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Wenn die Betonung wirklich auf „kurz“ liegt, dann: ja, meinetwegen. Ein flüchtiger Blick, eine schnelle Information – das kann passieren. Leider ist es für viele längst zur Gewohnheit geworden, das Telefon gar nicht mehr aus der Hand zu legen. Es liegt auf dem Tisch, oft mit einem etwas schmierigen Display, und strahlt uns zwischen Besteck und Weinglas entgegen. Ehrlich gesagt: appetitlich ist das nicht. Und elegant schon gar nicht.
Wer sich zum Essen trifft, tut das in der Regel aus einem einfachen Grund: um sich zu unterhalten. Mit einem Menschen. Nicht mit einem Gerät. Und doch leben wir nun einmal im Jahr 2026, in einer Zeit, in der fast alles, was wir organisieren, nachschlagen oder wissen wollen, in diesem kleinen, zugleich verfluchten und wunderbaren Gerät steckt. Ganz verteufeln möchte man es ja auch nicht. Schnell den Abflug in die Ferien prüfen, weil die Verabredung danach fragt. Die Nachricht des Sohnes beantworten, der wieder einmal seine Kopfhörer sucht (sie hängen – natürlich – am Ladekabel in der Küche). Oder kurz nachsehen, wie der Goldpreis steht, nachdem man sich gerade über die gestiegenen Kosten des seit langem gewünschten Schmuckstücks empört hat. Praktisch ist das alles ohne Zweifel.
Und doch: Was wären wir ohne dieses Ding? Vermutlich etwas konzentrierter. Vielleicht auch ein wenig mehr im Moment.
Keine Sorge, ich beginne jetzt keinen Vortrag über Achtsamkeit. Dafür sind wir vermutlich alle zu beschäftigt. Aber ich weiß, wie angenehm es ist, ein echtes Gespräch zu führen. Wirklich zuzuhören. Den Gedanken des anderen zu folgen, ohne sofort zum Smartphone zu greifen, um eine Zahl zu überprüfen, einen Fakt zu korrigieren oder ein Detail zu googeln. Es hat sogar etwas Beruhigendes, nicht alles sofort wissen zu müssen.
Außerdem ist es, ganz nebenbei, ein kleines Training für unsere Gehirne. Manchmal beschleicht mich nämlich der Verdacht, dass diese in ein paar hundert Jahren stark nachgelassen haben könnten, weil künstliche Intelligenz das Denken längst übernommen hat – und die Formulierungen unserer Gedanken ohnehin. Ansätze davon lassen sich heute schon beobachten. Gerade bei den Jüngeren, der Gen Z und erst recht bei den Alphas, nehme ich eine gewisse Scheu wahr, direkt miteinander zu sprechen. Eine Nachricht zu schicken, scheint vielen leichter zu fallen, als kurz anzurufen oder jemanden anzusprechen.
Eine Kollegin erzählte mir neulich eine leicht beunruhigende Begebenheit: Die Freunde ihres Sohnes klingeln nicht mehr an der Haustür. Nicht etwa, weil die Klingel defekt wäre. Sondern weil sie vermeiden möchten, womöglich ein Gespräch mit der Mutter führen zu müssen. Stattdessen schreiben sie ihm eine Nachricht: „Bin vor der Tür.“
Man fragt sich unwillkürlich, wohin das führen soll. Der soziale Muskel, er verkümmert. Doch zurück an den Tisch. Wer eine Mahlzeit ohne Handy verbringt, stellt fast immer fest: Das Essen schmeckt besser, das Gespräch wird lebendiger, und die gemeinsame Zeit fühlt sich intensiver an. Man ist schlicht präsenter. Und vermutlich genießen wir Gesellschaft auf diese Weise mindestens hundert Prozent mehr.
Grund genug also, das Telefon für die Dauer eines Lunchs oder Dinners einfach beiseitezulegen. Es läuft ja nicht weg. Und wir – bei aller Technikliebe – sind schließlich keine Lemminge.