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Wir leben in einer Zeit der Selbstoptimierung – äußerlich, gesundheitlich und auch im Privaten. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung, und wie gehen Sie selbst mit dem Thema Selbstoptimierung um?
Bei „Selbstoptimierung“ stellt sich in mir sofort ein Verbotsschild auf. Wer drängt eigentlich vor allem Frauen in diesen Wahn? Warum sagen wir nicht einfach: „So bin ich. Will ich überhaupt diesem Bild entsprechen?“ Das muss man erkennen, bevor man versucht, einer vorgegebenen Schönheitsnorm zu entsprechen. Ich bin eine absolute Gegnerin davon.
Man muss sich zuerst mit sich selbst beschäftigen: Wer willst du sein? Das ist ein langer Prozess. Wer sich zu früh auf fremde Formeln einlässt, verpasst die eigene Entwicklung. Magst du dich, weil du ein Bild bedienst, das Millionen andere teilen – oder weil du Haltung hast, eine Familie gründest oder deinen Beruf ausübst? Das ist es, was zählt.
Sie haben in Ihrer Karriere mit unterschiedlichsten Make-up-Artisten zusammengearbeitet, sei es für den Film oder auch für den Red Carpet. Was ist der beste Beauty-Rat, den Sie je bekommen haben?
Verkleiden Sie sich nicht – auch nicht im Gesicht. Versuchen Sie nicht, etwas zu übermalen. Es ist wie bei Kleidung: Tragen Sie das Kleid, aber lassen Sie nicht das Kleid Sie tragen. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn Sie Ihre eigenen Züge unterstreichen. Ich betone zum Beispiel gerne meine Augen. Aber der Grundsatz bleibt: Bleiben Sie bei sich.
Welche Beauty-Produkte begleiten Sie schon besonders lange?
Meine Rosé-Creme von L’Oréal gehört morgens einfach dazu, ebenso die Perfect Match Make-ups. Vor einem Jahr habe ich außerdem einen Augenbrauenstift für mich entdeckt – den Frame Brow. Da ich mir früher die Brauen stark gezupft habe, ist der für mich ein echter Rettungsanker. Und für die Nacht nutze ich seit Jahren ein Duo-Serum, das die Haut wunderbar weich macht.
Die liebsten Produkte von Iris Berben zum Nachshoppen:
Hat Ihnen die Schauspielerei, bei der das eigene Gesicht ständig betrachtet und beurteilt wird, einen entspannteren oder kritischeren Blick auf Ihr Aussehen gegeben?
Ich habe eine berufliche Eitelkeit entwickelt. Für eine Rolle will ich heute komplett mit der Figur verwachsen. Wenn ich eine unscheinbare Frau spiele, will ich auch so aussehen – unvorteilhaft ausgeleuchtet und ungeschminkt. Wenn Medien das dann als „mutig“ bezeichnen, wundere ich mich schon. Das ist kein Mut, sondern Rollenarbeit.
Privat vergleiche ich mich schon lange nicht mehr mit anderen. Beim Thema Älterwerden wünsche ich mir manchmal mehr Gelassenheit. Alt werden ist mühsam und bestimmt nicht immer lustig. Wenn ich jüngere Menschen sehe, schleicht sich manchmal Wehmut ein. Aber ich weiß auch, was ich in meinem Leben geleistet habe. Ich war immer fleißig und unabhängig. Darauf schaue ich heute mit einer gewissen Lässigkeit.
Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie das Älterwerden nicht verherrlichen wollen und dass es auch schwer sein kann. Gibt es dennoch Dinge, die Ihnen mit den Jahren immer leichter fallen?
Mein Blick auf die Welt wird immer weiter, aber ich kann heute viel genauer sagen, was mir nicht mehr guttut. Ich bin kompromissbereit, wenn es um das Zusammenleben geht, aber bei bestimmten Menschen und Situationen ziehe ich Grenzen. Ich will aber auch nicht zynisch werden.
Die Freiheit zu sagen „Das will ich nicht mehr“ ist enorm viel wert. Ich nutze zum Beispiel ganz bewusst kein Social Media. Nicht aus Hass, sondern um mein Privatleben zu schützen. In meinem Alter kann man sich diese Verweigerung erlauben.
Was ist etwas, das Sie Frauen der nächsten Generation gerne mitgeben möchten?
Feiern Sie Ihre Individualität und setzen Sie sich Ihre eigenen Messlatten. Arbeiten Sie sich erst daran ab, bevor Sie die Erwartungen anderer erfüllen. Wenn Sie nicht mit sich selbst befreundet sind, wird das Leben extrem mühsam. Machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen, Fehler und Umwege – und lassen Sie sich Ihr Leben nicht von einem Algorithmus vorschreiben.