Yasmin & Amber Le Bon im Interview

Sie sind ein wunderschönes Mutter-Tochter-Gespann: Yasmin und Amber Le Bon. Wenn die
beiden Models zusammenkommen, wird viel gelacht. Ein Gespräch über Stil und Lebensweisheiten.

Zwei, die sich verstehen: Amber Le Bon (links) mit ihrer Mutter Yasmin

Zwei, die sich verstehen: Amber Le Bon (links) mit ihrer Mutter Yasmin

Sie prägte gemeinsam mit Linda Evangelista, Naomi Campbell und Cindy Crawford die Ära der sogenannten Supermodels und zierte im Laufe ihrer 30-jährigen Karriere über 400 Cover internationaler Hochglanzmagazine. Auch heute füllt Yasmin Le Bon, egal wo sie auftaucht, den Raum mit Leben und macht es einem leicht, sie zu mögen. Das mag an ihrer umwerfenden Schönheit liegen, an ihrem hintersinnigen Humor oder an ihrer wohltuenden Bodenhaftung. Sicher ist: Die 49-jährige Supermodel-Ikone ist mühelos in der zweiten Hälfte ihres Lebens angekommen.

Seit 1985 ist sie glücklich mit Simon Le Bon, Frontsänger der Band Duran Duran, verheiratet und mit Leib und Seele Mutter ihrer Töchter Amber Rose, Safron Sahara und Tallulah Pine. Ihre Gene hat die britische Schönheit mit iranischen Wurzeln zweifellos an die drei weitergegeben. Ihre älteste Tochter Amber Le Bon ist inzwischen in ihre Fußstapfen als Model getreten, seit vier Jahren steht das Celebrity-Duo ab und an gemeinsam für internationale Kampagnen vor der Kamera. Wir trafen Mutter und Tochter beim Fashion-Shooting "Who is Who - Style is ageless" in London, wo sie als Stil-Botschafterinnen für den Hamburger Luxus-Store Unger in Szene gesetzt wurden, und sprachen über ihre gemeinsame Passion, die Mode, über ihr enges Band und über das Leben im Besonderen und Allgemeinen.
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Yasmin & Amber Le Bon im Interview
Madame: Ihre Tochter ist inzwischen 25. Worin besteht der Unterschied zu der Zeit, als Sie in den Zwanzigern waren?
Yasmin Le Bon: Die Generation meiner Tochter ist in vielen Dingen wesentlich reifer, als wir es waren. Andererseits waren wir viel unabhängiger und freier, was wohl daran lag, dass es damals einen echten Generationsunterschied gab. Als ich in Ambers Alter war, hat man seine Eltern als alt empfunden. Man hatte nicht die gleichen Interessen, man hörte nicht die gleiche Musik, auch die Sichtweise auf die wichtigen Dinge des Lebens war eine andere. Ansonsten fallen mir keine weiteren, allzu großen Unterschiede ein.

Welche Eigenschaften verbinden Sie mit Ihrer Mutter?
Amber Le Bon: Als Allererstes natürlich ihre Liebe zur Mode, dann ihren Humor und ihre impulsive Art.

Wie wichtig ist Ihnen die Meinung Ihrer Mutter?
Amber Le Bon: Sehr wichtig. Ich vertraue ihr völlig. Sie kennt mich in- und auswendig, kennt meinen Style und weiß, was mir gefällt. Sie gibt mir Styling-Tipps, wenn ich sie frage, oder wenn ich ihre Meinung zu etwas wissen will, gibt sie mir gute Ratschläge.

Yasmin Le Bon: Man muss wirklich aufpassen und nur dann offen und direkt seine Meinung sagen, wenn man gefragt wird. Wir haben ein sehr enges Familienverhältnis, und so kommt es manchmal vor, dass wir unsere Meinung ein klein wenig zu oft äußern.

Gibt es einen Lebensratschlag, den Sie sich gegenseitig geben?
Yasmin Le Bon: Ratschläge erteile ich nur mir selbst.

Amber Le Bon: Das ist nicht ganz richtig: Wir erinnern uns doch gegenseitig immer daran, mehr Spaß zu haben.

Yasmin Le Bon: Stimmt. Du hast nur ein Leben, also genieße es!

Wenn Sie in den Spiegel schauen, finden Sie, dass Sie Ähnlichkeiten mit Ihrer Mutter haben?

Amber Le Bon: Nicht wirklich. Wir haben die gleiche Haut- und Haarfarbe, und das war’s auch schon. Eines noch: Ich habe die gleichen Ohren wie du. Ansonsten bin ich eher nach meinen Großmüttern geraten.

Yasmin Le Bon: Und nach deinem Vater. Die Wimpern und Augenform hast du nicht von mir.

Über welches Kompliment freuen Sie sich?
Amber Le Bon: Ich finde es toll, wenn jemand zu mir sagt, dass ich wunderschön bin und nicht scharf.

Yasmin Le Bon: Ich glaube nicht, dass mich schon einmal jemand als scharf bezeichnet hat. Schön ja, doch Schönheit hat nicht unbedingt mit dem Aussehen zu tun. Schönheit kommt von innen. Klar, es wäre natürlich toll, wenn dich jemand als wild, gewitzt und intelligent bezeichnen würde, aber das ist eher ein Wunschdenken. Das beste Kompliment, das ich auch sehr zu schätzen wüsste, wäre, wenn mich jemand als freundlich und warmherzig bezeichnen würde.
Beim Stil geht es nicht um das Alter, sondern darum, wie du dich fühlst!
Yasmin Le Bon

Yasmin, Sie sind für Ihr herausragendes Stilgefühl bekannt. Welche Tipps geben Sie Frauen, die noch auf der Suche nach ihrem persönlichen Stil sind?
Yasmin Le Bon: Ich habe keine Regeln. Ich glaube nicht an so etwas. Das Einzige, das zählt, ist, glücklich und mit sich im Reinen zu sein. Man sollte nicht blind etwas folgen, sondern herausfinden, was dich gut fühlen lässt - völlig unabhängig, ob du jung, groß, schlank oder was auch immer bist. Meine Devise ist: Sei mutig und habe Spaß an der Mode. Mode ist vergänglich. Das, was du heute trägst, ist morgen bereits wieder out. Zudem wirst du die Welt mit deinem Styling nicht verändern, aber du kannst einfach eine gute Zeit haben.

Welche sind Ihrer beiden Lieblingsdesigner?
Amber Le Bon: Wir sind große Fans von Valentino, Alaïa und Christopher Kane. Auch die Kreationen von Temperley lieben wir über alles. Bei Abendveranstaltungen tragen wir sehr gerne Roberto Cavallis Glamour-Roben.

Yasmin Le Bon: Das stimmt. Doch Gott sei Dank haben wir nicht mehr die gleiche Größe. Denn sonst sähe mein Kleiderschrank, der für mich ein Heiligtum ist, völlig anders aus.

Inspiriert Musik Ihren Stil?
Yasmin Le Bon: Definitiv. Ob alte Filme, ein Besuch in der Kunstgalerie oder Farben im Allgemeinen, alle möglichen Dinge inspirieren mich. Im Sommer bringt die Natur zum Beispiel die tollsten Farben zum Vorschein. Manchmal kommt es auch vor, dass mich alles gleichzeitig inspiriert. Das hat dann etwas von einem fröhlichen Zufall. So und nicht anders lässt sich auch mein Modestil bezeichnen.

Wie sieht es bei Ihnen aus, Amber? Was ist Ihr Style?
Amber Le Bon: Monochrome Farben wie Schwarz, Weiß und Grau trage ich kaum. Momentan stehe ich auf knallige Farben, was zum Stylen nicht immer leicht ist. Ansonsten mag ich es eher casual. Kleidungsstücke, in denen ich mich bewegen kann, wo ich nicht ständig rumzupfen muss bzw. die ich morgens überstreife und in denen ich mich den restlichen Tag wohlfühle.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Amber und Yasmin Le Bon.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Amber und Yasmin Le Bon.

Amber, Sie standen gerade für die aktuelle Unger-Kampagne "Style is ageless" mit Ihrer Mutter vor der Kamera. Wie fühlte sich das an?

Amber Le Bon: Einfach großartig. Ich liebe es, mit meiner Mutter zusammenzuarbeiten. Die Atmosphäre ist entspannt, und wir haben eine gute Zeit miteinander. Außerdem gibt es immer viel zu lachen. Oft ist es sogar so, dass wir kaum aufhören können zu lachen. Wir müssen uns dann regelrecht konzentrieren, um ernst bleiben zu können.

Yasmin Le Bon: Ja, es ist unglaublich schön, diese teils intensiven Momente mit jemandem aus der Familie zu teilen. Nur so kann der andere wirklich verstehen, was man macht. Es ist schwierig, jemandem zu erklären, wie ein Shooting abläuft, wie es sich anfühlt, als Model zu agieren, oder warum die Dinge ab und an ermüdend, nervig oder anstrengend sind.

Was ist Ihre erste Erinnerung an Mode, Amber?
Amber Le Bon: Zwei Situationen sind mir im Gedächtnis geblieben, aber nur weil es davon Fotos gibt. Das Einzige, an das ich mich wirklich erinnere, ist, dass ich Mamas höchste High Heels angezogen habe und damit in der Wohnung rumgestakst bin.

Yasmin Le Bon: Du musst knapp drei gewesen sein. Das war die Zeit, als Chanel eine Hip-Hop-Kollektion rausgebracht hat. Du hast dir all diese dicken goldenen Chanel-Schmuckstücke umgehängt, einen Hermès-Hut auf dem Kopf gehabt und bist mit den Stöckelschuhen aus dem Zimmer gekommen. Das war superlustig.

Ihr Kleiderschrank klingt nach einem echten Wunderland.
Yasmin Le Bon: Es war schon recht cool. Und für die Mädels mehr als ausreichend.

Amber Le Bon: Ihr Kleiderschrank glich einer Schatzkiste. Mit Hunderten von tollen Dingen. Ideal, um sich zu verkleiden.

Man sagt, Fünfzig ist das neue Dreißig. Finden Sie, dass sich Mütter wie Mütter kleiden sollten, oder ist es völlig ok, wenn Mütter ihren Töchtern ähneln?
Yasmin Le Bon: Eine schwierige Frage, denn ich bin mir nicht sicher, wie Mütter sich kleiden sollten. Vor 50 Jahren erkannte man sie meist daran, dass sie Twinsets und Perlen trugen. Doch heutzutage sieht man Mütter in Röhrenjeans, Biker-Boots und Lederjacken. Schauen Sie sich mal Patti Smith an. Sie ist nicht nur eine Mutter, sondern eine Großmutter. Für mich zählt bloß eines: Ich kleide mich nicht, um anderen zu gefallen, sondern trage das, was mir Spaß macht. Gerade das macht Mode auch interessant.

Gibt es in Ihrer Familie einen Gegenstand, der von Generation zu Generation weitervererbt wird?

Yasmin Le Bon: Ich liebe die Idee, Erbstücke aus verschiedenen Epochen an die nächste Generation weiterzugeben. Manche Dinge - und davon bin ich überzeugt - sind dazu bestimmt, auf Reisen zu gehen. Nur so können wertvolle Erinnerungen auch in der kommenden Generation weiterleben. Ich selbst besitze jedoch nur zwei Ketten meiner Großmutter.

Gehen Sie auch gern auf Flohmärkte?
Yasmin Le Bon: Ich gehöre zu der Generation, bei der es nicht ungewöhnlich war, sich
komplett mit Secondhand-Mode zu kleiden. Da sich damals keiner neue Kleider leisten konnte, war es völlig normal, jeden Samstagvormittag zu Wohltätigkeitsbasaren zu gehen. Die fanden in Englands Gemeindesälen statt. Außer uns gingen dort auch viele alte Ladys hin, bissige alte Ladys, die ihre spitzen Ellbogen ausgefahren hatten. Es war einzigartig. Man zahlte 20 Pence Eintritt und konnte die Körbe dann nach Herzenslust füllen. Auch heutzutage habe ich großen Spaß daran, über Flohmärkte zu schlendern.

Wie sieht es bei Ihnen aus, Amber?
Amber Le Bon: Ich bin auch ein absoluter Vintage-Fan. Ab und an, wenn ich meinen Kleiderschrank durchforste, tut es mir fast leid, dass einige Kleider schon so lange nicht mehr getragen wurden. Die Sachen sind meist so besonders, dass sie es nicht verdient haben, im Schrank zu verstauben.
Humor ist wichtig. Wenn ich nicht mehr lachen kann, werfe ich mich vor den Zug.
Yasmin Le Bon

Yasmin, haben Sie eine spezielle Philosophie, wenn es um das Thema Erziehung geht?
Yasmin Le Bon: Ob man das als Philosophie bezeichnen kann, weiß ich nicht. Für mich zählt nur eines: Wenn man Kinder hat, muss man ihnen zeigen, wie sehr man sie liebt. Das klingt natürlich absolut einleuchtend, doch ich meine damit, dass man es ihnen aus tiefstem Herzen sagen und zeigen muss. Liebe ist das Lebenselixier und lebenswichtig. Darum, ob ich nun etwas richtig oder falsch mache, kümmere ich mich nicht mehr. Das weiß man eh erst ganz zum Schluss. Grundsätzlich möchte ich für meine Kinder nicht nur eine Mutter, sondern auch eine Freundin sein. Eine Menge Leute würden zwar sagen, dass beides nicht geht. Das mag auch stimmen, weil es genug Situationen gibt, in denen du nicht beides sein kannst, doch ich versuche, die Balance zu fnden. Denn das ist die Art von Beziehung, die ich zu meinen Kindern haben möchte.

Was geben Sie Ihren Kindern mit auf den Lebensweg?
Yasmin Le Bon: Das Einzige, das ich ihnen beibringen kann, ist, gegenüber anderen freundlich zu sein und jedem mit Respekt zu begegnen. Außerdem sollte man seinen Mitmenschen eine zweite Chance geben. Wir alle machen Fehler, deshalb ist es wichtig,
einander verzeihen zu können.

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Yasmin Le Bon: Empathie, Liebe, und besonders wichtig fnde ich, wenn Menschen herzhaft lachen können. Denn den Humor darf man niemals verlieren, auch nicht, wenn schlimme Dinge passieren. Im Leben gibt es immer Momente, in denen man lachen kann. Und eines weiß ich: An dem Tag, an dem ich nicht mehr lachen kann, werde ich mich vor einen Zug werfen.
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Gibt es Fertigkeiten, die Sie beide besitzen?
Yasmin Le Bon: Amber ist sehr smart. Sie löst alle Kreuzworträtsel und hat die Fähigkeit, Informationen wie ein Schwamm aufzusaugen. Mein Gehirn ist eher wie ein Sieb. Man erzählt mir etwas, ich registriere es auch, aber im nächsten Moment ist es schon wieder aus meinem Gedächtnis gelöscht.

Amber Le Bon: Ich merke mir nur unnütze Dinge, die vielleicht gut für ein Pop-Quiz sind.

Was wollen Sie in Ihrem Leben unbedingt noch erreichen?
Yasmin Le Bon: Da gibt es eine ganze Menge. Zwar glaube ich nicht wirklich an Glück und Unglück, aber manchmal ist es besser, niemandem davon zu erzählen. Meistens setzt man es ja doch nicht in die Tat um. Und da das bei mir schon recht oft der Fall war, schweige ich jetzt lieber.

Amber Le Bon: Ich würde gerne aus einem Flugzeug springen.

Yasmin Le Bon: Bist du dir sicher, dass du das willst? Dann nimm aber bitte einen Fallschirm.

Amber Le Bon: Wir könnten das auch zu zweit machen. Ich brauche bestimmt jemanden, der mitkommt und mich aus dem Flugzeug schubst.

Yasmin Le Bon: Das lässt sich arrangieren.

Interview: Nadine Hippler