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In den vergangenen Jahren hat ein bemerkenswerter Wandel stattgefunden: Während früher kaum jemand zugab, dass gutes Aussehen nicht allein auf ausreichend Schlaf und viel Wasser zurückzuführen ist, sprechen heute immer mehr Prominente offen über ihre ästhetischen Eingriffe – sei es in Interviews oder über Social Media. Von Botox über Filler bis hin zu Facelifts: Der Umgang mit Schönheitsbehandlungen ist deutlich transparenter geworden. Designer Marc Jacobs dokumentierte öffentlich sein Facelifting – inklusive Fotos mit Verbänden – und Kylie Jenner verriet kürzlich auf Instagram, welcher Arzt ihre Brust-OP durchführte und welche Implantate sie trägt. Gleichzeitig sorgen Aufnahmen von Lindsay Lohan und Kris Jenner für wilde Spekulationen über mögliche Eingriffe, die ihr verändertes Aussehen erklären könnten. Besonders eine Methode steht derzeit im Fokus: das Deep Plane Facelift. Es gilt als neue Wunderwaffe der chirurgischen Gesichtsverjüngung. Doch was steckt wirklich hinter dieser Technik? Wir haben mit Dr. Caroline Kim, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, darüber gesprochen wie dieser Eingriff abläuft und was ihn so besonders macht.
Was genau versteht man unter einem Deep Plane Facelift und wie unterscheidet es sich von anderen Methoden?
Dr. Caroline Kim: Beim Deep Plane Facelift wird die Haut und die darunterliegenden Gewebeschichten, in erster Linie das sogenannte SMAS (Superficial Musculo-Aponeurotic System, die Bindegewebsschicht zwischen Haut und Muskeln) gelöst und dann schräg zur Seite und leicht nach oben gestrafft. Aber das wird auch beim klassischen SMAS-Lift gemacht. Der wesentliche Unterschied ist, dass beim SMAS-Lift die Haut von der SMAS-Schicht gelöst wird, während diese beiden Schichten beim Deep Plane Lift weitergehend verbunden bleiben. Außerdem werden die sogenannten „Retaining Ligaments“, also die Fixierungsbänder, die das Gesicht an vier verschieden Stellen in der Tiefe verankern, gelöst. Allerdings besteht die Gefahr, dabei die Nervenäste des Gesichtsnervs zu verletzen, die ganz in deren Nähe verlaufen. Und so eine Verletzung ist nicht reversibel.
Welche weiteren Lifting-Methoden gibt es?
Dr. Caroline Kim: Beim Mini-Lift wird entweder nur die Haut seitlich an der Wange ein bisschen gestrafft, ich beziehe auch noch das darunterliegende Gewebe der Wange mit ein, mache also ein kleines SMAS-Lift. Eine genaue Definition gibt es dafür nicht. Und dann gibt es noch das MACS-Lift (von Minimal Access, Cranial Suspension, also kleiner Zugang und vertikale Aufhängung), bei dem nur die Haut über der Wange abgelöst wird und das SMAS-Gewebe darunter mit speziellen Nähten gestrafft wird, ohne dass man es lösen muss. Das war eine Zeit lang recht populär, weil dafür nur ein kleiner Schnitt nötig und die OP-Technik recht einfach und ungefährlich ist.
Welche Vorteile hat das Deep Plane Facelift im Gegensatz zu diesen anderen Techniken?
Dr. Caroline Kim: Weil die Haut und die SMAS-Schicht verbunden bleiben, ist der verbleibende Hohlraum kleiner und dadurch gibt es ein geringeres Einblutungsrisiko. Außerdem entstehen nicht so leicht erweiterten Äderchen auf der Haut vor dem Ohr, was sonst manchmal passieren kann. Zusätzlich kann dieses Verfahren die Nasolabialfalte teilweise besser glätten. Auch am Hals sorgt es dafür, dass die Haut glatter wird und das Ergebnis natürlicher.
Ist es also aktuell die beste Technik für ein Face Lift?
Dr. Caroline Kim: Die beste Technik ist immer die, die individuell an den Patienten oder die Patientin angepasst ist. Und die, die Operateur*innen am besten beherrschen. Es gibt Kolleg*innen, die fantastische Ergebnisse nur durch Hautstraffung erzielen. Die persönliche Erfahrung und das Talent sind entscheidend und nicht die genauen Details. Am Ende operiert die Mehrheit der Chirurg*innen relativ ähnlich, es ist wie beim Kochen, jeder hat sein Rezept, aber das Ergebnis zählt. Bei Kris Jenner zum Beispiel, hat nicht ein bestimmtes Facelift das Ergebnis gebracht, sondern die Kombination aus OP, diversen Skinrejuvenation-Treatments und eine deutliche Gewichtsreduktion. Außerdem befindet sie sich vermutlich noch in der Phase der leichten Schwellung (die ersten drei Monate nach der OP), da sieht man besonders gut aus
Inzwischen wird gerade in den Sozialen Medien berichtet, dass das Ergebnis bei Kris Jenner bereits wieder nachgegeben hat und sie damit nicht mehr vollständig zufrieden sei. Dies hat wieder eine große Diskussion um die Frage Deep Plane oder SMAS-Lift entbrannt (sie hatte kein Deep Plane Lift). Das Nachgeben ist aber kein Hinweis auf die falsche Technik, sondern Ausdruck eines ganz normalen Verlaufs. Die Schwellung klingt ab, das Gewebe gibt wieder etwas nach und kein Facelift kann diesen Prozess dauerhaft aufhalten. Ein gutes Ergebnis ist daher nie statisch, sondern immer Teil einer dynamischen Entwicklung.
Aber warum ist diese Technik dann gerade so populär?
Dr. Caroline Kim: Der Hype um das Deep Plane Facelift ist zum großen Teil durch Social Media entstanden. Die Technik ist weder neu, noch geht sie tiefer als klassische Methoden, wie das SMAS-Lift, das kritisieren auch etablierte und erfahrene Expert*innen. Deshalb finde ich den Namen auch ein bisschen irreführend. Aber sie hat auch interessante und vorteilhafte Aspekte.
Und wie sieht es mit den Risiken aus?
Dr. Caroline Kim: Wenn man sich nach der Originaltechnik richtet, ist die Nervenverletzung ein erhebliches Risiko. Aber die meisten gehen das nicht ein und durchtrennen die Verankerungen nicht komplett. Daher gibt es selten Probleme.
Wie läuft so ein Eingriff ab?
Dr. Caroline Kim: Die Operation dauert rund drei Stunden, deshalb findet sie in den meisten Fällen unter Vollnarkose statt, die Patient*innen können aber noch am selben Tag wieder nach Hause gehen. Sie bekommen einen polsternden Kopfverband und kommen dann am nächsten Tag noch einmal zur Kontrolle.
Und wie geht es dann weiter? Ab wann ist man wieder gesellschaftsfähig?
Dr. Caroline Kim: Mit Schmerzen haben die meisten weniger Probleme, es ist eher ein deutliches Spannungsgefühl. Auch Blutergüsse sind dank der Medikamente, die man jetzt schon während dem Eingriff gibt, nicht mehr so häufig und stark. Schwellungen sind dagegen schon gegeben, und auch ein Gefühl der Taubheit der Haut vor dem Ohr. Nach etwa zehn bis vierzehn Tagen werden die Fäden gezogen und die Narben können überschminkt werden. Die Schwellungen und Spannungen bleiben noch deutlich länger, sind aber nach etwa zwei bis drei Wochen nicht mehr so auffällig, so dass man wieder „gesellschaftsfähig“ ist. Während dieser Zeit sollte man sich auch etwas schonen und zum Beispiel keinen extensiven Sport machen. Die Narben sind noch länger sichtbar, wie schnell sie verblassen, hängt von der Hautbeschaffenheit ab. Bei jüngeren Menschen kann es zehn bis zwölf Monate dauern, bis sie ganz verblassen, bei einer älteren, dünnen Haut geht es schneller. Da können sie schon nach acht bis zwölf Wochen kaum mehr zu sehen sein.
Wie lange hält der Effekt des Facelifts an und was kann man tun, um ihn zu verlängern?
Dr. Caroline Kim: Wir drehen die Zeit um sieben bis zehn Jahre zurück, können aber die Uhr nicht anhalten. Der Effekt ist dauerhaft, aber das Altern schreitet weiter voran. Wie schnell, ist individuell verschieden. Um möglichst lange jung auszusehen, ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Dazu gehört, nicht zu rauchen und sich konsequent vor der Sonne zu schützen. Außerdem können Treatments, wie Radiofrequenzneedling, Laser, und Pflegeprodukte mit Retinol und Vitamin C sehr gut helfen, das Ergebnis zu erhalten.
Wie hoch sind die Kosten für ein Deep Plane Facelift?
Dr. Caroline Kim: Die Operation inklusive der Nachsorge kostet etwa 15.000 bis 20.000 Euro, die Narkose noch einmal um 1000 bis 1200 Euro.