügigen Strickpullover oder ein Slip Dress unter einem langen Cardigan. Gerade abseits des Sommers verliert Lingerie Dressing dadurch seine offensichtliche Sexyness. Die Spannung entsteht durch das Zusammentreffen von Materialien: zart gegen schwer, glänzend gegen matt, fließend gegen strukturiert.

5. Der Smoking – Abendgarderobe für 14 Uhr

Kaum ein Kleidungsstück steht so exemplarisch für das Spiel mit männlich und weiblich konnotierter Mode wie „Le Smoking“. Yves Saint Laurent machte ihn für Frauen bereits 1966 zum modischen Statement – sechs Jahrzehnte später wird er erneut zum Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Runway-Looks. Anthony Vaccarello griff den Klassiker für Saint Laurent mit Satinrevers und nackter Haut unter dem Jackett auf. Doch auch The Row, Khaite, McQueen, Michael Kors und Altuzarra spielten mit Smokingelementen: von Seidenhosen und weißen Hemden über Fliegen bis hin zu Kummerbunden.

Für diesen Trend braucht es keineswegs einen vollständigen Smoking: Ein schwarzer Blazer mit Satinrevers kann zu Jeans und T-Shirt sowohl für den Bürolltag als auch für den Feierabend danach funktionieren. Wer es etwas konsequenter mag, kombiniert ein weißes Hemd mit schwarzer Hose und auffälligem Schmuck.

Blazer und Jeans sorgen zu jeder Tageszeit für einen eleganten Look. (Foto: Courtesy of Dior)

6. Das Kostüm ist zurück

Auch das Kostüm setzt seinen Aufstieg fort. Nachdem Skirt Suits bereits auf den Frühjahr/Sommer-Runways 2026 wieder verstärkt auftauchten, wird die Idee nun weitergeführt – allerdings ohne eine einzige verbindliche Silhouette.
Tom Ford kombinierte eine kragenlose Jacke mit Utility-Taschen mit einem schmalen Pencil Skirt, The Row setzte auf karierte Wolle. Bei Gucci und Celine wurde die Silhouette körpernäher, Hermès setzte mit Kanariengelb auf Farbe.

Auch bei Hermès ist das Kostüm zurück auf dem Runway. (Foto: Filippo Fior/ Gorunway.com)

Interessant ist daran vor allem die neue Freiheit des Kostüms. Es muss nicht mehr nach klassischer Businessuniform aussehen. Jacke und Rock können zusammen getragen werden – müssen aber nicht, Mix and Match is the way to go. Der Pencil Skirt funktioniert mit Strick, die Kostümjacke mit Denim, ein auffälliger Rock mit schlichtem T-Shirt.
Damit wird aus einem Kleidungsstück, das lange für eine sehr spezifische Vorstellung von „ordentlich angezogen“ stand, plötzlich wieder eine ziemlich flexible Option.

7. Das Schößchen bekommt eine zweite – oder dritte Chance

Einige Trends kehren so schnell zurück, dass man sich noch gut an ihren letzten Auftritt erinnert. Das Schößchen dürfte für viele dazugehören. Doch seine Geschichte beginnt keineswegs in den 2010er-Jahren: Schon in den 1930er- und 1940er-Jahren war die ausgestellte Taillenpartie populär, Vorläufer reichen noch wesentlich weiter zurück.
Für Herbst/Winter 2026/27 beschäftigt sich vor allem Jonathan Anderson bei Dior intensiv mit der Silhouette. Die berühmte Bar Jacket des Hauses erscheint in unterschiedlichen Interpretationen, unter anderem aus Jacquard, Strick und Spitze. Auch Givenchy und Hermès setzen auf Oberteile mit betonter Taille und ausgestelltem Saum.

Dior verbindet altbekannte Silhouetten mit einem neuen Twist. (Foto: Courtesy of Dior)

Das Schößchen funktioniert am besten nicht als niedliches Detail, sondern als Mittel, um Proportionen zu verändern. Eine Jacke mit definierter Taille wirkt zu einer großzügigen Hose besonders modern. Ein Schößchen-Blazer kann wiederum die klassische Kombination aus Stoffhose und Bluse ersetzen. Wer dem Revival noch skeptisch gegenübersteht, beginnt mit einer sehr dezenten Variante. Nicht jedes Comeback muss schließlich genauso aussehen wie beim letzten Mal.

8. Lila und Moosgrün statt immer nur Bordeaux

Schokoladenbraun und Bordeaux haben uns mehrere Herbstsaisons zuverlässig begleitet. 2026 bekommt die klassische Herbstpalette Konkurrenz. Besonders Lila war auf auffällig vielen Runways präsent. Celine kombinierte einen violetten Ledertrench mit roten Accessoires, Mugler ging noch einen Schritt weiter und zeigte ein monochromes Ensemble inklusive passender Tasche. Auch Chloé, Ferragamo, Loewe und Tory Burch griffen unterschiedliche Varianten des Farbtons auf.

Weniger dramatisch, aber mindestens ebenso interessant ist Moosgrün. Bei Altuzarra und Balmain tauchte die satte, gedeckte Farbe auf und zeigte dabei eine ihrer größten Stärken: Sie verhält sich beinahe wie ein Neutralton. Besonders auf Wildleder, Wolle, Satin und flauschigem Strick entfaltet sie ihre Wirkung.

Balmain inspiriert mit grüner Eleganz. (Foto: Courtesy of Balmain)

Wer Lila bislang schwierig fand, muss selbstverständlich nicht direkt zum monochromen Runway-Look greifen. Eine Tasche, ein feiner Pullover oder Schuhe reichen vollkommen. Moosgrün wiederum lässt sich mühelos mit Denim, Grau, warmem Braun oder Beige kombinieren. Und wer ein wenig mehr Mut zur Farbe hat, kann sich an Celine orientieren: Lila und Rot klingen auf dem Papier gewagt, wirken zusammen aber überraschend luxuriös.

9. Moderne Romantik – Spitze darf ein bisschen rebellisch sein

Rüschen, Spitze, florale Stoffe und historisch inspirierte Details ziehen sich ebenfalls durch die neue Saison. Simone Rocha und McQueen stehen beispielhaft für eine Ästhetik, die ein wenig nach geerbter Vintage-Garderobe aussehen darf. Auch Chloé, Dior und Fendi spielen mit romantischen Elementen.

More is More: Dior setzt auf Spitze, Glitzer und Kontraste. (Foto: Courtesy of Dior)

Damit daraus keine Verkleidung wird, braucht Romantik insbesondere Reibung. Ein Spitzenrock bekommt deshalb eine großzügige Lederjacke, die feminine Bluse eine lässige Jeans, das Rüschenkleid hohe Lederstiefel. Auch Wollsocken, grober Strick oder bewusst derbe Schuhe nehmen verspielten Kleidungsstücken ihre Süße.
Für eine bestehende Garderobe ist das besonders praktisch. Denn vielleicht hängt die romantische Bluse längst im Schrank, nur wurde sie bisher immer mit genau den Teilen kombiniert, die man von ihr erwartet.

Die Runways liefern Ideen, keine Gebrauchsanweisung

Eine der wohl wichtigsten Erkenntnise aus den Herbst/Winter-Kollektionen 2026/27: Einen Trend mitzumachen, muss nicht bedeuten, einen kompletten Look zu übernehmen.
Was kann eine neue Saison also zu einer Garderobe hinzufügen, die längst eine eigene Handschrift besitzt? Manchmal ist es nur eine neue Kombination, manchmal reicht eine Farbe, eine andere Proportion oder ein Stoff, den man bislang nur bestimmten Anlässen vorbehalten hat. Im besten Fall liefert uns gute Mode neue Möglichkeiten, die Kleidung und den Stil, die wir bereits haben, noch einmal anders zu sehen.

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